Ist Linkssein (Links-Sein) möglich?

„Links“ steht nach meinem Verständnis für die humanistische radikal-demokratische Umgestaltung der Gesellschaft. (Wobei das Wörtchen „radikal“ darauf verweist, dass die Umgestaltung an der Wurzel ansetzt. Das wiederum ist eine andere Bezeichnung für „revolutionäre Umwälzung“.)

Damit bezeichnet „Links“ stets etwas Agierendes, eine täglich bewegende Kraft. „Links“ bezeichnet in diesem Sinne kein bloßes Sein.

Zugleich gilt, dass nicht jedes beliebige Agieren „links“ ist. „Links“ ist es nur, wenn es (s. o.) eine humanistische radikal-demokratische Position zum Inhalt hat. Insofern fußt linkes tägliches Agieren in einem linken „Sein“, die Tagespolitik folgt einer den Tag überschreitenden strategischen Programmatik, im besten Fall einer theoretisch begründeten. 

Die vorstehende dialektische Bestimmung ernst genommen, gibt es in der BRD derzeit und seit langem keine politische Kraft, die dem Begriff „Links“ gerecht wird. 

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11 Antworten zu Ist Linkssein (Links-Sein) möglich?

  1. Lutz Lippke schreibt:

    „humanistische radikal-demokratische Umgestaltung der Gesellschaft“ – verstehe ich, missverstehe ich, verstehe ich nicht.

    1. Humanistisch – menschlich, auf den Menschen als selbstbestimmtes Wesen bezogen.
    Da bin ich grundsätzlich dabei.
    Andere würden auch Tiere einbeziehen oder das ganze Ökosystem. Im Grunde ein Konflikt darum, ob die Fokussierung des ökologisch verantwortlichen Handelns auf den Vorteil für den Menschen legitim und ausreichend ist oder der einzelne Mensch dem Ökosystem und den diesem zugeschriebenen Anforderungen unterworfen wird. Auf der grundsätzlichen Ebene wird dieser Konflikt gar nicht oder nur wenig thematisiert. Dafür zeigen sich die Konflikte viel deutlicher in den praktischen Folgerungen. Mensch vs. Ökosystem zum Beispiel bei dem Thema Überbevölkerung ist mit humanistisch noch nicht erklärt.

    2. „radikal-demokratische Umgestaltung“ – ist verschieden auslegbar und hinterlässt bei mir einen Zwiespalt. Der weiteren Erklärung nach, meint es a) die radikale Umgestaltung [an der Wurzel] = „revolutionäre Umwälzung“ und b) Demokratie. Im günstigsten Fall wird also die „revolutionäre Umwälzung“ mit großer Mehrheit in Wahlen und Abstimmungen beschlossen. jedenfalls in einem demokratischen Prozess – und wird dann tatsächlich ebenso demokratisch umgesetzt. „Radikal“ und „Revolutionär“ wäre dann nicht der Prozess der Umwälzung, sondern das Ergebnis, die abschließende Wirkung auf die Wurzel der Gesellschaft. Zum Beispiel die Befreiung aus der finanzkapitalistischen Zange durch Abschaffung von Vermögen, Geld und Krieg – das wäre tatsächlich ein revolutionäres Ergebnis.

    Tatsächlich halte ich eine demokratische Abstimmung in dieser Weise nicht für vollkommen unmöglich. Wenn eine radikale Umgestaltungs-Agenda überzeugt, ob nun wegen guter Agitation oder wegen tatsächlich überzeugender Pläne und Fähigkeiten, müsste eine solcher Abstimmungssieg nicht von vornherein ausgeschlossen sein. Mindestvoraussetzungen sind demnach gute Agitation und/oder tatsächlich überzeugende Pläne und Fähigkeiten.- wenn man nicht auf ein Trump-Wunder 2 setzen will. Da eine demokratische Mehrheits-Entscheidung auch mit zulässigen Gegnern in der Minderheit leben muss, gehört zu dieser demokratischen Agenda auch der bereits vorausgedachte und praktisch umsetzbare pflegliche Umgang mit dieser Gegnerschaft. Von solchen Qualitäten sind wir aber theoretisch wie praktisch noch weit entfernt.

