Fundstück – 15.5.2018 – Putin

„Es ist noch viel zu früh, um Schlussfolgerungen zu ziehen, und es gibt noch viel zu viele unbekannte Variablen, aber ich gebe zu, dass ich sehr besorgt bin und dass ich zum ersten Mal seit vier Jahren große Zweifel an einer grundlegenden politischen Entscheidung von Putin habe. Ich hoffe, dass ich mich irre. Das werden wir relativ bald herausfinden. Ich hoffe nur, dass dies nicht in Form eines großen Krieges geschieht.“

Quelle: Saker via Linke Zeitung

Siehe auch Voltairenet und Parteibuch.

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27 Antworten zu Fundstück – 15.5.2018 – Putin

  1. Bernhard Meyer schreibt:

    Als ich einmal Analitiks eher optimistische Sichtweise meine Ängste gegenüberstellte und mit einem Saker-Artikel begründete, antwortete Analitik – sinngemäß – Wer sich masochistisch gerne ängstigt, soll ruhig weiter den Saker lesen, der hinter jeder Ecke die nächste Katastrophe wittert.
    Nun, ich lese weiter beide (u.a.); bis jetzt hat Analitik Recht behalten. Wer weiß, wie lange der Weg noch ist, bis die Lage wieder klarer wird.

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  2. Lutz Lippke schreibt:

    Das Beobachten / Analysieren kann ängstigen, aber spätestens nach der Selbstbeobachtung konkrete Fragen aufwerfen. Selbst in der Jobmaschine festgenagelt, möchte ich doch auf eine Veranstaltuing (heute und morgen) in Berlin hinweisen.
    Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden
    http://natwiss.de/events/wissenschaft-zwischen-krieg-und-frieden-was-koennen-wissenschaftlerinnen-und-wissenschaftler-fuer-den-frieden-tun/

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Für mich hat der Saker-Artikel weniger gebracht als die beiden vom Kranich verlinkten Voltairenet- und Parteibuch-Texte. Zu Putins Verständnis des Israel-Iran-Verhältnisses fand ich auch Thierry Meyssans Ausführungen vom 8. Mai interessant:

    »Seit der Ermordung von Jihad Mugniyah (Sohn von Imad Mugniyah, militärischer Befehlshaber der libanesischen Hisbollah) und von Offizieren der Revolutionsgarden im Januar 2015 an der syrisch-israelischen Demarkationslinie des Golan, deutet alles darauf hin, dass der Iran versucht, Militärbasen im Süden von Syrien einzurichten. Es sollte sich um einen Plan für einen koordinierten Angriff auf Israel, vom Gazastreifen, dem Libanon und von Syrien ausgehend, handeln.
    Es ist dieses Projekt, das Israel verhindern will und dessen Unterstützung jetzt auch von Russland verweigert wird.«

    http://www.voltairenet.org/article201038.html

    Am 13. Mai erhalten wir von Thierry Meyssan eine mögliche weitere Erklärung für das Verhalten sowohl Putins wie Assads. Dass deren Haltung gegenüber Israel sich von der des Iran in einem wichtigen Punkt unterscheidet und die Einheitsfront aufzuweichen droht:

    »Damaskus und Moskau befinden sich durch ihr Bündnis mit Teheran nun in einer Falle. Wenn auch beide den Hütern der Revolution für die Rettung der syrischen arabischen Republik am Anfang des Krieges dankbar sind, sind sie jetzt gegen ihren Willen in einen Konflikt verwickelt, der nicht ihr eigener ist: beide Länder erkennen Israel als Staat an, was aber von der islamischen Republik Iran verweigert wird.“

    http://www.voltairenet.org/article201128.html

    einparteibuch (15.5.) eröffnet demgegenüber mit seiner Beurteilung der Verhältnisse im Irak (in einer Stellungnahme zu einem Kommentar: 15. Mai 2018 um 00:21) eine durchaus positive Perspektive 
für die „Achse des Widerstands“ in der Region:

    »Muqtada al Sadr scheint mir drauf und dran zu sein, aus dem Irak ein geeintes und unabhängiges Land zu machen. Sollte das gelingen, wäre das eine riesige Errungenschaft, von der meiner Meinung nach nicht nur die Iraker, sondern letztlich auch der Iran und die Achse des Widerstandes profitieren würden.«

    https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2018/05/14/zionisten-feiern-us-botschaftsverlegung-nach-al-quds-mit-massaker-in-gaza/

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    • willi uebelherr schreibt:

      Trotz meiner hohen achtung fuer Thierry Meyssan und das Voltaire-Netzwerk bin ich oft sehr skeptisch. Er operiert auf einer anderen basis und konzentriert sich auf die macht-gruppen. Das ist manchmal richtig dann, wenn sie in ihrem ghetto ungestoert agieren koennen.

