Linksammlung „aufstehen“ 9

W.R. Gettél im Info Partisan, „AfD, Linkspartei, Aufstehen“ (2.10.2018).

Gettél: „Die AfD ist keine Eintagsfliege, die sich mit bloßen Unmutsäußerungen verscheuchen lässt. Tief im System verwurzelt treibt sie mit Macht ihre Blüten hervor. Mit der sich unaufhörlich verschärfenden Systemkrise ist ihre Zeit gekommen.“

Prozess der Selbstnegation des westlichen Spätkapitalismus. Die Selbstnegation „meint Zerstörung der Zivilisation als Preis seiner damit alles verheerenden Weiterexistenz. Nichts anderes meint „Sozialismus oder Barbarei“. Diese Frage stellt sich heute dringender denn je. Denn was hat die AfD und ihren Anhang hervorgebracht und sie in atemberaubendem Tempo heranwachsen lassen, wenn nicht die sich bereits im Stadium der Zivilisationszerstörung befindliche Krise!“

„Sind die Ursachen und ihre Folgen aber systemisch bedingt, bedarf es einer Kraft, die die Fesseln des gesamten Systems sprengt. Jeder Versuch, den Zerstörungsprozess aufzuhalten, ohne den Boden des Systems zu verlassen und ihm eine Alternative entgegenzusetzen, ist zum Scheitern verurteilt.“

„Die Krise wird nicht als Krise betrachtet, sondern als natürlicher, vom Schicksal der Völker auferlegter Zustand, in dem nur die starken bestehen können und demzufolge das Recht des Stärkeren herrscht. Jegliche Art vermeintlicher Minderwertigkeit hat sich zu unterwerfen und genießt nur eine geduldete Existenz ohne verbrieftes Daseinsrecht. Das ist die Kernauffassung des Faschismus, die nicht halb oder nur teilweise zu haben ist. Praktizierte Rassismus ist bereits Übernahme des Ganzen, auch wenn der Rest aus taktischen Gründen verborgen gehalten wird.“

„PDS und Linkspartei operierten mit immer neuen Aufgüssen des längst ausgelaugten Reformismus, die vom Sturm der Krisendynamik wie welke Blätter hinweggefegt wurden. Ob sie Forderungen stellten, Versprechungen machten, immer wieder Gerechtigkeit verlangten – es blieb hohles Gerede.“

„Die Linkspartei hat wesentlich dazu beigetragen, den Linksbegriff zu diskreditieren. Gibt es aber keine sozialistische Alternative, werden AfD und ihr strategischer Hintergrund bei der Demontage der Zivilisation leichtes Spiel haben.“

„Mit ihrem Buch „Reichtum ohne Gier“ hat Wagenknecht hinreichend zu verstehen gegeben, dass sie kein sozialistisches Ziel anstrebt. Und wenn sie als quasi bürgerliche Berufspolitikerin einer pseudolinken Versammlung den Rücken kehrt, weil mit ihr und ihren nicht mehr glaubwürdigen Parolen nichts mehr zu holen ist, ist das nur konsequent.“

„Vor diesem Hintergrund wird klar, was sich in ihrer Sammlungsbewegung „Aufstehen“ so alles sammeln kann, d. h. sie muss auch für rechte Gesinnungen Platz haben.“

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10 Antworten zu Linksammlung „aufstehen“ 9

  1. fidelpoludo schreibt:

    Ist diese Demontage Sarah Wagenknechts à la Susan Bonath berechtigt? Wem dient sie? Cui bono? Der vermeintlich angestrebten „Revolution“?Ist die Einführung in diesen Frame und seine Verstärkung der „Sache“ wirklich angemessen oder wird sie damit gerade hintertrieben? Können wir uns mit der hier suggerierten Engführung der Bewegung – wie der Diskussion um sie – auf die vermeintlichen Absichten Sarah Wagenknechts einverstanden erklären? Ich für meinen Teil habe ihre Auftritte so nicht verstanden und verstehe die Konstitution von #aufstehen bis auf weiteres soo nicht!
    Liegt hier die nicht unbekannte Figur vor, mit maximalistischen Forderungen minimalsten Widerstand schon im Keime zu ersticken?