    3. Umgestaltung und Umwälzung sind Begriffe für verschiedene Aktionsformen, die sicherlich Überlappungen haben. Das trifft für radikale Umgestaltung = revolutionäre Umwälzung sicherlich zu. Ansonsten ist Umgestaltung als Unterform der Gestaltung ein sehr zivilisierter Begriff, während Umwälzung, das Unten nach Oben, Oben nach Unten, 1x, 2x 3x, x-mal beschreibt.
    Auffällig in der Gesellschafts-Geschichte ist, dass es vor und in Zeiten von Umwälzungen große Hoffnungen und so manche Befreiung gab, aber vor allem auch Leid, Not und Tod. Nach der Umwälzung war regelmäßig Unten nicht Oben, jedenfalls kam letztlich nie ein humanistisch-demokratisches Ergebnis heraus. Dazu müsste man etwas radikal Aufklärendes zu den behebbaren Ursachen vorweisen können. Mir fehlt dazu die Idee. Allenfalls mein Fokus „echte Demokratie UND echte Rechtsgarantie“ gibt mir Anregungen dazu, wobei ich die Radikalität eher in der „echten Gestaltung“ dessen, was formelhaft bereits existiert sehe, als in einer Umwälzung an der Wurzel. Man könnte „Tatsächlichkeit“ als das radikal Revolutionäre im Gegensatz zu „Symbolhaftigkeit“ sehen.

    Vielleicht bin ich demnach nicht links. Das ist möglich. Vielleicht bin ich liberal-humanistisch-rational oder nur allgemein-blöde. Aber ich denke, wir müssen schon an der Definition noch feilen, an den Plänen und Fähigkeiten sowieso. Denn demokratisch muss es die Allgemein-Blöden überzeugen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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    • kranich05 schreibt:

      Ich sehe keinen Grund dafür, den Humanismusbegriff der Aufklärung einzuengen. Wenn auch die Befreiung der Menschen von jeder Form der Knechtschaft im Mittelpunkt stand, wurde doch der Mensch keineswegs in einen Gegensatz zur Natur gebracht. Im Gegenteil, der Mensch ordnete sich harmonisch (bzw. dialektisch) ins Ganze ein. Man denke auch an „Zurück zur Natur“!
      Dass die Aufklärung nicht Stellung bezog zu der nach ihr folgenden Naturzerstörung des Kapitalismus, versteht sich doch von selbst.

      Natürlich muss „radikal“ inhaltlich bestimmt werden. Bei Marx ist es das: Die Wurzel des Menschen ist der Mensch. Der Mensch ist seine eigenen Produktion. Die Verhältnisse der Produktion bestimmen die Produktionsweise. Die Eigentumsverhältnisse sind der Kern der Produktionsverhältnisse.
      Das ist die kurze Argumentationskette (die natürlich weitaus differenzierter auszuführen wäre), die „radikal“ mit „Revolution der Eigentumsverhältnisse“ zusammenschließt.

      Demokratie ist die von niemandem und nichts eingeschränkte Handlungsweise des Souveräns, also der 99%, der „Werktätigen“, der Ausgebeuteten und der der Herrschaft von Ausbeutern Unterworfenen. Ob der Souverän in Wahlen und Abstimmungen seine Macht ausübt oder indem er „aufs Klosterdach den Roten Hahn“ setzt, muss man ihm überlassen.
      Nach der historischen Erfahrung spricht sehr viel dafür, dass es auch in diesem Ringen reichlich „Leid, Not und Tod“ gibt.

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  2. Orakel schreibt:

    Die real existierende „Linke“ verhindert die Entsehung einer wirklichen linken Bewegung.

    Parteien (auch die DKP) binden menschliche Ressoucen ohne die Kräfte freizusetzen. Die Energie der Beteiligten wird nach INNEN gelenkt. Organisationsfragen, Gruppendynamik und vor allem formaljuristisches Klein-klein verhindern INHALTLICHE ARBEIT. Diese „linken“ Organisationen versuchen über das bestehende MEDIENSYSTEM die Menschen für sich zu erreichen. Deswegen haben sich die etablierten „Linken“ mit der Medienkritik so schwer. Kritik der Medieninhalte und Kritik der Macht- und Eigentumsverhältnisse in den Medien haben die „Linken“ aufgegeben.

    Weil das Leben der Menschen aber konkret stattfindet, ist „Politik“ die nur im Internet stattfindet, eben keine Politik.

    Wird die „Sammlungsbewegung“ nicht mit realen Menschen vor Ort aktiv (und mglw. ist es dafür schon zu spät), bleibt das ein PR-Projekt von Berufspolitikern.

