Linksammlung „aufstehen“ 8

Wolfgang Michal im Freitag, „Sie machen sich nicht ehrlich“ (17.9.2018). Michal gibt einen kurzen Überblick über die Reaktionen auf die Sammlungsinitiative, darunter die Reaktionen der direkt betroffenen Parteiführungen. Das „ehrlich“ in der Überschrift bezieht sich nur darauf, dass „aufstehen“ nicht klar bekennt, wie man sich zur Bundestagswahl 2021 positionieren will. 

Michal erläutert die Art des Zustandekommens der Sanders-Vorbildkampagne und erklärt sodann: „Trotz aller technischen Professionalisierung war die Sanders-Kampagne aber keine Top-down-, sondern eine Bottom-up-Veranstaltung, denn im Anschluss an die Kampagne gründete sich die Organisation ‚Our Revolution‘.“

Sein Wort ins Ohr aller Gläubigen.

Ich bin der Meinung, dass der Krebsschaden all der linken webbasierten Kampagneeuphorie im völligen Fehlen einer prinzipiellen politischen Analyse dieser „modernen“ Erscheinung liegt. Dabei könnte man allein an „Syriza“, dieser Mutter aller verlogenen modernen „linken“ Massenmobilisierung, das Nötige lernen. 

Uns wird angeboten eine neue Runde im Hamsterrad der Matrix.

(Übrigens sollte die ganze digitale Modernität nicht vergessen machen, dass es uralte historische Parallelen schräger „progressiver“ Massenmobilisierung gibt. Mal nach Pope Gapon googeln.) 

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3 Antworten zu Linksammlung „aufstehen“ 8

  1. fidelpoludo schreibt:

    Liebe Leute,
    ich muss sagen, dass mich von allem bisher von „Aufstehen“ Präsentierten und Zugänglichen nur die drei Youtube-Aufritte überzeugt haben: das Gespräch zwischen Sahra Wagenknecht und Klaus Streeck, die Pressekonferenz und zuletzt der Auftritt im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), auf die mich niemand hinwies – wie es doch sein sollte – sondern auf die ich durch Zufall gestoßen bin:

    Warum die „aufstehen“-Website nicht dazu genutzt wird, um uns alle Beigetretenen von solchen Ereignissen zu informieren, verstehe ich nicht. Das erklärt die relativ niedrige Anklickzahl zu dem Video, das sich anzusehen lohnt und wesentlich mehr Interesse verdient hätte. Man hört von Frau Wagenknecht, dass sie fortwährend Mails bekommt. Sollte es nicht auch – neben Twitter, Fetzebuck, Instantgramm(weise) und Pol.is – auch eine Mailadresse der „Aufstehenbewegung“ geben, die von allen erreichbar ist und von der auch wichtige Neuigkeiten alle wiederum erreichen? So zersplittert sich alles in Selbstzerteilung, ohne demokratisch legitiermierter „Herrschaft“ oder einer Willensbildung des Volkes ganz zu schweigen.

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  2. fidelpoludo schreibt:

    Der Dreh- und Angelpunkt: Wer füttert wen, mit welchem Futter?

    Die Webseite aufstehen.de ist nämlich der Dreh- und Angelpunkt der Bewegung. Sie erzeugt das wichtigste Instrument einer Polit-Kampagne: die Datenbank. Eine gute Datenbank ist das A und O von „Online-Movements“. Die Washingtoner Digital-Agentur „Revolution Messaging“, die 2008 Barack Obamas und 2016 Bernie Sanders’ Kampagne steuerte, hat die Blaupause für moderne linke Bewegungen geschaffen: Solche Bewegungen entwickeln sich im Netz, gehen aber anschließend – bestens organisiert – auf die Straße. Wer auf der Webseite von „Revolution Messaging“ die „Bernie-2016-Kampagne“ anklickt, liest als Erstes den Satz: „Building a movement online“: „Wie man eine Bewegung online erzeugt“.“

    Geht es um eine „Polit-Kampagne“?
    Und sollen wir deren „wichtigsten Instrument“, die „Datenbank“ nun fleißigst füttern, ohne dass wir wissen, wie uns geschieht? Ohne dass wir vorher etwas erfahren über die Einzelheiten der „Fütterung“? Habe iich etwa mit meiner Anmeldung schon meine Einwilligung dazu gegeben, dass ich „sie“ füttere mit meinen Daten und „sie“

    „speichern, wer welche Links im Newsletter anklickt, wer welches Video auf der Webseite wie lange anschaut, wer welches Material bestellt, wer welchen Geldbetrag spendet“

    ???
    Kann nach der „Optimierung der Website“ wirklich im Ernst die Rede davon sein, dass sie

    „an jede Nutzerin wie jeden Nutzer individuell angepasst“

    ist? Aufstehen in „Still gestanden“ mündet, eine Weiterbewegung weder gefragt noch gewünscht wird?

