Gilad Atzmon zur jüdischen Geschichte UND…

Gilad Atzmon hat dieses aktuelle unverschämte Statement von Netanjahu

zum Anlass genommen, über jüdische Geschichte nachzudenken. Seinen Artikel kann mensch hier nachlesen. Was Atzmon schreibt, finde ich, geht nicht wesentlich über das hinaus, was er bereits in „Der wandernde Wer?“ geschrieben hat. Jedoch verweist er auf einen Namen und ein Buch, das sehr bedeutend zu sein scheint. (Ich muss mich so vage ausdrücken, weil ich das Buch zwar sofort bestellt aber noch nicht gelesen habe.) Ein Buch, dass uns vermutlich helfen kann, über den toten Punkt so vieler Diskussionen im Umfeld des Begriffes „Holocaust“ hinaus zu kommen.

Die Rede ist von dem Werk: ‚Endlösung„: Das Schicksal der Juden 1933 bis 1948′ des britischen Historikers David Cesarani.

Nebenbei: Atzmon wendet sich gegen die ahistorische Denkweise in der „Judenfrage“. Das scheint mir ein sehr wichtiger Kritikpunkt zu sein. Historische Konkretheit halte ich für ganz besonders wichtig für die moderne Epoche (gerechnet etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts) zum Problemkreis: (internationale) jüdische Finanzmacht/Aufstieg der USA im angloamerikanischen Rahmen/Judenverfolgung und Massenmord durch den deutschen Faschismus/weitere Konzentration von jüdischer Finanzmacht und jüdischer „man power“ (aus aller Herren Länder) in den USA/spezifischer Player Israel (und die Diaspora)/Ziocon-Imperialismus der Gegenwart. Dazu brauchte es breit angelegte, empirisch „gesättigte“ Forschung. Für Hinweise auf vorliegende Forschungen, die in der bezeichneten Richtung liegen, bin ich dankbar.

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76 Antworten zu Gilad Atzmon zur jüdischen Geschichte UND…

  1. fidelpoludo schreibt:

    Eine interessante Rezession des genannten Buches ist hier zu finden:

    Einige Zitate daraus:

    »David Cesaranis Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenpolitik ist mehr als eine Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes. Der englische Historiker hat das traditionelle Bild seines Gegenstandes nicht ergänzt, sondern durch ein neues ersetzt.

    In den meisten Büchern wird der – oft als „Holocaust“ bezeichnete – Völkermord an den Juden folgendermaßen beschrieben: Das Verbrechen wurzelte im Rassenantisemitismus, dem Kernstück von Hitlers Weltanschauung. Die praktische Umsetzung des Rassenantisemitismus war das zentrale Projekt des Dritten Reiches. Während des Krieges hatte es sogar Vorrang gegenüber den militärischen Anstrengungen. Der Holocaust besaß seine eigene Logik und spielte sich weitgehend unabhängig von anderen Ereignissen der Zeit ab. Nach dem Regierungsantritt Hitlers kam es erst zur Diskriminierung, dann zur Vertreibung und schließlich zur Ermordung der Juden. Es war jedoch nur eine Frage der Zeit, wann das letzte Stadium erreicht sein würde. Der Holocaust war sorgfältig geplant und manifestierte eine erstaunliche organisatorische Effizienz. Die Opfer dieser Politik sind bei allem Leid so aufrecht geblieben, dass sie uns bis heute ein Vorbild sein können.

    Cesarani zufolge ist dieses Bild in allen Punkten falsch.

    Als Hitler an die Macht kam, habe er kein klares Konzept für den Umgang mit den Juden besessen. Die antisemitischen Maßnahmen der ersten Jahre hätten sich überwiegend aus spontanen Entscheidungen oder aus lokalen Initiativen entwickelt. „Zum Zeitpunkt des Geschehens schien die Judenpolitik deshalb nicht zusammenhängend und zielgerichtet zu sein, weil sie es nicht war. Vielmehr war sie improvisiert, ungeplant und daher unvorhersehbar“ (S. 92). Erst im November 1938 habe die nationalsozialistische Führung als Reaktion auf die unkontrollierte Zerstörung materieller Werte in der „Reichskristallnacht“ eine durchdachte Vorgehensweise entwickelt (S. 17; S. 261). Von nun an habe das Ziel darin bestanden, die Juden systematisch zur enteignen und zur Ausreise aus Deutschland zu drängen (S. 268 ff.). Nach Beginn des Krieges seien Umsiedlungspläne hinzugekommen, erst nach Madagaskar, später in die eroberten Ostgebiete.

    Der Umschlag dieser Politik in ein Mordprogramm ergab sich Cesarani zufolge weder aus dem Rassenantisemitismus noch aus der Eigendynamik des nationalsozialistischen Systems. Ausschlaggebend sei vielmehr Hitlers Glaube an eine „jüdische Weltverschwörung“ gewesen.

    (…)

    Eine wesentliche Voraussetzung dafür (die erschreckend hohe Zahl der Opfer; MM) sei die Unterstützung durch die Bevölkerung der besetzten Gebiete gewesen. Vor allem in Osteuropa habe man die Juden nicht als Menschen in Not, sondern als Einnahmequelle wahrgenommen. Typisch für diese Haltung seien die polnischen Erpresser gewesen, die zu Dutzenden vor den Ghettomauern lauerten. Erblickten sie einen fliehenden Juden, folgten sie ihm und nahmen ihm alles ab, was er besaß. Danach übergaben sie ihn den Deutschen (S. 731). „Tatsächlich wären die Besatzer ohne den Beitrag von Polen, die sich vor Ort auskannten und Juden zu identifizieren wussten, angesichts der Massenflucht aus den Ghettos hilflos gewesen“ (S. 772). Zwar hätten manche Polen und Ukrainer den Juden geholfen, doch die Mehrheit der Bevölkerung habe ihre Ausbeutung für moralisch akzeptabel gehalten. „Erpressung, Folter, Vergewaltigung und Mord wurden nicht von Außenseitern verübt, sondern galten als ‚akzeptierte gesellschaftliche Praxis‘. Dorfälteste, Bürgermeister, Polizeibeamte, Feuerwehrleute, Förster und andere anständige Bürger: Sie alle beteiligten sich an der Jagd auf Juden und suchten sich ein Stück ihres mythischen Reichtums anzueignen“ (S. 773). Selbst Partisaneneinheiten hätten diese Einstellung, die weniger antisemitischen Vorstellungen als Habgier entsprang, geteilt (S. 25).

