Ich nenne es „Rubikon-Erfahrung“

Doch diese Bezeichnung ist recht zufällig. Ebenso gut könnte ich von „junge Welt-Erfahrung“ sprechen, von der „Freidenker-Stalinismus-Erfahrung“, von der „Friedenswinter-IALANA-Erfahrung“, schließlich der „Syriza-Erfahrung“. (Beat Wick aus der Schweiz würde es vielleicht „Infosperber-Erfahrung“ nennen.)

Es wiederholte sich immer wieder und will nun thematisiert werden:

– Rubikon gibt einem sehr scharfen Angriff Raum (Davidsson). Der Angriff gegen „Einen von uns“ (Atzmon) darf nicht pariert werden. – Macht ausüben! Stumm machen!

– Die junge Welt schmeißt Ken Jebsen aus der Luxemburg-Konferenz ‚raus. Kritik dagegen darf in der jungen Welt nicht geäußert werden. – Machtausübung! Stumm machen!

– Die Freidenker bereiten die Konferenz zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution vor. Der Vorschlag, die Rolle Stalins kritisch darzustellen, wird im Verbandsvorstand rechtzeitig eingebracht und angenommen. Der Konferenz aber wird statt dessen ein dummdreister Stalin-Apologet vorgesetzt. – Machtausübung! Stumm machen! (Hier noch garniert mit dem scheinheiligen Appell „kultiviert zu diskutieren“.)

– Beratung nach erfolgreichem Abschluss des Friedenswinters; findet in den heiligen Hallen der verdienten Organisatoren von IALANA statt. Die versammelten Aktivisten sind auf die erweiterte Fortführung des guten Anfangs orientiert und … rennen gegen Beton. „Keinesfalls wird der Friedenswinter fortgeführt“, sagt die maßgebende Stimme. Und die gut platzierte Zweitstimme zieht das Ersatzobjekt „Ramsteinprotest“ aus der  Tasche. Machtausübung! Übertölpeln! Stumm machen!

– Syriza entblödet sich nicht, das Volk zu einer Protestabstimmung aufzurufen, erfährt 65% Zustimmung und hat die unglaubliche Frechheit, zwei Tage später das Gegenteil des eben erfragten Volkswillens zu tun. (Und hält sich bis heute im Amt!) – Machtloses, geschundenes, verhöhntes Volk!

Das Muster wiederholt sich:

1. Eine echt linke Initiative, Gruppe, Medium tritt an die Öffentlichkeit. (Von den scheinlinken Veranstaltungen, wie Campact, Avaaz, Bund für soziale Verteidigung usw., die nach kritischer Beobachtung und kurzer Recherche als RHO (Regierungs-Hilfs-Organisationen) erkennbar sind, rede ich hier nicht.)

2. Die echt linke Initiative, Gruppe usw. wird von echten Linken wahrgenommen, Unterstützung beginnt, Vernetzungstendenzen, erste Handlungen, Veranstaltungen usw.

3. Dissenzpunkte tauchen auf, werden ignoriert oder entschuldigt, erfolgreiche Anfangsentwicklung. (Die ausführliche Insiderbeschreibung von Wolf Wetzel sollte bekannt sein.)

4. Beim ersten echten Dissenzpunkt, der grundsätzliche „kameradschaftliche Rauferei“ notwendig machen würde, wird „die Notbremse“ gezogen:

Keinesfalls rückhaltloser öffentlicher Streit! Jemand bestimmt Kraft seiner „Wassersuppe“ was geschieht. Du, gestern noch willkommener, echter Linker kannst gehen. Freu Dich, wenn Du nicht noch verleumdet oder beschimpft wirst.

Randbemerkungen:

Ich spreche von echten Linken, nicht von „echten Linken“, d. h. ich unterstelle nicht Falschheit, nicht die verkappte Gegenseite.

Es sind wir echten Linken, die die anderen echten Linken, die das Pech haben unserem Begriff von „echt“ nicht ganz zu entsprechen, skrupellos erwürgen. Das ist, in ganz veränderter Zeit, klassisch-stalinistische Manier.