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    • kranich05 schreibt:

      Hallo fidelp,
      du formulierst sehr berechtigte Fragen.
      (Genauso übrigens, wie ich es berechtigt finde, die Meinung Willi Gettels zur Kenntnis zu nehmen.)
      Die Antwort kann nur „aufstehen“ selbst geben.
      Wer aber ist „aufstehen“, möchte ich in der rhetorischen Art Brechts fragen („Wer aber ist die Partei?“).
      Das sind wir, die wir uns zu dieser beabsichtigten Bewegung „angemeldet“ haben.
      Und was nun, nach der Anmeldung?
      Ich beobachtete bisher, was an „Angeboten der Aktivierung“ kam. Es war für mich „alten weißen Mann“, der prinzipiell nicht über FB und Co kommuniziert, faktisch nichts.
      Haben nun also andere („die da oben“) Schuld, dass ich nicht aufstehen kann?
      Ich bin zwar etwas angesäuert, aber ganz so einfach möchte ich es mir trotzdem nicht machen.
      Einige Fatzebuck-Informationen sind mir zugänglich, weil Mrs. Tapir sich etwas auf dieser Seite bewegt.
      So weiß ich also, dass sich eine Land Brandenburger und nun auch eine Kreis Oberhaveler Regionalgruppe gebildet hat. Letztere wird z. Z. von 21 Namen gebildet.
      Zu denen werde(n) ich/wir konkret, in wirklicher Wirklichkeit Kontakt aufnehmen, einander kennen lernen und versuchen gemeinsam zu überlegen, welche Tippel-Tappel-Schritte wir nach’m Aufstehen-Anmelden machen wollen.
      Im Blog werde ich davon berichten.

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    • Detlev Matthias Daniel schreibt:

      Daß maximalistische Forderungen reale Veränderungen, die nur in gehbaren Schritten erfolgen können, blockieren, sehe ich auch so. Ob das in der Regel oder gar in jedem Fall absichtsvoll geschieht, bezweifele ich.

      Ich halte es für irreführend oder zumindest nicht besonders hilfreich, das Systemverständnis auf ‚Kapitalismus‘ bzw. als Alternative ‚Sozialismus‘ zu verkürzen. Das ist, wie wenn man die Verkehrsproblematik auf Otto- oder Dieselmotor verkürzt (oder meinetwegen auf Bahn oder Straße).

      Ich werbe für ein erweitertes Systemverständnis. Das hier betrachtete System in diesem Sinn ist die Gesellschaft. Sie ist immer in Bewegung, in Veränderung und gleichwohl sehr stabil oder besser träge gegenüber umfassenden, grundlegenden Veränderungen. Es ist die schier unfassbare Masse ihrer Wechselverhältnisse, die diese Trägheit erzeugt. Wir, die wir unausweichlich Teile dieses Systems sind, sind durch unsere Sozialisation umfassend in allem, was wir tun, sagen, schreiben, denken, darin eingebunden.

      Wenn wir jetzt eine Idee haben, einen real gehbaren Schritt, wie wir dieses System verändern können, dann betrifft das vielleicht – nur um mal eine Vorstellung zu erzeugen – 0,1% dieser systemischen Wechselverhältnisse, d.h. zu 99,9% handeln, denken wir noch systemkonform. Es sollte also nicht schwerfallen, darin Widersprüche aufzuzeigen.

      Wenn wir aber erste Schritte gehen, verändert sich auch die Sicht, werden weitere mögliche Schritte erkennbar. Natürlich kann es auch sein, daß wir erkennen werden, daß es hier nicht weitergeht bzw. nicht dorthin, wo wir hinwollen.

      Facebook, Twitter und Konsorten sind für mich keine vorstellbaren, sinnvollen Wege. Ich hatte die mir bekannte Adresse der Bewegung angeschrieben, mitgeteilt, daß ich dabei sein werde, sobald ich mich aus meiner Sicht sinnvoll beteiligen kann, und wo ich einen ersten solchen gemeinsamen Schritt sehen kann. Die mir vorab angekündigte Antwort werde ich vermutlich nicht mehr erhalten. Wenn, dann werde ich meinen eigenen Weg dorthin finden müssen.

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      • kranich05 schreibt:

        An „aufstehen“ (Wer ist das? Keiner weiß es.) Fragen zu stellen bzw. mitzuteilen, dass man dabei sein würde, wenn man sinnvoll erscheinende Wege sähe (also nicht Fatzebuck usw) – das haben offenbar Viele gemacht.
        Meine Erfahrung ist: Eine digitale Maschine kündigt dann rel. schnell eine Antwort an, die aber leider noch etwas auf sich warten lasse, da man von der gewaltigen Resonanz völlig überwältigt sei (und auch mal schlafen müsse).
        Auf die angekündigte Antwort wartet man entweder vergeblich oder man bekommt (so Mrs. Tapir passiert, die sich mehrfach und dringlich und mit konkreten Vorschlägen an „aufstehen“ wandte) nach zwei Wochen eine Antwort, die offenbar wieder von einer digitalen Maschine generiert wurde (und z. B. die originelle Empfehlung enthält, man möge die FAQ von „aufstehen“ lesen).