    Doch auch viele Juden seien der Versuchung zur Kollaboration erlegen. Durch die Einrichtung von „Judenräten“ und „Ordnungsdiensten“ hätten die Deutschen in den Ghettos eine privilegierte Klasse geschaffen, deren Angehörige bereitwillig bei der Unterdrückung und Deportation „gewöhnlicher“ Juden halfen (S. 673), wobei sie sich in vielen Fällen auf Kosten der Opfer bereicherten (S. 587). Das plötzliche Gefühl, schrankenlose Macht über andere zu besitzen, habe sich verhängnisvoll ausgewirkt. Ein Zeitgenosse meinte, die Mitglieder des Ordnungsdienstes seien noch bösartiger gewesen als die Deutschen (S. 724). Schon bald habe sich zwischen ihnen und den übrigen Ghettobewohnern ein „abgrundtiefer Hass“ entwickelt (S. 419).

    Während Hundertausende verhungerten, hätten sich die Ghettoelite und der kriminelle Untergrund jeden Luxus leisten können (S. 427). Als im Sommer 1941 der Typhus im Warschauer Ghetto grassierte, starben die Armen in Massen, während sich die Reichen Typhus-Serum mit der Post aus der Schweiz kommen ließen (S. 533). Zeitweise habe es im Warschauer Ghetto einen öffentlichen „Strand“ gegeben, an dem Gutbetuchte für ein Entgelt den ganzen Tag in der Sonne liegen konnten (S. 428). Im Cafe Hirschfeld seien die teuersten Liköre, Cognacs, eingemachte Fische, Ente, Hühnchen und Gänsebraten angeboten worden (S. 428). Noch 1942 hätten mehrere Dutzend Feinschmeckerlokale und Nachtclubs existiert. Ein Zeitzeuge berichtete: „Der Hauptboulevard im Ghetto, die Lesznostraße, wartete mit mindestens zwanzig Restaurants auf … In keiner Stadt der Welt gab es so viele schöne und elegante Frauen, die in Cafés bedienten wie in dem kurzlebigen Ghetto mit seinem Café des Arts, Splendide, Negresco, etc. Aber vor ihren Schaufenstern gingen Scharen erbärmlicher Bettler vorbei und brachen oft genug vor Entkräftung zusammen“ (S. 588).

    (…)

    Wenngleich diese Neuinterpretation der jüngeren deutschen Vergangenheit ihre Schwächen hat, ist sie dem überkommenen Bild der „Endlösung“ in allen wichtigen Aspekten überlegen. Sie unterstreicht den Mangel an Koordination bei den frühen antijüdischen Maßnahmen, weist auf einen bisher vernachlässigten Aspekt von Hitlers Weltanschauung hin, verdeutlicht die Wechselwirkung zwischen Judenpolitik und Krieg, macht die Existenz eines direkten Führerbefehls zur Ermordung der europäischen Juden wahrscheinlich, zerstört den Mythos von der Effizienz der nationalsozialistischen Mordmaschinerie, bezieht die Bevölkerung der besetzten Gebiete in die Betrachtung ein und arbeitet die Vielfalt der Erfahrung und des Verhaltens der Juden heraus. All dies macht das Buch zu einem Meilenstein der Geschichtsschreibung.«

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    • fidelpoludo schreibt:

      Peinliches gleich in der ersten Zeile: Statt „Rezession“ muss es selbstverständlich „Rezension“ heißen. Die Software-Programme, die und vorausdenken wollen, sollten zum Teufel gejagt werden.

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  2. fidelpoludo schreibt:

    Liebe Leute! Ich werde euch jetzt schamlos anlügen!
    Traut euren Augen nicht, wenn ihr den Text der Mail lest, den Gilad Atzmon mir geschrieben hat und den ich frei hier aus dem Englischen übersetzt wiedergebe:

    „Die Linke, verführt von Kulturkämpfen und Identitätspolitik, ignoriert zu großen Teilen den Vorrang des Kampfes gegen den Kapitalismus und des Klassenkampfes. Solange der schrankenlose Kapitalismus die Alleinherrschaft hat, werden alle sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Veränderungen kosmetischer Natur sein. Der Kapitalismus legt es in seinem Kern darauf an, die Menschen und die Natur zur Ware zu machen, um sie auszubeuten und Profit daraus zu schlagen. Um die Gewinne zu steigern, strebt er fortwährend danach, die Arbeitskosten zu senken, Regulierungen und Gesetze niederzureißen, die das Allgemeingut schützen. Doch je mehr der Kapitalismus den sozialen Zusammenhalt zerschleißt, desto mehr schädigt er wie jeder Parasit seinen Wirtskörper, auf dessen Kosten er lebt. In der aufgebrachten Bevölkerung entfesselt er dunkles, unkontrollierbares Verlangen, das den Kapitalismus selbst bedroht. (…)
    Genauso wie das [kapitalistische] System allgemein Tritt fasst und zunehmend intersektional wird, brauchen wir intersektionalen Widerstand. Ende der 1960er, als ich meine politische Bildung erfuhr, löste sich der Anspruch der Linken auf Allgemeingültigkeit auf, der in den 60ern gewachsen war. Frauen hatten zunehmend den Eindruck, dass ihre Themen nicht angesprochen wurden. Sie wurden von weißen Männern, von Studentenführern schlecht behandelt. Schwarze, [Black] Panthers, bekamen das Gefühl, dass Weiße das Problem des Rassismus nicht thematisieren konnten. Sie gründeten also eigene Organisationen. Mit dem Ergebnis, dass die Linke ihren Blick aufs große Ganze und damit ihre universalisierende Rolle verlor. Sie befasste sich nicht mehr mit der Schnittmenge all dieser Problemfelder im Kontext eines militarisierten, kapitalistischen hegemonialen US-amerikanischen Imperiums. Sie behandelte Politik als voneinander isolierte Gruppenidentitätsprobleme. Frauen stießen an gläserne Decken. Ebenso Schwarze. Desgleichen Schwule. (…)
    Die Linke ist zu einer Art Wundertüte separater, voneinander isolierter Identitätsbewegungen geworden. Das hängt eng mit dem Streben nach sittlicher Reinheit zusammen. Man ist besorgt um das eigene Fortkommen im bestehenden System. Man konkurriert mit anderen im bestehenden System. Jeder andere genießt Privilegien. Man selbst ist nur bedacht darauf, seinen angemessenen Teil abzubekommen.
    Die Menschen in den Bewegungen sind Produkte des Systems, das sie bekämpfen. Wir alle sind in einer kapitalistischen, individualistischen, egoistischen Kultur aufgewachsen, insofern ist das nicht überraschend. Man muss es sich aber bewusst machen und diesem Trend den Kampf ansagen. Jedes Mitglied einer Bewegung ist in den Systemen aufgewachsen, die sie abstoßend finden. Daraus entstand eine strukturelle Umformung der Linken. Die Linke bietet keine groß angelegte Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus. Sie ist vor allem eine Partei der Identitätspolitik. Sie nimmt Reformen für Schwarze und Frauen, etc. in den Fokus. Sie bietet jedoch keine Kontextanalyse innerhalb des Kapitalismus. (…)
    Wenn man Politik darauf reduziert, lediglich der eigenen Gruppe ein Stück vom Kuchen zu sichern, verliert man die systemische Analyse. Man ist zersplittert. Man hat keine natürliche Beziehung oder Solidarität zu anderen Gruppen. Es entgeht einem der größere systemische Zusammenhang. Wenn ich als homosexueller Mensch sage, dass ich beim Militär kämpfen will, legitimiere ich auf eine seltsame Art das US-amerikanische Imperium. Lebte man in Nazi-Deutschland, würde man dann wohl auch sagen: Ich möchte, dass Schwule das Recht haben, zusammen mit den Nazi-Soldaten ins Gefecht zu ziehen? (…)
    Identitätspolitik ist zu einem hohen Grade ein rechter Diskurs. Im Mittelpunkt steht eine Art Stammessystem, welches in der Moderne mit dem Nationalismus verknüpft ist, der immer militaristisch ausgerichtet ist. Wenn man die Linke in diese separaten Identitätspolitiken unterteilt, die nicht in Zusammenhang gebracht werden, landet man leicht in diesem dogmatischen Fundamentalismus. Die Identitätspolitik der Linken reproduziert die schlimmsten soziopathischen Züge des Systems als Ganzem. Das macht Angst.“