Das Volk, das uns echten Linken nicht folgt, handelt vielleicht nur aus Instinkt. Aber aus völlig richtigem Instinkt.

Auf uns echte Linke wartet die Einsicht, dass nur die Förderung der freien Entscheidung jedes Menschen unseren Wünschen und Programmen Leben einhauchen kann. Lenin hat nie anders gearbeitet. Die Beispiele oben zeigen, dass heute und nur heute, keineswegs erst in irgendwelchen revolutionären Zeiten, gelernt werden kann (und muss) in diesem radikalen, humanistischen Geist miteinander umzugehen.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Blödmaschine, bloggen, Demokratie, Faschismus alt neu, Krise, Leben, Lenin, Machtmedien, Materialismus, Mensch, Realkapitalismus, Realsozialismus, Revolution abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Ich nenne es „Rubikon-Erfahrung“

  1. willi uebelherr schreibt:

    Ja, lieber Klaus-Peter, ich kenne das sehr gut. DieLinke, Attac, Freidenker, WorldSozialForum, die Commons projekte und listen, die vielen „Community Networks“ gruppen weltweit, eine schier endlose anzahl von maillisten, foren und gruppen.

    Hervorstechend fuer mich ist immer das thema Palaestina, das nicht-existenzrecht einers kolonialen landraubprojekts, die Selbstbestimmung der lokalen bevoelkerung. Ich bin sicher, dass in anderen milieus eine sytematische analyse von staat und kapital und fuehrungselite, wie dem Stalinismus, eine aehnliche abwehr mit massiver ausgrenzung nach sich zieht. Und heute bin ich mit „Frei-denkern“ in kontakt, die damals, vor 10 jahren, einfach nur zugesehen haben. Auch Rainer Thiel und Hartmut Barth-Engelbart.

    Ich beziehe es immer auf einen persoenlichen Egoismus, der dann zum tragen kommt, weil kein eigenwert existiert. Wenn die persoenliche wertung von aussen abhaengt. Ken Jebsen hat ein gespraech mit Falin veroeffentlicht, weil dieser am 22.2.2018 gestorben ist. Auch da, im uebertragenen sinn, kommt ein mangel an eigenwert fuer die region Deutschland zum ausdruck.

    Vielleicht ist es auch ausdruck, dass die selbstermaechtigung nun langsam beginnt, und damit die institutionelle entmaechtigung gegen die selbstermaechtigung sich bahn bricht. So verstehe ich auch das thema „Rubikon“. Wolf Wetzel hat es doch sehr deutlich gemacht.

    Einen einspruch habe ich. Eine trennung von „echten“ und „falschen“ Linken ist nicht moeglich. links-Sein bedeutet die Selbstermaechtigung zur Selbstorganisation. Wenn wir diesem prinzip nicht folgen wollen, weil wir uns persoenlich aufwerten wollen, sind wir keine Linken. Egal, was wir sonst so alles reden und schreiben. Dann sind wir System-Erhalter, damit reaktionaer, gegen die aktion zur selbstbefreiung wirkend.

    mit lieben gruessen, willi

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    • willi uebelherr schreibt:

      Lieber Bernhard, ich kann nur zur 1.frage etwas sagen. Ich hatte gewartet und wollte Klaus-Peter den vortritt lassen.

      Wir haben nur 2 moeglichkeiten. Entweder wir orientieren uns an unseren individuellen egoismen, was ja eine bewusste dekonstruktion der realitaet vorraussetzt, oder wir orientieren uns an dem gemeinschaftlichen, was auf der rationalen erkenntnis aufsetzt, dass wir als individuen nur in der gemeinschaft existieren koennen.

      Wenn wir geboren werden, sind wir reine Egoisten. Wir nennen es den Narzissmus. Das gilt fuer alle. Das verlassen oder durchschreitens der phase des egoismus ist folge eines erfahrungs- und erkenntnisprozesses. So koennen wir den egoismus als fruehkindliche entwicklungsphase betrachten. Eine wichtige vorraussetzung zum verlassen dieser phase ist die entwicklung des selbstwertgefuehls, das Ich, das uns gegenueber dem aussen unabhaengig macht.