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      • fidelpoludo schreibt:

        Lieber Willi!
        Du hast vollkommen recht mit Deiner Skepsis. Aber ich bringe solche Zitate nicht in der Überzeugung, dass sie völlig zutreffen, sondern mit der Absicht sie zu diskutieren bzw. Gegeninformationen zu liefern, die sie in Frage stellen.
        In der Beurteilung solcher „Fakten“ (die politische Gegenwart betreffend) kann sich kein Analytiker aus dem „Dunkel des gelebten Augenblicks“ befreien, das ja durchaus nicht mit der „einbrechenden Dämmerung“ verwechselt werden darf, in der „die Eule der Minerva“ erst „ihren Flug“ beginnt.
        Aus eben diesem Grunde bin ich auch eher zurückhaltend und vorsichtig mit Äußerungen in solchen Zusammenhängen, in denen es um Tendenzen und Latenzen geht – um Spekulationen und deren (Un-)Wahrscheinlichkeiten.

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    • kranich05 schreibt:

      Fidelp macht sich die Mühe, einige widerstreitende Einschätzungen der (m. M. n.) allesamt ernst zunehmenden Beobachter, direkt gegenüber zu stellen.
      Genau das tue ich auch und zwar kontinuierlich. (Neuestens z. B. durch Beachtung auch diesen Artikels vom Saker: http://thesaker.is/making-sense-of-russian-political-ambiguities/).
      Ich meine, dass das was wir in der Welt derzeit erleben
      a.) derart extrem widersprüchlich und dynamisch ist und nie dagewesen ist
      und wir
      b.) über derart schlechtes theoretisches Handwerkszeug zum Erkennen verfügen (nach dem Ausfall bzw. der grassierenden Komplettmissachtung des „Marxismus-Leninismus“), dass kaum ein anderes Verfahren bleibt, um „sich einen Reim“ zu machen.

      Dass zunehmend die Existenz und Wirkungsweise einer neuartig-besonderen zionistisch-realkapitalistischen Macht sichtbar wird (die möglicherweise in den USA, wie auch in Russland und sogar in China am Werk ist), scheint mir ein Ansatz, für den nicht wenig spricht.

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      • fidelpoludo schreibt:

        Zum Hin-und-Her und Für-und-Wieder eines Zick-Zack-Kurses

        Dieser „Saker“-Artikel – Hinweis vom Kranich – war mal wieder außerordentlich – besonders in seinem spezifischen „Zig-Zag“ in der Würdigung und Bewertung des Putinschen „Hin-und-Her-Kurses“, für den er hier Verständnis äußert, dort auf seine Fehler hinweist. Mit je ausgewogenen und nachvollziehbaren Argumenten. Für mich stach heraus die Betonung der Bedeutung der Israel-Lobby in Russland, deren Umfang und Größe so schwer einschätzbar erscheint, gerade wohl weil eine der AIPAC vergleichbare Organisation nicht vorhanden ist. Man fragt sich: Ist sie erst noch im Entstehen oder ist sie bereits im Keime von Putin erstickt und hat Putin sie überhaupt im Visier wie die anderen westlichen NGOs? Oder wird er sie mit einem spezifischen Verständnis von nationalem Interesse zunächst einmal gewähren lassen wollen? In dem vom Saker festgestellten Machtkampf zwischen „Atlantic Integrationists“ und den „Eurasian Sovereignists“ beruhigt dessen Unentschiedenheit auf keine Weise, gerade weil den ersteren eine „pro-israelische Haltung bis zum Anschlag“ bescheinigt wird. Hinzu kommt die als eher „neutral“ (realpolitisch?) zu beurteilende Einstellung zu Israel, die vom Schicksal der Palästinenser relativ unberührt scheint. Sich der wachsenden Kritik an Israel (interessierte Fehlwahrnehmung) nicht zu bedienen weiß oder sich ihrer nicht bedienen will. Weil er die Russen eher in der Rolle der Juden im Auge des Westens verortet als die moslemischen Palästinenser. Was ihm einfach näher liegt und wohl liegen muß. Zumal ihm die Sanktionen gegen Russland letztenendes zupass gekommen sind. Auch weil die Araber sich nie für Russlands Interessen eingesetzt haben. Diese „Neutralität“ gegenüber der Politik Israels bedauert der „Saker“ zutiefst, hält sie aber für verständlich und erklärbar aus den genannten Gründen.

