Faktoren der Kriegsgefahr

Ich nehme Grundlinien wahr und möchte sie benennen, ohne aufwändige Begründungen und Herleitungen.

  1. Wir sind in einer Umbruchphase, in der sich die Wirkungsweise der Hauptfaktoren täglich ändern kann und auch tatsächlich ändert. Das verunsichert.
  2. Ein Hauptfaktor der Kriegsgefahr ist die mächtige us-amerikanisch-/britisch-/zionistische Partei, deren Aushängeschild H. Clinton war oder noch ist. Diese Partei (Feltman, Bolton) ist aggressiv bis zum Wirklichkeitsverlust.
  3. Ein zweiter Hauptfaktor ist eine ebenfalls us-amerikanisch-/zionistische Partei (Koch-Brüder, Adelson), eine Zweitversion der vorgenannten. Sie ist realitätstüchtig und arbeitet mit Erfolgen daran, Trump mehr oder weniger komplett für sich zu vereinnahmen.
  4. Ein dritte Hauptfaktor besteht in der eher nationalkapitalistischen, zeitweilig „nationalimperialistischen Linie“ (eine in sich widersprüchliche Begriffsbildung), mit dem ursprünglichen Aushängeschild Trump. Sie möchte die unmittelbare Kriegsorientierung zurückstellen zu Gunsten einer künftig erneuerten, großen (auch militärischen) Ermächtigung der USA.
  5. Jeder der genannten drei Hauptfaktoren setzt auf Krieg. Dabei scheint der umfassende Raketen-Kernwaffenkrieg (3. Weltkrieg) keine Option zu sein. Alle anderen Optionen liegen auf dem Tisch bzw. werden laufend entwickelt und praktiziert.
  6. Die Russen wissen zwar, dass sie nicht besiegt werden können, sie wissen aber auch, dass ihnen ungeheure Verluste drohen (Pyrrhussieg). Sie setzen auf Kriegsvermeidung zu fast jedem Preis.
  7. Die Kriegsvermeidungspolitik der Russen muss (in einem Feld mit extrem vielen Dimensionen) jederzeit die Balance finden und halten zwischen harten  (für den Feind „lehrreichen“) Teiloffensiven und „weichem Einstecken“. Die kleinste Fehlentscheidung in diesem angespannten Ringen erhöht sofort die Kriegsgefahr.
  8. Die gesamte menschliche Gesellschaft, überall in der Welt, unterliegt der Herrschaft von Oligarchien. Alle Oligarchien fußen auf der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Zugleich unterscheiden sie sich erheblich hinsichtlich ihrer historischen Gewordenheit und ihrer je spezifischen Ausprägung des Kapitalismus. Ich befürchte, dass letztlich alle auf dem Neoliberalismus basieren.
  9. Die ausgebeuteten und machtlosen Massen sind sowohl geistig desorientiert als auch desorganisiert und haben daher keinen Einfluss auf die Frage Krieg/Frieden. Davon zeugt auch der jüngste Ramsteinappell (den ich zunächst und unter Vorbehalt begrüßt habe).
  10. Den Ausweg aus dieser Lage zu finden, setzt als allerersten (aber keineswegs ausreichenden) Schritt voraus, radikalen Humanismus=humanistische Revolution zu denken.

Vor allem die unter den Zahlen 2. bis 7. aufgelisteten Faktoren garantieren Krieg als Dauererscheinung unserer Zeit bei gleichzeitiger Drohung von noch größerem Krieg.

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6 Antworten zu Faktoren der Kriegsgefahr

  1. willi uebelherr schreibt:

    Lieber Klaus-Peter, ich bin jetzt nicht in der lage, eine andere liste daneben oder entgegen zu stellen. Mir faellt nur auf, dass du den faktor „radikaler Humanismus“ etwas unterschaetzst.

    Wir sehen eine getriebenheit auf beiden seiten. Die oligarchen und elitaeren akteure dieser strukturen agieren unter druck. Und agieren deswegen auch so aggressiv. Selbst in ihrem eigenen umfeld ist das freie wirken eingeschraenkt. Der aufwand fuer den militaerisch-industriellen komplex frisst ihre basen. Ihre monopole aktionsgrundlage loest sich auf. So sind sie permanent gezwungen, ihre kollektives wirken einzufordern.

    Dem gegenueber steht der block des „radikalen humanismus“, auch wenn er sich noch nicht als solcher konstituiert. Der beginn aus dem kommunistischen manifest, „ein Gespenst geht um“, trifft eigentlich immer noch sehr gut. Auch wenn es da zunaechst nur um erpresste verteidigung geht, oft oder manchmal im endzustand, so deuten sich doch die aufloesungserscheinungen der freiwilligen uebernahme der gesetzten prinzipien an.

    Die frage ist ja mehr, wie die akteure des „radikalen Humanismus“ ihre globale kooperation gestalten und so ihre kraft entfalten. Weil diese haben sie noch nicht und tritt nur „als Gespenst“, als drohung, auf.

    Wir wissen, wir brauchen die globale kommunikation dafuer. Wir muessen wissen, was und wo was geschieht. So wie die geld-getragene oligarchie als scheinbarer block auftritt, gilt dies noch nicht fuer uns. Die ziele unserer gegner sind die vollstaendige kapitalisierung des planeten zu ihrer privaten verwertung. Unsere ziele sind stabile lebensgrundlagen fuer alle auf der basis freier globaler kooperation.

