„Mit Stumpf und Stiel!“

Etwas soll bis zur tiefsten Wurzel, soll „ein- für allemal“, ausgerottet werden.

Voll und ganz beschreibt diese Wendung das Wirken des Kapitalismus. Von Anfang an. Man lese das Kapitel „Ursprüngliche Akkumulation“ im ersten Band von Marx‘ „Kapital“.

Alles, was der Kapitalismus ergreift (und nach und nach ergreift er ALLES), verwandelt er in Profit. Und Müll. Jeden Ausgangsstoff, jede Ausgangskraft zerstört er bis auf den Grund.

Anfangs ist das Kapital noch schwach gegenüber den vorgefundenen naturwüchsigen Bedingungen. Sein Aneignungs- und Zerstörungsprozess vollzieht sich zunächst auf kleiner Stufenleiter. Seine Wirkungen sind zunächst nur begrenzt, können sogar positiv erscheinen als Niederreißen bornierter Schranken und Entfesselung der Lebenskräfte. Wir sprechen von der aufsteigenden Phase der Kapitalherrschaft. Heroische Illusionen gehören dazu. Die Aufklärung formuliert emanzipatorische Perspektiven. Doch der schöne Schein ist bald zerfallen.

Mit dem 1. Weltkrieg kommt der Kulturbruch in der Mitte der „zivilisierten Welt“ an, nachdem die „fernen“ Völkermorde der vorangegangenen Jahrzehnte noch verdrängt wurden. Die einzig mögliche radikale humanistische Antwort darauf ist die Sozialistische Revolution, die nur in Russland siegt und auch dort nur vorläufig und vorübergehend.

Kulturbruch folgt auf Kulturbruch – 1. Weltkrieg, Faschismus, Atombombe. Und jeder wird hingenommen, wird gewohnter Bestandteil des realkapitalistischen Alltags.

Denn die Logik des einzigen absolut totalitären Zuchtmeisters, den die Menschheit hervorgebracht hat – die Logik des imperialistischen Marktes – bleibt unangetastet.

Der totale Markt, Arena der Kapitalgewalt, ernährt die Menschen – so ihre Wahrnehmung, deshalb lieben sie ihn – bevor er sie endgültig beiseite wirft; ausgesaugt, Menschenmüll. Marktmacht und Todestrieb sind ein- und dasselbe.

Und überall zu besichtigen:

– Die Todeskultur hat die Kleinigkeiten des Alltags erfasst. Heute sind Bienen prominente Opfer.

– Das Hinnehmen der demonstrativen Todesrituale terroristischer Bestien im Krieg gegen Syrien hat uns das Gewissen weggeätzt.

– Die „Mission der Massenmedien“ – die Zerstörung JEDER ursprünglichen geistigen Regung von Grund auf – erkennen wir nicht.

Wir tanzen mit dem Tod, doch wir täuschen uns darüber. Wir nehmen Unfälle wahr, doch wir ahnen nichts von seiner Macht. Wir mästen ihn, doch wir glauben es nicht. Unsere Prognose möchten wir nicht wissen.

Unser Unterbewusstes harrt, dass etwas uns erlöst.

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21 Antworten zu „Mit Stumpf und Stiel!“

  1. Joachim Bode schreibt:

    Wenn wir schon beim Arzt sind:
    Die sehr zutreffende Beschreibung der Situation bezieht sich auf die Diagnose, von der die erkrankten Menschen nichts wissen wollen – wie sollen sie sich dann ernsthaft auf eine Prognose einlassen!
    Irgendwie drängt es sich mir auf, dass die unmittelbar mit Krieg und Tod bedrohten Menschen glauben, sie könnten ihren eigenen Untergang am Fernseher beobachten und folgenlos überleben.

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  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Nur, wie weiß Mensch in dieser Kriegsrhetorik, wann Krieg und Tod unmittelbar bevorstehen, zumal ja ständig darauf angelegt wird, dass einer die Nerven verliert.
    In dieser Kampfrhetorik, wo ist der Moment, wo gehandelt werden muss, weil es nichts mehr zu retten gibt?
    Und wo droht man in die Falle der äußersten Provokation zu tappen, mit der Folge, dass die Kriegstreiber sich rechtfertigen können, man habe einen (Bürger)-Krieg abwehren müssen?

