Fundstück – 12.10.2018 – Unteilbar oder wie?

Im Unteilbar-Aufruf steht:

Gemeinsam treten wir antimuslimischem Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Antifeminismus und LGBTIQ*- Feindlichkeit entschieden entgegen.“

Abgesehen davor, dass ich nicht weiß, was LGBTIQ-Feindlichkeit ist und auch nicht die Verpflichtung spüre, deshalb jetzt das halbe Alphabet durchzugoogeln, erkläre ich meine Zustimmung zu den aufgezählten Anti-Positionen. Vergessen wurde die früher (vor Trump ;-)) immer mit gelistete Anti-Position zum Antiamerikanismus. Dagegen bin ich selbstverständlich auch.

Ebenfalls bin ich gegen eine weitere hier „vergessene“ Form des sozialen Rassismus, nämlich die so weit verbreitete Slawen- und speziell Russenfeindschaft.

Aber schließlich liegt mir etwas noch ganz besonders am Herzen:

ICH BIN GEGEN JEDES ANTIDEUTSCHE DENKEN UND TUN

und gegen jede Missachtung oder auch nur Geringschätzung all des Wahren, Guten und Schönen das in meiner deutschen Heimat von den hier lebenden Menschen, Deutschen wie Nichtdeutschen, hervorgebracht wurde.

O, Deutschland, meine ferne Liebe,

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, kein Witz, Krise, Literatur, Mensch, Musik, Widerstand abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

44 Antworten zu Fundstück – 12.10.2018 – Unteilbar oder wie?

  1. Detlev Matthias Daniel schreibt:

    Das habe ich aus dem Diskurs mit Gilad Atzmon gelernt, daß jedes Anti-… letztlich nur die Scheuklappen umpolt.

    Gefällt mir

  2. fidelpoludo schreibt:

    »unteilbar« erhebt sich gegen »aufstehen«, um es zu verhindern.​ ​Pseudolinke verhüllen mit links klingenden Parolen ihr Ziel einer mit der neoliberalen Ideologie vereinbares und ihm zuarbeitendes Projekt einer »offenen Gesellschaft«​, verstanden und erkennbar in der von Soros inspirierten, angetriebenen und finanzierten EU-Programm der »Open-Border-Doktrin«, das Dogma des freien Marktes, das sich auf die vier verpflichtenden „Freiheiten“ des freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital in der gesamten Union reduzieren läßt. Dazu werden „Offene Grenzen“ gebraucht. Alles andere ist dummes Geschwätz.

    Gefällt mir

  3. fidelpoludo schreibt:

    Der Kranich wird es mir verzeihen und wohl auch erwartet haben: Mein „Haar in der Suppe“ seines Heinezitates. Denn knappe fünf Jahre später hieß es dann bei ebendem Heine (Ausschnitt) über Deutschland:

    Sah wieder preußisches Militär,
    Hat sich nicht sehr verändert.

    Es sind die grauen Mäntel noch
    Mit dem hohen, roten Kragen –
    (Das Rot bedeutet Franzosenblut,
    Sang Körner in früheren Tagen.)

    Noch immer das hölzern pedantische Volk,
    Noch immer ein rechter Winkel
    In jeder Bewegung, und im Gesicht
    Der eingefrorene Dünkel.

    Sie stelzen noch immer so steif herum,
    So kerzengerade geschniegelt,
    Als hätten sie verschluckt den Stock,
    Womit man sie einst geprügelt.

    Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie,
    Sie tragen sie jetzt im Innern;
    Das trauliche Du wird immer noch
    An das alte Er erinnere.

    Gefällt mir

  4. Beat Wick schreibt:

    Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen aus Gründen der Mitmenschlichkeit, der Menschenrechte und des Friedens an der Grossdemonstration vom letzten Samstag in Berlin teilgenommen haben. Ihnen allen bekunde ich meinen grössten Respekt und Hochachtung.

    Diese Mehrheit der Teilnehmer ging nicht für die Verbrecher von Politik und Medien, von welcher Seite auch immer und die alles für ihre egoistischen Interessen Missbrauchen, auf die Strasse.

    Meine Verachtung gilt all jenen Gebildeten, welche mit spitzfindigen, destruktiven, akademischen Haarspaltereien die Demonstrationsteilnehmer herabwürdigen, ins Lächerliche ziehen. Welche jeglichen Respekt und jegliche Empathie vermissen lassen. Welchen die Fähigkeit fehlt, die starken Zeichen, welche diese ungewöhnlich vielen Menschen setzten, verstehen zu wollen oder zu können.

    Gefällt mir

    • fidelpoludo schreibt:

      „Unteilbar“:

      „Solidarität kennt keine Grenzen!“

      Nun meine „Haarspalterei“ dazu:

      „Doch. Kennt sie. Die Grenzen zwischen den Klassen. Kennt sie die nicht mehr, handelt es sich nicht um Solidarität, sondern um Wohltätigkeit.“

      (ich danke ausdrücklich Dagmar Henn für die nichtautorisierte Überlassung der „Haarspaltungsaxt“, auf die beide zurück kommen zu müssen – wie die gespaltenen und geteilten Dinge liegen – ich wohl noch genügend Gelegenheit finden werde, zurück kommen zu müssen.)

      Gefällt mir

      • Theresa Bruckmann schreibt:

        Danke fidelpoludo,
        aufgrund Ihres Hinweises auf Dagmar Henn habe ich den
        Text „Aufbruch ins Ungefähre“ (bei KenFM veröffentlicht) gelesen.
        Dass im Aufruf „Solidarität statt Ausgrenzung“ eine Litanei an Missständen
        beklagt wird, für die es scheinbar keine Verursacher gibt, ist schon eine
        erstaunliche „Wie bringen wir möglichst Viele auf die Strasse- Leistung“.
        Beim Nachdenken darüber – mit einer Gründlichkeit, wie sie Frau Henn
        vorgemacht hat – bin ich dann doch erschrocken, wie einfach so etwas
        geht. Prof. Mausfeld unterscheidet denn auch zwischen Intellektuellen
        als Vermittler und Tuis, den Wasserträgern der Macht.
        https://kenfm.de/rainer-mausfeld-warum-schweigen-die-laemmer/
        Minute 1:02 Std. und insbes. 1:15 Std. und 1:18:40 Std.

        Gefällt mir

        • fidelpoludo schreibt:

          Liebe Theresa,
          ich hatte den Text auf Dagmar Henns Website „Das kalte Herz“ nur oberflächlich gelesen und dort auch kommentiert, fast wortgleich wie ich hier mich zu „unteilbar“ geäußert habe. Als ich ihn dann später genauer nachlas, mußte ich einsehen, dass ich meine Kommentare nicht hätte verfassen können, weil ich gleich direkt auf diese außerordentliche Analyse verwiesen hätte. Dass er bei KenFm veröffentlicht wurde, hätte ich nicht zu hoffen gewagt. (Wäre mir eine E-Mail-Adresse von KenFm bekannt, hätte ich „Aufbruch ins Ungefähre“ zur Verbreitung empfohlen.) Die Tatsache belegt nur, wie die alternative Vernetzung fortschreitet. Gute Beiträge werden hin- und hergeschoben und gehen uns nicht mehr durch die Lappen. Den Anstoß, mich mit „unteilbar“ zu beschäftigen, bekam ich allerdings auf einen Text auf den „nachdenkseiten“ hin, der – ob von Albrecht Müller oder nicht, ist nicht ganz klar – die Gründungsaufrufe von „aufstehen“ und „unteilbar“ hintereinander vorstellte, überschrieben mit der an Mausfeld erinnernden Headline “unteilbar” treibt im Konflikt mit “aufstehen” den Rechten die Lämmer in den Stall“ https://www.nachdenkseiten.de/?p=46491, der sich allerdings – vom Titel abgesehen – einer Bewertung wie einer Analyse enthielt.
          Dagmar Henns Text wollte ich auf diesem Blog auch noch bekannt machen. Das brauche ich jetzt wohl nicht mehr. Er ist außerdem noch in „Linke Zeitung“ und an mehreren anderen Orten im Netz veröffentlicht worden.
          Ihre Verbindung zu Mausfeld ist völlig zutreffend und war mir schon klar, weil ich außer seinem neuen Buch wohl alles, was es von ihm zu sehen und zu hören gab, verschlungen habe. Beat Wick mag es „spitzfindige, destruktive, akademische Haarspaltereien, die Demonstrationsteilnehmer herabwürdigen, ins Lächerliche ziehen“, nennen und die „Gebildeten“, die derartiges produzieren, verachten, solange und oft er mag. Ich werde ihn für diese seine Meinung nicht verachten.
          Ohne es nachweisen zu können, vermute ich, dass unter den Anhängern der „nachdenkseiten“ der Zulauf zu „unteilbar“ wie seine Infragestellung höchst umstritten sein mag, denn seltsamerweise findet sich unter den heutige „Hinweisen des Tages“ nicht ein einziger Text zur „Großdemonstration“.