        Der Konstatierung der größten und fatalsten Schwäche des Anglo-Zionistischen Empires – dass sein Überleben zwanghaft an die Kolonisation oder Zerstörung jedes unabhängigen Staates gebunden ist, der entweder „God’s own country“ oder das „auserwählte Volk“ zu bedrohen scheint – fehlt allerdings der explizite Hinweis auf die sprichwörtliche Gefährlichkeit gerade eines angeschlagenen Gegners, auch wenn er (der Hinweis) implizit echon gegeben ist. „Abwarten und Teetrinken“ und sich so wenig wie möglich in die Karten gucken zu lassen (auch wenn scheinbar Gutgesinnte von der Undurchsichtigkeit betroffen sind), scheint mir nicht die unangebrachteste Haltung in dieser Situation. Darunter könnte auch die Forderung fallen, dass Russland endlich *für* etwas stehen müsse, nicht bloß gegen etwas. „The current zigs-zags“ der „inkonsistenten“ russischen Politik läßt eben im Moment keinen Schluß darauf zu, wofür sie steht – was aber nicht unbedingt heißen muss, dass sie sich darüber keine Gedanken macht. Der „Saker“ sieht auch in dieser Beziehung einen Prozess im Gange: Wird der „new Russian” type den Ausschlag geben oder der „sehr starke und klare Ethos“ des Militärs, das sich noch an die anti-nationalsozialistischen Kämpfe zu erinnern fähig ist, dem der Saker den Sieg im Kreml wünscht, weil nur in ihm sich die Vorstellung und das Konzept einer “true sovereignization” (authentischen Selbstermächtigung) noch zeige und erhalten habe. Mmh! Könnte er recht haben?

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      • fidelpoludo schreibt:

        Lieber Kranich,
        wer, wenn nicht Du, könnte dem „Ausfall bzw. der grassierenden Komplettmissachtung des „Marxismus-Leninismus““ entgegenarbeiten, zumal er bzw. sie ja nicht darauf hinweist, dass er (der Marxismus-Leninismus) fehlt oder nichts zu sagen habe, sondern dass er – in Teilen zumindest – nur nicht gebührend beachtet wird.

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        • kranich05 schreibt:

          Hey (Antwort zugleich an Willi),
          ich benutze viele Gelegenheiten hier im Blog, dem Ausfall bzw. der Missachtung des „M-L“ (nicht zufällig in Anführungszeichen) entgegen zu wirken.
          Natürlich habe ich Grenzen, dies systematisch und tiefschürfend zu tun. Vor allem aber: Die Impulse eines Einzelnen müssen auf Resonanz stoßen. Sonst kommt nichts in Gang. Die „Abmeldung des „M-L“ ist eine gesellschaftliche Erscheinung, die viel Elementares, „Naturwüchsiges“ hat. Fast möchte ich ihr materielle Notwendigkeit zusprechen.
          Dieser Zustand müsste sehr ernsthaft studiert/analysiert werden. Es geht um nicht weniger als die Rücknahme von 300 Jahren Humanitätsentwicklung (seit Beginn der Aufklärung) zu verstehen. Entdeckungen sind nötig, damit ein neuer geistig-theoretischer Anlauf der Menschheit möglich wird.
          Ich bleibe bei alldem der Nachfolge von Marx und Lenin verpflichtet. Konkret heißt das:
          – einer materialistischen Geschichtsauffassung. Dazu gehört die materialistische Auffassung der Produktion/Reproduktion in ihrer Totalität! (also nicht Mikro versus Makro, lokal versus regional versus global, Geld versus Maschine versus Eigentum an Pm oder noch Anderes herausgepickt, wie Willi das tut.)
          Dabei reichen die bisherigen so schön griffigen Erkenntnisse über den Klassenkampf im allgemeinen und die Rolle des Proletariats im besonderen längst nicht mehr aus. Sie sind Spezialfälle (nicht einfach Irrtümer), die in neue Rahmen gestellt werden müssen.
          – Materialistische Geschichtsauffassung schließt natürlich ein, die „Materialität“ bzw. materielle Bedingtheit aller Überbauprozesse zu verstehen. Zugespitzt: Materialität von Herrschaft. Da gibt es nichts, was mensch sich einfach aus dem Kopf schlagen könnte. Also entgegen der stehenden Redensart von Willi: „Damit brauchen wir nur einfach aufzuhören.“ Das hier erheblicher Forschungsbedarf zur Dialektik Materielles/Ideelles besteht, liegt auf der Hand. (Herbert Hörz hat freilich schon lange in diese Richtung gearbeitet.)
          – Die Freiheit (in der Begrenztheit) des Menschen, des menschlichen Individuums muss fundamental begriffen werden. Wieder geht es darum den Begriff des Materiellen enorm zu vertiefen. Materielles muss wirklich und wahrhaftig sein Gegenteil in sich tragen.

