Was ist? Was wird? (1. und 2. 4.18)

Hab‘ ich eigentlich schon gesagt, wo ich mich befinde? In der „Brandenburgklinik Berlin-Brandenburg“ in Bernau bei Berlin, besser bekannt als „Waldsiedlung“ oder „Wandlitz“; ja, im „Städtchen“.

Heute habe ich meinen Nachmittagsspaziergang (während stundenlangen Schneefalls) mal durch den früheren „Innenring“ gemacht, bin die Stücker 20 Häuschen abgelaufen, die damals das Heiligste vom Heilligen beherbergten. Einige sind mit Informationstafeln über die früheren Bewohner versehen, einige scheinen leer zu stehen. Es sind einstöckige Häuser von meist etwa 200 qm Grundfläche, funktional sicherlich kleine Villen, architektonisch sind sie NICHTS – einzeln gestellte Reihenhäuschen.

Ich glaube mich zu erinnern, dass damals Ende 1989, als zum ersten Mal Journalisten über das “Städtchen“ berichteten (DDR-Journalisten, die über Nacht Sensationsgeilheit gelernt hatten), die gezeigten Wohnverhältnisse kaum Jemanden aufregten. Gewaltige Empörung aber gab es über die Kaufhalle im „Städtchen“, vollgestopft mit Westwaren, die zu höchst moderaten Preisen abgegeben wurden (während 10 km weiter in Schmachtenhagen, wo schon damals meine Laube stand, im Hochsommer 1x in der Woche Bier angeliefert wurde, das am selben Tag ausverkauft war…. Merkwürdigerweise hatten die Leute trotzdem alle Bier, …weil sie eben immer gleich ‚nen ganzen Kasten kauften).

Mit dem „Städtchen“ hatte ich nur einmal persönlich zu tun, direkt-indirekt, wenn man so will. Und zwar damals, als ich eine kleine Weile ein Abenteuer mit einer feschen Ungarin hatte. Ihr Mann arbeitete in einem Ministerium oder in der Staatlichen Plankommission. Er war so wichtig, dass er manchmal zu seinem Minister/Politbüromitglied ins „Städtchen“ gerufen wurde, wo bis tief in die Nacht und morgens gleich weitergearbeitet wurde. Dann übernachtete er dort im Gästehaus, während Ungarin und ich nach Herzenslust in einer Tanzkneipe unweit ihrer Wohnung schwoften. „Und etwas andres noch“.

Wenn ich nun weiter zu den Fragen „Was ist? Was wird?“ schreibe, fürchte ich, dass es ein Durcheinander gibt. Mir gehen eine Menge Gedanken durch den Kopf, doch wie strukturieren? Vielleicht ist zumindest die Dialektik von Einzelnem, Besonderem und Allgemeinem ein Ordnungsprinzip. (Damals, in den Gesprächen von Clara S. mit Gilad Atzmon war mir die etwas schematische Entgegensetzung von „tribalistisch verankerten“ und universal orientierten Menschen aufgefallen.) Ich denke, dass Menschen, die sich universalistisch orientieren, sehr wohl besondere Beziehungen (zu denen auch Sippenstrukturen gehören mögen) pflegen sollten.

Die Zeiteinteilung meiner Tage ist sei Jahren festgezurrt. Sechs Stunden täglich – grobe Schätzung, eher mehr – bin ich im Internet: Breit gestreute Aufnahme mich interessierender Informationen, gezielte Recherchen, Schreiben/Zusammenstellen von Postings, kleiner Anteil von Erholung (Musikvideos, politisches Kabarett). Dazu kommen: Lesen (auf Papier Gedrucktes), Kochen, Garten, Partnerschaft/Familie, Haustiere, Singen, dicker werden & dünner werden, Dies und Das (keine Zeitung, kein Fernsehen). Ich war es immer zufrieden, Mrs. Tapir nicht so ganz.

Es hat mir immer Spaß gemacht, Umherzuschauen und meins Hinauszuposaunen. Immer wieder auch habe ich Postings ernsthaft erarbeitet, von denen ich meinte, dass sich danach die Welt ändern würde. Tat sie aber nicht. Es ging täglich seinen Gang. Täglich 200 bis 300 Aufrufe zu erreichen war für mich, diesbezüglich Nichtehrgeizigen, erfreulich. Gehirnjogging ist das Ganze sowieso. Wenn, aus nicht immer erkennbaren Gründen, die Zahl der Besucher und ihre Reaktionen erheblich steigen, wird es noch erfreulicher und … belastend. Es artet in Arbeit aus.