          Gefällt mir

          • fidelpoludo schreibt:

            Übrigens eine „sehr treffende und markante Zusammenfassung“, wenn Sie schreiben:

            „Dass im Aufruf „Solidarität statt Ausgrenzung“ eine Litanei an Missständen beklagt wird, für die es scheinbar keine Verursacher gibt, ist schon eine erstaunliche „Wie bringen wir möglichst Viele auf die Strasse-Leistung“.

            Gefällt mir

        • fidelpoludo schreibt:

          Salve Theresa!
          Da Sie sich offenbar in einer Art von „Lustekel“ an Ihre katholische Karriere als Sünderin gern erinnern, nicht zuletzt weil sie dort in Ihrem Beichtgehabe, ihrer Voreinstellung zum Beichtvater, eine der Quellen Ihrer Widerständigkeit ausgemacht haben mögen, möchte ich Ihnen – apropos Dagmar Henns „Aufbruch ins Ungefähre“ bei KenFm – eine drollige Geschichte nicht vorenthalten. In einem der Kommentare zu diesem für den Leser ganz offensichtlich als intellektuelle Offenbarung aufgenomenen Text, bezichtigte sich ein „blauersalamander“ der Schuld, ihren Namen „heute zum ersten mal gehört“ zu haben, weil er „nicht bei facebook“ sei.
          Da es mir ähnlich ergangen ist, fühlte ich mich bemüßigt, ihr sankt-martins-mäßig zuhilfe zu eilen und ihre Schuld mit meiner zu teilen – mit den Worten:

          „Lieber „blauersalamander“,
          Also die „Schuld“, nicht in der Fatzebuckgemeinde mit zu joggen, erlasse ich Ihnen. Kein sieben Pferde zögen mich dahin. Anders sieht es aus mit der Schuld, Dagmar Henns Namen nicht gekannt zu haben. Hier bekenne ich mich solidarisch „mitschuldig“ im Sinne der Anklage. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Hätten sich die Proletarier aller Länder vereinigt, bliebe uns beiden auf diese Weise nicht einmal soviel Schuld, wie sie schwarz unter einen Fingernagel passt. Dass unsere Schuldenlast zigmal größer ist, verdanken wir also den vereinigensunwilligen Proletariern. Bleibt uns nur die flehentliche Anrufung Gottes, dass er, wenn es ihn gäbe und er noch dazu ein Herz habe, uns beiden schuldbeladenen armen Seelen doch bitte, bitte den Weg zu dem feuerroten Beichtstuhl weise, in dem der Vertreter von Karl Marx auf Erden uns erst die Beichte, dann unsere Schuld abnimmt und uns mit einem elfmaligen Vor- und Zurückbeten der Feuerbachthesen wieder auf die unsolidarische Menschheit losläßt. Die könnte sich anschließend auf was, nämlich uns beide, gefasst machen. Sie bekäme von uns zu hören, dass sie schon lange den Traum von einer Sache besitzt, von der uns entfallen ist, worum es dabei ging. Ob sie uns da nicht weiterhelfen und etwas unter die Arme greifen könne.“

          Habe ich das nicht schön gesagt?
          Jetzt sagen Sie mir bitte nicht, dass Sie bei KenFM als „blauersalamander“ auftreten…

          Gefällt mir

  5. fidelpoludo schreibt:

    „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß‘!“

    Dass in „unteilbar“ unter dem Motto: „Solidarität statt Ausgrenzung – Für eine offene und freie Gesellschaft“, zu den Unterzeichnern die Organisationen Attac, Campact, Amnesty International, sowie die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping, der Satiriker Jan Böhmermann, der Soziologe Harald Welzer, die Schriftsteller und Schriftsteller Eva Menasse, Jonas Lüscher, Olga Grasnova, der ARD-Journalist Georg Restle, die Schauspieler(innen) Lisa Maria Potthoff, Esther Schweins, August Zirner, Benno Führmann, Ulrich Schneider (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Ayse Demir (Türkischer Bund), Maria Loheide (Sozialpolitik Diakonie), Isabell Senff (ver.di Jugend), Julia Dachroff (Brot für die Welt) gehören, ist so wahr wie traurig, wenn auch nicht unbedingt überraschend.
    Ich wiederhole noch einmal, dass hinter all dem, was sie in fast wörtlicher Übereinstimmumg mit den bisherigen Verlautbarungen von „aufstehen“ auf ihrer Website und ihren veröffentlichten Videos formulieren, eine ganz andere Agenda erkennbar ist, nämlich die der „Open Society“ des George Soros und die entsprechend sprechende „EU-Open-Boder-Doktrin“ des „freien Marktes“, den nicht wenige der sich dem anschließenden NGOs zum Teil real bekämpft haben, teils bekämpfen zu wollen vorgeben.

    Der Zeitpunkt der Demonstration verrät einiges, trifft diese wohlgeplante und mit viel Aufwand und Umsicht organisierte Kampagne doch nicht gerade zufällig zusammen mit den recht schwerfälligen Bemühungen der Konstitution von „aufstehen“ zusammen, denen die Initiatoren von „unteilbar“ – nicht ihre zahlreichen Fürsprecher, denen man genug Zustimmungsfähiges zum Anfüttern hingeworfen hat – so schnell und wirkungsvoll wie möglich den Wind aus den Segeln nehmen will, weil sie erkannt haben: Die gewinnen Anhängerschaft und könnten der von der „Open Society“ bereits weltweit erfolgreich installierten „Open-Boder-Doktrin“ demokratisch und auf lange Sicht gefährlich werden. Dass es darum geht, wird entweder verschwiegen oder nur ganz am Rande mal erwähnt.

    Unter diesen aktuellen Umständen gewinnen die vergleichsweise unbeholfenen Anstrengungen der „Aufstehensbewegung“ bei mir an Symphatie, Zustimmung und Glaubwürdigkeit, zeugen sie doch – statt dieser nicht so leicht durchschaubaren (und deshalb leich bestreibaren) „Top-Down-Strategie“ (Farbenrevolutionen, Arab Spring etc.) – von den Schwierigkeiten demokratischer Organisation, die zwar „von oben“ angestoßen wurde, aber im Prozeß ihres Aufstehens und Aufstellens die demokratischen Verfahrens- und Vorgehensweisen, samt der sich in dem Prozeß zu bildenden Institutionen, von denen noch gar nicht feststeht, wie sie beschaffen sind, erst mühevoll sich erarbeiten muß. Weil ein demokratisches „Bottom-Up“, mit „imperativem Mandat“, Transparenzsicherung und -forderung, Gemeinwohlorientierung etc. wegen seiner Uneingeübtheit auf breiterer Basis seine Zeit braucht.

    Danke lieber Soros! Danke liebe „Open Society“! Danke liebe Initiatoren von „Unteilbar“!
    dafür, dass Ihr und ein Stück deutschen Volksguts wieder in Erinnerung gerufen habt:

    „Heißest du Kunz?“ – „Nein.“ – „Heißest du Heinz?“ – „Nein.“ – „Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“
    „Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt,“ schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.

    Gefällt mir

    • fidelpoludo schreibt:

      „man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!“ – Oder sie bei ihrem Namen nennt. – Oder einfach mit kindlichem Zeigefinger auf ihre Nacktheit zeigt.

      Gefällt mir

  6. fidelpoludo schreibt:

    Lieber Beat Wick,
    wenn ich damit gemeint sein soll, dann bitte ich um den Aufweis meiner „spitzfindigen, destruktiven, akademischen Haarspaltereien, die Demonstrationsteilnehmer herabwürdigen, ins Lächerliche ziehen“. Eine Bezeichnung der „starken Zeichen, welche diese ungewöhnlich vielen Menschen setzten“ erbäte ich mir auch noch.
    Wenn ich für „Aufstehen“ statt „Unteilbar“ plädiere, lasse ich „jeglichen Respekt und jegliche Empathie vermissen“? So einfach geht das?