          In der Nachfolge von Marx, Engels und Lenin Handelnde (und Denkende), in diesem Sinne Marxisten und Leninisten, haben allerhand getan. Sie sind abgestürzt aber sie haben doch in ihrem großen Bemühen viele Goldkörner gefunden. Goldkörner waren die tatsächlichen Schrittchen zur Emanzipation durch Selbstermächtigung, die der Realsozialismus ging. Und zwar – behaupte ich contra alle üble Nachrede – mehr als jede andere Gesellscvhaft!
          Marx hat unverzichtbare Grundlagen gelegt (blieb aber geschichtlich Welten von einer wirklichen Revolution entfernt) und Lenin hat eine Revolution begriffen und vorläufig siegreich (mit)geformt (mit der Perspektive auf einen höheren Gesellschaftszustand bzw. -prozess).
          Für das Marxstudiium scheint es einen einfachen Weg zu geben. Auf den Hosenboden setzen und seine dicken Wälzer studieren.
          Für das Leninstudium gibt es diesen (scheinbar) einfachen Weg nicht, weil die gesamte Leninpraxis begriffen/ausgeschöpft werden muss (z. T. tiefer als es ihm selbst bewusst war).
          Lenin zu erschließen ist auch deshalb schwieriger, weil er fast komplett durch die Stalinsche bzw. realsozialistische Brille tradiert ist.

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        • willi uebelherr schreibt:

          Lieber Klaus-Peter, in vielem gebe ich dir recht. Insbesonder dem vorletzten satz:
          „Für das Leninstudium gibt es diesen (scheinbar) einfachen Weg nicht, weil die gesamte Leninpraxis begriffen/ausgeschöpft werden muss (z. T. tiefer als es ihm selbst bewusst war).“
          Das deute ich als hinweis auf eine staerkere getriebenheit.

          Aber, es gilt auch fuer Karl Marx und Friedrich Engels. Auch sie waren eingebunden in eine bestimmte und spezifische zeit. Schon der vergleich der konflikte mit Ferdinand Lasalle (hohe geschlossenheit) und Max Stirner (deutliche differenzen) zeigen, dass hier anderes wirkte. Siehe „Sankt Max“, was dann „deutsche Ideologie“ wurde.

          Fuer mich wurde dies deutlich im zusammenhang mit der Pariser Commune und damit auch mit Bakunin und Kropotkin. Karl Marx musste einsehen, dass das revolutionaere Subjekt nicht die Fusstruppen der Partei-Funktionaere sind. Und so wurden seine schriften von den apparatschiks immer interpretiert. Aber damit hat er seinen schaersten gegnern in der philosophie den raum in den apparaten geebnet. Und seine tiefsten freunde in der philosophie, wie Bakunin und Kropotkin, hat er die laufkarte gegeben.

          Bei Lenin sehe ich das anders, weil er tief vom buerokratischen apparat konditioniert war.

          Und, weil das hier auch angesprochen wurde. Im ersten grossen europaeischen krieg war eine strikte durchsetzung des kriegsende zwingend notwendig. Aber die zerstoerung der ukrainischen anarchisten? Damit haben sie ihren wichtigsten freund, der ihnen aus der patsche geholfen hat, zerstoert und sich eine gewaltige schwaechung zugezogen. Hier ging es dann nicht mehr um die unabhaengigkeit, sondern um die unterwerfung aller unter das diktat des apparates.

          Und zum zweiten grossen europaeischen krieg? Auf der basis einer staerkung der Sowjet Union von unten waere es deutlich einfacher gewesen, vorbereitet zu sein. Das, was bis 1939 passierte, war eine der extremsten schwaechung der kraft der Sowjet Union, die wir uns vorstellen koennen.

          Ich erinnere hier wieder an V.Putin, dass er die entwicklung der technologie in Russland und in der russischen foederation immer als grundlage nimmt, um auch im militaerischen die notwendigen instrumente zur verfuegung zu haben. Und diese entwicklung setzt immer offene und selbstgestaltete raeume voraus. Mit druck und zwang kann da nichts entstehen. Eigentlich solltet ihr dies aus der DDR wissen, wie hoch der energetische eigenverbrauch war, der von den buerokraten erzeugt wurde.

          Die schwaechung nach innen ist immer die absolut bloedeste sache, die wir tun koennen.

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      • willi uebelherr schreibt:

        Darf ich mich einklinken? Ich tue es einfach, zustimmung vorrausgesetzt.

        Marxismus-Leninismus? Das sind zwei sehr verschiedene dinge und nicht geeignet, zusammen zu fassen.

        Wenn wir das geschehen unter marxistischen gesichtspunkten betrachten, dann schauen wir immer auf die oekonomischen grundlagen, die das Sein bestimmen und damit das Bewusstsein. Das sieht Saker auch, aber es ist fuer ihn ein spiel. Deshalb wohl, ich spekuliere, nannte Klaus-Peter ihn „Sofastrategen“.

        V.Putin agiert in einem anderen raum. Weil aber die existenz der russischen foederation zwangsweise an ihre kraft zur autonomen oekonomie gebunden ist, folgt auch er diesem weg. In seiner rede am 1.3.2018 stand dies im zentrum. Nicht die resultate im militaerischen.

