nic

„Korrektur der „offiziellen“ Daten: Was geschieht gerade wirklich in Nikaragua?“

von Kevin Zeese und Nils McCune

Übersetzt, eingeleitet und an einigen Stellen erläutert von Fidelp (MM)

Fidelp: „In einem Interview mit Alex Afruns, dessen grundlegender Artikel über Nicaragua („Nicaragua: terrorism as an art of demonstrating“) – in der folgenden Übersetzung  des Textes von Zeese und McCune vom 13. Juli 2018 zu recht gleich mehrfach herangezogen – eigentlich als Einleitung dienen könnte, wäre da nicht wieder die Hürde einer genauen Übersetzung ins Deutsche zu nehmen, formuliert der »Steinzeit-Linke« John Pilger, dieses »Reptil eines ›billigen Geostrategen« ziemlich genau, worum es heute geht:
https://linkezeitung.de/2016/11/30/john-pilger-ich-habe-diesen-film-gemacht-um-das-schweigen-ueber-den-atomkrieg-zu-brechen/ 

Ich hebe in dem folgenden Zitat daraus hervor, was es gerade im Hinblick auf Nicaragua zu beachten gilt:

John Pilger: „Der kommende Krieg gegen China“ beschreibt die massive  Verstärkung der amerikanischen Luft – und See-Streitkräfte in Asien und im Pazifik, wobei China im Fadenkreuz liegt. Der Film behandelt sowohl die Propaganda als auch die militärische Provokation« (…) er beschreibt einen neuen Kalten Krieg, in dem die „Frontlinien“ nicht mehr so leicht zu erkennen sind wie in dem früheren Kalten Krieg, und die Risiken und die Gefahren viel größer sind. (…)
Alex Afruns: »Sie haben kürzlich erklärt, dass „ein Weltkrieg bereits begonnen hat … und zwar der Propaganda-Krieg“. Was können die Leute tun auf dem Schlachtfeld der Information?
John Pilger: Was die Leute tun müssten, wäre, sich in einer großen Bewegung zusammenzuschließen, die fordert, dass ihre Regierung aufhört zu plündern und andere Länder anzugreifen.  Sie dürfen sich nicht ablenken lassen von der Politik der Innenschau (der „Identitäts-Politik“) und der falschen Realitäten der Medien, die nichts anderes sind als Erweiterungen der blindwütigen Macht, die von Washington Paris, Brüssel und London ausgeübt wird.«

Ich bin allerdings der Meinung, dass es zu dieser parteiischen »billigen geostrategischen Sicht der Dinge« keinen »archimedischen Punkt« gibt, von dem aus der Lauf der Dinge noch einmal ganz anders sich darstellen könnte. Auch nicht in der Sicht auf Nicaragua. Denn auch in Nicaragua, wo die Unternehmer zum Streik aufgerufen haben (Zeese: »Mixing up class interests«) wurde und wird dafür gesorgt, »dass die Frontlinien« des »neuen Kalten Krieges« »nicht mehr so leicht zu erkennen sind. Hier, im Falle von Nicaragua, die Frontlinien wieder transparenter, also durchschaubar und erkennbar werden zu lassen, sollte die Lektüre des hier übersetzten Textes seinen Beitrag leisten.“

Hier ist der Beitrag von Zeese/McCune als pdf abrufbar:

Zeese McCune Nicaragua – Was geschah dort wirklich

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Das folgende Bild gehört nicht zum übersetzten Artikel.

Ich, opablogger, habe es diesem Artikel aus dem Jahr 2015 entnommen.