        Mrs. Tapir hat (auf dem Wege enormen Zeitaufwands, den sie bei Fb betrieben hat) einen einzigen persönlichen Kontakt auf regionaler Ebene gefunden (zu dem Admin der Oberhavel-Gruppe (Wie ist er das geworden?), deren Gründungsmitglied sie ist). Dieser Kontakt ist schwach, instabil. Nachdem am, 3. 10. ein Minimaltreffen (3,4 Leute) der Oberhavelgruppe stattgefunden hat (die allermeisten Interessenten erfuhren gar nichts von dem kurzfristigen Termin) kämpft sie seitdem darum, die nächsten Treffen langfristiger zu planen, um dann mit dem wirklichen Kennenlernen beginnen zu können.

        Ich bin sehr interessiert, dass diese persönlichen Kontakte zustande kommen. Noch rührt sich nichts.

        Mein böser Verdacht ist, dass „aufstehen“ keinesfalls „von unten“ starten will. Es wird eine von oben genehmigte organisatorische Struktur geschaffen. Das dauert. Ist das erreicht, dürfen die Aktiven (im Rahmen der zentral vorgegeben Kampagnen) kreativ loslegen.

        Mich würden sehr die Erfahrungen interessieren, die andere „aufstehen“-Interessenten gemacht haben.

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  2. fidelpoludo schreibt:

    Irgend jemand schrieb einmal auf diesem Blog:

    „Ich frage mich, ob dieses geheimnisvolle, wahre, nur Auserwählten zugängliche Linkssein nicht ebenfalls eine Version der Identitätsideologie ist, wie sie derzeit etwa bei den Genderfans in Blüte steht.“

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Noch jemand anderes äußerte sich folgendermaßen:

    • Man könnte die Sammlungsbewegung auch als den Anwalt der humanistischen und demokratischen Werte betrachten, die im alltäglichen Neoliberalismus gerade auf der Effizienz und der Profitgier geopfert werden.

    Sind derartige Ein- bzw. Zuwendungen in der kurzen Zeit seit dem „Aufzeigen“ der „Aufstehensbewegung“ bereits hinfällig geworden, weil sich Eindeutigkeiten bereits unmißverständlich als solche heraus gestellt haben?

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  4. fidelpoludo schreibt:

    „Dämmerung nach vorn?“

    „Ich werde die Sammlungsbewegung daran messen:
    1. wie sie eine freie (und doch möglichst zielführende) Diskussion garantiert
    2. wie transparent ihr Aufbau, ihre innere Verfasstheit, ihr ganzes Agieren ist.

    Und das – das sollte klar sein – sind nur die Voraussetzungen, die Vorbedingungen, um zu einer Vorstellung von Ziel und Weg und Schritt zu kommen.
    Und dann geht’s erst los.“

    stellte ersterer der genannten „Jemande“ fest. Sozusagen eine Minimalforderung, von deren Erfüllung abhängt, dass es „erst losgehen“ kann. Das „Losgehen“wurde nicht inhaltlich fixiert, weil erkannt wurde, dass die Form „freie Diskussion“ (Transparenz) uns den Inhalt der zu beackernden Realität (nicht zuletzt den Mangel an wahrer Demokratie wie die herrschende Intransparenz über das Zustandekommen von politischen Entscheidungen und Beschlüssen) erst würde erschließen können, um zu einer „Vorstellung von Ziel und Weg und Schritt“ zu gelangen. Der Veränderung der Realität hat also eine möglichst adäquate Interpretation voraus zu gehen. Wer begreift hier nicht, dass „es darauf ankömmt“, dreierlei in eine aufeinander bezogene Verbindung zu bringen: Interpretation – der „Welt“ – , Vorstellung – von dem Ziel ihrer Veränderung – und ihre praktische Veränderung selbst – die „Schritt für Schritt“ („Wiegeschritte“ und „Rückschritt“ mit eingerechnet, weil sich auch das Volk mal irren kann, mit eingerechnet) in die „Wege“ geleitet werden soll.