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    • kranich05 schreibt:

      So oder so,
      ob Krieg und Tod unmittelbar bevorstehen oder ob es wieder einmal „nur“ eine kalkulierte Provokation war – wir sind außen vor.
      Wir haben nichts zu bestimmen.
      Unser fleißiges Reflektieren/Diskutieren/Informieren hat nichts mit Bestimmen zu tun.
      Der Zug des Mitbestimmens ist längst abgefahren (bzw. er stand nie auf dem Gleis).
      Lenin gab die Antwort, was zu tun sei mit „Was tun“. Das war mehr als 15 Jahre vor der Revolution.
      Offenbar können wir Lenins damalige Antwort nicht einfach übernehmen.
      Wir aber haben es noch nicht einmal nötig, genau zu prüfen, wie Lenin antwortete und ob da für uns etwas zu lernen sei.
      Wir verweigern konsequent das Studium des einzig halbwegs erfolgreichen Ansatzes (des bolschewistischen). Deswegen sind wir in aussichtsloser Lage.

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Danke für den Verweis auf Lenin „Was tun?“. Nun weiß ich von Lenin woher das deutsche „Verballhornen“ kommt …
        Scherz beiseite, die Lektüre ist angesichts der Begriffswandlungen und der Zeitbezüge nicht trivial, aber trotzdem anregend. Ich lese (besser überfliege) hier https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1902/wastun
        und bin bei 3b. Vieles kann man in der einen oder anderen Weise abgewandelt als hochaktuell wahrnehmen. Im Kapitel 4 wird es wohl sehr spannend, nämlich zu welchen Lösungen Lenin kommt, welche Hoffnungen damit verbunden waren und was tatsächlich daraus wurde.

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  3. willi uebelherr schreibt:

    Klaus-Peter schreibt in einer antwort:
    „Unser fleißiges Reflektieren/Diskutieren/Informieren hat nichts mit Bestimmen zu tun.“
    Wie anders kommen wir zum Bestimmen?
    „Der Zug des Mitbestimmens ist längst abgefahren (bzw. er stand nie auf dem Gleis).“
    Da gebe ich dir recht, lieber Klaus-Peter. Das ist pure augenwischerei.

    Und zu Lutz. Was nuetzt es uns, zu wissen, was Lenin und warum vorgeschlagen hat? Das problem des mangels an Selbstorganisation und Selbstbestimmung liegt an uns selbst und nicht daran, dass wir die rezepte unserer vorfahren noch nicht kennen.

    Klaus-Peter und vor allem Joachim Bode beschreiben den illusionaeren charakter unserer lebensweise. Vielleicht nicht vollstaendig in unserem kreis hier. Lenin agierte auf der grundlage zwingender not. Da kann dann viel geschehen, was bei genauem hinsehen das falsche ist.

    Wir haben mit sicherheit die gleichen triebkraefte wie damals. Aber die uns entgegenschlagende wirklichkeit ist doch deutlich anders. Die frage ist, wie wir, in unserem konkreten heutigen Sein darauf reagieren und in welche richtung wir uns bewegen (wollen).

    Deswegen ist unser „fleißiges Reflektieren/Diskutieren/Informieren“ so wichtig. Vielleicht kristallieren so haltungen, die damals nicht angewandt wurden oder nicht anwendbar waren.

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    • Lutz Lippke schreibt:

      „Und zu Lutz. Was nuetzt es uns, zu wissen, was Lenin und warum vorgeschlagen hat? Das problem des mangels an Selbstorganisation und Selbstbestimmung liegt an uns selbst und nicht daran, dass wir die rezepte unserer vorfahren noch nicht kennen.“