 

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6 Antworten zu nic

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Vielen Dank für diese Informationen. Ich kann mir daraus zwar kein abschließendes Urteil erlauben, aber die Darstellung ist sorgfältig und bestätigt Unterwanderungstechniken, die wir auch hier schon im Ansatz kennen. Damit ist doch klar, was wir hier tun können und müssen.
    Es sind konkrete Personen, die solche Unterwanderungsstrukturen herausbilden. Diese verhindern z.B. die Wirksamkeit des Rechtsstaats. Statt mit Schildern zu protestieren „Wir wollen keinen Krieg!“ könnten wir hier mit Berufung auf Verfassung und Gesetz erklären „Es gibt keinen Krieg!“ (Nicht als Leugnung von Fakten, sondern als Klarstellung der Machtverhältnisse)

    Wer dem zuwiderhandelt kommt vor Gericht. Heute, morgen, übermorgen. Es werden dafür Beweise gesammelt und vorgehalten. Nun, der Generalbundesanwalt will vielleicht nicht ermitteln. Was tun? Es gibt schon einzelne Anwälte, die Strafanzeigen gegen die Bundesregierung wegen Kriegstreiberei gestellt haben und auch den GBA ins Visier nehmen. Warum ist das nichts für Linke? Weil auch die spontane Grenzöffnung für Flüchtlinge ein rechtlicher Streitfall ist? Weil man sich im Recht nicht auskennt? Rechtlosigkeit, weil kein Lehrstoff in der Schule? Juristischer Analphabetismus?

    Wie unterwandert ist die Linke (damit meine ich nicht nur die Partei), wenn konkrete Fragen und Lösungen der Gesellschaftsorganisation wie Recht, Wirtschaft und Finanzen gar nicht explizit behandelt werden, sondern stattdessen „Forderungen an die Mächtigen“ auf die Straße gebracht werden sollen? Wann kommt denn das Geld, damit ich und genügend andere zu diesen Demos gehen? Wartet man erst auf das Gebot der Konkurrenz? Ist nicht schon klar, dass man mit deren Geboten und Spaltungsstrategien nicht mithalten kann?

    Das Recht auf freie Wahlen, die Gleichheit vor dem Gesetz, Grundrechte, die Gesetzesbindung der staatlichen Institutionen, das strafrechtliche Verbot eines Angriffskrieges, die Sozialbindung der Gesellschaft, die Unabhängigkeit der gewählten Vertreter und einiges Mehr sind die SOZIALEN ERRUNGENSCHAFTEN VON MEHREREN HUNDERT JAHREN KAMPF GEGEN OBRIGKEITEN!

    Wer kommt auf die bescheuerte Idee, diese Errungenschaften mit Fake-News in einen Topf zu werfen, sich nicht mehr wirklich um die praktische Durchsetzung des zumindest formal bereits Erreichten zu kümmern, sondern immer nur Schuldige, Anführer und beklagbare Herrscher zu adressieren oder kleinstmedial sogar eine dramatische Revolution ins N.N. vom Zaun brechen zu wollen?

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    • fidelpoludo schreibt:

      Lieber Lutz (bald hätte ich wieder „Willi“ geschrieben)!
      Ich begrüße es, dass Du gleich den Bogen zu unserer Realität und zur Sammelbewegung zurück schlägst:

      „Es sind konkrete Personen, die solche Unterwanderungsstrukturen herausbilden. Diese verhindern z.B. die Wirksamkeit des Rechtsstaats. Statt mit Schildern zu protestieren „Wir wollen keinen Krieg!“ könnten wir hier mit Berufung auf Verfassung und Gesetz erklären „Es gibt keinen Krieg!“ (Nicht als Leugnung von Fakten, sondern als Klarstellung der Machtverhältnisse)

      Wer dem zuwiderhandelt kommt vor Gericht. Heute, morgen, übermorgen. Es werden dafür Beweise gesammelt und vorgehalten. Nun, der Generalbundesanwalt will vielleicht nicht ermitteln. Was tun? Es gibt schon einzelne Anwälte, die Strafanzeigen gegen die Bundesregierung wegen Kriegstreiberei gestellt haben und auch den GBA ins Visier nehmen. Warum ist das nichts für Linke?“

      Ich würde behaupten und Dir damit Recht geben: Das sollte „für Linke“ nicht nur nicht „nichts“ sein, sondern im Gegenteil sehr viel!
      Und die Hindernisse, die sich entsprechenden Initiativen in den Weg stellen könnten und werden, sollten nicht unüberwindbar sein.