      Jen Wernicke ist im zustand fruehkindlicher entwicklung stecken geblieben. Er bezieht alles auf sich, will ein Lob einheimschen, dessen ursache er nicht hervobrachte. Es sind einige der vielen autoren, die dafuer stehen. Er macht sich zum „Macher der Macher“.
      In unserer realitaet wird genau dies alltaeglich praktiziert. Es ist das kernstueck des privaten unternehmers, dessen faehigkeiten sich darauf reduzieren, andere zu gebrauchen, um sich selbst in den mittelpunkt zu stellen. So betrachtet ist all diese propaganda zu den „Machern“ die glorifizierung des kindergarten fuer erwachsene.

      mit lieben gruessen, willi

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Das gefällt mir, obwohl es … gefällt mir die bildhaft überzeugende Radikalität.

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      • kranich05 schreibt:

        Manchmal denke ich, dass wir unseren hochgeistigen Austausch hier, gelegentlich nicht ganz ernst nehmen sollten.
        ;-))
        Etwa, wenn Willi den menschlichen und auch gleich kapitalistischen Egoismus beim bewusstlosen Saugen des Babys an Mamas Titte startet.
        Auch die kleine (aber erweiterbare) Liste meiner „Rubikon-Erfahrungen“ mit Hosenmatz Jens Wernicke zu erklären, darf erheitern.
        Ernster nehmen möchte ich dagegen Wolf Wetzel Einsichten und Erwägungen.
        Was ich unter „Rubikon-Erfahrung“ subsumiere, sind zwei (verwandte) Tatsachen. Die Eine: Organe/Institutionen der kollektiven menschlichen (linken) Selbstverständigung und -ermächtigung (wie Rubikon, Nachdenkseiten, KENFM) sind auf der Basis des Privateigentums und also der unumschränkten Entscheidungsgewalt des Privateigentümers organisiert. Das kann viel Gutes bewirken und findet seine Grenze jeweils an Bruchpunkten.
        Die Andere: Gruppen, Organisationen, die Niemandes Privateigentum sind (die erwähnten Freidenker, IALANA usw). Hier sorgt die hierarchische Struktur und demokratische Anspruchslosigkeit der Mitglieder dafür, dass der Gruppenwille quasi-privatisiert wird und am Ende dasselbe herauskommt, wie beim echten Privateigentum.

        (100 Jahre Russische Revolutionen sind eine grandiose Veranschaulichung des Weges von der elementaren Selbstermächtigung der Menschen über ihre siegreiche organische Selbstermächtigung, zur Einschränkung und dann Abgabe der Selbstmacht, zur Etablierung der (terroristischen oder nicht offen terroristischen) Gegenmacht bis zur Wiederherstellung der Privatmacht.)

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      • willi uebelherr schreibt:

        Ja, Klaus-Peter, deine abwehr habe ich erwartet. Zu wenig in theoretischen hoehenfluegen verwurzelt. Hier ein kurzer text von Tlrich Teusch in seinem blog „Auf und Durch“. Du kennst es aus meiner email:

        Ein Verschwörungstheoretiker der ersten Stunde
        Ulrich Teusch(AugenAufUndDurch), 26.02.2018
        http://augenaufunddurch.net/2018/02/26/ein-verschwoerungstheoretiker-der-ersten-stunde/

        „Wenn ich daher alle die Staaten, welche heutzutage in Blüte stehen, durchnehme und betrachte, so sehe ich, so wahr mir Gott helfe, in ihnen nichts Anderes, als eine Art Verschwörung der Reichen, die unter dem Deckmantel und Vorwande des Staatsinteresses lediglich für ihren eigenen Vorteil sorgen, und sie denken alle möglichen Arten und Weisen und Kniffe aus, wie sie das, was sie mit üblen Künsten zusammengerafft haben, erstens ohne Furcht es zu verlieren, behalten, sodann wie sie die Arbeit aller Armen um so wenig Entgelt als möglich sich verschaffen mögen, um sie auszunutzen.“