    Gefällt mir

  7. Beat Wick schreibt:

    Lieber fidelpoludo

    Mein Kommentar ist keine Antwort auf Deinen Kommentar. Wenn Du für Aufstehen plädierst so ist das Deine Sache, auch wenn es mir nicht passt, so wie ich die Meinung des anderen immer respektiere wie meine Eigene. Auch wenn ich ganz und gar nicht damit einverstanden bin.

    Um Achtung und Respekt geht es.
    Um die Sache geht es.

    Meine Haltung gegenüber Parteien, Organisationen, Bewegungen und dergleichen, auch Personenkult geht aus meinen bisherigen Kommentaren ebenso eindeutig hervor wie aus meinem Gastkommentar:

    MAXIMAL EFFIZIENTE ÜBERWACHUNG
    https://opablog.net/2018/01/26/maximal-effiziente-ueberwachung/

    Gefällt mir

    • Beat Wick schreibt:

      Sorry, sollte unter Antwort bei fidelpoludo aufgeführt sein. Nicht als Kommentar.

      Gefällt mir

    • fidelpoludo schreibt:

      Ist ein Fehlen von Achtung, Respekt oder Empathie bei demjenigen anzumahnen, der glaubt, jemanden darauf hin weisen zu müssen, dass seine Gutgläubigkeit und moralische Integrität für bestimmte Interessen ausgenutzt wird? Selbstverständlich kann ich irren. Aber für mich ist das Verschweigen meiner Bedenken genau das, was mir durch ihr Aussprechen attestiert werden soll: Ein Mangel an Achtung, Respekt und Empathie.

      Gefällt mir

  8. fidelpoludo schreibt:

    Liebe Mitblogger,
    mein verachtenswerter Mangel an Empathie hat mich – ungelogen – bisher nicht dazu bringen können, mich davon zu überzeugen, welches Ausmaß an „grösstem Respekt und Hochachtung“, „Empathie“ sowie Verständnis unsere MS-Medien, angefangen mit „Tagesschau“ und „heute-journal“, der „starke Zeichen“ setzenden Großdemonstration voller „aus Gründen der Mitmenschlichkeit, der Menschenrechte und des Friedens“ sich versammelnder Teilnehmer („diese ungewöhnlich vielen Menschen“) entgegen zu bringen bereit, fähig oder gezwungen waren.
    Kann mir ein emphatischer Mitblogger vielleicht mit einer entsprechenden Auskunft nachhelfen?

    Gefällt mir

    • fidelpoludo schreibt:

      Oder sollte hier sich entweder wieder einmal herausstellen, dass „die Ausnahme die Regel bestätigt“ oder dass „dem blinden Huhn“ ein „gefundenes Korn“ doch gegönnt sein müsse?

      Gefällt mir

    • fidelpoludo schreibt:

      Eine emphatische Auskunft ist nicht mehr nötig. Habe mir die Tagesschau von gestern abend um 20.00 Uhr angesehen und nach drei Minuten wußte ich bescheid. Lasst mal eine Demonstration von „Aufstehen“ entstehen und vergleicht dann …

      Gefällt mir

  9. Lutz Lippke schreibt:

    Ich bin gerade viel offline und maximal beschäftigt. Brauche starke Nerven und spontan die richtigen Ideen. So nehme ich derzeit die größeren Themen nur am Rande wahr.
    Transparenz ist hier ein wichtiges Thema. Nur, wie geht man dann mit Intransparenz und dem Argwohn über deren Motive um? Kranich05 hat vielfach aufgezeigt, dass Transparenz an vielen Stellen fehlt, wo wir sie unabdingbar erwarten. Was also tun? Fordern oder fördern?
    Ich habe es häufiger mit unbefriedigenden, zugleich ambivalenten Konstellationen zu tun, denen ich ausgeliefert bin und nur mäßigen Einfluss auf die weitere Entwicklung habe. Ich muss verantwortungsvoll handeln, genaugenommen zählt nur der Erfolg. Davon hängt viel ab. Recht zu haben oder richtig zu liegen, kann ich mir in die Haare schmieren. Ich muss richtige Ergebnisse so (be-)fördern, dass sie unabhängig davon wahr werden, welche Agenda und Vorstellungswelt andere Beteiligte haben. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, nicht hehre Absichten infrage zu stellen, sondern die richtige n Vorgehensweisen zur Erfüllung durchzusetzen. Genaugenommen verändert das die Perspektive. Nicht die Forderung und Bewertung ist maßgeblich, das sind nur Hilfsmittel, sondern die Effektivität des eigenen Tuns aus der gedachten Perspektive des Erfolgseintritts. Es reicht also nicht zu, Transparenz über einen negativen IST-Zustand herzustellen, sondern der Weg zum Erfolg muss sichtbar und unmissverständlich für alle Beteiligten werden. Es muss sogar sichergestellt werden, dass sich sie sich an Ziel und Weg binden, in dem Ausweichmanöver und Absprünge durch geeignete Mittel unerreichbar teuer werden. Es geht also um Strategien.

    Gefällt mir

  10. ups2009 schreibt:

    Teilbar … drum wart ich auf die Mpoderation

    Gefällt mir

  11. fidelpoludo schreibt:

    „Die eine „Haarspalterin“ übergibt die Axt dem nächsten „Haarspalter“
    Warum es gut war, dass „aufstehen“ sitzen blieb!

    Die „Tagesschau“ beweihräucherte die „überwältigende“ Großdemonstration in der ersten Meldung des Tages mit den begeisterten Stimmen einer Auswahl euphorisierter Teilnehmer in Festtagsstimmung, als hätte „die Mannschaft“ gerade wieder einmal die WM gewonnen und uns gezeigt, „wie die Gegner“ und „wie w i r gehen“: sie kriechen am Boden und wir hoch erhobenen Hauptes.
    Heiko Maas erteilte der Menge den unheilbaren Segen „Urbi et Orbi“.
    Wohl kaum einer der Teilnehmer hatte es wohl für notwendig befunden, sich etwas näher mit dem Text des Gründungsaufrufes von „unheilbar“ auseinander zu setzen. Wozu auch? Wir feiern die Feste, wie sie fallen.

    Zum Glück lebe und blieb ich in der Provinz, so dass ich von der ansteckenden Trance einer bewußtlosen Versenkung „aus Gründen der Mitmenschlichkeit, der Menschenrechte und des Friedens“, bewahrt blieb und folgte lieber den Spuren jener „zu verachtenden“ „Gebildeten, welche mit spitzfindigen, destruktiven, akademischen Haarspaltereien die Demonstrationsteilnehmer herabwürdigen, ins Lächerliche ziehen“, und das ohne ihnen – wie es vom Gutmenschen gefordert war und erwartet wurde, den Demonstranten „meinen grössten Respekt und Hochachtung“ zu bekunden. Ließ angeblich „jeglichen Respekt und jegliche Empathie vermissen“, was sich erklären läßt aus der Unfähigkeit, „die starken Zeichen, welche diese ungewöhnlich vielen Menschen setzten, verstehen zu wollen oder zu können“.

    Nach einer eher dürftig ausgefallenen Kurzformulierung meines Unbehagens stieß ich auf den „spitzfindigen, destruktiven, akademischen Haarspalter-Beitrag von Dagmar Henn
    https://kenfm.de/unteilbar-gutes-gefuehl/
    und fühlte mich gleich sowohl besser aufgehoben als auch meinen eigenen Durchblick als zu unterkomplex, weil er sich nicht wie sie detailliert-haarspalterisch schon weit vor dem Massenauflauf auf den Gründungstext von „unheilbar“ konzentriert hatte.

    Eine „haarspalterisch-apathisch-respektlos-spitzfindig-destruktiv-herabwürdigende“ Herangehnsweise muß allerdings nicht der Analyse von Texten vorbehalten bleiben, sondern kann sich auch auf die teilnehmend-beobachtende Beschreibung eines „Ereignisses“ stürzen – wie uns Ulrich Gellermann in „Unteilbar gutes Gefühl“. Das Fest der Freundlichkeit in Berlin in unnachahmlicher Weise vorführt:
    https://kenfm.de/unteilbar-gutes-gefuehl/

    Ein kleines Bündel ausgerissener von ihm gespaltener Haare gefälligst?