      Also Lenin sah das anders und opablogger weist nicht motivlos darauf hin. Lenin setzt sich um 1900 auf seine Art mit mindestens 30 Jahren Lernprozess der Selbstorganisation und Selbstbestimmung auseinander. Fragen zur Theorie, Pragmatismus, Über- und Unterbau, Selbst- und Fremdanleitung, Systemimmanenz und Taktik geht er durch. Für mich sehr erhellend, seine Kritik an der Einengung auf Ökonomie und den reinen Klassenkampf der Arbeiter, während dessen die Gendarmen „die Anderen“ aus dem Verkehr ziehen. Wieviel Demokratie und Transparenz verträgt die Revolution, was bleibt gefährliche Illusion? Das ist doch hochaktuell. Ob man sich damit nun bei Lenin oder einer anderen Quelle auseinandersetzt, ist eine nebensächliche Frage. Es kommt darauf an, dass man sich mit vorhandenen Erfahrungen auseinandersetzt und nicht jede Speichennabe auf dem Papier neu erfindet, um dann im Radeln der Geschichte an den tatsächlich neuen Herausforderungen zu scheitern.
      Ich denke, dass ich am Ende der Lektüre von „Was tun?“ ein sehr kritischen Blick auf die Rezepte Lenins haben werde. Aber diese Rezepte sind eine Reaktion auf „Das problem des mangels“ und Lenin fordert geradezu zwingend den Überbau der Theorie und Anleitung, weil sich der ökonomische Kampf im System nicht wundersam oder gesetzmäßig von selbst aus dem System befreien wird. Diese Diagnose teile ich.

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      • fidelpoludo schreibt:

        „Etwas mehr Butter bei die Fische!“

        „Ob man sich damit nun bei Lenin oder einer anderen Quelle auseinandersetzt, ist eine nebensächliche Frage. Es kommt darauf an, dass man sich mit vorhandenen Erfahrungen auseinandersetzt und nicht jede Speichennabe auf dem Papier neu erfindet, um dann im Radeln der Geschichte an den tatsächlich neuen Herausforderungen zu scheitern.“

        Das möchte ich im Wesentlichen unterschreiben. Vielleicht mit der Einschränkung, dass es aber gerade die Erfahrungen und Überlegungen Lenins sein könnten, die, wenn wir sie als nebensächlich abtun, uns verborgen bleiben. Nicht alle aus der Geschichte zu ziehende Lehren sind gleichwertig. Insofern ist es durchaus keine nebensächliche Frage, auf wen oder was wir zurückgreifen.
        Vielleicht ist damit meine Einschränkung dann doch wesentlicher als zunächst angenommen. Es kommt schon auf das gezielte „Herauspicken“ historischer Vorspiele der Versuche zur sozialen Emanzipation und der Analyse der Bedingungen ihres Scheiterns an. „Irgendeine andere Quelle“ taugt dazu kaum, weil die Suche nach deren Tauglichkeit zuviel dem puren Zufall überläßt. Im Trüben zu fischen, bringt meist nicht viel.
        Aber als Leninkenner sollte der Kranich einmal vorlegen und Gesichtspunkte liefern, die uns neugierig machen könnten. Burschikos gesagt: „Etwas mehr Butter bei die Fische!“
        (Weil wir selbst nicht mehr denken können, brauchen wir es zu Brei vorgekaut und in den Mund geschmiert …)

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        • kranich05 schreibt:

          Hey fidelp,
          das passt. Hab grad ein kleines Posting fertig, das ich nachher hier reinsetze.
          Man kann auch im Blog suchen unter „Stalinismus und Umgebung“. Dort die Einträge 1, 2, und 3.
          Gruß

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    • kranich05 schreibt:

      Wie LL schon bemerkte,
      Selbstorganisation und -ermächtigung sind keine neuen Erfindungen.
      Die russische Dorfgemeinder („Obschtschina“) war eine so bedeutende Form der Selbstorganisation, dass die „Volkstümler“ darauf buchstäblich die Umwälzung der ganzen Gesellschaft gründen wollten.
      Die O. erodierte zwar mit der rasanten Entwickl des Kapitalismus in Russland nach 1861 (von Lenin ausgiebig untersucht), blieb aber trotzdem bis in die Revolutionsjahre bedeutend.
      Auch die Sowjets der unteren Ebenen war nichts anderes als Selbstermächtigungsorgane.

      Übrigens kap 5 von „Was tun?“, wo es um die organisierende rolle der Zeitung geht, liefert mir erhebliche Anregungen (muss ich deshalb nochmal in Ruhe lesen) dafür, wie heute internetgestützt ein wirklich komplexer, qualifizierter (kollektiv administrierter?) breiter Diskussions- = gesellschaftlicher Selbstverständigungsprozess in Gang kommen könnte, der eine NEUE ART von ORGANISIERENDER WIRKUNG entfalten könnte.

