„aufstehen“ will Daten

„aufstehen“ will erstmal ’ne Weile im Gerede sein, bevor der „scharfe Start“ (4. September) erfolgt. Diese Taktik ist offensichtlich. Sie hat ihre Problemchen aber auch ihre Vorzüge. Ich sehe das und manchmal schreibe ich meine Gedanken dazu auf; einmal hier: „Alles richtig gemacht!“, zum Zweiten hier: „langsam aufstehen; Zeitlupe (mit Update)“.

Bis zum 4. September gibt es also manches Geplänkel oder auch mehr.

„Richtige Klassenkämpfer und Klassenkämpferinnen“ konzentrieren sich darauf, vor „aufstehen“ zu warnen. Sie haben nachgeschaut und herausgefunden, dass der Rechtsanwalt Dobberstein, mit dem „aufstehen“ zusammenarbeitet, ziemlich böse sei, was aus der Liste seiner Referenzen hervorgehe. Gucke mal hier.

Ebenfalls warnen die Klassenbewußten vor dem Umgang von „aufstehen“ mit unseren Daten. Hier die Datenschutzerklärung von „aufstehen“, in der auch „Cleverreach“ angeführt ist – „ein Datenminer !!„, wie man mir zuruft.

Und auch noch dies Bedenken wird geäußert: „Auf der Titelseite rechts oben: Follow on Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, damit auch wirklich alle erfasst sind und die neue politische Strömung ab der ersten Minute sauber kartographiert werden kann.“

Ich dokumentiere das hier, damit keiner hinterher sagen kann, er/sie sei nicht gewarnt worden.

Vom „Aufstehen Team“ selbst kriegte ich am 21.8. eine Mail:

Trag Dich jetzt hier in unser neues Mitmach-Formular ein, damit wir Dich vor dem 4. September besser informieren können, was wir in Deiner Nähe tun wollen.

Oh Schreck! jetzt werden also tatsächlich konkrete Daten abgefragt.

Mein Schreck hält sich in Grenzen. Im Gegenteil, ich sehe hier ein Anzeichen, dass man tatsächlich zeitgemäß, unter Nutzung der Kommunikationsmittel, die das Internet bereitstellt, politisch arbeiten will.

Drei Randbemerkungen zu diesem Komplex:

  1. Ich sehe derzeit keinen realistischen Weg, die Möglichkeiten des Internets zu nutzen und zugleich die Risiken, die es enthält, zu vermeiden.
  2. Ich halte die Einstellung, dem Internet möglichst keine Daten anzuvertrauen, weil sie der Feind, speziell der Geheimdienst ausnutzt, für völlig antiquiert. Ich bin absolut überzeugt, dass der Geheimdienst auf alle sensiblen Daten Zugriff hat und mit ihnen arbeitet. Oft würgen mit dem Geheimdienst“argument“ „progressive Organisationen“ die Forderungen nach politischer Transparenz ab. Ihre Schlauheit läuft darauf hinaus, sich zur Sicherheit selbst in einen Panzerschrank einzuschließen und dort gänzlich unbemerkt ihre systemstürzende Arbeit voranzutreiben. Ich bin überzeugt: Alle meine Daten, die ich der Bewegung „aufstehen“ gebe, wird der Geheimdienst haben, wenn er sie braucht. (Alle meine Daten, die ich der Bewegung nicht gebe, hat er auch.)

3. Ich halte den Schutz der Informations- und Kommunikationswege alternativer Organisation für alles andere als trivial. Zwar geht es dabei auch um den Schutz von Inhalten. Noch viel gravierender aber dürfte der Schutz der Funktionsfähigkeit am Tag X sein. Dann wird von einer Stunde zur anderen das Internet (bzw. die Sektoren, auf die es uns ankommt) nicht mehr funktionieren.

Wie ich weiss, gibt es manche Diskussionen um diese ganze Problematik. Aufgeweckte Leute haben das Problem „auf dem Schirm“. Realistische, praktikable, d. h. alltags-/massentaugliche Schritte sind mir nicht bekannt.

Neugierig bin ich, wie viel der etlichen Zehntausend, die Interesse für „aufstehen“ bekundet haben, nun konkret eingebunden werden wollen (und ihre Daten geben).