    Als katholischer Atheist darf ich lügen, auch ohne es anschließend reumütig zu beichten. Dennoch beichte ich – wenn auch nicht reumütig. Nicht zuletzt weil ich euch die Lüge ja ehrlich angekündigt habe. Meine Lüge also ehrlicher ist als manche Wahrheit.
    Gelogen ist ganz klar, dass Gilad Atzmon mir mit diesem Wortlaut geschrieben hat. Nicht gelogen ist aber, dass ich mir hier einen Gilad Atzmon zurechtgeschnitzt habe, wie ich ihn mir – zumindest in bestimmten Zusammenhängen – wünschen würde.
    Der Teil des phantasierten Gilad Atzmon hat einen Namen und heißt Chris Hedges. Und die Übersetzung der zitierten Passagen verdanken wir einer linken Plattform, die sich weigert, sich selbst im Kritisierten wiederzuerkennen. Wenn das die Bedingung dafür ist, dass wir von solchen Gedanken erfahren, dann sei’s drum! Es ist der „Rubikon“ und der Text mit dem Titel „Der Bankrott der Linken“ findet sich hier: https://www.rubikon.news/artikel/der-bankrott-der-linken

    Nebenbei: Wenn Identitätspolitik ein rechter Diskurs ist, ist seine Kritik schon eher links anzusiedeln, wohin ich Gilad Atzmon gerne auch in manch anderer Hinsicht ziehen und zerren würde. Sein ethischer Universalismus wie sein Eintreten für die jederzeitige – wissenschaftlich fundierte – Revision unseres Geschichtsbildes sehe ich auch dort angesiedelt. Seine Aversion gegen die Frankfurter Schule spricht aber doch eher von Unkenntnis oder einer gängigen Verwechslung von Schülern mit den Meistern. Von „Marxisten“ mit Marx, von „Adorniten“ mit Adorno. (Wilhelm Reich etwa zur Frankfurter Schule zu rechnen, ist schon etwas gewagt.) Das Wichtigste, was ich bei ihm wiederzuerkennen glaube, ist der emanzipatorische Impuls, „alle Verhältnisse abzuschaffen, in denen …“ von Menschen in einer bestimmten Lage die Rede ist – und nicht von Frauen, Juden, Schwarzen oder irgendwelchen anderen Stämmen oder biologischen Einheiten, obwohl diese vom Menschsein natürlich nicht ausgeschlossen sind.

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Wenn ich mir ganz persönlich die Frage stelle, wie gehe ich mit meiner nur abstrakt zu erfassenden Ausbeutung ferner Unbekannter ( z.B. arbeitende Kinder) oder fiktiv vorgestellt in einer mir selbst gegenüber begünstigten Alimentation in höherer Position oder noch fiktiver als spekulierender Milliardär ohne Arbeitsplatz und Hartz4-Anspruch um, erkenne ich wohl das gesellschaftliche Problem des Machtgefälles, der Existenznot und der verletzten Würde. Aber in jedem Fall bin ich es, nur in verschiedenen Rollen. Ähnlich dem, der in mehreren Instanzen/Identitäten seiner selbst gegeneinander spielt. Ist nicht das befreiender Selbsthass, von dem auch Atzmon spricht. Denn so kann ich schon mit mir selbst analysieren und verhandeln, was üblicherweise in unversöhnlicher Feindschaft wortlos bleibt. Die Frage, welche Erwartungen an gesellschaftliche Struktur, Humanismus und Entwicklung ich in anderer gesellschaftlicher Rolle hätte, kann ich dann unideologisch und lösungsorientiert betrachten. Aus feindlicher Identität wird eine rationale Aufgabe.

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      • kranich05 schreibt:

        „Aber in jedem Fall bin ich es, nur in verschiedenen Rollen.“
        Dergleichen „Rollenflexibilität“ sehe ich nahe beim Wunschdenken. Oder bei Friedrich Schiller:
        „Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit.
        Leicht beieinander wohnen die Gedanken,
        doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.“
        Wallensteins Tod II, 2. (Wallenstein)

        „Denn so kann ich schon mit mir selbst analysieren und verhandeln,…“
        Nur zu! Zum Vergnügen! Freilich auch zu der Einsicht, dass auch die lustvollste Selbst-Masturbation keine Kindchen erzeugt.
        Und Peter Rühmkorf dichtete böse:
        „Ah – natürlich,

        und dann noch der Trick mit dem Einerseits- andererseits,

        schleimlösende Dialektik:…“

        Kurzum. Ich meine, dass wir sorgfältig trennen sollten, zwischen dem, was „in mir ist“ und also von mir gedanklich, emotional usw „bewältigt“ werden muss und dem andern, dass in der objektiven gesellschaftlichen Realität existiert und auch nur dort und zwar durch objektives gesellschaftliches Handeln „bewältigt“ werden kann.

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        • gutesgestalten schreibt:

          Gut. Man selbst existiert allerdings in der objektiven Realität auch. Und wenn ein Selbst-Diskurs dazu führt, dass
          1. aggressionsfrei,
          2. ohne, dass Andere dafür notwendig sind
          3. mehr Verständnis erlangt wird (für die Sicht auf die Dinge aus anderer Perspektive, für das, was aus diesen Sichten notwendig / wünschenswert ist; und nicht zuletzt, wo da Schnittmengen sind!),
          dann erhöht dies in der allgegenwärtigen Realität
          1. Empathie (die dringend benötigt wird, an allen möglichen Stellen, in Herzen und in Diskursen; alles Andere macht gar keinen Sinn, glaube ich, und führt nur zu weiteren Katastrophen, solange sich alle denkbaren Personen und Gruppen immer wieder aus aller eigentlich für „richtig“ befundenen Regel- und Sinnhaftigkeit verabschieden, sobald dies ihren Interessen entspricht, oder sie eben grad Lust haben bzw. keine Lust, sich dran zu halten, z.B. die Wahrheit zu sagen, wenn diese irgendwie unangenehm klingt – und solange genau solcherlei akzeptabel erscheint, z.Z. auf verschiedensten Ebenen rapide zunehmend!),
          2. Möglichkeiten, substantiell auf Positionen Anderer einzugehen und mit diesen Anderen tatsächlich sinnvoll zu diskutieren (!), und nicht zuletzt
          3. herauszufinden, was eben „Gemeinsames“ zwischen den verschiedensten Interessengruppen sein könnte, was gewünscht oder gar notwendig sein könnte, im Weiteren gemeinsam verfolgt zu werden.