So könnt‘ es „ewig“ weitergehen. 100 Tage abgelebt, 1000 Tage abgelebt, im immer gleichen Schema. Ist es das? Jedenfalls sind die letzten elf Jahre vorüber gesaust, ich weiss nicht wie. „Daß zu frühe die Parze den Traum nicht ende.“ bittet Hölderlin (ohne je eine Stunde am Computer verbracht zu haben). „Welchen Traum eigentlich?“, frage ich verlegen. Und habe noch 3000 oder 4000 Tage vor mir.

Es kommen einige Ernüchterungen zusammen. Eingeleitet wurden sie vor ungefähr drei Jahren als mir die Beschränkung auf das Virtuelle wieder zu eng wurde. (Vorher gab es die „Mollath-Zeit“, in der sich zumindest zeitweilig Virtuelles und Wirkliches/Praktisches gut verbanden.) Ich verfiel, mir schien aus gutem Grund, auf die Deutschen Freidenker. Dort wurde ich sehr aktiv, sah viel Sinn darin und ergriff mit Freuden und rückhaltlos die Möglichkeit zur freien gemeinschaftlichen Diskussion. Doch bald spürte ich Manipulationsversuche. So schnell, wie ich dann gegen Wände rannte, kam ich gar nicht mit meiner Wahrnehmung hinterher.

Lehrreich war es. Hatte ich (für mich) in der Mollath-Phase die Zivilgesellschaftsblase mit ihrem NRO-Rattenschwanz aufgestochen, so war jetzt (für mich), nach der Freidenker-Phase, all das endgültig obsolet, was dort, wo einst das stolze Linke Schiff gekreuzt hatte, an Brettern und Balken, leeren Flaschen und sonstigem Kleinkram auf unruhiger See schwapperte.

Zurückgeworfen auf Null? Das war mir 1991 schon einmal passiert. Als ich, ausgerechnet zum Höhepunkt der Hetze, meine IM-Tätigkeit offenbart hatte, da stand ich 12 Uhr mittags allein auf dem weiten Markt. Die Sonne brannte. Doch ich hatte meinen Kopf, meine Beine, Arme, Hände beisammen. Es konnte weiter gehen. Und es ging.

Der Nullpunkt muss nicht schrecken. Keine Lust mehr auf den immer gleichen Aktivismus aus Gedankenarmut oder Gedankenfeigheit des immer gleichen Häufleins. Ist er mehr als das ins Leere führende Halteseil für die letzten Getreuen? Seit 30, 40, 50 Jahren schreitet der Neoliberalismus durch die Lande als gäb‘s kein morgen. Seit 30, 40, 50 Jahren greinen die Feinde des Neoliberalismus dagegen an. Beide scheinen gut zusammen zu passen. Zahlen sie sich wechselseitig aus?

Russland hat die Rakete „Satan“ im Gepäck. Die Chinesen profilieren sich als künftiger Meister der Hyperschallwaffen. Und die USA wollen nichts sein als das fetteste und immer fettere Monster aus Stahl und Bomben. Dafür geben sie tausende Milliarden aus. (Wollte ich die auszählen, (100 Euro in der Minute)  bräuchte ich viele 10.000 Jahre.) Wenn das das letzte Wort der Menschheit ist, ist jede Äußerung meinerseits eine zu viel.

Also grämlich schweigen? Nein, darum geht es nicht. Aber einfach den Versuch machen, unbekümmert neu zu denken („autonom denken“ hat das Willi genannt). Wenn einer 70 Jahre bewusst gelebt hat, in dieser Zeit viel gerannt ist, ist‘s da nicht an der Zeit, sich einfach mal zu sammeln, sozusagen (ohne die Augen zu zu machen) „in sich zu gehen“? Wenn Du es nicht tust, geht da keiner „rin“.

Ich sollte nicht gar so flapsig reden: Im Grunde interessiert mich die Frage, ob es möglich ist und ob es sinnvoll sein könnte, eine ganz und gar radikale menschliche Antwort (Wir wissen: „radikal“= „an die Wurzel“) auf unsere Zeit zu geben. Wie könnte die aussehen? Wenn alle Welt weiss, dass die Revolution das aller-, aller- allerschlimmste ist, dann reizt es mich doch sehr, mal unbedrängt nachzuschauen, was manche der alten Revolutionsdenker so im Kopf hatten.