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      • fidelpoludo schreibt:

        Hallo Kranich, warum kommt mir dieser Eintrag erst jetzt zu Gesicht, obwohl ich doch ständig auf neue Kommentare quasi „lauere“? Vielleicht sollte die Spalte „Neueste Kommentare“ um einige Einträge erweitert werden, damit sie uns nicht durch die Lappen gehen, selbst wenn man die „Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren“ angeklickt hat.

        Wie dem auch sei, „Obschtschina“ ist es, die mich interessiert und ich frage mich (und Dich), ob damit das gemeint ist, was ich – Willis Link zu einem Text von Kai Ehlers (29.2.2009) Weltmacht im Wartestand? Oder: Angst vor Russland, warum? – http://kai-ehlers.de/2009/02/weltmacht-im-wartestand/ folgend – dort (am 10. April 2018 um 20:16) beschrieben und aufregend fand und relativ ausführlich zitiert habe. Ist Kai Ehlers‘ Darstellung richtig? Können wir ihr folgen? Seltsamerweise fällt der Begriff in dem Text nicht. Aber das mit ihm Gemeinte glaube ich in seiner Darstellung wieder zu erkennen.

        Nebenbei: Lieber Kranich! Habe Dir drei oder vier Mails geschrieben an die oben im Impressum angeführte Adresse (kpkurch@web.de), ohne irgendeine Reaktion darauf. Selbstverständlich erhebe ich keinerlei Anspruch auf eine Antwort, zumal Du Dich immer noch im Erholungszustand befinden dürftest. Ich will nur nachfragen, ob die Adresse noch gültig ist.

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  4. fidelpoludo schreibt:

    Ohne Zusatz macht WordPress es auch heute wieder nicht.

    „Worry! Be angry!“
    oder wie ein kleiner indischer Lenin ((Kailash Satyarthi) es ausdrückt:
    „How to make peace? Get angry!“

    „Liebe Freunde, über Jahrhunderte wurde uns erklärt, dass Wut schlecht ist. Unsere Eltern, Lehrer, Geistliche — alle haben uns gelehrt, unsere Wut zu kontrollieren und zu unterdrücken. Ich frage mich aber: Warum? Warum können wir unsere Wut nicht in einen Nutzen für die Gesellschaft umwandeln? Warum können wir unsere Wut nicht verwenden, um das Böse in der Welt herauszufordern und zu ändern? Das habe ich nämlich versucht.“
    „In all diesen Fällen begann es mit Wut und wurde zuerst zu einer Idee und danach zu einer Tat. Also Wut, was dann? Idee und — Publikum: Tat Kailash Satyarthi: Wut, Idee, Tat. Das habe ich versucht zu befolgen. (…)

    Wut ist eine Kraft, eine Energie, und die Gesetze der Natur sagen, dass Energie niemals erzeugt, verschwinden oder zerstört werden kann. Also warum nicht die Energie der Wut umwandeln und nutzen, um eine bessere, schönere Welt zu gestalten, eine gerechtere Welt?

    Wut ist in jedem von Ihnen und ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Wenn wir uns in den engen „Hüllen“ unserer Egos und dem Kreis aus Selbstsucht bleiben, wird sich die Wut in Hass, Gewalt, Rache und Zerstörung wandeln. Wenn wir aber diese Kreise durchbrechen können, kann sich dieselbe Wut in eine großartige Kraft umwandeln. Wir können diese Kreise durchbrechen, indem wir das angeborene Mitgefühl nutzen und uns mit der Welt verbinden, um diese besser zu machen. Dieselbe Wut kann in Mitgefühl verwandelt werden.