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3 Antworten zu „aufstehen“ will Daten

  1. Joachim Bode schreibt:

    Wenn ich krank bin und zum Arzt muß, guck ich vorher, ob der Ahnung hat mit dem Heilen. Hab ich die Auswahl, spielt die politische Einstellung – soweit überhaupt bekannt – eine Rolle. Beim Anwalt ist es ebenso. Dem Kachelmann z.B. war sicher völlig egal, bei wem sein Anwalt das Kreuzchen gemacht hat, hier kam’s allein auf die juristischen Fähigkeiten an, – und richtig böse war dieser Anwalt!
    -, siehe Freispruch. Und Mollath hat gegen seinen Anwalt gearbeitet, mit entsprechendem Ergebnis.
    Als „Aufsteher“ wüßte ich gern einen der besten 5 oder 10 Anwälte an meiner Seite, mit möglichst viel Erfahrung auf möglichst zahlreichen Konfliktgebieten. Die entsprechende Liste auf der Homepage klingt so, als wäre da eine gute Wahl getroffen worden.

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  2. fidelpoludo schreibt:

    Hallo Kranich,
    Die „drei Randbemerkungen zu diesem Komplex“ unterschreibe ich ganz und gar. Ich habe das „neue Mitmach-Formular https://jetzt.aufstehen.de/page/m/6ab263a1/7a680db5/54d93691/66cf4861/441010265/VEsF/ sofort bedenkenlos ausgefüllt, alle „Interessen“ angekreuzt und unter „andere Interessen“ in dem hier zu eng gewährten Raum neben einigen Punkten das Interesse an mehr Raum für das Eintragen „anderer Interessen“ bekundet.
    Was die Mitteilung bzw. Zurückhaltung unserer Daten betrifft, befürworte ich darüber hinaus eine kontrolliert abgesicherte „Flucht nach vorne“.

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  3. Lutz Lippke schreibt:

    Manchmal denke ich, dass wir trickreicher und pragmatischer in den Methoden sein müssten, als es die hehren Ziele so direkt vorgeben. Komischerweise kommen Leute oft nur auf taktische Erwägungen, wenn sie Macht unrechtmäßig erlangen oder aber zu recht verlieren könnten. Zur Klarstellung, es geht mir nicht um Unehrlichkeit oder Betrug, sondern nur um Strategie und Taktik mit dem Willen zur Durchsetzung des erklärten Ziels. Ich bin wohl selbst kein Stratege und kein Taktiker, eigentlich mag ich es direkt und offen. Aber ich musste mir in den letzten Jahren oft überlegen, was ich aktuell oder über eine längere Strecke erreichen will und ob das momentan als zwingend richtig Empfundene dorthin führen wird. Wenn es ums Eingemachte geht, ist das eine Zäsur und man lernt viel über eigene Blockaden, Scheuklappen, den Weg zu lichten Momenten, sowie Geduld mit sich selbst und anderen.

    Der Umstand das unsere Daten sowieso der Krake des tiefen Staates zur Verfügung stehen und wir auf dem von ihr kontrollierten System ihre Entmachtung diskutieren, kann eigentlich nur zu Fatalismus und Galgenhumor führen. Ohne damit Verdächtigungen provozieren zu wollen, ist es der Krake natürlich auch ein Leichtes sich als „man in the middle“ in die rettenden Bemühungen und Zusammenschlüsse von Datenschützern und Netzaktivisten einzuschleusen oder mit Geld und Druck auf Engagierte auch dort die kontrollierende Führung zu übernehmen. Wenn z.B. regenerative Energietechnologien gerade von Öl-Multis und großen Netzbetreibern, elektrifizierte Fahhrzeuge von Dieselauto-Marktherrschern oder die „Demokratie- und Menschenrechts-Hilfe“ von dominanten Staatenlenkern und Börsen-Gurus „entwickelt und gefördert“ werden, dann steht dahinter (zumindest auch) eine kontrollierende, einhegende oder spaltende Absicht. Was nützt da lamentieren oder beten, dass es doch vielleicht einmal anders kommen möge?