    Aber ich denke, der wichtigste Grund für das Verschwinden der Linken, ist die Eigentumsfrage bzw. das Fehlen derselben.

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  3. kranich05 schreibt:

    Politik findet täglich, stündlich statt. Sie ist ein elementarer Vorgang. Und dabei immer konkret inhaltlich bestimmt. In diesem Sinne ist Politik kein SEIN und also LINKS-SEIN nicht möglich. „Sein“, „Haltung“, das/die beansprucht links zu sein ohne sich ins politische Handgemenge zu begeben, ist eine tote Hülle.
    Die in den öffentlichen Raum („res publica“) gerichteten Äußerungen der verschiedenen als links geltenden Formationen sind NICHT tages-/inhaltskonkret. Sie greifen nicht ein in das, was auf dem öffentlichen Marktplatz kocht. Ein täglich kochendes Thema ist seit dem 25. August das akute Stadium der (zumindest vordergründig) von Merkel zu verantwortenden BRD-Migrationskrise. Kein Thema für die Linke. Ein wahrhaftes Schicksalsthema ist seit dem 17. September die extreme Zuspitzung der Israel-/Frankreich-/GB-Aggressionskrise gegen Russland und Syrien. Dieses Thema wird von den Herrschern völlig aus der TO genommen, und die Linke schließt sich nahtlos diesem Verfahren an.
    Ein Rundblick auf „Die Linke“, die Friedens“bewegung“, DKP, Freidenker und nicht zuletzt und besonders krass „aufstehen.de“ bestätigt leider ausnahmslos meine Einschätzung.

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  4. Orakel schreibt:

    Ja. Vielleicht hat sich hier etwas überlebt, zuendegelebt. Ein historisches Projekt ist an seine Grenzen gelangt, zum Abschluss gekommen!?

    Spätestens seit 2001 hätten sich Geister, große Denker, Analytiker und Strategen finden müssen, die Lenins und Trotzkis Werk unter den heutigen Bedingungen weiterschreiben, das damalige Projekt theoretisch und praktisch fortsetzen.

    Das ist ausgeblieben.

    Die Technologiekritik von Günther Anders sei erwähnt, schwerwiegend. Warum kommt mir jetzt der Sloterdijk in den Sinn? Vielleicht sind die Bedingungen unserer Existenz heute mehr im Dunkeln als jemals zuvor seit Beginn der Aufklärung?

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  5. Orakel schreibt:

    Wer arbeitet heute an der Eigentumsfrage? Wieviele sind es im deutschsprachigen Raum?
    Einer soll genannt werden. Werner Rügemer. In der Einleitung zu „Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ schreibt er:
    „BlackRock&Co haben hunderttausende der wichtigsten Unternehmen der Realwirtschaft im Griff, entscheiden über Arbeitsplätze, Arbeits-, Wohn-, Ernährungs- und Umweltverhältnisse, über Produkte, Gewinnverteilung, Armut, Reichtum, Staatsverschuldung. Und die Weltkonzerne der Plattform-Ökonomie dringen in die feinsten Poren des Alltagslebens von Milliarden Men-
    schen ein, forschen es aus, krempeln es um – und kooperieren mit den Geheimdiensten.“

    Was soll man da machen? Das ist eine ernstgemeinte Frage.

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    • kranich05 schreibt:

      Ich meine, was man machen kann, ist Aufklärung.
      Doch Aufklärung ist eine Leerformel geworden. Die Freidenker z. B. schreiben Aufklärung groß, tun aber nichts dergleichen. (Bestenfalls reproduzieren sie, was einst Aufklärung war.)
      Aufklärung muss in einer neuen Qualität geleistet werden. Ich führe jetzt hier keine konkreten (Detail-)überlegungen an, was zu dieser neuen Qualität gehören müsste.

      Was mit der sozialistischen Revolution und nachfolgend dem Realsozialismus passiert ist, muss begriffen werden. Davon sind wir meilenweit entfernt. Das Trauerspiel fängt damit an, dass keine Einigkeit besteht, dass in der Fortführung (in neuer Qualität) von Lenins und Trotzkis Werk der Schlüssel liegt. Lenin und Trotzki waren zugleich praktizierende Denker und denkende Praktiker im umfassendsten Sinne. Schon das hebt sie über alle und jeden/jede hinaus.
      Rogowin (von fast allen „Linken“ ignoriert!) hat nachgewiesen, dass eine Alternative möglich war. Die noch größere Aufgabe ist ungelöst: Warum die Möglichkeit nicht verwirklicht werden konnte.