          Ein/Der Weg zu Einheit all derer, die akzeptieren, dass es auch aber nicht nur um ihr persönliches / identitäres Interesse geht – sondern dass ein/e Jede/r Möglichkeiten wünscht und benötigt, ein einigermaßen angenehmes, freies / selbstbestimmtes, gesundes, sinnvolles und freud- sowie liebevolles Leben zu führen.

          Oder?

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          • kranich05 schreibt:

            Als passionierter, zeitweilig exzessiver Tagebuchschreiber habe ich gewiss nichts gegen den Selbst-Diskurs, sondern weiss ihn zu schätzen.
            Doch wir leben in Zeiten der individuellen Selbstverdummung. Allzu treffend ist die Feststellung: Ja, „man selbst“ existiert in der objektiven Realität – als Zombie.
            Lieber mit dem „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ ernst machen.

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    • Joachim Bode schreibt:

      Wäre der Begriff „neoliberalisierte Linke“ falsch?

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      • fidelpoludo schreibt:

        Auch wenn Rühmkorf es nicht mögen mag:
        Einerseits halte ich den Begriff für den Zeitpunkt des Niedergangs der Linken für richtig, aber nur um andereseits ihr mit der Übernahme wichtiger Elemente des Neoliberalismus gerade ihr Linkssein absprechen zu müssen.
        Um anzuzeigen und anzudeuten, warum die Linke nicht mehr links ist, darf der Begriff als Vorwurf gebraucht werden. Mindestens solange, wie diese Pseudolinke sich selbst noch so zu bezeichnen beansprucht bzw. von vielen noch so gesehen wird.
        Seine Gültigkeit erschließt sich also nur dem, der sich seine Widersprüchlichkeit („das runde Viereck“) bewußt macht, die geschichtlich in ihn eingezogen ist.

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      • willi uebelherr schreibt:

        Lieber fidelpoludo (was bedeutet eigentlich dieser name, gefaellt mir),

        wenn ich sage, dass die „Linke“ noch nie links war, was sagst du dann? Seit Ferdinand Lasalle hat sich das, was als links bezeichnet wird, der formierung und normierung der arbeiterInnen als konsumenten und angepassten betaetigt. Das hat Albrecht Mueller immer noch nicht begriffen. Er will es auch nicht begreifen.
        Und im Rubikon finden wird das auch. Und bei KenFm zumeist auch. Dass dann leute wie Chris Hedge im Rubikon auftauchen, war vielleicht ein missgriff.
        Leute wie Noam Chomsky passen da besser dazu, der immer noch die 19 jugendlichen, die danach nachfragten, was denn jetzt los sei, fuer die akteure in NewYork 2001 haelt. Weil die staatlichen akteure machen doch sowas nicht. Aber gleichzeitig die syrischen staatlichen akteure fuer giftgas-einsatz verantwortlich machen. Und Israel, huh, das ist ihm wichtig. Das ist die neue kultur, das grosse.

        mit lieben gruessen, willi

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        • fidelpoludo schreibt:

          Lieber Willi, mit der Frage erwischt du mich auf dem falschen Fuß. Zu meiner Schande weiß ich nicht mehr, welche Laune mich zur Wahl dieses seltsam zusammengesetzten Pseudonyms verleitet hat. Fidel ist nur indirekt auf Fidel Castro bezogen. Ich war damals noch sehr von Slavoy Zizek beeindruckt und hing mich an seine Selbstbezeichnung als Fidel, die ihm seine Freunde angeblich angetragen haben sollen, weil er ebenso wie jener stundenlang und ohne Unterbrechung reden konnte. „Poludo“ ist mir ein Rätsel. Ich spreche ziemlich gut Portugiesisch. Aber leider gibt es das Wort in der Sprache nicht. Wohl „Peludo“ (stark behaart – angesichts meiner Haarfülle auf dem Kopf entweder Wunschtraum oder selbstironische Übertreibung meines Mangels). Vielleicht habe ich in einem schwachen Moment meines Lebens aber irgendwie das spanisch-argentinische Wort „boludo“ aufgeschnappt, womit ich mich zumindest dem subversiven Begriff nach mit den klammheimlich gewünschten cojones (selbstverständlich nur im übertragenen Sinne!) ausgestattet habe, die direkt zu erwähnen doch allzu durchsichtig gewesen wäre. Wie dem auch sei: Gefällt mir als Wort und melodiös-rhythmische Buchstabenfolge in der Betonung auf „del“ und „lu“, also Fidelpoludo.
          Viel Spass und Vergnügen beim richtigen Aussprechen. Es kann auch ansatzweise herausgeschrien werden.

          Zur „nie links“ gewesen sein sollenden „Linken“ dann später. Mach dir nur klar: Wenn es die Linke nie gegeben hat, hat es auch nie eine Rechte oder einen Faschismus gegeben, weil es für diese nie einen Grund gegeben hätte, die Macht zu ergreifen.

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          • kranich05 schreibt:

            Ich habe bei „fidel“ auch an „fröhlich“ gedacht. Zum zweiten Namensteil fiel mir nur „Poularde“ ein, was doch wohl ein wenig unpassend ist.
            Warum übrigens die Meinung, dass der Blog-Wahlspruch dort oben „seltsamerweise“ steht?
            Bei der Gelegenheit zum Linkssein oder Nichtlinkssein: Gibt es seit 2000 Jahren oder gibt es ebensolange nicht, wie Willi großzügig meint.
            Ich habe keins sehr gutes Gefühl bei solcherart Ausgreifen. Wenn andere Enzyklopädisten sind, mögen sie so reden. Ich habe einfach nicht genug Ahnung, um solche Aussagen vertreten zu können.
            Allein ein paar der Anstöße, die Atzmon gibt, ernsthaft zu durchdenken, macht mir enorme Mühe. In das Buch von Cesarani habe ich angefangen mich zu vertiefen. Immer dieselbe Erfahrung: Neue Argumentationen – neue Erkenntnisse für mich einerseits; andererseits neue Argumentationen – ich beharre auf meinen bisherigen Einsichten, werde sie vermutlich „schärfen“. Also ein Aneignungs- und zugleich Umformungsprozess. Ähnliche Erfahrungen haben wohl jeweils zu ihrer Zeit alle die Linken, Befreier, Menschenbeglücker, Revolutionäre und Märtyrer ebenfalls gemacht.
            Dass die Menschern sich ermächtigen mögen, das Ziel hatten wohl fast alle (in der jeweiligen historischen Form) vor Augen.
            Und dass wir diesbezüglich heute bei all unserer Klugheit schon an einem simplen Gesprächswunsch bzw. -medium scheitern, das ist doch gerade die „Rubikon-Erfahrung“.