    Wäre es so gemeint und beabsichtigt – wovon ich im Moment noch nicht ausgehe -, müßte ich dem Kranich beipflichten: Dieser Stillstand entspräche nur wieder einer neuen Runde im Hamsterrad der Matrix, einer weiteren Versammlung der Lämmer in der gut gehüteten Herde oder dem letzten Innehalten der Lemminge an der Klippe vor dem blinden Absprung ins – Nichts.
    Läßt sich der Rest von Hoffnung etwa nur noch daraus beziehen, dass zumindest das letzte Bild nicht mehr als ein unbewiesener Mythos sein soll?

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Lasst uns endlich massenhaft #aufstehen!
    Lob und Kritik der Sammlungsbewegung.
    https://www.rubikon.news/artikel/lasst-uns-endlich-massenhaft-aufstehen
    Dieser Beitrag von Florian Kirner entspricht in der Argumentation in weiten Teilen und in der Haltung weitestgehend meiner Haltung zu dem, was ich bisher von #aufstehen wahrgenommen habe. Hervorheben möchte ich seine Wiedergabe eines Gesprächs, das er – ganz analog in einem Zug – mit einem „bayerischer Kampfbullen“, einem „Bundespolizisten aus Bayern, der sich in seiner martialischen Uniform, mit Transponder, Funkgerät und restbewaffnet neben“ ihn „gesetzt hatte“, führte. Das Gespräch sollte illustrieren, warum „der große Konsens“ möglich sein sollte und nicht von vorne herein klein geredet werden sollte, selbst wenn fraglich bleiben muß, ob der „Kampfbulle“ zu seinen privat geäußerten Einstellungen öffentlich stehen wird, sähe er seinen „Job“ in Gefahr.

    Ich teile ebenso seine Warnung

    „Man bewahre uns dagegen vor den Schwätzern, den Schwadroneuren, vor verhinderten Heilsbringern und Messiasanwärtern. #aufstehen wäre nicht die erste Bewegung, die in den Treibsand der Geschwätzigkeit gerät und dort zunächst ihre Dynamik und dann die besten, ehrlichsten Aktivsten verliert.

    Die Glücksritter der Aufmerksamkeitsökonomie werden ganz von selber angelaufen kommen und pausenlos ihren Platz an der Sonne einfordern. Dass Profilneurotiker aber das Material sind, aus dem eine neue, bessere, gesündere Menschheit wachsen kann, darf bezweifelt werden“,

    und begrüße auch seine an den Schluß daraus („Was die Bewegung stattdessen braucht sind Worker, Campaigner, Organizer“ – obwohl mich das anglophile Neusprech daran etwas stört) den Schluß entscheidend wiederum relativierende Eintreten für „die Leisen, die Nachdenklichen, die Sorgsamen und für tiefschürfende, melancholische Grübler“.
    Ich gebe aber zu Bedenken, dass sich mit dieser Art „Dialektik des Engagements“ gleichzeitig aber auch der Raum für eine „alte linke Krankheit“ öffnen könnte, die sich einmal mehr als „Spaltungspilz“ – die „selbst verschuldete Uneinigkeit“ über die alten linken Fragen der Aufteilung in „Haupt- und Nebenwidersprüche“ – erweisen kann. Seine besondere Betonung der „ökologischen Frage“ scheint darauf hin zu deuten.

    Was ich allgemein vermisse, ist eine Einbeziehung bereits existierender historischer Erfahrungen in den Organisationsprozeß der „Aufstehensbewegung“, die uns in den verschiedenen Auffassungen „demokratischer Räte“ bereits vorliegen. Von der „Pariser Commune“, 1917, über „Prag und Paris1968“ und nicht zuletzt über die „Perestroika“ und die „Runden Tische“ (nicht zu verwechseln mit „Round Tables“) des „Demokratischen Aufbruchs“ 1989. Woran scheiterten diese Bewegungen? Welche Fehler wurden begangen? Wie konnte Angela Merkel statt Daniela Dahn die (Über-)Führung übernehmen etc.? Aus dieser Geschichte wären Lehren zu ziehen. Dass der Begriff der Räte viele abschrecken wird, ist voraus zu sehen, dass er aber der Sache nach mit der Einführung wirklicher Demokratie entscheidend zusammenhängt, scheint mir unabweisbar.

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