      Der Untergang des Realsozialismus hat „glänzend“ (leider in der negativen Form) die überragende Rolle der Eigentumsverhältnisse bestätigt – Oligarchen in Russland, „Rückgabe vor Entschädigung“ im Osten Deutschlands. Der Klassenfeind hat mit aller Konsequenz die Eigentumsfrage „in Ordnung“ gebracht.

      Wir haben in Jahrzehnten die Eigentumsfrage mit aller Konsequenz in Unordnung gebracht. Weil wir nicht begreifen konnten, dass die Eigentumsfrage eine zutiefst politische, die Machtfrage, ist.

      Der überkommene Marxismus (einschließlich der von Lenin und Trotzki) hat die Klassenfrage („Historische Mission des Proletariats“) irreal, theoretisch falsch, beantwortet. (Die Größe der beiden Genannten besteht u.a. darin, dass sie PRAKTISCH-POLITISCH über diese theoretischen Schranken hinausgingen.)

      Der dialektische/historische Materialismus braucht eine gravierenden Fortschritt im Verständnis gesellschaftlicher Gesetze bzw der menschlichen Freiheit, der Willensfreiheit. Mir scheint, dass diesbezüglich Herbert Hörz am Weitesten gedacht hat (dialektische Determiniertheit).

      Die Lage des modernen Kapitalismus ist durch eine ungeheure Entwicklung der gesellschaftlichen Kräfte charakterisiert. Das haben weder Marx, Engels, noch Lenin, Trotzki vorausgesehen. Diese Kräfte stehen den Herrschenden sowohl als Produktiv-, als auch als Destruktivkräfte zur Verfügung.

      Da kann man – außer gedanklicher Arbeit in Kooperation (was wir nicht haben) – nichts machen. Der kapitalistische Prozess wird erst dann vielleicht überwindbar, wenn er selbst „zum Gedanken drängt“ (um an Marx und Lenin zu erinnern).

      Der Kampf um eine multipolare Welt kann vielleicht fürs Erste das Überleben der Menschheit sichern.

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  6. Lutz Lippke schreibt:

    Ein Kernthema linker Politik ist der Verzicht auf militärische Aggression und Beteiligung an Angriffskriegen. Damit will ich eine letztlich kritische Sicht auf aktuelle linke Politik einleiten.

    Engagierte Linke, so auch die Partei Die Linke, aber durchaus auch widerstreitende politische Kräfte, haben sich regelmäßig und mit verschiedensten Mitteln gegen Militäreinsätze und überhaupt eine verstärkte Militarisierung der Gesellschaft gewandt. Die Spaltung in der Friedensbewegung und der linken Partei hat aber bisher eine wirkmächtige und zielgerichtete Demonstrations-Bewegung verhindert. Wann das besser wird, steht wohl in den Sternen.

    Im Bundestag haben vor allem die SPD-Fraktion (eben nicht die AfD), sowie die FDP zuletzt am 12.12.2017 zusammen mit der erwartbaren Kauder-CDU/CSU-Fraktion im Bundestag für diverse Bundeswehreinsätze gestimmt und ignorierten damit die überwiegend ablehnende Haltung in der Bevölkerung. Es müsste also erst durch Neuwahlen ein anderer Bundestag und damit eine neue Regierung ohne CDU/CSU her, um auf dem parlamentarischen Weg diese Verhältnisse zu ändern. Ein anderer Druck könnte auch noch helfen, wenn er denn erfolgreich wäre.
    Denn:
    Auch auf dem Rechtsweg versuchte Die Linke, sowie diverse andere Organisationen und Einzelpersonen dem verantwortungslosen Kriegstreiben zu begegnen. Aber weder beim BVerfG noch beim Generalbundesanwalt ist man über Standardabsagen hinausgekommen. Dabei ist es dann wohl geblieben.

    Während die Mobilisierung der Straße und des Parlaments konzertierte Aktionen vieler, teilweise sehr verschiedener Gruppen erfordert, ist der Rechtsweg ein weitgehend formalisierter Akt. Scheitert man zunächst auf dem Rechtsweg, kommt es im Prinzip nicht so sehr auf eine Mobilisierung von vielen Unterstützern an, sondern zuerst auf eine Analyse der Rechts- und Sachlage und eine effektive Strategie zur Durchsetzung der Forderung.