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            • fidelpoludo schreibt:

              Das mit dem „seltsamerweise“ war mehr ein Scherz, weil ich den durch und durch linken Spruch auch auf dem Blog oben links habe sehen wollen, was selbstverständlich eine übertrieben alberne Erwartung ist. Er verliert, auch wenn er sich rechts oben befindet, seine Bedeutung nicht. Ich ziehe das Wort zurück.
              „Dass die Menschern sich ermächtigen mögen, das Ziel hatten wohl fast alle (in der jeweiligen historischen Form) vor Augen.“ Sehe ich genauso. „Alle“ außer den Mächtigen und Herrschenden selbst. Und die von ihnen Bestochenen und mit ein paar Privilegien korrumpierten. Ob Willi damit „Links-Sein“ charakterisiert sehen will oder kann, möchte ich weder mit ihm, noch mit jemand anderem weiter diskutieren.

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              • kranich05 schreibt:

                Dass Sie den linken Spruch eher nicht auf der rechten Blogseite sehen wollten, das ist eine mich verblüffende, besonders fidele Erwartung.
                Aber nichts zu machen, links hatte sich schon opa breit gemacht.
                Ein Ausweg wäre es wohl, das Blog mit zwei linken Seiten zu betreiben. Da ich aber blogtechnisch zwei linke Hände habe, wird das dauern.
                Beste Grüße
                kranich05

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            • willi uebelherr schreibt:

              (Ich weiss nicht, wo dieser kommentar nun ankommt in der hierarchie, weil WordPress die versendung blockiert hat. Bobby, der kleine schwarze kater, hat die emailadresse verfaelscht. Aber vielleicht kann er als startpunkt fuer „Links/Rechts“ wirken.)

              Lieber Fidelpoludo, wir entscheiden immer selbst, was wir als „Links“ verstehen. Links sitzend im Parlament, aus der position des chefs betrachtet, oder eine fundamentale alternative zum kapitalsimus, in dem nur die private kapitalakkumulation zaehlt und alles andere dieser unterworfen wird.

              Das „Links“ bezieht sich fuer mich auf eine repraesentative republik, die als theaterveranstaltung organisiert ist. Die begriffe Sozialist, Kommunist und Anarchist beschreiben es besser. Auch in dieser reihenfolge, weil sie eine zunahme an konsequenz beinhaltet.

              Der kern ist die Selbstermaechtigung zur Selbstorganisation. In repraesentativen strukturen gibt es keine „Selbstermaechtigung zur Selbstorganisation“, sonst waere sie nicht repraesentativ.

              Ich habe mir etwas die biografie von Bert Brecht angesehen. Er hat 1953 versagt. Er sah es richtig und traute sich nicht, dafuer einzutreten, weil er fuer sich nachteile erwartete.

              1956/57 prozess gegen Wolfgang Harich, Walter janka und den Aufbruch Verlag. Drohend im hintergrund George Lukacs. Es ging um Selbstorganisation. Anna Seghers und Helena Weigel haben total versagt. Sie unterwarfen sich der faschistischen propaganda des staatssystems. Ich vermute, es war nur moeglich, weil Bert Brecht vorher im August gestorben war.

              An diesem beispiel koennen wir sehr gut sehen, vielleicht in einer besonders extremen form, was eigentlich „Links“ bedeutet. Eine billige maskerade, die den prozessen ihrer inhalte beraubt und alles auf die aufrechterhaltung des systems konzentriert. Das ist auch der grund, warum ich Fidel Castro ablehne. Und in das gleiche fahrwasser ist Hugo Chavez abgerutscht.

              Bei den Gruenen nach Petra Kelly war es sofort klar, worum es ihnen eigentlich geht. Bei den Jusos ebenso. Mit Gerhard Schroeder kam das innenliegende zum vorschein.

              Und die DieLinke, die heute mehr oder weniger offen kriegshysterie betreibt und fuer das konzept einer „Neuen Weltordnung“ NWO mit einer verschiebung der entscheidungskompetenzen in ferne zentralismen agiert. Sie agieren auf der basis der systemerhaltung und damit sind ihre handlungsraeume und orientierungen bestimmt.

              mit lieben gruessen, willi

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        • willi uebelherr schreibt:

          Lieber Fidelpoludo, danke fuer deine freie darlegung. Ich hatte nicht an Fidel Castro gedacht, weil ich den nicht mag. Sondern eher an „fidel“ wie froehlichkeit.

          Wenn ich sagte, dass es die „Linke“ nie gab, meinte ich damit, dass es nie eine wirkliche bewegung zur selbstorganisation der bevoelkerung gab, wenn wir die „offiziellen“, bekannten organisationen heranziehen. Sie waren alle tief mit den systemen verstrickt.

          Fuer mich wird das deutlich im zusammenhang mit der 1.Internationale. Karl Marx hat sich an seiner aufloesung beteiligt, weil Michail Bakunin einen zu grossen einfluss hatte. Und schon aus der art, wie sie arbeitete, erst in London, dann in New York, wird doch eigentlich klar, dass das nichts fuer ArbeiterInnen war. Das war nur etwas fuer sie „sozialistischen“ eliten.

          Eine „Rechte“, die konsequent die interessen des kapitals und der grossgrundbesitzer verfolgt, gab es doch immer, oder? Es ist ja das, was wir aus dem roemischen imperium hervortreten sehen. Ob wir sie nun die „Rechten“ nennen, ist doch eigentlich egal. Auch ihren anhang gab es immer.

          Vielleicht liege ich ja falsch, wenn ich die konflikte so radikal reduziere. Vielleicht geht dadurch so manches verloren, was die konkretheit des Seins bestimmt und damit auch die aktuelle wahrnehmung mit seinem denken.

          Ist es verwerflich, zu behaupten, dass das wirklich „linke“ nur die anarchistInnen verfolgten? Die bewusste Selbstermaechtigung zur Selbstorganisation? Die ganzen kriege der letzten 2 jahrtausende enthalten deren niederschlagung neben den konkurrenzkaempfen um herrschaftsgebiete. Pariser Commune, Zapata(Mexico), Ukraine und Spanien sind doch eigentlich nur einzelne punkte in einem meer alltaeglicher zerstoerungen.