Wenn also einerseits das Allgemeine und Universale in (scheinbar) perfekter Rüstung glänzt und jeder Spiegel Dir Ratlosigkeit zurückwirft, und wenn andererseits in 3- bis 4000 Tagen meine Wenigkeit (also das Einzelne) ins Erdreich einzieht, wie der Knoblauch in meinem Garten (dieser Beneidenswerte freilich mit hoher Wiedergeburtswahrscheinlichkeit), sollte ich mich da nicht für die nächste Zeit ein wenig (als mein Besonderes) auf eine Art „Lebens-Raten“ verlegen; unbedingt samt dem dazugehörigen “Leben“?

Also nicht aufhören mit dem Räsonieren darüber, wie die Gesellschaft, wie „die Anderen“ leben sollten, es aber verbinden mit seiner zweiten Seite, dem Begreifen des einfach Selber-Schön-Lebens.

Wird fortgesetzt.

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8 Antworten zu Was ist? Was wird? (1. und 2. 4.18)

  1. willi uebelherr schreibt:

    Grandios, lieber Klaus-Peter, deine offene und freie reflektion ist einfach grossartig. Der reibungsflaechen gibt es ja genug, die uns lehren, dass da so manches dafuer und dagegen wirkt.
    Ich bin ja auch so ein alter dackel, schon fast 70. Aber, wir koennen immer wieder neu im alten anfangen.
    Bernau bei Berlin, das Staedtchen, hoere ich zum ersten mal. Auf http://www.berlin.de wird ueber den hungerturm und das henkerhaus geschrieben, aber wer verhungert wurde und wer gehaengt und warum das alles, ist nichts zu lesen. „vorsetzliche Ignoranz“? Ja, eindeutig.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Hallo Willi: Also so wird es kaum sein. Des Hungers und des Elends im Mittelalter wird man im Rahmen einer Besichtigung von „Sehenswürdigkeiten“ und angesagter „Ausflugstipps umso lieber gedenken, als es vom aktuellen Elend doch wunderbar abzulenken geeignet ist, ganz nach dem Motto: „Wie herrlich weit haben wir es doch – dagegen – gebracht!“:

      „Die Bernauer Altstadt wurde um 1970 ein Opfer der Abrissbirne, es entstanden Plattenbauten, die aber in Höhe und Form an die historische Bebauung angepasst wurden. Sehenswert ist Bernau trotzdem, schon wegen der heute noch 1300 Meter langen Stadtmauer. Dort finden Besucher auch das Steintor sowie Hunger- und Pulverturm aus dem Mittelalter. Im Steintor und im Henkerhaus hat das Heimatmuseum seine Ausstellungen. Im Henkerhaus war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Scharfrichterei untergebracht. Bis Ende des 17. Jahrhunderts fielen in Bernau 25 Frauen und drei Männer dem Hexenwahn ihrer christlichen Mitbürger zum Opfer, ein Denkmal vor dem Henkerhaus erinnert daran. Das Steintor befindet sich in der Berliner Straße 1, das Henkerhaus nur wenige Gehminuten entfernt. Geöffnet ist noch bis Ende Oktober dienstags bis freitags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, am Wochenende von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Auskünfte unter 03338 29 24.
      Weitere Sehenswürdigkeiten: Die Marienkirche gleich hinter dem Markt …“

      http://www.berliner-woche.de/mitte/ausflugstipps/hussiten-hungerturm-und-henkerhaus-d68282.html

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  2. fidelpoludo schreibt:

    „Also nicht aufhören mit dem Räsonieren darüber, wie die Gesellschaft, wie „die Anderen“ leben sollten, es aber verbinden mit seiner zweiten Seite, dem Begreifen des einfach Selber-Schön-Lebens.“