      (1) Wenn es stimmt, dass „einzelne Anwälte“ „Strafanzeigen gegen die Bundesregierung wegen Kriegstreiberei gestellt haben und auch den GBA ins Visier nehmen“, dann sollten diese Initiativen – schon in ihrer Vorbereitung einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden und „moralisch“ wie finanziell unterstützt werden. Der Mangel an einer derartigen Unterstützung dürfte dafür verantwortlich sein, dass derartige Initiativen weder allgemein bekannt werden, noch entsprechend gepuscht und gefördert. Und oft genug im Sande verlaufen.

      (2) Wenn es außerdem stimmt, dass diese Initiativen – mit durchaus rechtlichen Mitteln, gar ausgebufften Strategien – „verschleppt“ oder durch die Inanspruchnahme darauf spezialisierter (meist angelsächsischer) „Anwalts-Trusts“ sogar konfrontativ angegangen werden können – sie werden sich nicht lange um Beistand bitten lassen, weil sie gleich erkennen, dass die Interessen ihrer Geld- und Auftragsgeber (etwa Rüstungsindustrie) (und damit sofort auch ihre eigene parasitäre Existenz) bedroht sind und zur Debatte stehen – dann sollte klar sein, dass die Gegnerschaft sich keineswegs auf den GBA beschränkt, sondern sich ein ganzer Rattenschwanz an ihn hängen wird. Und unter Umständen wird man zufrieden sein, unversehrt sich aus so einer Initiative zurückziehen, gar „heraus winden“ zu können.

      (3) Derartige Initiativen könnten auch in der Weise „erstickt“ werden, dass der Bezug zur Öffentlichkeit einfach aus dem simplen Grund für lange Zeit unterbrochen wird – und das umso mehr, je länger das Verfahren sich hinschleppt -, weil eine „perverse Form der Privatisierung des Verfahrensrechts“ die Herstellung von Öffentlichkeit (öffentliche Einsicht in den Gang des Verfahrens – obwohl der Ausgang des Verfahrens doch von nahezu existenzbedrohendem öffentliche Interesse liegt) verhindert und verbietet, dass – bei Androhung von empfindlichen Strafen bei Zuwiderhandlung (bis hin zum Abbruch der Initiative) – der Öffentlichkeit Einsicht gewährt wird. Dies auch gegen die eigene Absicht zu bewerkstelligen, werden sich für die angesprochenen Kanzleien schon Mittel und Wege (interessiertes einzuschleusendes Personal) finden lassen. Verschleppung und Erstickung als Abspaltungsweisen von der Öffentlichkeit und damit Individualisierung der agierenden Spitzen der Initiative bieten Raum, Zeit und Gelegenheit für ihr Unterdruck Setzen („Wir finden immer ‚was!“).

      Vielleicht könnte Kranich, der wohl einschlägige Erkenntnisse aus dem Fall Mollath gezogen hat, hier noch einiges hinzufügen. Leider. Aber den Gefahren und dem Risiko gilt es sich zu stellen.

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  2. fidelpoludo schreibt:

    Ein Video zum Thema. Urteilt bitte selbst:

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Zur Ergänzung Nachhilfe zur Geschichte Nikaraguas (aktuell auch wegen des Farbrevolutionsversuchs der USA und des Westens in Venezuela):

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  4. fidelpoludo schreibt:

    Was der Essay für Nicaragua liefert, bringt und der folgende Artikel über Venezuela:
    detailreiche Informationen über die verschiedenen Ebenen der US-Regime-Change-Strategie und den systematischen Aufbau von Guaidó:
    https://grayzoneproject.com/2019/01/29/the-making-of-juan-guaido-how-the-us-regime-change-laboratory-created-venezuelas-coup-leader/
    Besseres ist mir bisher nicht unter die Augen gekommen.

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