        In einer seiner letzten reden zu angehoerigen des militaers verweist er wieder darauf. Naheliegend in dieser umgebung, mit den erfolgen im militaerischen beginnend. Aber wohl wissend, dass dies nur resultate sind aus einem anderen raum.

        Diese gesichtspunkte einer oekonomischen unabhaengigkeit, die sich immer auf eine unabhaengigkeit in der technologie stuetzt, wird von autoren, die nie in ihrem leben konstruktiv gearbeitet haben, nicht verstanden. Es existiert fuer sie nicht. Fuer Marxisten sehr wohl, wenn sie wirklich Marxisten sind und nicht nur „Dummschwaetzer“.

        Bei P.C.Roberts sieht es inzwischen etwas anders aus. Er loest sich mehr und mehr von der fiktiven „Makrooekonomie“ und wendet sich der wirklichen oekonomie zu, die Joseph Stieglitz „Micro-Oekonomie“ nannte. So kommt er zu Michael Hudson und Herman Daly.

        Micro-Oekonomie ist die wirkliche Oekonomie. Makro-Oekonomie ist das aufgebauschte religioese Geldtheater. Darauf hat schon Karl Marx sehr deutlich hingewiesen.

        Aber all das hat mit Lenin nichts zu tun. Brigitte Queck hat die abschiedsrede von Friedrich Engels in ihrem text zum 200.Geburtstag von Karl Marx an seinem grab zitiert. Der erste absatz ist der kern des ganzen.

        „Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; dass also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt.

        Damit nicht genug.
        Marx entdeckte auch das spezielle Bewegungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. Mit der Entdeckung des Mehrwerts war hier plötzlich Licht geschaffen, während alle früheren Untersuchungen, sowohl der bürgerlichen Ökonomen wie der sozialistischen Kritiker, im Dunkel sich verirrt hatten.

        Zwei solche Entdeckungen sollten für ein Leben genügen. Glücklich schon der, dem es vergönnt ist, nur eine solche zu machen. Aber auf jedem einzelnen Gebiet, das Marx der Untersuchung unterwarf, und dieser Gebiete waren sehr viele und keines hat er bloß flüchtig berührt – auf jedem, selbst auf dem der Mathematik, hat er selbständige Entdeckungen gemacht.

        So war der Mann der Wissenschaft. Aber das war noch lange nicht der halbe Mann. Die Wissenschaft war für Marx eine geschichtlich bewegende, eine revolutionäre Kraft. So reine Freude er haben konnte an einer neuen Entdeckung in irgendeiner theoretischen Wissenschaft, deren praktische Anwendung vielleicht noch gar nicht abzusehen – eine ganz andere Freude empfand er, wenn es sich um eine Entdeckung handelte, die sofort revolutionär eingriff in die Industrie, in die geschichtliche Entwicklung überhaupt.

        So hat er die Entwicklung der Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrizität und zuletzt noch die von Marc Deprez genau verfolgt. Denn Marx war vor allem Revolutionär.

        Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen Staatseinrichtungen, mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats, dem er
        zuerst das Bewusstsein seiner eigenen Lage und seiner Bedürfnisse, das Bewusstsein der Bedingungen seiner Emanzipation gegeben hatte – das war sein wirklicher Lebensberuf.

        Der Kampf war sein Element. Und er hat gekämpft mit einer Leidenschaft, einer Zähigkeit, einem Erfolg wie wenige. Erste „Rheinische Zeitung“ 1842, Pariser „Vorwärts!“1844, „Brüsseler Deutsche Zeitung“ 1847, „Neue Rheinische Zeitung“ 1848/49, „New-York Tribune“ 1852–1861 – dazu Kampfbroschüren die Menge, Arbeit in Vereinen in Paris, Brüssel und London, bis endlich die große Internationale Arbeiterassoziation als Krönung des Ganzen entstand – wahrlich, das war wieder ein Resultat, worauf sein Urheber stolz sein konnte, hätte er sonst auch nichts geleistet.

        Und deswegen war Marx der bestgehasste und bestverleumdete Mann seiner Zeit.