          Auch die heutige auspraegung kapitalistischer verhaeltnisse rankt sich doch ausschliesslich nur um die frage, wie die fuegig machung der bevoelkerung vonstatten gehen kann. Alles andere ist doch nebensaechliches beiwerk. Wir sehen das heute an den enormen geldfluessen in diese bereiche. Allein etwas 30 Milliarden Dollar pro jahr fuer die NGOs. Dann noch die parteien, gewerkschaften und stiftungen.

          Faschismus hat es immer schon gegeben. Das ist nicht neu. Zumindest, wenn wir zum roemischen imperium zurueck gehen. Vorher wahrscheinlich auch.

          Ganz oben rechts im OpaBlog steht: „Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun!“

          Ist das etwas auch fuer dich, lieber Fidelpoludo. Hast du das vertrauen in die bevoelkerung, „das Volk“, wie Lutz es nannte? Weil ohne geht es nicht.

          mit lieben gruessen, willi

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          • fidelpoludo schreibt:

            Lieber Lutz, bin erst recht neu hier auf eurem blog zugange. Würde mich aber wundern, wenn nicht gerade hier der Aufteilung in rechts und links schon mehr als einmal die eine oder andere Abfuhr erteilt worden wäre. In verschiedenen Zusammenhängen habe ich mich auch schon in der Weise geäußert.
            Aber, aus irgendeinem noch tiefer zu ergründenden Grund, kommen wir dann letztenendes dann doch wieder nicht dran vorbei.
            Wenn du mich fragst, ob das, was (seltsamerweise!) oben rechts im OpaBlog steht „Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun!“ nicht auch etwas für mich sei, rennst du bei mir offene Türen ein. Du wirst wohl wissen, woher die Losung stammt. Aus einem traditionell sehr linken Kontext, nämlich dem der internationalen Arbeiterbewegung, ihrer Hymne, in der neben der Forderung nach Abschaffung parisitärer Herrschaftsformen noch weitere nicht zu vernachlässigende emanzipatorische Ansprüche erhoben werden:

            „Es rettet uns kein höh’res Wesen,
            kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
            Uns aus dem Elend zu erlösen
            können wir nur selber tun!
            Leeres Wort: des Armen Rechte,
            Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
            Unmündig nennt man uns und Knechte,
            duldet die Schmach nun länger nicht!“

            „Unmündig nennt man uns und Knechte“ aber nur noch in bestimmten elitären Kreisen hinter vorgehaltener Hand. Diese Art von Realismus leistet sich die Elite nur dann und wann mal ganz öffentlich und offen, wenn sie irgendwie sichergestellt hat, dass er die Massen entweder nicht erreichen, geschweige denn ergreifen und erzürnen wird oder diese ihn ihnen stur einfach nicht als ernsthaft abzunehmen bereit sind, weil er von den interessierten Kreisen dann als Verschwörungstheorie diffamiert wird. Schließlich leben wir doch in einer Demokratie, oder etwa nicht. Infam, wenn nicht kriminell, wer anderes behauptet…
            Mausfeld nennt diese Massen in seinen Vorträgen „Lämmer“. Ist er damit ein Verräter, ein Verschwörungstheoretiker oder etwa einen Sinns mit den Herrschenden? Sicher nicht! Sein Erkenntnisinteresse ist genuin links, wenn er fragt, warum die Lämmer schweigen, obwohl sich zeigen läßt – und er tut es -, dass wir alle von gezielten Kampagnen und fest in der Gesellschaft, ihren Institutionen und Medien verankerten Mechanismen verarscht werden. Ich halte es für billig, dem Herrn Mausfeld jetzt vorzuwerfen, seine Analysen seien ja hilfreich und richtig, aber was jetzt zu tun sei, könne er uns auch nicht sagen, am Ende stehe er handlungstheoretisch ebenso mit leeren Händen da wie alle anderen Kritiker.
            Ob ich „Vertrauen in die Bevölkerung“ habe, weil „es ohne nicht geht“, fragst du mich. Vertrauen weniger als Hoffnung, die auch immer wieder betrogen werden kann.

            Marx, Bakunin, Anarchismus. Schwer zu beurteilen. Marx Analyse des Kapitalismus ist im Wesentlichen wohl der Analyse Bakunins überlegen. Dass Marx auf der praktischen und organisatorischen Ebene Fehler, vielleicht sogar schwere Irrtümer begangen hat, halte ich für sehr wahrscheinlich. Nobody is perfect! Sicher auch Marx nicht.

            Damit sind wir zurückgekehrt zu unserer/deiner Ausgangsfrage:
            Wenn ich sagte, dass es die „Linke“ nie gab, meinte ich damit, dass es nie eine wirkliche bewegung zur selbstorganisation der bevoelkerung gab, wenn wir die „offiziellen“, bekannten organisationen heranziehen. Sie waren alle tief mit den systemen verstrickt.
            Die Frage ist eben, wie man „links“ definiert: als die Anmeldung des Anspruchs auf universale Emanzipation und Befreiung von Herrschaft (die auszuzführen wir aus freien Stücken niemanden autorisiert haben) oder gleich maximalistisch („Butter bei die Fische!) auf volle praktische Realisierung des bisher bloß Erkannten und Geforderten.
            Da im linken Konzept ursprünglich Theorie und Praxis im beschriebenen Sinne vermittelt sind, muß ich dir einerseits (Rühmkorf läßt grüßen!) recht geben, dass die offiziellen, bekannten Organisationen tief mit den Systemen verstrickt waren, füge aber andererseits gleich hinzu: Nicht wenige der Volksbewegungen waren zur Selbstorganisation entschlossen, wurden aber verstrickt, unterwandert, gespalten oder auf eine andere Art „unschädlich“ gemacht und absorbiert und ins System integriert. Wie Derartiges gemacht wird, hat Gilad Atzmon in spezieller Art und Weise untersucht und herausgefunden.

            Neueste Ansätze zu einer „Selbstorganisation der Bevölkerung“ sehe ich besonders bei „Democracy at Work“ und Richard D. Wolff, der zunächst bei der Organisation der Arbeit ansetzt und sehr viel Bedenkenswertes zu „Worker Cooperatives“ zu sagen hat. Von diesem zentralen Ansatz der autonomen Organisation der Arbeit wäre eine weitergehende Selbstorganisation der übrigen Bereiche des Lebens und besonders des Alltags nicht undenkbar, wenn auch klar sein muss, dass gesamte Leben nicht ge- und verplant werden darf und kann. Zum Glück!

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          • fidelpoludo schreibt:

            Gilad Atzmon spricht bis 9:50 über seine Behandlung des Holocaust.