    Liebe Freunde, Schwestern und Brüder, noch einmal als Nobelpreisträger — ich halte Sie dazu an, wütend zu werden. Ich bitte Sie eindringlich, wütend zu werden. Und der Wütendste unter uns kann diese Wut in Idee und Tat umwandeln.“

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  5. Theresa Bruckmann schreibt:

    Also mir hat nie einer Wut und Zorn ausgetrieben.
    Das Problem meine ich, ist die Form des Wutausbruchs. Ein Fluch zur Wutabfuhr, unadressiert, zeigt dem Gegenüber die Betroffenheit und wo eine Linie besser nicht überschritten werden sollte.
    Zorn über eine üble, unfaire Sache, gegen die man machtlos zu sein scheint, sollte man auch nicht einfach verrauchen lassen. So ein Zornausbruch setzt allerhand in Bewegung, beim Zornigen, beim Adressaten und ist oft Voraussetzung für einen notwendigen Gedankenaustausch.
    Es gibt so vieles, das wir einfach hinnehmen, weil es uns eine Auseinandersetzung nicht wert ist.
    Wenn es dann aber ‚endlich einmal‘ dicke kommt, und der Vermieter etwas anordnen, was entschieden zu weit geht. Bei der Gelegenheit kommt in so einem Wutausbruch einmal raus, was schon längst hätte gesagt werden müssen. Und plötzlich findet man Lösungen.

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    • Joachim Bode schreibt:

      „Zorn ist eine heftigere Form der Abneigung, die entsteht wenn man etwas als falsch oder ungerecht erlebt und Zorn zielt dabei auf die zivilisierte und konstruktive Behebung des Sachverhaltes ab.

      Der Wut, als nochmalige Steigerung des Zorns, geht die Zivilisiertheit und Konstruktivität ab, der Wütende hat weitgehend die Kontrolle über sein Gefühl verloren und seine Wut richtet sich nicht unbedingt gegen den Wutauslöser, sondern kann blind wüten gegen alles Mögliche.“

      https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Meine-Feinde-verteidigen/Gegenstandsklaerung-Aerger-Zorn-Wut-Hass/posting-28951197/show/

      Noch schöner drückte es Papst Gregor der Große aus:

      „Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht“
      (Teil des Programms von Georg Schramm: „Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz“)

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    • willi uebelherr schreibt:

      Dass Wut eine „nochmalige Steigerung des Zorns“ sein soll, wuerde ich grundsaetzlich ablehnen.

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      • fidelpoludo schreibt:

        Da dürftest du recht haben. Ich bin auch gar nicht sicher, dass die Übersetzung von „Anger“ mit „Wut“ in dem Kontext der durchaus ergreifenden Geschichte, die Kailash Satyarthi uns erzählt, die richtige ist.
        Zorn dürfte hier eigentlich die angemessenere sein. Zorn ist zielgerichteter als Wut und verhält sich als „gerechter“ in einer gewissen Analogie zur „Furcht“, die eben weiß, wovor sie „Angst“ hat, die als Angst eher viel unbestimmter ist und deshalb kaum emanzipatorisch zur Praxis umgewandelt werden kann.
        Joachim Bodes Hinweis auf die „Gegenstandsklärung: Ärger-Zorn-Wut-Hass“ und besonders sein Zusatz „Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht“, treffen es dann doch richtig. Seine Charakterisierung der Wut als „nochmalige Steigerung des Zorns“ müßte dann allerdings als „Steigerung“ nur verstanden werden können, wenn sie als Steigerung in Richtung blinden Umsichschlagens gedeutet wird.

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        • Theresa Bruckmann schreibt:

          Jähzorn ist eine Steigerung, an der nicht Gutes mehr ist.
          Meine persönliche Steigerung von Zorn und Wut ist EKEL.
          Als jetzt, wie alle 3 Monate, die Steuern im Lastschriftverfahren eingezogen wurden, und ich mir vorstellte, was von Regierungsseite an Linderung von Not und sinnvollen Investitionen in Bildung, Zukunftstechnologien, Schaffung von Arbeitsplätzen, getan werden könnte, kam ein ungeheurer EKEL auf, Ekel darüber, dass die Menschen mit ihren Steuergeldern nicht den allergeringsten Einfluss darauf haben, was damit geschieht.
          Der Ekel steigerte sich noch, als ich lese, dass auch von der Leyen u.a. vom Ausbau der Straßen und Brücken für die NATO-Panzer spricht und EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc sagte dazu laut einer Pressemitteilung der Kommission:
          Unser Ziel ist die bessere Nutzung unseres Verkehrsnetzes, um sicherzustellen, dass bei der Planung von Infrastrukturprojekten dem militärischen Bedarf Rechnung getragen wird. Es geht darum, öffentliche Gelder effizienter einzusetzen und das Verkehrsnetz besser auszurüsten, um eine zügige und nahtlose Mobilität auf dem ganzen Kontinent zu gewährleisten.
          Da ist es wieder dieses TINA-Argument ‚effizient‘.
          Die EU-Mitgliedsländer müssten dem Plan aber noch zustimmen, so Bulc.
          Müsste nicht Bevölkerung dieser Mitgliedsländer demokratisch festlegen, welches Ziel mehr oder weniger effizient verfolgt werden soll?
          https://deutsch.rt.com/europa/67454-nato-ostflanke-eu-kommission-will-europa-panzertauglich/