        Regierungen, absolute wie republikanische, wiesen ihn aus, Bourgeois, konservative wie extrem-demokratische, logen ihm um die Wette Verlästerungen nach. Er schob das alles beiseite wie Spinnweb, achtete dessen nicht, antwortete nur, wenn äußerster Zwang da war. Und er ist gestorben, verehrt, geliebt, betrauert von Millionen revolutionärer Mitarbeiter, die von den sibirischen Bergwerken an über ganz Europa und Amerika bis Kalifornien hin wohnen, und ich kann es kühn sagen: Er mochte noch manchen Gegner haben, aber kaum einen persönlichen Feind. Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk!“

        (Engels Rede erschienen in der Zeitung „Der Sozialdemokrat“ Nr.13 vom 22.März 1883)

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        • fidelpoludo schreibt:

          Lieber Willi,
          diese Gleichsetzung von Darwin und Marx, von Natur und Geschichte, dürfte verantwortlich sein für manche Verirrungen der Linken, der gerade Lenin – ich wiederhole: gerade Lenin – nicht zugestimmt haben dürfte. War sie doch mitverantwortlich dafür, daß etwa die Sozialdemokratie (Stalin in anderer Weise) glaubte – in nahezu religiöser Weise -, sich mit ein paar Reformen abfinden zu können, Reform an Reform, Fortschritt an Fortschritt zu knüpfen, eines Tages „demokratisch“ an die Macht zu kommen, um sozusagen dem automatisch ablaufenden Prozeß der Geschichte ein wenig nachhelfend im Grunde nur abwartend – mit Geduld und Spucke – gegenüber zu stehen, da „die Gesetze der Geschichte“ sowieso – ob die Bourgeosie wolle oder nicht – auf ihrer Seite stünde. Nach dem Motto: „Die Wahrheit wird uns nicht davonlaufen“. Dieses bettelarme Absehen von den zu erarbeitenden und neu zu gewinnenden (Kranichs Lenin etwa) Erfahrungen aus der Vergangenheit im Verein mit einem blinden Vertrauen in eine so oder so kommende bessere Zukunft als an der Gegenwart kleben bleibende Haltung, die deren Ausnahmezustand nicht wahrhaben will, die etwa Walter Benjamin („Über den Begriff der Geschichte“) oder Bloch auf je verschiedene Weise immer wieder kritisiert haben, wird heute eher von einem Gilad Atzmon als Kritikpunkt aufgegriffen als von der Linken selbst.
          Engels simplifizierende Aussagen – mit Abstrichen vielleicht sogar Marx selber – dürften an einer solchen Entwicklung nicht ganz unschuldig sein.

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        • willi uebelherr schreibt:

          Lieber fidelpoludo, oder fidelp, wie Klaus-Peter (KPK) dich nennt, ich verstehe deinen bezugspunkt nicht. Ich finde hier nirgends eine automatik angesprochen. Aber sehr viel, was auf die wirklichen kraefte fuer/gegen eine transformation verweist, ohne im nebuloesen politischen theater sich zu verfangen.

          Ich weise immer wieder darauf hin, dass die grundlage die oekonomie ist und nicht das politische geschwaetz. Oder mit B.Brecht zu sagen:
          „.. es macht ihn ein geschwaetz nicht satt und bringt kein Essen her“. Den Mensch, der ein Mensch ist

          .Die Die Linke ist eine schwaetzerbude, SPD und Gruene ebenfalls. Aber, was hat das mit uns zu tun? Leben wir von tantiemen oder staatlich forcierten (geraubten) geldfluessen? Alles parasitaere instanzen, auf die wir sofort verzichten koennen, ohne irgend einen nachteil zu erleiden. Ich verstehe nicht, wovon du redest.

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          • fidelpoludo schreibt:

            Lieber Willi,
            wenn ich betrachte, wie Du über meinen Beitrag redest, verstehe ich sehr gut, dass Du nicht verstehst, wovon ich rede. Weil Du nicht bemerkt hast, dass ich hier historisch argumentiere. Von der Partei „Die Linke“, der aktuellen „SPD“ oder den „Grünen“ war zunächst einmal gar nicht die Rede, sondern von ihren „linken“ Vorläufern, aus deren Versagen sie entweder geglaubt haben, etwas gelernt zu haben, oder – mit ähnlichen Fehleinschätzungen behaftet – glaubten. so weiter wursteln zu können.
            Der Bezugspunkt ist die verheerende Engelsche Gleichsetzung der Gesetze der Natur mit denen der Geschichte. Marx habe die gesetzmäßige Entwicklung der Geschichte so „entdeckt“ wie Darwin die der Natur. Von dieser „Gewißheit“ ausgehend haben sich dann gerade viele linke Massenbewegungen mehr oder weniger dem „automatischen“ Gang der Geschichte überlassen. Ihr Sieg war ja „geschichtsgesetzlich“ schon vorprogrammiert. Wenn nicht heute, dann morgen – oder vielleicht übermorgen? Lenin mag zuweilen ähnlich gedacht haben, gehandelt hat er aber ganz anders. Und sein Ziel hat er deshalb nicht vollkommen erreicht, weil es – unter anderem – in Europa gerade entscheidende „linke Kräfte“ gab, die dem „gesetzlichen Gang“ der Geschichte ihr Schicksal überlassen wollten.
            Marxens „Verelendungstheorie“ (und die ist ein nicht unwichtiger Teil der Gesetze des Kapitalismus) ist zwar nicht völlig falsch, ist aber paradoxerweise gerade durch Gewerkschafts- wie sozialdemokratische Parteipolitik in den Industrieländern „hintertrieben“ worden, so dass die Proletarier mindestens eine Zeitlang mehr zu verlieren hatten (zumindest in ihrer Perspektive) als „ihre Ketten“.