    „Fraglos gehörten die Aktionsteilnehmer zu den ehrlichen Erben jener unzähligen Helfer, die Merkels „wir-schaffen-das“ mit echtem Pflicht- und Mitgefühl eingelöst haben. Wo wird sie hingehen, diese große, schöne Freundlichkeit? Wer wird sie einsammeln, die vielen guten Menschen? Die Wahlen in Bayern zeigen erneut, dass es die GRÜNEN sind, die aus einer ernsten Friedensbewegung stammen, die sie von Jugoslawien bis Afghanistan verraten haben und noch immer verraten. In deren Sammlungs-Sack die Stimmen landen und damit in der Bewusstseinslosigkeit.

    Es war Bundesaußenminister Heiko Maas, der #Unteilbar in Berlin noch kurz vor dem Start den letzten Kick gab: „Es ist ein großartiges Signal, dass so viele auf die Straße gehen und klare Haltung zeigen: Wir sind unteilbar“. Dieser oder jener Teilnehmer der vom Kipping-Flügel der Linkspartei inspirierten Aktion wird sich nicht so richtig wohl gefühlt haben. Denn es war Maas, der sich noch jüngst bei der saudischen Diktatur für seinen Vorgänger Gabriel entschuldigte. Der hatte den Saudis „Abenteurertum“ im Nahen Osten vorgeworfen. Saudi-Arabien hatte daraufhin verärgert seinen Botschafter abgezogen und eine Entschuldigung der Bundesregierung gefordert. Dabei sorgen die saudischen Kriegsverbrecher nur für neue Flüchtlinge in und um Jemen herum. Da braucht man natürlich jene offene Grenzen, die #Unteilbar im Aufruf zur Berliner Aktion betont friedlich forderte.

    Kaum von Heiko Maas verabschiedet, bot sich den Kämpfern für offene Grenzen ein garantiert unschädlicher Demo-Bereich zur Integration in den oppositionellen Mainstream an: Der Demo-Block „Die offene Gesellschaft“ – supported by Bertelsmann – bot all jenen Unterschlupf, die zwar irgendwie dagegen sind, aber auch dafür.“

    „unteilbar“ teilt – unheilbar?
    (fragt sich das Stimpelrulzchen…)

    Gefällt mir

  12. fidelpoludo schreibt:

    Ich bin nicht unbelehrbar. Und bin bereit, einen Irrtum einzugestehen, wenn sich erweisen ließe, dass sich durch diese Demonstration Entscheidendes an den herrschenden Machtstrukturen verändert. Wenn sie also Folgen hat, die und alle vorwärts bringen. Ich befürchte nur, das genau das nicht der Fall sein wird.

    Gefällt mir

    • Lutz Lippke schreibt:

      Hallo fidelp,
      die Analyse ist das Eine (Notwendige) und muss natürlich diskutiert werden. Aber wie damit, auf die Zukunft gerichtet, umgehen?
      Wenn man #unteilbar auf einen bewusstseinstrüben Moralaktionismus (Teilnehmer) und dessen bewusste Förderung durch einflussreiche Akteure reduziert, ergibt sich doch logisch die Notwendigkeit zu differenzierten Reaktionen und Einsichten. Insbesondere wenn man mit Aufstehen selbst für die Straßen aktivieren will.
      Im Grunde belegt #unteilbar vs. Aufstehen derzeit, dass die Aktivierung für die Straße effektiv keine Änderungen bewirken kann, die die herrschenden Strukturen nicht kontrollieren und in beliebige Bahnen lenken können. Wenn man das so erkennt, dann leidet Aufstehen an einem strategischen Irrtum. Darüber sollte es ebenfalls eine Diskussion geben.

      Gefällt mir

      • fidelpoludo schreibt:

        Lieber Lutz, Du hast vollkommen Recht.

        Gefällt mir

        • fidelpoludo schreibt:

          Du hast vollkommen Recht, kannst mir aber nicht vorwerfen, dass ich „die Aktivierung für die Straße“ zum jetzigen Zeitpunkt als strategisches Mittel für „Aufstehen“ irgendwie befürwortet hätte. Dass es für die Zukunft – je nach Lage der Dinge – aber nicht völlig auszuschließen sein wird, wirst Du wohl nicht bestreiten wollen. Aber Strategien zu entwickeln, macht wirklich erst Sinn, wenn die Ziele klar sind u n d darüber weitestgehende Einigkeit hergestellt bzw. erreicht wurde. Sozusagen ein taktischer Verzicht auf eine vorzeitige Festlegung einer Strategie. Und in dieser Beziehung liegt „Aufstehen“ doch gar nicht so schlecht im Rennen, wenn die geplanten regionalen Treffen nicht dazu mißbraucht werden, sich „auf der Straße“ die dann nicht unverdiente Frustration bis hin zur Resignation einzuhandeln. Jedem, der uns vor- und frühzeitig auf die Straße locken möchte, wäre mit einem hohen Maß an Mißtrauen zu begegnen. Vielleicht war die
          Großdemo von „unheilbar“ und ihre Feier in den MSM schon so ein erster Lockversuch, dem wir nicht auf den Leim gehen sollten. Die Erfahrungen der „Montagsdemos“ der Friedensbewegung sollten uns eine Warnung sein.

          Gefällt mir

      • kranich05 schreibt:

        LL, bedenkenswert,was Sie schreiben.
        Grüße aus der Ferne.
        Soo fern bin ich nun auch wieder nicht, Bratislava.

        Gefällt mir

      • Lutz Lippke schreibt:

        Eine Perspektive zum Umgang mit #unteilbar hatte ich weiter oben angedeutet. Es geht dabei auch um psychologische Effekte. Angenommen, #unteilbar lässt sich in die Gruppe der gutwilligen Teilnehmer und die Gruppe der Akteure mit verleugneten Eigeninteressen einteilen. Der Umgang mit beiden Gruppen müsste sich unterscheiden. Die frontale Belehrung der Gutwilligen wäre kontraproduktiv, abgesehen davon #unangemessen ;-). Die Akteure dagegen, würden offene Kritik als Angriff auf die guten Absichten der Teilnehmer für sich zu nutzen wissen. Eine Belehrung kann also nur fehlschlagen. Ist jemand im Zweifel, dass die Akteure auch Hunderttausende in vielen Städten auf die Straße bringen können?
        Die Straße und Aufrufe können von den Nichtetablierten nur zur Selbstvergewisserung genutzt werden oder zur zielgerichteten Aktion. Ein bundesweiter Aufruf zum basisdemokratischen Aufstehen kann die Gewissheit bringen, nicht allein dazustehen. Dann kommen die Mühen der Details, der Sorgfalt und der Ebene. Fluffiger Aktionismus hat es viel leichter und ist verführerisch. Auch als Reaktion. Davor sollten wir uns hüten.
        Fiktiv: Danke Teilnehmer, dass Du für das Recht auf … demonstriert. Was tun wir jetzt zusammen, um dieses Recht konkret durchzusetzen?
        Danke Akteur, dass Du Dich zum Recht auf … bekennst. Was unternimmst Du konkret, um dieses Recht gelten zu lassen?

        Gefällt mir

        • Detlev Matthias Daniel schreibt:

          Den Ansatz finde ich gut: Statt alles moralisierend mit einer Tünche zu überziehen, kritisch wahrzunehmen, was verändernd geschieht. Wobei man hier schon eine lange Perspektive braucht, denn das, was momentan geschehen kann, kann sich noch in ganz verschiedene Richtungen entwickeln. Nicht die Akteure gleich in irgendeine Ecke stellen, sondern die Finger ergreifen, die in die gewünschte Richtung zeigen und daran ziehen.