    Wenn die bestehenden Gesetze ein wirksames Vorgehen nicht ermöglichen, dann wären die Gesetzeslücken und Tricksereien im Gesetzestext ein absolut zwingendes linkes Kernthema im Parlament. Jedem Rechtspolitiker der Kriegsfraktionen müsste der Betrug an der Gesellschaft notfalls persönlich um die Ohren fliegen. Jedwede Scheingesetzgebung wäre grundsätzlich zu ächten und die Abgeordneten für eine sachgerechte Gesetzgebung in die Pflicht zu nehmen. Dazu muss der Gegenstand des Gesetzes also nicht unbedingt ein linkes Thema sein. Auch muss der Duktus des Gesetzes nicht links klingen, sondern vor allem wirken. Es wäre schon sehr links, wenn Scheingesetze im Bundestag und der Öffentlichkeit frühzeitig als Solche enttarnt würden. Beispiel:
    https://www.heise.de/tp/features/Vorbereitung-eines-Angriffskriegs-wurde-in-Verbrechen-der-Aggression-umgewandelt-3595453.html

    Liegt es aber nicht am Gesetz selbst, sondern an einer kruden Interpretation durch die Rechtsprechung, dann muss auch dieser Teil zum linken Kernthema werden. Wie kann sich die Legislative als legitimer Gesetzgeber durch die Judikative ungeahndet zur Scheinveranstaltung machen lassen? Zu diesem Thema hatte ich an anderer Stelle bereits einige Anmerkungen mit Quellen gemacht und verzichte auf Wiederholungen.

    Liegt es dagegen an der Unwilligkeit der Exekutive bzw. der Ermittlungsbehörden, dann muss eben dieser Teil mit Verve angegangen werden. Hinweise auf eine Verweigerung in diesem Bereich liefert z.B.
    https://www.heise.de/tp/features/Generalbundesanwaltschaft-weist-Strafanzeigen-wegen-Syrien-Einsatz-der-Bundeswehr-ab-3263481.html?seite=all

    Erkennt man letztlich, dass die Methoden der Verweigerung des ordentlichen Rechtswegs nicht nur illegale Bundeswehreinsätze betrifft, sondern ein grundsätzliches Problem in fast allen Rechtsgebieten ist, wird man als Linker um eine massiv verstärkte Rechtspolitik im Allgemeinen nicht herum kommen, um eben, nicht nur, aber auch Friedenspolitik juristisch durchzusetzen. Ein Erfolg in der allgemeinen Rechtspolitik würde auch im Sozialen, der Wirtschaft und bei den Grundrechten wirksam werden. Damit werden Demos und Parlamentsarbeit natürlich nicht obsolet und durch förmliche Gerichtsverfahren ersetzt. Vielmehr werden sie in ihrer Wirksamkeit als primäre Mittel der Politik abgesichert.

    Ist also erstmal verstanden, dass juristisches Recht nicht erst bei Krieg oder Frieden bzw. anderen gesellschaftlichen Hauptthemen der Linken eine relevante Funktion hat, eben kein optionales Feature ist, sondern in sich selbst eine wesentliche Funktion der Gesellschaftsorganisation und Machtausübung darstellt, dann wird die Sicherung echter Rechtsstaatlichkeit, also das ordentliche Verfahrensrecht izum selbstständigen Kernthema jedweder praktisch orientierten progressiven Agenda. Nichts muss dabei extra links gelabelt oder vordefiniert werden, so dass ohne Weiteres eine breite Zustimmung in verschiedensten Milieus erreicht werden kann.

    Wer macht bisher dazu etwas Nachhaltiges? – wohl nur Einzelne
    Zum Beispiel kümmert sich ein Rechtsanwalt Würdinger darum, dass das Recht Betroffener auf strafrechtliche Ermittlungen / Anklage (insbesondere bei Rechtsbeugung) nicht durch die Justiz ausgehebelt wird. Durchaus nicht erfolglos, aber als Alleinkämpfer ist er eben einer massiven Gegenwehr meist anonym angreifender Gegner ausgesetzt, wie im beckblog nachzulesen ist.
    https://community.beck.de/2018/09/02/diskussionstipp-von-alexander-wuerdinger-das-bverfg-und-der-inhalt-des-klageerzwingungsantrags

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  7. Orakel schreibt:

    Als Nichtjurist und von juristischen Auseinandersetzungen persönlich nicht Betroffener kann ich mir eine Bemerkung zum Beitrag von Lutz Lippke nicht versagen.