            Ab 9:50 führt er uns seine musikalische Version der Internationale vor,
            aus der Opablog sein Motto genommen hat:
            „Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun!“

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          • Lutz Lippke schreibt:

            Wenn der „völkische“ Lutz zumindest mitangesprochen ist, dann kann er dazu auch eine Meinung haben. Das „völkisch“ ist natürlich sehr unangenehm, weil es historisch und aktuell wohl immer eine willkürlich unterscheidende und ausgrenzende Bedeutung hatte, was für Volk nicht unbedingt gilt. Aber auch Volk ist erklärungsbedürftig und im Grunde eine abgrenzende rechtliche Konstruktion, nur eben nicht von vornherein ausgrenzend. An diesem Punkt scheiden sich grob rechte und linke Anschauungen. Der dogmatische Rechte beharrt auf Eigentum durch ursprüngliche Aneignung. Der prekär lebende Rechte subsumiert das in seiner Existenzangst runter bis auf das vom Amt finanzierte Wohnrecht in der Platte. Der eine brandstiftet vor allem ideologisch, der andere führt eventuell manche Missetat aus. Wobei zwischen Wortgeklingel und Haltung noch unterschieden werden muss. Vertrauen kann man politisch gesehen beiden Erscheinungen nicht. Der dogmatische Rechte hat viel Rückhalt und Optionen im Bestehenden, tief hinein in die gebildete Mittelschicht, zu der heute auch der noch beschäftigte Stammarbeiter gehört. Der rechte Underdog hat nur das Brüllen und die Radikalisierung. Insofern ist die Fokussierung auf den „rechten Pöbel“ durch rechte Eliten und das grundsätzlich aufgeklärte Bildungsbürgertum nicht nur eine ästhetische Korrelation, sondern auch eine materielle. Der engagierte Bildungsbürger fährt lieber zum Ehrenamt in die Platte, als das provisorische Flüchtlingsheim als Blickfang vor der eigenen Terasse zu haben. Der gut vorgebildete, hilfreiche und höfliche Syrer im großzügigen Eigenheim in Wohngemeinschaft ist gar kein Problem, die dramatisch entwurzelte Armutsfamilie hat da weniger Chancen für diesen sozialen Aufstieg und bleibt dem Staat und dem rechten Pöbel ausgeliefert. Deswegen ist das bürgerliche Engagement im Einzelfall nicht unmoralisch, es löst aber im Allgemeinen weder Unrecht noch Probleme. Wenn darauf Rechte in ihrer eigenen Diktion aufmerksam machen und sich dagegen wieder geballte links-bürgerlich-konservative Verleugnungsträumereien formiert, dann löst sich zumindest links vom erklärten sozialen Anspruch. Rechtlich nach konservativ-bürgerlicher Diktion vollkommen korrekt. Der Jurist weiß da Rat: das GG kennt kein individuelles Grundrecht gegen soziale Diskriminierung. Art.3 III GG schützt nur die Existenz im jeweiligen sozialen Stand, also Eigenheim und Perspektiven dem Fähigen, statisches Existenzrecht im Provisorium der Unterschicht. Mein häufigstes Argument dem völkisch Wütendem gegenüber ist der Hinweis auf das gemeinsame soziale Schicksal, die Mitverantwortung für Fluchtursachen und die Feigheit gegenüber Obrigkeiten. An diesen Punkten korrelieren rechte und linke Ansprüche, ohne das es zur gemeinsamen Aktion kommen könnte, sondern höchstens zur feindlich gesonnenen Radikalisierung gegen die da Oben. Dieses Paradox der Einheit der Uneinigen oben und der getrennten Feindschaft unten, stärkt das „Rette sich wer kann“ von Gemäßigten nach Oben – den Verrat – und damit eine weitere Radikalisierung zwischen unten und unten und unten gegen oben. Wenn der Deckel den Druck im Kessel nicht mehr halten kann, dann profitieren vor allem konservative Rechte oben, weil dem ja so leicht verführbaren und radikalisierbaren Volk ja nicht vertraut werden kann.
            Das Ausweichen von Volk auf Bevölkerung ist nicht unproblematisch, weil es die Rahmensetzung des Selbstbestimmungsrechts auf die Ergebnisse des „Bevölkern“ legt, was aktiv wie passiv gedacht werden kann. Nicht nur der palästinensisch/jüdische Konflikt lässt grüßen, sondern insgesamt die imperialen Spiele mit Völkern und Identitäten. Die erfolgen eben nicht nur im Namen des Kapitals, sondern regressiv im Fortsetzung des gebildeten Missionarseifers. Diesem gezielten Spieltrieb der Imperialen und Guten mit einer linken Selbstauflösung von sozialem Gruppenverständnis zu begegnen, ist doch nur eine reaktive Scheinlösung im Sinne dieses Spiels.
            Das Völkerrecht bietet mit dem Konstrukt Staatsvolk prinzipiell eine Struktur und Lösung an. Im Zusammenhang mit Be- und Entvölkerung oder Staatsauflösung fallen aber Staatenlose der Rechtlosigkeit zum Opfer. Daraus aber eine Rechts- und Haltlosigkeit Aller zu machen, halte ich für gefährlich.

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          • willi uebelherr schreibt:

            Lieber Fidel-poludo, ich vermute, du hast mich angesprochen. Das ende hat mich angeregt:
            „Neueste Ansätze zu einer „Selbstorganisation der Bevölkerung“ sehe ich besonders bei „Democracy at Work“ und Richard D. Wolff“.

            Richard D. Wolff
            https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_D._Wolff
            http://www.rdwolff.com/
            Democracy at Work (Richard D. Wolff)
            http://www.democracyatwork.info/

            Ich muss gestehen, dass die USA kultur und das daraus entstehende denken mich nicht positiv anspricht. Auch, dass ich gut (privilegiert) lebenden akademikern sehr skeptisch gegenueber bin. Und vor allem dann meine skepsis sich steigert, wenn es nur um modellbildungen innerhalb des spekulativen geldsystems geht.

            Mir war der name R.D.Wolff irgendwie bekannt, ohne jemals naeher mich damit zu beschaeftigen und tiefer einzutauchen. Aehnlich ergeht es mir mit Immanuel Wallerstein und Mark Weissbrot. Direkt in verbindung mit Venezuela erlebte ich es mit Marta Harnecker (Chile), Michael Lebowitz (Kanada) und Istvan Meszaros (Ungarn, England).

            Es gibt nur wenige theoretiker, die auch einblick in die praxis haben, auf der dann tatsaechlich theoretische reflektionen mit ihren fragen entstehen koennen. Und, es gibt praktisch keine akademischen Oekonomen, die sich mit Oekonomie beschaeftigen.

            Joseph Stieglitz ist da etwas eine ausnahme. Aber das hauptproblem fuer alle ist, dass sie das geldsystem nicht verstehen und so in einem virtuellen spekulativen raum operieren. Da ist es dann auch damit nicht getan, eine komplementaere waehrung aufzubauen, die dann auf die FIAT waehrungen referenziert werden. Weil dann haben wir die spekulation auch im lokalen/regionalen. Das ist das problem bei Margrit Kennedy.