    Ja, das ist ein wichtiger Punkt, der nicht nur, aber doch in besonderer Weise diejenigen beschäftigt, die wie wir – und noch einige andere der auf diesem Blog Aktiven – schon in die Jahre gekommen sind. Für mich ist ganz eindeutig klar: Ohne mich permanent – aber nicht unnunterbrochen -, besser vielleicht kontinuierlich, damit zu beschäftigen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ – was heute impliziert, unbedingt auch mit dem, was die Welt (global) auseinanderzureißen, an den Abgrund zu treiben droht, verlöre ich ganz schnell meinen Antrieb. Humanistische Bildung (Literatur, Philosophie, Kunst, Malerei) muß darum unbedingt ergänzt sein und werden durch Politische und ökonomische Bildung. Das ist mir nie so klar geworden wie in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren und das Internet gibt nicht allen, aber doch sehr vielen, die Möglichkeit dazu.
    Dem wohl berühmtesten Satz Adornos „Es gibt kein richtiges Leben im falschen!“, dessen ursprüngliche Textfassung in seinem noch heute – vielleicht gerade heute noch und wieder – höchst lesbaren Bändchen „Minima Moralia“ (mit dem auch vielsagenden Untertitel: „Reflexionen aus dem beschädigten Leben“) gelautet haben soll „Es läßt sich privat nicht mehr richtig leben“, hat er an anderer Stelle dann doch eine für ihn eher untypische „positive“ Wendung gegeben: „Einzig listige Verschränkung von Glück und Arbeit läßt unterm Druck der Gesellschaft eigentliche Erfahrung noch offen.“ Es geht also nicht zuallererst darum, so will ich es mir zurecht biegen, einem anderen „schwärzeren“ seiner zustimmend bemühten Zitate, dem von Grabbe, „Denn nichts als nur Verzweiflung kann uns retten“, zu folgen, sondern im falschen Leben „erfahrungsfähig“ zu bleiben.
    Was Adorno allerdings unter „Erfahrung“ in einem emphatischen Sinne versteht, ist in ihrer komplizierten Verbindung mit Körper, Gefühl, Erkenntnis, Versenkung, Irrationalem und Rationalem, Leiden, Liebe, Spekulation, Dialektik (an Hegel wie Marx anknüpfend) mit dem einen oder anderen Hinweis kurz und bündig kaum darzustellen. Vielleicht hier ein in die Problematik einführendes Zitat:

    „Geistige Erfahrung ist (…) als Prozeß zu fassen, der sich permanent der Offenheit der Spekulation überläßt, ohne jedoch auf die Verbindlichkeit von Theorie zu verzichten:
    ‚Wer immer eine Sache nicht mit Kategorien überspinnen, sondern sie selber erkennen will, muß zwar ihr sich ohne Vorbehalt, ohne Deckung beim Vorgedachten überlassen; das glückt ihm aber nur dann, wenn in ihm selbst, als Theorie, bereits das Potential jenes Wissens wartet, das erst durch die Versenkung in den Gegenstand sich aktualisiert’“.

    Zum Erfahrungsbegriff Adornos „erfahren“ wir hier Wichtiges mehr:
    http://www.ca-ira.net/verlag/leseproben/pdf/kirchhoff.et.al-gesellschaft_lp2.pdf
    Ob die Beschäftigung damit dann nicht doch bloß zusätzliches „Leiden“ produziert, muss jeder selbst für sich entscheiden. Auf jeden Fall wird es nicht leicht.
    Verzeihung, Kranich, wenn Du es so genau-ungenau, tief in weitere Untiefen führend, auch wieder nicht wissen wolltest. Adorno als „Salon-Marxisten“, wohnhaft im „Hotel Abgrund“, abzutun, bietet sich als naheliegender Ausweg ja auch noch an. Schließlich ist, wieder nach Adorno, „die Idee seiner Abschaffung (…) dem Leiden als Imperativ inhärent.“ Amen!

    WP!!! Wieder nicht doppelt – diesmal unten angehängt, damit WP begreift, dass es lügt – unverbesserlich und immer mal wieder!

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  3. fidelpoludo schreibt:

    Hallo Kranich,
    statt Dich weiter mit Adorno zu quälen, wähle ich heute morgen die bewährte und bekömmlichere Variante Chuck Berry, maybe not to make your, but – wenigstens – the morning:

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  4. fidelpoludo schreibt:

    „to make your day

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  5. fidelpoludo schreibt:

    „die Frage, ob es möglich ist und ob es sinnvoll sein könnte, eine ganz und gar radikale menschliche Antwort (Wir wissen: „radikal“= „an die Wurzel“) auf unsere Zeit zu geben. Wie könnte die aussehen? Wenn alle Welt weiss, dass die Revolution das aller-, aller- allerschlimmste ist, dann reizt es mich doch sehr, mal unbedrängt nachzuschauen, was manche der alten Revolutionsdenker so im Kopf hatten.“
    Ohne drängeln zu wollen. Hier mal drei Zitate neben- bzw. hintereinander gestellt, von deren zwei ich den Autoren – aus bestimmten Gründen – erst einmal nicht nenne, weil ich vermute, dass dann allzu schnell die Vorurteilsklappe die Lektüre beeinträchtigt und der dritte eben der Lenin aus „Was tun?“ ist. Ich schließe daran an die Fragen:
    1. Stehen sie in einem erkennbaren gegenseitigen Zusammenhang?
    2. Kann ihr Zusammenhang ein Licht werfen auf unsere heutige Situation?