          Ich finde es richtig und aufschlußreich, den Aufruftext von #unteilbar einer kritischen Analyse zu unterziehen und bei einigen Passagen bei Dagmar Henn lacht mein Sinn nicht nur ob der geschliffenen Polemik. Nicht mitgehen tue ich bei der Gesamtrichtung ihrer Kritik. Am deutlichsten wird das in dem kurzen Absatz, der beginnt mit
          “ „Wir wenden uns gegen jegliche Form von Diskriminierung und Hetze.“
          Ich nicht. …“

          Da können wir glücklicherweise auch bei KenFM anderes dazu lesen, z.B.:
          „All das geht nicht mit der Brechstange oder mit dem erhobenen Zeigefinger. Diese Art der Aufklärung muss aufrichtig sein, denn sie ist unsere einzige Chance, unseren Kindern mehr zu hinterlassen als verbrannte Erde. Dazu ist es nötig, mit allen zu sprechen. Respektvoll. Wir müssen wieder anfangen, uns als Mitmenschen zu betrachten. Der glatzköpfige Springerstiefelträger ist genauso Mensch wie das verschleierte Mädchen, das nicht am Schwimmunterricht teilnimmt. Der Jura-studierende FDP-Sympathisant ist genauso Mensch wie der als Verschwörungstheoretiker verunglimpfte Blogger. Die frustrierte Kassiererin im Netto ist genauso Mensch wie die Bankangestellte im schicken Nadelstreifenkostüm…“ (https://kenfm.de/tagesdosis-10-10-2018-beseelt-von-dem-wunsch-ein-guter-mensch-zu-sein/)

          Wer Solidarität, die die gesellschaftlichen Gräben und Spaltungen überschreitet, als „Mildtätigkeit“ verreißt, offenbart keineswegs Scharfsinnigkeit, sondern vielmehr seine eigene (noch-) Verhaftung in der Sphäre jenes Dünkels, gegen den er (sie) eigentlich anschreibt. Denn in den existenziellen Fragen, um die es heute geht, haben wir als (unausweichlich) Mitglieder der Gesellschaft alle ein gemeinsames Interesse und also einen Solidaritätsbezug, ob uns das bewußt ist oder nicht. Dieses Bewußtsein zu stärken und weiter auszuweiten und allen Versuchen zu widerstehen, die bestehende Spaltung zu festigen und zu vertiefen, ist durchaus ein Ausdruck dieser Solidarität. In dem Sinne solidarisch zu sein auch mit dem, der – von uns oder von sich selbst – als „Nazi“ bezeichnet wird, heißt eben nicht, sein Spaltungsbestreben zu unterstützen, sondern die Interessen, die uns verbinden.

          Daß die Menschen unter der Fahne von #unteilbar davon bewegt sind, nehme ich ihnen ab. Umso wichtiger ist es, aufzuzeigen, in welchen Widersprüchen sie nach wie vor gefangen sind. Gut ist, wenn es gelingt, das nicht als Angriff vorzutragen, sondern als Einladung, konsequent in der betreffenden Richtung weiterzugehen. Es geht nicht um die (Alles-oder-Nichts-)Entscheidung ‚offene Grenzen oder Kontrolle der Zuwanderung‘ sondern um den Widerspruch zwischen dem Geist, der Idee der individuellen Menschenrechte und der Logik herrschaftsförmiger Gesellschaftsorganisation – oder konkret heruntergebrochen: Wer ist befugt, einem Menschen vorzuschreiben, wo er zu leben hat? Es geht also heute um die Entscheidung, in welche Richtung sich die unvermeidliche Veränderung (schrittweise) bewegt.

          Die Kritik ist gut, wenn sie das Bewußtsein fördert, das verhindert, daß die Bewegung umgebogen wird. Sie ist schlecht, wenn sie die Bewegung insgesamt blockiert.

          Gefällt mir

        • fidelpoludo schreibt:

          „Angenommen, #unteilbar lässt sich in die Gruppe der gutwilligen Teilnehmer und die Gruppe der Akteure mit verleugneten Eigeninteressen einteilen. Der Umgang mit beiden Gruppen müsste sich unterscheiden. Die frontale Belehrung der Gutwilligen wäre kontraproduktiv, abgesehen davon #unangemesse ;-).“

          1.) Es ist höchst wahrscheinlich, dass diese Einteilung bei einer Viertel Millionen Teilmehnern zutreffend ist.
          2.) Du meinst, dass der Hinweis darauf, dass der „gute Wille“ des einen Teils keines Hinweises bedarf, dass er mißbraucht werden könnte. Und dass jede Analyse des Hintergrundes des Mißbrauchs und eine entsprechende Warnung davor eine „frontale Belehrung der Gutwilligen“ sei? Eines notorischen Besserwissers sozusagen, dem seine angemaßte Heldenpose noch früh genug auf die Füße fallen werde, wenn er sich nicht mäßigt.
          3.) Da erheben sich irgendwo verstreut in den alternativen Medien vereinzelt Stimmen, die eine solche Analyse wagen, und schon wird die Masse der Gutwilligen „frontal“ belehrt? Ich glaube, ich spinne. Nenne mir bitte eine einzige Quelle in den Mainstream-Medien, die eine solche Stimme hat zu Wort kommen lassen. Und wenn, dann ohne die begleitende Bemühung, sie zugleich zu diskreditieren? Sie schweigt solche Stimmen eher tot, damit der Kelch an ihr vorbeigehe und überläßt die Drecksarbeit lieber den Antideutschen oder anderen, sich „antifaschistisch“ Nennenden, die dafür gut bezahlt werden, sobald sie sich irgendwo „democracy“ in ihre Wappen gebügelt haben.
          4.) Die MSM-Behandlung der Demonstration – am Samstag fast überall erster Beitrag, also an heraus- und hervorgehobener Stelle und in einem selektiven lobhimmelnden Ton darf niemanden mißtrauisch machen?
          5.) Und die Referenz auf die Vorträge Mausfelds, diesen „frontalen Belehrer“ soll gefälligst ignoriert werden, ist sein zentrales Thema doch die Meinungsmanipulation in der repräsentativen Demokratie. Von Demokratie hat der doch keine Ahnung, sondern zieht sie bloß in den Dreck. Hätte jemand damals darauf hingewiesen, dass der Einfall, den Frauen die Zigarette als „Fackel der Freiheit“ anzuzünden, nichts als ein gutbezahlter Werbetrick der Tabakindustrie war, hätte man ihn wohl entweder existentiell durch die gefütterte Presse ruiniert oder gar von Frauenrechtler Seite her gelyncht, weil er der Emanzipation der Frau im Wege stehe. Selbst Schuld wäre er wohl gewesen. Hätte er es nicht frauen- und tabakindustrie-freundlicher formulieren können? So ein Blödmann aber auch, ohne psychologisches Feingefühl!
          6.) Willst Du mir jetzt Marketing-Strategien empfehlen? Verschiedene Sprachen sprechen je nachdem, welche Zielgruppe meine Marktanalyse gerade ausgemacht zu haben glaubt?
          Den einen erzähle ich eine Hardcore- und den anderen ein Softversion? Nee! Lass stecken!
          7.) Sind die „Gutwilligen“ wirklich so guten Willens? Oder geht es bloß darum, die AfD nicht deshalb zu überwachen und ins „Pfui-Lager“ zu schieben – Worte und abweichende Meinungen faschistisch als Taten zu werten -, weil sie so islamfeindlich, fremdendeindlich oder rassistsisch sich gebähre, sondern weil sie eine Konkurrenz an den Fresstöpfen der Macht sein könnte und ihre transatlantische Verbundenheit noch nicht genügend unter Beweis gestellt hat. Ein Unsicherheitskandidat, dem es einfallen könnte, von nationaler Unabhängigkeit wie der „Faschist“ und „Diktator“ Orban in Ungarn zu reden, der die EU gefährdet, mit Putin liebäugelt und dem, wenn er so weiter macht, ein „Regime Change“ ins Haus steht. Dem Islamophoben zu drohen mit der Geste: „Das darfst Du aber nicht!“ wird ihn kaum überzeugen. Meinungs- und Denkfreiheit sieht anders aus. Andere Meinungen sind keineswegs schon strafbar, weil sie erheblich von anderen abweichen. Schon gar nicht dürfen sie als Taten identifiziert werden. Das ist faschistische, wohl auch „kommunistische“ Praxis gewesen.
          8. Wagt euch doch einmal an den Beitrag von Dagmar Henn oder auch an den von Gellermann heran und widerlegt sie. Sie hatte nur den Gründungsaufruf analysiert. Er hatte die Demonstration selbst im Blick und kommt auch nicht zu anderen Ergebnissen. Seine Beobachtungen bestätigen sie nur. Im ganzen Medienrummel niedliche Krümel, von denen sich manche im Namen der „Gutwilligen“ belehrt fühlen. Fürchten sie den „Trickle-Up-Effekt? Dass die Krümel den Eliten zu Kopfe steigen könnten? Wenn das die Realität widerspiegeln soll, fällt mir nichts mehr ein.