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        • willi uebelherr schreibt:

          Doch, lieber fidelp, ich verstehe dich sehr gut, oder zumindest das, was du ansprichst. Nur erhebe ich einspruch zu deiner betrachtung, reflektiere sie. Das mag (auch) falsch sein. Aber deine argumentation verleitet mich dazu.

          Gesetzmaessigkeiten existieren immer. In der Natur wie in der sphaere menschlicher sozietaeten. Die erkenntnis dessen setzt das erkennen der inneren triebkraefte voraus, um sich von der symbolik und maskerade nicht taeuschen zu lassen. Auf diesen gesichtspunkt verweist Friedrich Engels.

          Die methodik der DieLinke wie der SPD ist die alte von Ferdinand Lasalle. Die selbstunterwerfung der beschaeftigten unter die beduerfnisse des kapitals. Ihr vertrauen zu den akkumulationen des kapitals. Es wird als gegeben und anerkennenswert behandelt. Der kern ihres tuns ist die Selbstenmaechtigung der beschaeftigten.

          Aber, wir muessen auch ehrlich sein. Der hang zur Selbstentmaechtigung und Unmuendigkeit ist teil des seins von den beschaeftigten. Sie erleben es tagtaeglich, sie werden so konditioniert und sozialisiert. Auch wenn sich extreme widersprueche hierbei auftun.

          „Alle Raeder stehen still, wenn dein starker Arm es will“. Was ist das? Die anerkennung des eigenen unvermoegens zur Selbstorganisation, die negation der eigenen kraft. Statt die raeder im eigenen sinne drehen zu lassen, fokusiert sich die arbeiterbewegung auf ihre abhaengigkeit und reduziert sich selbst zum maschinenbeiwerk. Der horror pur.

          Aus diesem sumpf heraus sind alle jene gruppen entstanden, die sich heute „links“ oder „marxistisch“ nennen. Sie reagieren, unter dem diktat ihrer selbsterhaltung, statt zu agieren und ihre eigene existenzweise dabei zu transformieren, selbst aktiver teil zu werden. Es sind buerokraten und apparatschiks. Im denken und tun.

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      • willi uebelherr schreibt:

        Ich zitiere einfach.
        „Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden. 19. Mai 2018 um 23:48 „

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  4. Wolle schreibt:

    Moin moin,
    ohne alle Links verfolgt und gelesen zu haben. Was wird Putin tun?
    Am besten erst einmal gar nix!
    Warum?
    Russland aka Putin(klingt schon fast wie LTI „Der Russe“) wird erst einmal abwarten. Warum sich exponieren, wenn es nicht Not tut.
    Im „Westen“ hat man erst einmal mit sich zu tun. Das Merkel gleicht z:Z. einer angeschossenen Ente, Maas und Maaßen schreien nach Hirn und bücken sich immer, Mascarpone aka „Little Napoléon“ weiß auch nix und May und „Little Trump“ aka BJ haben lange und wachsende Nasen! Das eitert ganz schlecht raus! Der Dollar schießt auch nicht in den Himmel gerade!
    Der Kaiser ist nackt und versucht alles, alle nackt zu machen! Keep calm!

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  5. Pingback: Gehorsame Linke | opablog

  6. fidelpoludo schreibt:

    Zu kranich05 am 20. Mai 2018 um 20:59 (siehe oben)

    „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert,
    es kommt darauf an, sie zu verändern.“

    Einmal davon ausgehend, dass die Hervorhebungen wirklich von Marx stammen, halte ich diese Formulierung für ebenso genial wie verkürzt. Weil der allgemeine Begriff des „Veränderns“ nichts darüber aussagt, in welche Richtung: zum Besseren oder zum Schlechteren. Und weil er obendrein auch nichts aussagt über den Grad und das Wesen der Veränderung: Reform oder Revolution; „Umwertung aller Werte“ oder Abschaffung des Wertedenkens. Flugs sind die Einwände mit Recht bei der Hand: Der Kontext ist hier entscheidend und der des gesamten Marxschen Werkes beseitigt jeden Zweifel, wie Veränderung hier gedacht wird: „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch…“ Die abstrakte Gegenüberstellung von „Interpretation“ und „Veränderung“ in ihren Hervorhebungen deutlich als Gegensatz markiert, verschleiert zudem noch eine weitere Notwendigkeit der Differenzierung des Begriffes der „Interpretation“: Ob es sich um eine affirmative oder um eine kritische Interpretation handelt. Wenn laut Marx die „Kritik der Religion“ „die Voraussetzung aller Kritik“ ist, war die Feuerbachsche Variante sicher nicht bloß affirmativ, sondern eine Vorausetzng seiner eigenen.
    Im Sinne dieser Einwände findet Marx an anderer Stelle auch mindestens zwei viel bessere Formulierungen (auf die Lenin sich berufen haben dürfte):