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Wenn man Zorn als die rational reflektierte Emotion gegenüber der sprichwörtlichen Blindwütigkeit definiert und sich eingesteht, dass es für jeden individuell unkontrollierbare Situationen bzw. ein Ausmaß an Zumutung gibt, dem man selbst nicht mehr reflektiert entgegnen kann, dann passt (blinde) Wut als Steigerung des (kontrollierten) Zorns. So gesehen ist (blinde) Wut auch ein Ausdruck von rationaler Hilflosigkeit und hängt unmittelbar mit sozio-ökonomischen und innerpersonellen Ressourcen zusammen. Akzeptiert man den Fakt, dass diese Ressourcen für nicht Wenige massiv beschnitten wurden und werden, dann sollte die akademische Analyse zum „Wutbürger“ zur Frage übergehen, welche Skills und Aktivitäten der potentielle Zornbürger einzubringen hat, damit der Wutbürger seine Wut in Richtung Zorn ausrichten und entwickeln kann. Ich denke, dass genau das schon vor mehr als 100 Jahren von Lenin in „Was tun?“ überdacht wurde. Wenn man das zeitgerecht von den damaligen Vorstellungen zu Erziehungs- und Führungsmethoden befreit und auch sonst nicht einfach unkritisch übernimmt, dann ist die Lektüre von „Was tun?“ wohl hochaktuell und konkret.

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  6. fidelpoludo schreibt:

    Wladimir I. Lenin: Was tun?
    Brennende Fragen unserer Bewegung
    „Dass die Parteikämpfe gerade einer Partei Kraft und Leben geben, dass der größte Beweis der Schwäche einer Partei das Verschwimmen derselben und die Abstumpfung der markierten Differenzen ist, dass sich eine Partei stärkt, indem sie sich puriflziert, davon weiß und befürchtet die Behördenlogik wenig.“
    (F. Lassalle in einem Briefe an Marx vom 24. Juni 1852.)

    In vielen Fällen erweist sich ein geschickt gewähltes Motto als die Quintessenz dessen, was im Folgenden im Detail behandelt wird. Ob es auch hier so sein wird? Hat Marx seiner Zeit Lasalle darin zugestimmt wie Lenin es offensichtlich zu tun scheint? Ist die „Behördenlogik“ für Lenin ein Gegner, eine Gestalt des Feindes gewesen? Und wenn ja, welche Gestalt hätte eine entsprechende gegenerische Kraft heute angenommen? Und mit welcher Organisation wäre „die Partei“ heute zu ersetzen?
    Oder stelle ich allzu voreilig die falschen Fragen?
    Wenn ich den Text vielleicht vor 4o Jahren einmal gelesen haben sollte, hat er – aus welchen Gründen auch immer – jedenfalls keine bleibenden Eindrücke hinterlassen. Bin aber bereit für das Eingeständnis, damals nicht gut aufgepasst zu haben. Vielleicht hätte ich spätestens nach Dutschkes Buch über Lenin meinen Irrtum einsehen müssen. Aber das habe ich ja damals auch nur fürs Regal zu dem Zeitpunkt angeschafft, als die „Linken“ ihre ungelesenen Bücher in die Modernen Antiquariate verhökerten.

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    • willi uebelherr schreibt:

      Mein lieber Fidelpoludo, ich bin immer wieder erstaunt ueber deinen humor und deine radikale sicht, die sich darin ihren ausdruck verschafft.

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  7. Pingback: Ist die Politik irr? | opablog

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