          Gefällt mir

          • Detlev Matthias Daniel schreibt:

            Hättest du Punkt 2. selbstkritisch reflektiert und abgeglichen mit dem, worauf er sich beziehen will, hättest du dir einiges an Schreibarbeit sparen können.

            Gefällt mir

            • fidelpoludo schreibt:

              Lieber Detlev,
              für ein unmittelbares Verständnis dieser dunklen Andeutungen bin ich wohl zu blöd. Hilf mir bitte auf die Sprünge! Ich gebe Dir hiermit ausdrücklich die Erlaubnis (mit Einladung), mich direkt-frontal über mein Versagen zu belehren:
              Wie es sich objek-oder sublektiv in Deiner Perspektive mit meinem Mangel an Selbstkritik verhält – und vor allem bin ich neugierig darauf zu erfahren:
              Zu welchem Ergebnis ein Abgleich von meinem Punkt 2 mit dem, worauf er (grammatisch korrekt kann nur der „Punkt 2“ gemeint sein) sich beziehen will, führen müßte. Das ist nicht ironisch gemeint, sondern echte Neugier!

              Gefällt mir

              • Detlev Matthias Daniel schreibt:

                Du versiehst deine Feststellungen mit einem rhetorischen Fragezeichen. Hättest du es auch wirklich als Frage formuliert und gemeint, hätte Lutz dir – vermute ich – ganz einfach und knapp mit „nein“ antworten können. Ich lese jedenfalls aus seinem Text nichts heraus, was eine grundsätzlich andere Antwort näher legen würde.
                Unter 8. sprichst du auch noch „uns“ an. Da fühle ich mich dann mit angesprochen, weil mein Beitrag sonst der einzige war, der noch darauf Bezug nimmt. Mit deiner Aufforderung weiß ich allerdings nichts anzufangen. Mit den genannten Beiträgen hatte ich mich auseinandergesetzt. Warum sollte ich sie „widerlegen“ wollen und wozu? Sie beschreiben die Perspektive ihrer Verfasser. Die halte ich für grundsätzlich berechtigt, wenn ich auch vielleicht die eine oder andere kritische Anmerkung mache. Mir hat einfach Lutz‘ Herangehensweise gefallen. Ich halte sie für erfolgversprechender. Das hat aber nun gar nichts mit ‚Beweisen‘ oder ‚Widerlegen‘ zu tun.

                Gefällt mir

          • Lutz Lippke schreibt:

            Die Analyse von Dagmar Henn ist wertvoll, Prof. Mausfeld vermittelt wichtige Einsichten und Marx hat die kapitalistische Herrschaftsweise erdrückend genau analysiert. Damit ist kritischer und weiser Umgang keine Missachtung, sondern Wertschätzung und logische Folge. Denn in keiner Analyse ist die Vorgabe enthalten, wie Erkenntnisse verwertet werden müssten. Wenn ich dafür plädiere, die Schärfe der Analyse nicht 1:1 in eine scharfe Aktion/Reaktion umzumünzen, dann ist das natürlich ebenso kritikfähig. Nur gehst Du nicht auf meine Argumente, insbesondere auch die von Beat und Detlev, ein. Ich nehme Deine Reaktionen als das Bestreben nach Klarheit und Unbeugsamkeit wahr. „Solle niemand behaupten, man hätte vor dem Kommenden nicht eindringlich gewarnt.“ Das ist legitim, nimmt aber „das Kommende“ als unvermeidlich voraus. Wenn man das Kommende aber mitgestalten will, ist Warnung nur ein Mittel, kein Selbstzweck. Über Wirkungen nachzudenken, ist daher keine Verbeugung vor dem Gegner und auch keine Missachtung der Warnungen, sondern Ernstnehmen der Situation. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass nicht „Der richtige Weg“ zum Ziel führt, sondern viele brauchbare und lehrreiche Wege zusammen mit einer verständigen Kommunikation gefunden und weiterentwickelt werden müssen. Daran arbeiten wir und hätte n wohl Alle gedacht, bereits viel weiter zu sein.

            Gefällt mir

      • fidelpoludo schreibt:

        „Hallo fidelp, die Analyse ist das Eine (Notwendige) und muss natürlich diskutiert werden. Aber wie damit, auf die Zukunft gerichtet, umgehen?“

        Dazu fällt mir ein: Diese Frage nach dem „Umgehen damit in der Zukunft“ setzt voraus, was noch gar nicht geleistet ist. „Damit“? Womit denn? – Wenn noch nicht einmal klar ist,

        —– was der Gegenstand unserer Analyse ist;
        —– wie die notwendig arbeitsteilig arbeitenden Analytiker sich untereinander verständigen;
        —– wie die Ergebnisse der Analysen kommuniziert und verbreitet werden;
        —– ob die Diskutanten unter „dem Gegenstand“ das Gleiche verstehen;
        —– ob wir – wenigstens in Grundrissen – uns darauf einigen können, vor dem Hintergrund welcher Zielvorstellungen wir die Analyse vornehmen wollen;
        —– wo der Gegenstand anfängt und wo er aufhört;
        —– welche Analysemethoden in Frage kommen;
        —– wer darüber bestimmt, welche Analysemethoden in Frage kommen;
        —– wann der Punkt erreicht ist, die Analyse zu beenden;
        —– wer über den Schlußpunkt der Analyse bestimmt;
        —– wie die Ergebnisse der Analyse zu interpretieren sind;
        —– wer darüber bestimmt, wie die Ergebnisse zu interpretieren sind;
        —– etc.

        Alles weitgehend noch unbeantwortete Fragen, die erst nur „das Eine (Notwendige)“ betreffen. Die Frage „wie damit, auf die Zukunft gerichtet, umzugehen sei“ kann realistisch erst gestellt werden, wenn die „analytischen Hausaufgaben“ gemacht und die Zielvorstellung einigermaßen und für die Mehrheit der an ihnen Interessierten formuliert sind. Kalt, kurz und schmerzlos und dennoch keineswegs vollständig.

        Gefällt mir

        • Lutz Lippke schreibt:

          Tatsächlich beschreibst Du das Problem, das auch für mich ein wichtiges Thema ist. Ich bemühe zur Beschreibung gerne den Vergleich mit dem Kaufmannsladen. (Fast) Jeder Schulabgänger kann durch Rechnen oder Abschätzen prüfen, ob er korrekt zur Kasse gebeten wird. Dank naturwissenschaftlicher Aufklärung. Niemand käme auf die Idee, die Klärung einer falschen Rechnung mit „ist eh zu billig der Industriefraß“ abzuwaschen. Umgekehrt entzieht sich scheinbar alles Gesellschaftspolitische einer allgemeinverständlichen Logik. Bill Gates rettet die Welt aus Menschenliebe und angeblich aus den Mitteln, die er sich mit virtuellen Fenstern erschüttert hat. Also ein Schufter, kein Schuft, lautet die Gesellschaftspolitische Rechnung. Mathematisch bliebe es geschätzt sicher beim Ausbeuter bzw. bei einer Ikone der Finanzelite, die das Theater mit den Rampensäuen braucht. Jobs, Zuckerberg, Soros und jede Menge Statisten. Demokratie ohne Demos, Rechtsstaat der überhöhten Moral und des Personenkults. Die Analyse wäre gesellschafts- mathematisch klar. Nur wir können gar nicht gesellschaftsmathematisch rechnen. Jeder behauptet andere Tatsachen, andere Regeln. Was tun?
          Wir können nur abschätzen, Ausschlussverfahren anwenden und damit das Untaugliche vom möglicherweise Brauchbaren trennen.
          Des Kaisers „unteilbar“ gibt mir wichtige Anregungen für diese Schätzaufgaben. Aber es gibt einen fehlenden Teil. Ist „Abgrenzen“ die schlüssige und erfolgreiche Reaktion? Tausende Moralversessene als Gegnerschaft? Im Laden würde ich bei einer falschen Rechnung wohlwollend einen Irrtum unterstellen und aufklären. Egal ob ich Absicht, Dummheit oder Irrtum unterstellen. Das ist keine Rechenregel, sondern eine psychologisch notwendige Gesellschaftspolitische Vorgehensweise.