    Zunächst möchte ich ein unausgereiftes Gedankenbeispiel für Taktik skizzieren, das nicht zu stringend ernsthafter sondern eher zu spielerischer Überlegung animieren soll. Bei Daten und tiefer Staat fallen mir z.B. Informationsrechte aus dem IFG-Bund ein. https://de.wikipedia.org/wiki/Informationsfreiheitsgesetz
    Ok, ein toternster Antrag zur Einsicht in die Daten der Geheimdienste über mich oder einen anderen Hans-Wurst, wird entweder wenig Erfolg haben oder kaum etwas offenbaren, aber ganz sicher etwas kosten. Es geht bestimmt intelligenter, wenn man sich Ziele, Möglichkeiten und Wirkungen dieser Nutzung eher spieltaktisch überlegt und dabei auch nicht einsam bleibt. Die „Bösen“ nutzen so etwas z.B. für „denial of service“-Attacken, also sehr viele Anfragen gleichzeitig, bis das „Gute“ in die Knie geht. Man könnte da schon mal neidisch werden, bei dem was die „Bösen“ so alles drauf haben und sich erlauben. Ob nun das Bundeskanzleramt zu Fragen wegen Geheimdienstaktivitäten in der deutschen Tiefsee, das Bundeswirtschaftsministerium zu den Waffenimporten in Herrn Kauders Wahlkreis, das Bundesministerium für Verteidigung zur Möglichkeit der Wehrpflicht ab dem Renteneintritt oder doch etwas ganz ganz Ernstes, Hauptsache man spielt mit dem falschen Spiel der Anderen, greift sich ihre Gewissheiten spontan und knackig, lässt sie wieder los, bevor eine kontrollierte Reaktion gedacht werden kann. Also nicht vehement subversiv, sondern naiv, schnell und offensiv, dabei wohldurchdacht.

    Ein wichtiges Machtmittel sind Begriffe und Narrative. Mancher Arbeitnehmer ist trotz tatsächlichem Fachkräftemangel immer noch der Auffassung, dass er seinen Arbeitgebern die Arbeit gegen schlechten Lohn abpressen kann, weil er sich als Arbeitgeber versteht. Auf gleichem Niveau kann die Politik eine Beschäftigungsinitiative mit zusätzlichen 8000 Stellen im Pflegesektor starten, obwohl die, die diese Arbeit geben sollen, noch gar nicht existieren. Die gefühlten Arbeitsgeber sind aber da und wollen billige Arbeitskräfte. Also Kräfte die schlecht bezahlt sind, weil sie nicht zu den Leistungsträgern gehören. Was der Kapitalismus so alles durchfüttert. Meine Herren! Ok, Wortspielerei, aber wenn etwas in die eine Richtung das Denken verwirrt, kann es doch in die andere Richtung selbiges auch entwirren.

    Ich lese häufiger mal im beckblog [ein Juristenblog des Beck-Verlages] und kommentiere auch ab und zu. Das hängt nicht unwesentlich mit meinen Erfahrungen der letzten10 Jahre als Nichtjurist zusammen. Es hat jedenfalls nur wenig mit einer Präferenz für das Juristische oder Formale zu tun. Im Blog beckblog gibt es grundsätzlich keine besonderen Zugangsbeschränkungen, aber es wird viel gelöscht. Will man also mit einer gewissen Überlebenszeit dort „kritische Zeichen“ setzen, muss man taktische Überlegungen anstellen. So gab es vor einiger Zeit sinngemäß das Thema: Gesetz zur Verbesserung der Gutachtenpraxis im Familienrecht. An der Gutachtenqualität gibt es tatsächlich fundierte Kritik zu willkürlicher und schlampiger Methodik, die jedenfalls die Juristen nicht mehr offen verleugnen. Es trifft ja die Psychos vom forensischen Fach, die somit gleich an Allem Schuld sind, könnte man diese Einsicht vielleicht nennen. Nun hätte ich schreiben können: „Und was ist mit Richterwillkür?“, um auf ähnliche „Qualitäts“-Probleme bei den Juristen hinzuweisen. Der Kommentar hätte aber nur kurze Zeit überlebt. Also schrieb ich sinngemäß, dass diese Initiative auch auf „Gutachter mit Entscheidungskompetenz im Verfahren“ erweitert werden sollte. Der Kommentar blieb stehen. Ich wurde sogleich juristisch belehrt, dass Gutachter gar keine Entscheidungen treffen, sondern Richter. So konnte ich im 2. Schritt darlegen, dass Richter „entscheidende Gutachter“ sind und damit natürlich von mir auch gemeint waren. Fürs Löschen war diese taktische Variante vollkommen ungeeignet, „Richterwillkür“ hätte dagegen nur Löschung und Querulanzvorwürfe eingebracht.

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