    Zitat Nr.1: »Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.«

    Zitat Nr.2: »Denn wenn Sie die Technisierung und Entfremdung dialektisieren (mit vollem Recht), die Welt der objektivierten Subjektivität aber nicht ebenso, so heißt das politisch nichts
    anderes, als dem Proletariat (als dem Kinosubjekt) unvermittelt eine Leistung zutrauen, die es nach Lenins Satz* anders gar nicht zustande bringen kann als durch die Theorie der Intellektuellen.«

    Zitat Nr.3: „Aber die spontane Entwicklung der Arbeiterbewegung führt eben zu ihrer Unterordnung unter die bürgerliche Ideologie, sie verläuft eben nach dem Programm des ‚Credo’, denn spontane Arbeiterbewegung Trade-Unionismus, ist Nur-Gewerkschaftlerei, Trade-Unionismus aber bedeutet eben ideologische Versklavung der Arbeiter durch die Bourgeoisie. Darum besteht unsere Aufgabe, die Aufgabe der Sozialdemokratie, im Kampf gegen die Spontaneität, sie besteht darin, die Arbeiterbewegung von dem spontanen Streben des Trade- Unionismus, sich unter die Fittiche der Bourgeoisie zu begeben, abzubringen und sie unter die Fittiche der revolutionären Sozialdemokratie zu bringen“ (Wladimir I. Lenin, Was tun? Brennende frage unserer Bewegung, in: Lenin Werke Bd. 5, Berlin 1961, 396; Hervorh. i. Orig.).

    Noch einmal die Fragen:
    1. Stehen sie in einem erkennbaren gegenseitigen Zusammenhang?
    2. Kann ihr Zusammenhang ein Licht werfen auf unsere heutige Situation?

    Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Beide Fragen sind für mich noch nicht beantwortet, sondern eher spekulativ (spontan?) formuliert, weil ich einen Zusammenhang vermute.
    Darf man derart nicht Zuendegedachtes zur Sprache bringen? Ich denke schon.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Um die Verwirrung perfekt zumachen sei ein weiteres Lenin-Zitat nachgeschoben:

      »Und gerade diese Dummheit begehen die ›linken‹ deutschen Kommunisten, die aus der Tatsache, daß die Spitzen der Gewerkschaften reaktionäre und konterrevolutionär sind, den Schluß ziehen, daß man… aus den Gewerkschaften austreten!!, die Arbeit in den Gewerkschaften ablehnen!! und neue, ausgeklügelte Form von Arbeiterorganisationen schaffen müsse!! Das ist eine so unverzeihliche Dummheit, daß sie dem größten Dienst gleichkommt, den Kommunisten der Bourgeoisie erweisen können« (Wladimir I. Lenin, Der ›linke Radikalismus‹, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin Werke Bd. 31, Berlin 1961, 37; Hervorh. i. Orig.).

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  6. fidelpoludo schreibt:

    Dieses 5.Zitat stammt leider nicht von Lenin, hätte aber wohl dem Sinne nach in einer Neuauflage von „Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankeit im Kommunismus“, wäre er 1968 wiederauferstanden, Aufnahme finden können:

    Man »fordert… allerorten Diskussion… Aber Taktik hat die Diskussion… vollends zunichte gemacht. Was aus Diskussion resultieren könnte, Beschlüsse von höherer Objektivität darum, weil Intentionen und Argumente ineinandergreifen und sich durchdringen, interessiert die nicht, welche automatisch, auch in ganz inadäquaten Situationen, diskutieren wollen. (…) Die Diskussion dient der Manipulation. Jedes Argument ist auf die Absicht zugeschnitten, unbekümmert um Stichhaltigkeit. Was der Kontrahent sagt, wird kaum wahrgenommen; allenfalls, damit man mit Standartformeln dagegen aufwarten kann.«

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