        Das Zitat geht noch weiter:

        „Diese Anschläge, welche die Reichen im Namen der Gesamtheit, also auch der Armen aufgestellt und durchzuführen beschlossen haben, wurden dann zu Gesetzen erhoben.“

        Eine 1a-Verschwörungstheorie, nicht wahr? Nur: Wer hat sie ersonnen? Ulrich Schneider vom „Paritätischen Wohlfahrtsverband“? Oskar und Sahra? Ken? Franz Alt?

        Alles falsch. Das Zitat ist schon 500 Jahre alt und stammt aus Thomas Morus‘ berühmter Schrift Utopia, 1516 erschienen. Knapp zwanzig Jahre später, 1535, wurde Morus übrigens hingerichtet, nicht wegen des angeführten Zitats, sondern weil er sich weigerte, König Heinrich VIII. als Oberhaupt der englischen Kirche anzuerkennen. Solche Standfestigkeit wiederum nötigte der Katholischen Kirche Respekt ab, weshalb sie Morus 400 Jahre nach seinem Tod heilig sprach.

        Am 31. Oktober 2000 (Reformationstag!) ernannte Papst Johannes Paul II. den englischen Staatsmann und humanistischen Gelehrten obendrein zum „Patron der Regierenden und der Politiker“. Begründet hat der Papst diese Ehrung so: „Vom Leben und Martyrium des heiligen Thomas Morus geht eine Botschaft aus, welche die Jahrhunderte durchzieht und zu den Menschen aller Zeiten von der unveräußerlichen Würde des Gewissens spricht.“

        Und mehr noch: „Seine Gestalt wird auch außerhalb der Kirche, besonders bei denen, die die Geschicke der Völker zu lenken berufen sind, als Quelle für eine Politik anerkannt, die sich den Dienst am Menschen zum obersten Ziel setzt.“

        So geht das: Zu Lebzeiten hingerichtet, posthum gibt’s den Lorbeerkranz. So auch hier: Vom Verschwörungstheoretiker zum Heiligen und „Patron der Regierenden und Politiker“.

        Wer’s glaubt, wird selig.“

        Mir geht es darum, dass es eine anstrengung zuvilisierender und kultureller entwicklung bedarf, die orientierung auf das Private, den Egoismus, zu ueberwinden. Und wenn wir selbst uns den weg der privaten bevorzugung und sonderstellung offen halten wollen, dann werden wir das grundprinzip des Privaten immer erhalten wollen.

        In den fruehen kulturen war das noch existent, was wir intellektuelle reflektion und analyse bezeichnen. Daher auch meine zustimmung fuer das thema „Ost–West ohne Feindschaft“.

        Du stellst selbst das Privateigentum in den vordergrund. Und, worauf ruht es? Worauf ruht die schon fast selbstverstaendliche anerkennung von privatbesitz an land und wasser, an wissen, an pflanzen und anderen tierarten, an unseren eigenen kindern?

        Die anerkennung von privateigentum an gemeinschaftlichen ressourcen ruht in der vielfaeltigen illusion, selbst ueber privateigentum an den universalen ressourcen verfuegen zu koennen.

        Ist ein privateigentum an land legitimierbar und begruendbar? Ist ein privateigentum an wasser. fluessen und seen legitimierbar und begruendbar? Wir sehen sofort, wie tief wir selbst in zeiten des faustrechts stecken. Wie sehr wir selbst die Barbarei zelebrieren, um unseren privaten vorteil uns zu verschaffen.