          Gefällt mir

  13. Theresa Bruckmann schreibt:

    In einem exklusiven Auszug aus dem Buch „Warumm schweigen die Lämmer?“
    zitiert Albrecht Müller Prof. Mausfeld hier:
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=46317
    „Denkalternativen zur Lösung gegenwärtiger Probleme müssen also deutlich viel tiefer ansetzen und, wie dies seinerzeit die Aufklärung geleistet hat, die Wurzeln derartiger desaströsen Folgen demokratisch nicht mehr eingehegter Macht erkennen und die erforderlichen Konsequenzen daraus ziehen. Die dazu nötigen Denk- und Handlungsalternativen können nur gemeinsam und unter Verwendung des reichen Erfahrungsschatzes emanzipatorischer Bewegungen ‚von unten‘ entwickelt werden.
    Dazu müssen wir die immer noch verbliebenen demokratischen Residualstrukturen nutzen, um auf ihrer Grundlage überhaupt erst wieder Spielräume für eine Re-Politisierung und Re-Demokratisierung der Gesellschaft zu erhalten… also die Leitideale der Aufklärung, liegen nach den massiven Einschränkungen des öffentlichen Debattenraumes der letzten Jahrzehnte weit außerhalb des als ‚vernünftig‘ oder ‚zulässig‘ deklarierten Debattenraumes.
    Solange dies der Fall ist, werden wir keine Chance haben, die drängenden Probleme der Gegenwart zu lösen und uns vor weiteren und vermutlich schlimmeren Katastrophen zu schützen.

    Daher gehört es zu unseren vordringlichen Aufgaben, diese systematisch herbeigeführte Degeneration des öffentlichen Debattenraumes zu überwinden. Nur dadurch können wir wieder die notwen­digen Denk- und Handlungsalternativen gewinnen.“

    So weit der Auszug.
    Die immer noch verbliebenen demokratischen Residualstrukturen nutzen und die systematisch
    herbeigeführte Degenration des öffentlichen Debattenraumes überwinden.
    Will Prof. Mausfeld damit sagen, dass wir unsere Verfassung, unsere Gesetze, unsere Mitwirkmöglichkeiten behaupten müssen, m.a.W. unsere Rechtstaatlichkeit offensiv verteidigen müssen?

    Gefällt mir

  14. fidelpoludo schreibt:

    Lieber Lutz,
    (Antwort auf Deinen Kommentar vom 18. Oktober 2018 um 10:18)
    jetzt verstehe ich Dich besser. Du stellst Dich auf die Seite von Beat und Detlev, die sich auf den Schlips getreten fühlen, weil sie möglicherweise mitgelaufen sind. Gehen wir mal zu Beats Reaktion auf meine Einwände (Du stellst den Zusammenhang ja her) zurück. Was mußte ich da lesen?

    „Meine Verachtung gilt all jenen Gebildeten, welche mit spitzfindigen, destruktiven, akademischen Haarspaltereien die Demonstrationsteilnehmer herabwürdigen, ins Lächerliche ziehen. Welche jeglichen Respekt und jegliche Empathie vermissen lassen. Welchen die Fähigkeit fehlt, die starken Zeichen, welche diese ungewöhnlich vielen Menschen setzten, verstehen zu wollen oder zu können.“

    Diese Worte stehen im Blog fast in direkter Folge zu meiner Stellungnahme (noch am Tage der Demo und in Unkenntnis ihres Ausmaßes) und sollen – am darauf folgenden Tag – nicht auf meinen ersten Kommentar bezogen sein? (Nennt er irgendein anderes Beispiel, auf das seine Verachtung sich begründen ließe?) Wer’s glaubt, wird selig.
    Ich zähle mich nicht zu dieser Art „Gebildeter“. Ich würde mich eher in die Bildungstradition derjenigen einreihen wollen, die einerseits „wissen, dass sie nichts wissen“ und dann – „said this“ – dennoch eine Minute später – schizophren? – mit ihrem „kritischen“ Wissen nur so los schnattern, dass die Heide wackelt – (lieber völlig unakademisch!) die dünnsten Haare spaltend, auch mal den oder das ins Lächerliche ziehend, „starke Zeichen“ „respekt- und empathielos“ von ihrem Podest holend.
    Abgesehen von der Polemik Beats (der ich entsprechend polemisch geantwortet habe) bin ich schon auf sein Argument eingegangen. Das einzige das ich finden konnte – wiederholt in verschiedenen Versionen -, war ein zweigeteiltes:

    „Um Achtung und Respekt geht es. Um die Sache geht es.“</blockquote
    Darauf bin ich schon eingegangen, auch wenn Ihr es nicht wahrhaben wollt oder es übersehen habt:

    „Ist ein Fehlen von Achtung, Respekt oder Empathie bei demjenigen anzumahnen, der glaubt, jemanden darauf hin weisen zu müssen, dass seine Gutgläubigkeit und moralische Integrität für bestimmte Interessen ausgenutzt wird? Selbstverständlich kann ich irren. Aber für mich ist das Verschweigen meiner Bedenken genau das, was mir durch ihr Aussprechen attestiert werden soll: Ein Mangel an Achtung, Respekt und Empathie.

    Darauf ist niemand von Euch eingegangen.

    Dass, wie Du glaubst, mich, „frontal belehren“ zu müssen, „Die frontale Belehrung der Gutwilligen< … kontraproduktiv (wäre), abgesehen davon #unangemessen ;-)“, ist so klar und eindeutig auch nicht. Zu den „Gutwilligen“ – Ihr mögt es glauben oder nicht – zähle ich mich übrigens auch – keineswegs zu den Allwissenden. Als Gutwilliger bin ich in einem permanenten Prozeß der „Selbstbelehrung“ (andere nennen es „Bildung“) begriffen, der Erfolge und Rückschläge zu verzeichnen hat, die als solche zu erkennen wiederum Selbstreflexivität erfordert.
    Theresa Bruckmann, die ich für eine im besten Sinne gutwillige und engagierte Frau halte,
    hat sich – auf diesem Blog – übrigens für meinen Hinweis auf Dagmar Henn ausdrücklich bedankt und das auch begründet:

    „Danke fidelpoludo, aufgrund Ihres Hinweises auf Dagmar Henn habe ich den Text „Aufbruch ins Ungefähre“ (bei KenFM veröffentlicht) gelesen. Dass im Aufruf „Solidarität statt Ausgrenzung“ eine Litanei an Missständen beklagt wird, für die es scheinbar keine Verursacher gibt, ist schon eine erstaunliche „Wie bringen wir möglichst Viele auf die Strasse-Leistung“. Beim Nachdenken darüber – mit einer Gründlichkeit, wie sie Frau Henn vorgemacht hat – bin ich dann doch erschrocken, wie einfach so etwas geht. Prof. Mausfeld unterscheidet denn auch zwischen Intellektuellen als Vermittler und Tuis, den Wasserträgern der Macht.“

    Mein Hinweis war also „kontraproduktiv“? Ist den dem Slogan „Solidarität statt Ausgrenzung“ folgenden eigentlich klar, dass er im wesentliche ausgrenzend ist. Nämlich die ausgrenzend, die die Meinung vertreten, wir sollten nicht mehr Flüchtlinge und Menschen aus fremden Kulturen aufnehmen? Ich bin nicht der Meinung, gestehe aber anderen das Recht zu, diese Meinung zu vertreten. Ohne sie gleich in eine faschistische Ecke zu rücken. Aus „Wer nicht mithüpft, ist ein Nazi!“ wird allzu schnell „Wer nicht mit demonstriert, ist ein Nazi!“ und „Wer die Demonstration kritisiert…“ auch.

    Davon abgesehen ist der Vorwurf und Begriff „frontale Belehrung“ gegen Einzelne oder Gruppen erhoben doch eher an der Grenze ausgrenzend-denunziatorisch-diffamierend-abwertender politischer Agitation anzusiedeln, auch wenn die Absicht emanzipatorisch ausgerichtet ist, nämlich „der Sache“ dadurch einen Dienst erweisen zu wollen.