    Was sollen die politischen Leitlinien und Programme der Parteien, wenn das politische Personal gar nicht daran denkt, sich nicht daran halten möchte? Welchen Wert hat ein Grundgesetz in dem wörtlich das eine steht und praktisch das andere getan wird? Können hier wirklich die Gerichte helfen?

    Diese Relativierung von allen Werten und Normen, dieser Lug und Trug hat eine eine besondere Qualität. Denn ideologische Verwirrung, Vertrauensbruch und Entsolidarisierung in der politischen Sphäre sind damit eng verknüpft. Der Gott ist das Geld, der Gewinn, der materielle Vorteil ist der oberste Wert. Das politische System zerstört sich eben selbst von Innen heraus.
    Die pseudolinken Berufspolitiker suchen zur Schuldabwehr sich Feinde und vermeintliche Schuldige, die da heißen „Populisten“, Pegida, das gemeine Volk. Und dieses merkt seit langen Jahren, dass von oben nichts Gutes mehr kommt. Was soll es machen, wenn es verlernt hat sich zu organisieren?

    Und dann zeigt sich, vermeintlich „linke“ Parteien können nichts zum Besseren ändern, siehe Syriza. Welch eine Schande für jeden aufrechten Linken. Nachträglich werden noch die Kämpfe der Arbeiter, des antifaschistischen Widerstandes und die Opfer des Stalinismus entehrt und beschmutzt, durch diese selbsternannte „Linke“.

    Damit ist es zu Ende.

    Man sieht es auch daran, dass Bücher erscheinen (die von amazon zensiert werden), die da heißen: Marx von rechts. Und daraus sei einmal ausnahmsweise zitiert:
    „Es handelt sich also bei rechter Kapitalismuskritik oder der Relektüre von Denkern wie Marx nicht ansatzweise darum, danach zu trachten, in einem globalen Staatsstreich den Weltmarkt abzuschaffen oder Maximalprogramme vorzulegen, wie man die große Maschine zum Stoppen brächte, auch wenn dies Neokonservative zur Desavouierung des kapitalismuskritischen Neubeginns auf der politischen Rechten argwöhnen. Alain de Benoist wies vielmehr darauf hin, dass es unmöglich sei, überhaupt einen globalen Wandel herbeizuführen. Daher müsse man endlich beginnen, eigene „Räume der Freiheit und des Miteinanders zu schaffen“, also Inseln gelebter Alternativität und Solidarität.“
    Und in der nicht zitierwürdigen Denkfabrik schreibt dieser Benedikt Kaiser: „Diese »Inseln« können Hausprojekte, kleine sich herausschälende Gruppen politischer Nachwuchsdenker, widerständige Jugendcliquen, Parteiplattformen oder auch Suppenküchen für Bedürftige über Bürgerinitiativen sein, je nach Fasson und Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen.“
    https://sezession.de/59439/marx-von-rechts-eine-debatte-2

    Nun setzen wir aufrechten Linken irgendeine Definition von Links und Linkssein dagegen. Es wird uns nichts nützen.

    Hier hat sich wirklich etwas überlebt.

    „Das 21. Jahrhundert wird eine Zeit des härtesten Kampfes um die Zukunft sein; eine Zeit, wenn ganze Staaten, Ethnien und Kulturen unbarmherzig und ohne Sentimentalitäten vom Radiergummi der Geschichte fortgewischt werden.
    In diesem Kampf werden nur geeinte soziale Systeme überleben und siegen, verschweißt durch einen gemeinsamen Wertekodex, charakterisiert durch eine minimale soziale Polarisierung und einer hohen Prozentzahl an Wissensträgern. Oligarchische Systeme werden diesen Kampf nicht überleben; ihr Schicksal ist es, ökonomischer Kompost zu werden, Dünger für Starke.“
    Andrej Fursow, Die Welt von morgen. Interview, veröffenlicht am 22. Oktober 2016 in der Literatur-Zeitschrift « Наш современник», №10,
    http://andreyfursov.ru/news/mir_budushhego_intervju_dlja_literaturnogo_zhurnala_nash_sovremennik/2017-01-18-603

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  8. Keller schreibt:

    Oh Gott. ellenlange Kommentare, die nichtssagend sind.

    Nur eine Bemerkung: Irgendwas mit „Links“ gabe es in der BRD noch nie.

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