Anstoß am „Linksmüll“

Die von mir geschätzten HaBe und Willi Übelherr haben meine Wortwahl und Wertung „Linksmüll“ zurückgewiesen.

Ich verstehe gut, glaube ich, was sie meinen, und ich streue ohne zu Zögern Asche auf mein Haupt und zeihe mich der ganz und gar kleinbürgerlichen Sünde der Ungeduld.

Ungeduld ist wirklich schlechtes politisches Benehmen. Bei Lenin hat man das nicht gelernt. Und erst Recht ist man damit Lichtjahre entfernt von dem „kulturvollen Dialog über Alles und Jedes“ (falls Sie wissen, was ich meine).

Leider ist es aber eine empirische Tatsache, ein „materieller Faktor“, dass ich schon eine ganze Weile im Zustand der Ungeduld bin. Es will mir nicht gelingen, die Galle, die mir hochsteigt, so lange zu schlürfen, bis sie süß schmeckt. Einschlägige aushelfende Psychopharmaka lehne ich ab. Die todsicheren Mediationstechniken machten mir Krätze.

Also wieder: „Was tun?“.

Zwar schrieb Lenin dieses Werk am Anfang seines politischen Lebens, während ich am Ende stehe. (Und er schrieb es in der Morgenröte des Kommunismus des XX. Jahrhunderts, während ich den endlosen Totentanz des Kommunismus des XX. Jahrhunderts erleben muss.) Aber Lenin antwortete auch am Ende seines Lebens immer wieder auf die Frage: „Was tun?“.

Folglich 1.) sollte auch ich mir dafür nicht zu schade sein, jedoch 2.) Bün ick Lenin?

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4 Antworten zu Anstoß am „Linksmüll“

  1. Jens schreibt:

    Ui, ich hoffe, dass dies Ende nicht allzu absehbar ist.

    Wie ich für mich persönlich diese Frage beantworte, habe ich in meinem Kommentar zu Deinem Kommentar zu meinem Kommentar zu Deinem kurzen Artikel vom 17. Juni geschrieben. Bin da aber auch weiter am Suchen und glaube an Alternativen, die uns so vielleicht noch gar nicht eingefallen waren..

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  2. Ossiblock schreibt:

    Lieber Opa,

    ich an deiner Stelle würde nichts aufs Haupt streuen. Du hast mit dem Artikel ins Schwarze getroffen.

    Vielleicht solltest du nochmal den Anti-Dühring lesen. Schonungslosigkeit gegenüber Mißständen ist immer gut.

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  3. Dian schreibt:

    Eine starke linke Kraft scheint nötiger denn je: Rechter Terror nur „noch nicht fest entschlossen“ („Rechtsextremer Offizier Franco A.: Keine Anklage wegen Terrorplänen“) Parallelen zu den Dreißigern letzten Jahrhunderts könnten missverstanden und als „Wiederholung der Geschichte“ interpretiert werden …

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    • Johannes S. schreibt:

      @ Dian: Diese rechtsextremen Umtriebe des Franco A. wären vermutlich nicht in Deutschland bekannt geworden, wenn sie sich nicht in Österreich ereignet hätten.
      Der Aufruf „ Eine starke linke Bewegung ist wichtiger denn je“ möchte ich mit diesem Kommentar verstärken:

      Sarah Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Andere möchten im
      September eine neue linke Bewegung initieren und dabei auch Mitglieder der SPD, der Grünen und Parteilose ansprechen. Diese Initiative hat Sarah Wagenknecht im einem Interview mit der NZZ vorgestellt und kann auch in den Nachdenkseiten vom 9. Juli 2018 nachgelesen werden.Hier in einer inhaltlichen verkürzten Wiedergabe:
      Das Projekt hat viele Gegner, weil die Fraktionschefin der Linkspartei sich auch für mehr Polizei einsetzt und Respekt vor Identität und Tradition einfordert.
      Die neue «Sammlungsbewegung» soll dafür sorgen, dass es in Deutschland wieder eine linke politische Mehrheit gibt,
      Frau Wagenknecht gibt bekannt, dass auch Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler und auch prominente Sozialdemokraten dabei sein werden, wie der engagierte Rudolf Dressler, der die Agenda 2010 massiv kritisiert hat.
      Diese Initiative soll sich nicht an Emmanuel Macron mit «En marche», sondern sich eher an Jean-Luc Mélenchon und Jeremy Corbyn orientieren.
      Der Anfang wird mit einer digitalen Plattform gemacht, auf der sich jeder als Unterstützer eintragen kann und auf der die vertretenen Positionen präsentiert werden mit Angeboten auf Facebook, Instagramm mit Online-Diskussionen.
      Die Bewegung wird mit Veranstaltungen, Konferenzen und Strassenaktionen basisdemokratisch verbreitert. Die Menschen sollen spüren: Da entsteht etwas Neues und Grosses, was die erstarrten politischen Strukturen durcheinanderwirbelt.

      Sarah Wagenknecht wirkt im Gegensatz zu Katja Kipping in ihrem Verhalten und Auftreten sehr authentisch, integer und auch deshalb werden ihr Anerkennung und Sympathien nicht nur von linken, sondern auch von liberalen und wertkonservativen Menschen entgegengebracht.
      Diese Initiative kann, ähnlich wie die APO -die außerparlamentarische Opposition- die erstarrten, konformistischen gesellschaftlich bedrohlichen Verhältnisse in Bewegung bringen, den rechten roll back stoppen und zu einem Linksruck führen.
      ——Empört Euch, widersteht nicht nur, sondern engagiert Euch.—–

      P.S. Mein längerer Kommentar vom 18.6. zum Beitrag vom 17.6.18 über den Ausspruch von Lenin zum Bewußtsein der Massen mit meiner ansatzweisen Beschreibung des „kollektiven menschlichen Verhaltens“ wurde vermutlich übersehen bzw. aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen nicht diskutiert, obwohl darin nach meinem Dafürhalten versucht wurde, wichtige Aussagen in einen Gesamtzusammenhang darzustellen, der zu der gegenwärtigen angeblich alternativlosen politischen Situation beigetragen hat.

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