    Ich habe die zitierten „Jemande“ nicht beim Namen genannt, weil es nicht auf deren Namen ankommt, sondern auf die Plausibilität und Bedeutung ihrer Aussagen.

    Stellt sich abschließend die Frage:
    Ist dieser Prozeß bei #aufstehen erkennbar? Schon erkennbar abgeblockt? Wenn ja von wem und wodurch? Oder war er als solcher Prozeß von Anbeginn an gar nicht gemeint, weil es gar nicht denkbar sei, aus der „total verwalteten Welt“ (TINA-Syndrom) einen Ausweg zu finden? Glauben wir dem „Info-Partisanen“ W.R. Gettél (auf dessen postmoderne Jugendsünden (1979) als Kneipier ich in diesem Zusammenhang – weil weit zurückliegend – nicht zurück verweisen möchte), können wir schon jede Hoffnung begraben und – „zukunftsvergessen“, weil jeder Versuch, die Hoffnung an der objektiv-realen Möglichkeit zu berichtigen („Tendenzkunde“) zum Scheitern verurteilt sei – fahren lassen, weil bloß „wishfull thinking“ statt „docta spes“ (in der mit der „utopischen Orthopädie des aufrechten Gangs“ die Grenze des Vorstellbaren überschritten werden kann) am Werke sei.

    Ich warte auf Stellungnahemen!

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  5. Theresa Bruckmann schreibt:

    Ich will alles oder gar nichts, das kannt man aus der Trotzphase, die wir einmal durchlitten haben. .

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  6. fidelpoludo schreibt:

    „Heilige Einfalt“ (der Technik?)
    Anmerkungen eines Aufstehensbereiten und -willigen, der trotz guten Willens leider immer noch kein Bein auf die Erde bekommt

    W e r d e T e i l d e r B e w e g u n g
    Häufig gestellte Fragen
    Das sind so viele Statements – muss ich wirklich über alle abstimmen?
    Was sehe ich eigentlich in der Darstellung unter der Debatte?
    Warum hat aufstehen diese Diskussion ins Leben gerufen?
    Wer hat diese Plattform entwickelt?
    Wo kann ich andere Projekte sehen, die diese Art von Umfragen nutzen?
    Kann ich die Ergebnisse auch sehen?
    Wie werden die Ergebnisse genutzt? Was macht ihr mit den Informationen?
    Warum finde ich mein Statement nicht in der Liste?
    Wie schreibe ich Statements?

    Schreib’ sie einfach in das Kommentarfeld – entweder anonym oder verknüpft mit deinem Social Media-Account. Bitte achte darauf, dass du nicht noch einmal ein Statement hinzufügst, dass so ähnlich schon dabei ist, und bitte versuch nur eine Idee pro Statement zu schreiben. Die anderen Nutzer müssen ja darüber abstimmen und vielleicht würden sie dir im ersten Teil zustimmen, aber im zweiten Teil nicht und dann wird es gar nicht mehr gelesen.

    Sobald du dein Statement abgeschickt hast überprüft unser Team es auf Verständlichkeit, Dopplungen und Hassrede und fügt es zu den Statements hinzu. Ab dem Zeitpunkt können alle anderen Teilnehmer über dein Statement abstimmen – und vielleicht ist dein Vorschlag ja die Lösung, die alle vereint!

    „Sancta Simpicitas!“: „Schreib‘ sie einfach in das Kommentarfeld“. Ja gerne, aber wo isses denn? Muß ich erst einen kaum noch auffindbaren „investigativen Journalisten“ mit seiner Suche beauftragen?

    „Sancta Simpicitas!“: Soll ich hunderte von Statements darauf hin absuchen, ob sie nicht schon gleiches oder ähnliches abgesondert haben?

    „Sancta Simpicitas!“: Was ist denn „nur eine Idee“, wenn es sich darum handeln könnte, einen dialektischen (also in sich widersprüchlichen) Zusammenhang zu thematisieren?

    „Sancta Simpicitas!“:Wollt Ihr das zur Diskussion zugelassene Volk auf „0 oder 1!“, auf „Ja oder Nein“ herunterkürzen – zum Zwecke besserer Erfass- und Verwaltbarkeit?

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    • fidelpoludo schreibt:

      Der Hinweis auf den „investigativen Journalisten“ legt nahe, was ich eigentlich verschweigen wollte: dass meine Sekretärin gerade Urlaub hat, gerade mal wieder krank feiert oder sich ohne mich der Geburt ihres (wieviel hatte noch unsere Flintenuschi?) neunten (?) Kindes zu widmen gedenkt.

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