        Das getue von Jens Wernicke und Albrecht Mueller ist nur ein billiges geplaenkel. In der frage der anerkennung des selbstbestimmungsrechts der menschen in ihren lokalen und regionalen raeumen wie Palaestina und Namibia sehen wir die wirklichen konsequenzen.

        mit lieben gruessen, willi

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    • kranich05 schreibt:

      Ich habe zwar die Bezeichnung „echte Linke“ reichlich gebraucht. Damit wollte ich etwas polemisch diejenigen hervorheben, denen herkömmlich linkes Vokabular wirklich noch etwas bedeutet. Aber eigentlich sind „links“ und „rechts“ Schematisierungen, und jeder versteht etwas Anderes darunter. Die großen progressiven oder revolutionären Geister in ihrem Streben nach Klarheit (angefangen mit Marx, Engels und Lenin) haben diese Sammelbezeichnungen kaum verwendet. Regelmäßig muss man, will man diese Bezeichnungen ernsthaft verwenden, erst einmal Begriffsbestimmungen einführen. Linkssein mit „Selbstermaechtigung zur Selbstorganisation“ zu übersetzen, ist solch ein Versuch. Damit wird, nach meiner Meinung, ein sehr wichtiger Aspekt erfasst aber andere fallen unter den Tisch. Linkssein schließt nach meiner Meinung den Begriff von Klassen und Klassenkampf ein und damit die Auffassung von der Grundstrukturierung der (kapitalistischen) Gesellschaft durch kapitalistische Ausbeutungs- und (politische) Machtverhältnisse. Marxistisch-leninistische Linke im Speziellen – meine Sicht – fundieren die Ausbeutungs- und (politische) Machtverhältnisse nicht psychologisch, nicht gruppendynamisch, nicht „common-sensual“ oder sonstwie, sondern historisch-materialistisch.

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Dass die ökonomischen Verhältnisse historisch-materialistisch fundiert sind und diese Perspektive daher einen zentralen Platz in der Gesellschaftsanalyse haben muss, sehe ich auch so. Dass diese zentrale Frage verwässert ist oder wird, ist nach meinem Verständnis aber nicht nur ein Denkfehler, sondern auch Folge der gesellschaftlichen Entwicklung. Zwar wurden die ökonomischen Verhältnisse im Wesentlichen konserviert, aber alle anderen Bereiche haben sich weiter entwickelt. Der historischen Klassengesellschaft von Ausbeutern und Ausgebeuteten mit offensichtlich unvereinbaren Rechtsstellungen steht heute eine Gesellschaft gegenüber, in der deutlich differenziertere Verhältnisse herrschen, die auch vor Klassengrenzen nicht halt machen. Nicht zuletzt hat auch die Idee der Demokratie und des Rechtsstaats „Mitschuld“ daran, dass Klassen und der Klassenkampf nicht mehr so eindeutig definierbar sind. Denkbar wäre ja eine Anpassung der historisch-materialistischen Sicht an die veränderten Verhältnisse. Einen aus meiner Sicht nicht ganz unwesentlichen Beitrag dazu leistet wieder einmal Ingeborg Maus mit Überlegungen zur Volkssouveränität.
        http://www.kj.nomos.de/fileadmin/kj/doc/1991/19912Maus_S_137.pdf

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      • willi uebelherr schreibt:

        Ich lehne es grundsaetzlich ab, anderen menschen vorzuschreiben, wie sie ihre lebensweise gestalten und organisieren. Die einzige bedingung ist, das sie dies selbstbestimmt tun koennen. Und dass sie hierbei das selbstbestimmungsrecht der anderen nicht einschraenken.

        Vorraussetzung hierfuer ist die radikale dezentralisierung und die entfaltung lokaler/regionaler oekonomischer unabhaengigkeit. So oeffnet sich auch der raum unserer kooperationen ueber unsere lokalen raeume hinaus.

        Und wozu brauchen wir klassen und klassenkampf? Wenn wir ernsthaft an einer befreiung von menschen interessiert sind, werden wir notwendig die aufloesung von klassen anstreben und damit auch von klassenkampf. Der weg dorthin ist mit sicherheit ein klassenkampf, weil es um die durchsetzung von gleichwertigkeit und damit gleichberechtigung geht. Und damit liegt sofort die aufloesung von privateigentum an gemeinschaftlichen ressourcen auf dem tisch.