    Das Problem der An- oder Unangemessenheit:

    „Die Akteure dagegen, würden offene Kritik als Angriff auf die guten Absichten der Teilnehmer für sich zu nutzen wissen. Eine Belehrung kann also nur fehlschlagen.“

    Ich kann nur wiederholen, den Begriff der den fuchtelnden Zeigefinger als Bild hinzuziehnden Begriff der „Belehrung“ lehne ich ab. Es kümmert mich also wenig, ob sie fehlschlägt. Lass fahren dahin. Mit „offener Kritik“, wie wir sie hier aneinander üben, kann ich mehr anfangen. Wenn „die guten Absichten der Teilnehmer“ damit ein Problem haben, haben die „offenen Kritiker“ auch ein Problem. Das ist mal sicher. Aber die „offene Kritik“ in Rumpelstizchens Geheimdienst-Korridore zu vegraben („Nichts Genaues weiß man nicht!“) und häppchenweise umzuformulieren und zuzubereiten nach vermuteter Verträg- und Verdaulichkeit, weil der Gegner sie besser nutzen könnte als die Freunde, ist für mich eher der Anfang vom Ende.

    Übrigens – wenn es jemanden tröstet – einen Fehler, nämlich einen Fehlgriff im Ton – gestehe ich gerne ein. Er fiel mir sofort auf, in dem Moment, als es zu spät war und nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Als ich meinen Schnellschuß zu „unheilbar“ (der zweite Beitrag in diesem Posting) mit den Worten abschloß:

    „Alles andere ist dummes Geschwätz!“

    hätte ich mir am liebsten – wohl wissend, dass es nicht möglich ist (wie sich auf die Zunge zu beißen – selbst in den Hintern getreten. Aber um mir ein Bein auszureißen, hat mein Bedauern nicht ausgereicht, weil ich dachte, die Beachtung der sachlichen Begründung für mein Dagegensein würde ausreichen, um den Ausrutscher geflissentlich zu übersehen.

    Ein Betthupfler zum Schluß für diejenigen, die meine Einschätzung lieber durch die der Tagesschau ersetzen möchten:
    https://www.tagesschau.de/inland/unteilbar-demonstration-103.html
    „Guten Abend! Gute Nacht! Miihit …“

    Gefällt mir

    • Lutz Lippke schreibt:

      Entschuldige fidelp, dass ich nicht jede Zeile intensiv gelesen, analysiert und kommentiert habe. Ich mache das ja auch nicht beruflich und bin gerade sehr eingespannt. Ich habe mich zu eher strategischen Fragen geäußert, nicht zur Angemessenheit oder Richtigkeit von Haltungen oder Äußerungen. Du willst aber wissen, wie ich zum Vorgehen von Dagmar Henn, zu Deinem, zu dem von Beat, Detlev und insbesondere zu Teilnehmern der #unteilbar-Demo stehe? Grundsätzlich positiv. Inwieweit ich bei Letzteren nur die Aktivität an sich oder auch die leitenden Motive anerkenne, kann ich nur konkret, jedenfalls nicht pauschal, klären. Alle diese Beiträge sind aktive Teile der „immer noch verbliebenen demokratischen Residualstrukturen“ und im Zweifel auch ernstgemeinte Versuche die „Degeneration des öffentlichen Debattenraumes“ zu überwinden. Mit „im Zweifel für den Angegriffenen“ Demonstrant kommt auch gleich der Bezug zu Theresa`s Frage: „Will Prof. Mausfeld damit sagen, dass wir unsere Verfassung, unsere Gesetze, unsere Mitwirkmöglichkeiten behaupten müssen, m.a.W. unsere Rechtstaatlichkeit offensiv verteidigen müssen?“

      Demokratische Strukturen definierenen sich durch ein möglichst hohes Maß an Gleichberechtigung, Vielfalt und Offenheit. Debattenkultur erfordert unabhängig von seiner Schärfe immer die Akzeptanz von abweichenden, sogar konträren Meinungen und gleichen Rechten. Die pauschale Behauptung, dass „der Andere“ hinterfotzige Interessen verfolgt oder zu dämlich ist, sich dafür nicht ausnutzen zu lassen, steht dem entgegen. Schon nur die Anmutung einer solchen Überheblichkeit sollten wir nicht aufkommen lassen. Rechtsstaatlichkeit verlangt dagegen vom Staat die Einhaltung der Gesetze und Grundrechte, die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz und damit auch das Recht auf jedwede Meinung und Haltung. In diesem Spannungsraum bewegen wir uns, wenn wir über Haltungen, Ereignisse und Wege diskutieren. Für mich geht es nicht darum, zu einer (gemeinsamen) Meinung, zu einer (gem.) Bewertung, zu einer (gem.) Handlungsweise zu kommen, sondern zu gegenseitigem Verständnis von Meinungen, Bewertungen und Handlungsweisen. Im besten Fall findet sich für Erfolgversprechendes Akzeptanz und demokratische Mehrheiten, im ungünstigen Fall wird Gleichberechtigung, Vielfalt, Offenheit, Respekt und Gleichheit vor dem Gesetz dazu führen, dass falsche Wege wieder korrigiert werden. Letzteres ist wohl das, was wir uns von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit am Meisten erhoffen, nämlich die Korrekturfähigkeit ohne Umschlagen ins spiegelbildliche Extrem.
      Konkret zur #unteilbar-Analyse von Dagmar Henn und die Auseinandersetzungen hier. Ich halte die Inhalts-Analyse von Dagmar Henn im Wesentlichen für gelungen und aufschlussreich. Ich kann Deine Begeisterung dafür verstehen. Das hindert mich nicht daran, im Zweifel für Nachsicht mit Unterstützern und Teilnehmern zu plädieren. Sowohl aus der Grundhaltung des selbst Unfertigen, Lernenden und möglicherweise Irrenden, aber auch aus pragmatischen Gründen. Was nützt es Gräben zu vertiefen, die die Anderen vermeintlich gezogen haben? Aber es ist auch nicht angemessen, aus einer Analyse des Aufrufs, abschließende Urteile über die Motive und Interessen der einzelnen Unterstützer und Teilnehmer abzuleiten. Wenn ich mir eine BILD-Zeitung kaufen würde, dann könnte man sich darüber vielleicht wundern oder das Lesen von BILD kritisch thematisieren, aber mein konkretes Motiv und meine Interessenlage ist damit nicht festgestellt.
      Dieser (vorläufigen) Haltung musst Du Dich nicht anschließen. Es heißt ja im Volksmund „Viele Köche verderben den Brei“. Demokratie bedeutet nun viele Köche. Was nun?
      Der wesentliche Unterschied ist doch, dass Demokratie keinen Brei erzeugen soll (was mit dem Kompromiss-Gefasel von Politikern gern behauptet wird), sondern es geht um eine möglichst vollwertige, vielschichtige und lebensfördernde Versorgung Aller. Dafür braucht es viele Köche mit verschiedenen Fähigkeiten und Intuitionen, die sich möglichst förderlich ergänzen und für jeden Teil des Ganzen einen gemeinsam akzeptierten Rahmen finden.

      Gefällt mir

  15. fidelpoludo schreibt:

    Die Zusammenhänge, aus denen sie gepickt wurden, dürften an der Eindeutigkeit der Zitate kaum Wesentliches ändern (Tony sei gedankt):

    „Und auf vorgeschriebenen Bahnen / zieht die Menge durch die Flur; / den entrollten Lügenfahnen / folgen alle! – Schafsnatur!“ (Goethe)

    „Ein großer Teich war zugefroren. / Die Fröschlein, in der Tiefe verloren. / durften nicht ferner quaken noch springen, / versprachen sich aber, im halben Traum: / Fänden sie nur da oben Raum, / wie Nachtigallen wollten sie singen. / Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz, / nun ruderten sie und landeten stolz / und saßen am Ufer weit und breit / und quakten wie von alter Zeit.“ (Goethe)

    „Welche Regierung die beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren.“ (Goethe)

    Sage, tun wir nicht recht? Wir müssen den Pöbel betrügen. / Sieh nur, wie ungeschickt, wild, sieh nur, wie dumm er sich zeigt!“ / Ungeschickt scheint er und dumm, weil ihr ihn eben betrüget. / Seid nur redlich, und er, glaubt mir, ist redlich und klug. (Goethe)

    „Auch war ich vollkommen überzeugt, daß irgendeine große Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmöglich, sobald die Regierungen fortwährend gerecht und fortwährend wach sind, so daß sie ihnen durch zeitgemäße Verbesserungen entgegenkommen.“ (Goethe)

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s