    Ueber politische debatten, ueber den rueckzug auf UN-Charta und Menschenrechte und Voelkerrechte, ueber empoerung ist das nicht zu leisten. Der oligarche elitaere apparat weiss das sehr gut und konzentriert sich auf die wesentlichen praktischen und faktischen vollzuege. Wir rennen noch dagegen an, legitimieren damit die oligarchen elitaeren strukturen.

    Das Gespenst ist immer die Alternative in der gestaltung unserer lebensweise. Wenn wir sie „radikalen Humanismus“ nennen, ist das auch richtig, weil auch aus diesem ziel alles entstehen kann, was uns heute noch von dem trennt, was wir eigentlich anstreben.

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  2. Johannes S. schreibt:

    Da sich bislang zu dem aller wichtigsten Thema der Kriegsgefahr keine Diskussion ergeben hat, möchte ich auf den nachfolgenden Beitrag aus den Nachdenkseiten aufmerksam machen, in dem der von mir sehr geschätzte Willi Wimmer in einem Video-Interview sehr umfassend und sehr direkt seinen Standpunkt erklärt. Willi Wimmer ist wertkonservativ und nach wie vor CDU Mitglied, insofern ist sein mutiges Engagement besonders anerkennenswert.
    Aus den Video-Hinweisen der Nachdenkseiten:
    8.Deutschland im Umbruch: Hannes Hofbauer im Gespräch mit Willy Wimmer
    Eine Veranstaltung des Aktionsradius Wien 19.04.2018 – Willy Wimmer ist ein deutscher CDU-Politiker und gehörte 33 Jahre dem Bundestag an. Zwischen 1985 und 1992 fungierte er als verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und im Anschluss als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Von 1994 bis 2000 war er Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
    Quelle: Idealism Prevails

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  3. willi uebelherr schreibt:

    Liebe freunde, mit dem kommentar von Johannes habe ich wieder unter diesem thema nachgesehen. Tatsaechlich, da passiert nichts. Meinen kommentar habe ich auch gefunden, den ich schon fast vergessen hatte.

    Warum wird die liste von Klaus-Peter nicht reflektiert? Ist sie richtig? Beim wieder durchlesen fiel mir wieder auf, dass Klaus-Peter die akteure zu den hauptkraeften erklaert. Ist das richtig? Ich denke Nein.

    Ich habe mir das video mit Willy Wimmer noch nicht angesehen. Ich vermute, er folgt den gleichen grundsaetzen wie Klaus-Peter. Das meine ich jetzt nicht abwertend. Auch fuer mich ist Herr Wimmer eine starke persoenlichkeit, die viel bewirken kann und auch tut.

    Der krieg als methode ist konstituierend im kolonialismus und damit auch heute. Nach innen wie nach aussen. Die gewaltsame durchsetzung von egoistischen interessen, die sich ein system geschaffen haben, was diesen ihren interessen dient. Der kern ist die globale kontrolle des geldsystems, die Konzentration und Monopolisierung, die erzwingung der globalen gueltigkeit ihres geldsystems. So wird das instrument mit seinen inneren gesetzen zur treibenden hauptkraft.

    Goethe hat es am Zauberlehrling versinnbildert. Wenn wir die proklamationen der verschiedenen gruppen der machtapparate durchlesen, finden wir immer den verweis. Auch Albrecht Mueller wie Willy Wimmer folgten und folgen diesem konzept.

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  4. fidelpoludo schreibt:

    Zu Kranichs Punkt 10 „Den Ausweg aus dieser Lage zu finden, setzt als allerersten (aber keineswegs ausreichenden) Schritt voraus, radikalen Humanismus=humanistische Revolution zu denken“ stelle ich mich hier hin und poste – ich kann nicht anders – einen weiteren Beitrag eines „Geistschmeichlers“, den vor allem Willi sich ersparen sollte, falls ihm daran liegt, nicht wiederholen zu wollen: „Wieder einer, der es nicht begriffen hat und nicht begreifen will!“ Die „gefühlen 400 Seiten“ seiner Darstellung der Lage wie seiner Version von „Was tun?“ erspare ich mir wohlweislich nicht ohne den Verweis darauf, dass der Vortrag, auch wenn er vor anderthalb Jahren gehalten wurde, meiner Ansicht nach noch höchst aktuell ist.
    Ignoriert ihn oder nehmt ihn auseinander. Auch wenn Kranich sich die Haare raufen sollte: Ich sehe
    eine Anknüpfung an Lenins Position im weitesten Sinne unter den heutigen Bedingungen.

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  5. kranich05 schreibt:

    Eine Diskussion darüber, was zum Krieg führt, mag ich für überfällig halten.
    Interessanter ist, dass sie nicht zustande kommt.
    Die Ereignisse des Tages deute ich so, dass Israel, aktuell der Hauptkriegstreiber, an Grenzen kommt. Die strategische Staatskunst der Russen, scheint mir, verdient Bewunderung.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Wenn es stimmt, dass die israelischen Angriffe auf iranische Stützpunkte in Syrien mit Putin abgesprochen bzw. von ihm abgesegnet wurden, neige ich zwar dazu, Dir zu zustimmen. Aber ganz sicher bin ich mir dabei nicht. Ihm scheint es darum zu gehen, die Weltöffentlichkeit langsam aber sicher für sich zu gewinnen, indem er Israel, die Nato und die US-Regierungen als das deutlich in Erscheinung treten läßt, was sie sind: kriegslüsterne Kriegstreiber, die sich in ihrer Zwanghaftigkeit selbst demaskieren. (Ob uns derartige Beurteiligungen deshalb deutlich von den „Sofastrategen“ abheben, ist ebenso zweifelhaft, weil uns die dafür notwendigen Informationen und Stimmungen auch nur alle auf dem Sofa erreichen.)

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