        Aber, was noch wichtiger ist, ist das beenden der gefolgschaft und der uebergang zur selbstorganisation. Unsere konsumerhaltung ersetzen wir mit unserem selbstbestimmten eigenen tun.

        mit lieben gruessen, willi

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  2. Bernhard Meyer schreibt:

    Um Erläuterung oder Ausführung von zwei Dingen möchte ich bitten:
    1. Unmittelbar oben: „Links-Sein bedeutet Selbstermächtigung (Das verstehe ich.) Wenn wir diesem Prinzip nicht folgen wollen, weil wir uns persönlich aufwerten wollen, …“ Das verstehe ich nicht.
    2. Ich hatte Hoffnungen und wurde vom Friedenswinter durch die hässlichen Querelen enttäuscht. War dann dreimal bei Ramstein dabei und fand, die Querelen sind etwas abgeflaut. Ich verstehe diesen IALANA-Teil oben nicht. Könnten Sie den genauer ausführen? Ich habe wohl bei einer entscheidenden Sitzung gefehlt 🙂 (bin sowieso selten in entscheindenden Sitzungen).
    Mit freundlichen Grüßen
    Bernhard Meyer

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    • kranich05 schreibt:

      Hallo Bernd,
      auf Ihre Frage exakt knapp zu antworten, fällt mir schwer.
      Das oben Gesagte bedeutet: Am Ende des Friedenswinters ergaben mehrere Aktivistentreffen die Bereitschaft, den Friedenswinter (ohne diesen Namen) erweitert und systematisch fortzusetzen. Der im Zentrum stehende Organisator Reiner Braun hat das entschieden abgeblockt. Zugleich hat er dafür gesorgt, den in Bewegung gesetzten Zug auf das Nebengleis „Ramstein“ zu leiten (und dort dauerhaft pendeln zu lassen).
      Mit alldem habe ich mich laufend umfangreich gründlich auseinandergesetzt. Das lässt sich im Blog seit Dezember 2014 im Detail nachlesen mittels Suche im Blog nach „Reiner Braun“.
      Einen besonderen Strauß habe ich mit Braun bezüglich der Transparenz von IALANA ausgefochten. „Transparenz“ bzw „Initiative Transparente Zivilgesellschaft“ sind weitere Begriffe, die Vertiefendes zur „Rubikon Erfahrung“ zutage bringen würden.
      Gerne gehe ich, soweit mir möglich, auf konkrete Detailfragen ein.

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  3. klotzchrist schreibt:

    Gute Beschreibung der Mechanismen des medialen Gewusels unterhalb der Akropolis.
    Es ist in der Plaka genau so lange etwas ein Skandal, wie es lange genug ein Skandal war, und der erquatschte neue Bewusstheitsstand, dass nämlich der Skandal ganz wo anders liegt, zum Konsens wird.
    Ich habe mir klar gemacht, dass die Medien – und da gehört nicht bloß das Gedruckte und Ausgestrahlte dazu – schon den richtigen Namen haben: Medium heißt auf Deutsch Mittel, das etwas vermittelt. Die Subjektlosigkeit des Latinismus spricht davon, dass von dem, der sich des Mittels bedient, besser nicht gesprochen werden sollte. Die alte Rhetorik nannte ihn den „Situationsmächtigen“.
    Nun, wir sind es offensichtlich nun mal nicht, die die Instinkte modellieren. Und das humanistische Programm, auf die freie Entfaltung eines so verfassten Subjekts seiner Handlungen zu warten, muss sich sagen lassen, dass „Subjekt“ im Deutschen ein listiger Zwiesprech ist: Herr seines Willens und seiner Wünsche einerseits, und Unterworfener (Sub-jectum) andererseits.
    Dürfte der Grund sein, warum wir nicht die ersten sind, die mit ihrem wie auch immer beschaffenen Dissens scheitern. uns fehlt nicht nur situativ die Macht. Wir haben recht, und die anderen quatschen so lange bis sie ihre Ruhe haben.

    Ich mach da mal einen Punkt, in der Gewissheit, dass ich mit so was keinen Stich mache.