    „Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.“
    „Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen.“

    In beiden Zitaten wird nämlich nicht mehr auf dem Gegensatz von Kritik (Philosophie) und Veränderung bestanden, sondern ein Kontinuum hergestellt, das – besonders im zweiten – deutlich macht, dass die Philosophie als „Waffe“ ja nur dienen kann, als sie vorher da sein muß, um im Kampf um eine noch nicht abgeschlossene, noch nicht veränderte Sache, hilfreich zu sein. Sie muß da sein, um den Kampf erst zu beginnen und ihn erfolgreich abzuschließen. Im ersten Zitat wechselt sie sogar ihren „Aggregatzustand“, wird von einem geistigen (ideellen) Zustand in einen materiellen überführt („Theorie wird zur materiellen Gewalt“).

    Es kann kein Zweifel mehr bestehen, dass die Philosphie (als möglichst zutreffende Analyse – Interpretation – der Realität, der gesellschaftlichen Verhältnisse) eine – wenn nicht die wichtigste – Voraussetzung für eine Veränderung der Verhältnisse zu betrachten ist, deren Genauig- oder Ungenauigkeit mitentscheidend ist oder sein wird für den Ausgang der verändernden Praxis.
    Es geht kein Weg daran vorbei, dass mit dieser Prämisse an sowohl das Leninsche wie auch das Stalinsche Projekt (aber auch das nachstalinistische Projekt) herangegangen werden muß.

    Mit allen Einschränkungen meiner mangelnden Kenntnis der Leninschen Theorie wie Praxis möchte ich folgende Einschätzungen zur Diskussion stellen: Lenin hatte die „richtige“ (utopische) Philosophie im Sinne. Ohne sie hätte er seine Theorie nie mit der Praxis verbinden können. Im Verlaufe der Praxis jedoch tauchten derartig viele uneingeplante Hindernisse auf, dass er das Primat mehr und mehr auf „defensive“ Reaktion auf diese Hindernisse verlegen mußte (Einheit der Nation, Versorgung der Bevölkerung, Bürgerkrieg, imperialistische Angriffe, Ausbleiben der erhofften Sozialistischen Revolutionen in anderen Ländern, Verrat der Sozialdemokratie, 1. Weltkrieg etc.) und sich zu Maßnahmen gezwungen sah, die ihm ohne diese Hindernisse nicht in den Sinn gekommen wären.
    Bei Stalin hat sich dieser Zwang dann verstärkt und verselbstständigt – das ursprüngliche Ziel Lenins) war bei ihm entweder nie ausgeprägt vorhanden oder wurde total verdrängt.
    Die nachstalinsche Ära ruderte nur halbherzig zurück. Ihr gelang bis heute keine konsequente „Aufarbeitung der eigenen Geschichte“ und hinzu kam eine falsche Einschätzung des Gegners und dessen (ökonomischen) Waffen.

    Die einzig ernst zu nehmende Linke im Westen sah sich gezwungen, die „falschen“ Veränderungen und das Ausbleiben der „richtigen“ Veränderungen in einer unzureichenden Interpretation der Ausgangsbedingungen zu sehen. Sie konzentrierte sich einseitig auf die Möglichkeit des Zustandekommens des Faschismus und des Holokaust. Und entdeckte den vernachlässigten „subjektiven Faktor“ unter Einbindung der Psychoanalyse in den Marxismus, mit deren Hilfe sie den „autoritären Charakter“ als nicht nur in den westlichen Gesellschaften vorherrschende Typus definierte, der als Grundlage für die „verwaltete Welt“ zu halten sei und auch für die Zukunft nichts Gutes verheiße. Ob ihre Vernachlässigung der Analyse der stalinistischen Verhältnisse sich dadurch erklären läßt, dass sie auch dort das Vorhandensein oder Fortbestehen des „autoritären Charakters“ einfach unterstellten, bleibt eine offene Frage.

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  7. fidelpoludo schreibt:

    Ich schließe mich Willis Worten – diesmal ohne Widerspruch – an:
    „Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden. 21. Mai

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  8. fidelpoludo schreibt:

    21. Mai 2018 um 18:43
    Ich schließe mich Willis Worten – diesmal ohne Widerspruch – an:
    „Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden. 21. Mai“

    Lieber Kranich,
    dieser Kommentar, den ich oben anspreche, ist von Dir noch nicht freigeschaltet worden.
    Absicht oder Versäumnis? Bezieht er sich doch auf Deinen Kommentar
    vom 20. Mai 2018 um 20:59

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