    Gruß

    gitano

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  4. Theresa Bruckmann schreibt:

    Lieber Kranich05,
    wird diese Auflistung auch aktualisiert?
    Ich meine, dass bereinigte/ausgeräumte Konflikte
    von der Liste kommen?
    So wie der Autofahrer beim Flensburger Punktekonto, wenn nichts Neues mehr dazukommt,
    wieder eine weiße Weste bekommt (ohne Buße tun zu müssen oder sich erklären müssen).

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    • kranich05 schreibt:

      Liebe Theresa,
      die Liste ist nichts als eine kleine Beispielsammlung, beansprucht also keinerlei Vollständigkeit, ist also jederzeit erweiterbar aber auch reduzierbar.
      Allein dadurch, dass Zeit vergeht und „Gras über die dumme Sache wächst“ kommt keiner von der Liste. Sondern nur durch die Praxis des freien Umgangs miteinander.
      Das absolute Minimum ist, dass unkontrollierte/freie Rückmeldung zugelassen wird. Dieses Minimum erfüllen Ken Jebsen, Ulli Gellermann, vorbildliche (aber speziellere) Seiten, wie etwa Parteibuch und auch opablog.
      Dieses Miminum erfüllen NICHT, außer den Genannten: Nachdenkseiten, Freidenkerwebseite, voltairenet, z. T. auch Analitik. Auch Neue Rheinische Zeitung erfüllt es nicht.
      Dabei redete ich nur vom Minimum. Mit dem können wir uns absolut nicht begnügen.

      Und ja, ich halte überhaupt nichts davon, im „Interesse der Einheit“, bei uns gegenseitig „durch die Finger zu sehen“. Zusammen zu schmieren, was nicht zusammen gehört, ist eine der übelsten Praktiken der zeitgenössischen Restlinken.

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  5. Jens schreibt:

    Eine wunderbare Zusammenfassung der heutzutage abgespulten, super destruktiven („linken“, die „rechten“ ja eh) Mechanismen.

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  6. Theresa Bruckmann schreibt:

    3 ganz verschiedene Fundstücke möchte ich hier
    neben einander einbringen:
    1) Jens Wernicke musste vor Gericht für seine Persönlichkeitsrechte
    kämpfen.
    https://www.rubikon.news/artikel/widerstand-wirkt

    2) Ebenfalls bei Rubikon veröffentlicht, dieses:
    https://www.rubikon.news/artikel/progressive-kriegstreiber

    Als ich die diesbezüglichen Äußerungen Chomskys zu Assad
    in einem in jüngerer Zeit veröffentlichten übersetzten Video
    hörte, dachte ich, ich hätte mich verhört, spulte zurück.
    „Er wird dies nächstens selber klären“, dachte ich mir und
    vergaß die Äußerungen, die Suche nach jenem Video jetzt
    war vergeblich).
    Dieser – wie ich meine – ausgezeichnete Beitrag
    beschreibt nun diesen Fall.
    Weiß der Teufel, welcher ‚Verführung‘ er erlegen ist,
    z.B. so was?
    https://deutsch.rt.com/inland/65969-stern-geht-weiter-gegen-blog/

    3) Eugen Drewermann
    https://kenfm.de/von-krieg-zu-frieden-vortrag-eugen-drewermann/
    Auf ihn ist wenigstens Verlass. Er ist Hörgenuss pur!
    Glasklares Denken, voller Empathie für alles was lebt,
    dennoch kämpferisch unter Einsatz aller fairen und
    emphatiefördernden Stilmittel.
    Er erinnert uns an Phytagoras – einmal ganz anders, Musik,
    Harmonie. Drewermann zeigt Bildwerke, bietet uns eine
    Art studium generale, er ist eben ein ganz Großer, fast
    möchte man sagen ‚ein Gesamtkunstwerk‘ oder religiös
    gesprochen: „Ist er so etwas wie ein Prophet, ein Verkünder
    der großen Friedensbotschaft – Frieden den Menschen, allen
    Geschöpfen, Frieden mit der Natur und unserem Planeten?“

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