            Der hintergrund all dem ist, dass es das theoretische fach Oekonomie eigentlich nicht gibt. Volkswirtschaft kommt dem realen schon naeher, auch wenn da auch inzwischen nur mit abstrakten modellen von geldwertmengen und „wertfluessen“ operiert wird. Adam Smith, David Ricardo und Karl Marx sind nie wirkliche themen dort. Das muessen wir uns dann immer ausserhalb aneignen.

            Wenn wir uns der „Selbstorganisation der Bevölkerung“, dann haben wir es immer mit ganz konkreten herausforderungen zu tun. Aber dazu sind akademiker sowieso nicht in der lage. Egal jetzt, in welchem gebiet. Und ich warne davor, dies als eine politische aufgabe zu verstehen. Es ist zunaechst einmal eine oekonomische aufgabe. Und aus diesem feld entstehen anforderungen, die wir als politische aufgaben interpretieren koennen. Oder als soziale, gemeinschaftliche …

            mit lieben gruessen, willi

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  3. Theresa Bruckmann schreibt:

    Chris Hedges „Der Bankrott der Linken“
    fiel mir auch auf.
    Die stärksten Aussagen fand ich schon weiter oben im Text, nämlich:
    „Wenn wir nicht aufstehen, um die Regierung und die Finanzsysteme
    unter öffentliche Kontrolle zu bringen – und dazu gehört die
    Verstaatlichung der Banken, der fossilen Brennstoff- und der Waffen-
    Industrie – werden wir immer Opfer bleiben.
    Der Konzernkapitalismus ist überstaatlich. Er schuldet keinem National-
    staat Loyalität. Er nutzt die US-Projektion militärischer Macht, um seine
    ökonomischen Interessen zu schützen und zu befördern…
    Der Widerstand gegen diese globalen Kabale von unternehmerischen
    Oligarchen muss sich ebenfalls überstaatlich formieren. Er muss Bündnisse
    mit den Arbeitern auf der ganzen Welt eingehen. Er muss liberalen
    Institutionen die Stirn bieten…“
    Auch Florian Sander „Der globalistische Grundkonsens“
    schlägt in diese Kerbe:
    https://www.rubikon.news/artikel/der-globalistische-grundkonsens
    ‚Es ist bei der politischen Linken üblich geworden, die Forderung nach einem solidarischen Internationalismus mit dem Globalismus der Neoliberalen zu verwechseln: Der solidarische Kampf der Völker gegen Unterdrückung und Ausbeutung – versehen mit einer Bezeichnung, die den Begriff der „Nation“ eben durchaus noch enthält, womit weiterhin auf eine kollektive Identität rekurriert wird! – wird verwechselt mit der Auflösung von Grenzen und Staatlichkeit, von Unterschieden und der Unterscheidung von „wir“ und „den anderen“, womit man ausgerechnet auf jene hereinfällt, die schon Anfang der 1990er-Jahre triumphierend das „Ende der Geschichte“ zugunsten einer globalen, freien, bald staatenlosen Marktwirtschaft verkündet haben. Es wäre an der Zeit, dass die Linke diesen historischen Fehler korrigiert und die Erkenntnis akzeptiert, dass das primäre Bollwerk gegen das, was sie seit jeher bekämpft hatte, der Nationalstaat darstellt – mit allen Elementen, die nun mal zu ihm gehören (siehe oben), denn es gibt ihn nur ganz oder gar nicht. „Ein bisschen Selbstbestimmung “ ist keine Selbstbestimmung, “ ein bisschen Identität“ ist keine Identität und „ein bisschen Grenzhoheit“ … ist keine Grenzhoheit.‘

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    • willi uebelherr schreibt:

      Liebe Theresa, huh, das ist heftig. Florian Sander mit Chris Hedge gewissermassen auf eine gemeinsame stufe stellen.

      Florian Sander:
      „In einer neoliberalen Europäischen Union sind es einzig noch die Nationalstaaten, welche Demokratie und sozialen Ausgleich versprechen. Der alte Traum der Linken, den Nationalstaat zu überwinden, entpuppt sich als Albtraum.“

      Ich habe diesen text damals, 9.2.2018, nach kurzem anlesen gleich wieder liegen lassen. Konnte ja nicht ahnen, dass dieser unsinn mich hier wieder ereilt.

      Erstmal: Was sind denn „National-Staaten? Nationen gibt es nicht, Staat gibt es nicht. Also real. Es sind kopfgeburten. Demokratie in Deutschland? Noch nie gesehen. Sozialer Ausgleich? Wenn wir den begriff ernst nehmen, dann gibt es diesen Ausgleich auch nicht. Der kapitalismus laesst keinen ausgleich zu, sonst waere er kein kapitalismus.

      Insgesamt geht es ja bei Florian Sanders voellig durcheinander. Mir ist nicht klar geworden, was seine eigene linie ist. Nur ueber die „Linken“ zu schimpfen, scheint inzwischen grosse mode zu sein, und selbst alle inneren strukturen und verhaeltnisse miteinander in einem brei zu vermischen, und dann noch ueber sprache der anderen zu lamentieren, ist doch primitives spiessiges kleinbuergertum. Sehe ich so.

      mit lieben gruessen, willi

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      • kranich05 schreibt:

        Provokationen oder Paradoxien mögen ja manchmal ’ner lahmen Diskussion bissel Schwung geben. Wenn aber schlicht die Sätze hingeknallt werden: „Nationen gibt es nicht, Staat gibt es nicht.“, dann verlier‘ ich den Boden unter den Füßen.
        Wahrscheinlich hat Derjenige, der so forsch spricht, sich dazu ‚was Forsches gedacht. Doch muss ich das aus meinem Kopf ‚rauswickeln?

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      • willi uebelherr schreibt:

        Ja, lieber Klaus-Peter, das ist vielleicht eine forsche aussge, Fuer mich allerdings nicht. Das haengt damit zusammen, dass alle elitaer organisierten entstehenden „Gesellschaften“ einen virtuellen ueberbau brauchten und brauchen. Also das reale, das existierende im realen, reichte nicht.
        Voelker gibt es. Sie existieren in grosser abgeschiedenheit. Organisierte inzucht koennte ich auch sagen. Es gibt auch gruppen, die die organisierte inzucht als ihr religioeses verstaendnis bezeichen im grossen meer der vielfalt.
        Nationen sind ein zusammengewuerfelter haufen verschiedener ethnischer linien und kulturen mit dem ziel, irgendwie etwas gemeinsames entstehen zu lassen, das nicht so tief geht. Es muss auf der oberflaeche agieren, weil darunter das wirkliche gemeinsame versteckt werden soll.
        Was wirklich existiert sind lokale lebensgemeinschaften, wenn wir die grossen staedte erstmal weglassen.
        Wenn wir unsere realen existenzbedingungen zur grundlage machen, dann brauchen wir diesen ueberbau nicht. Den brauchen nur jene, die nicht wollen, dass wir unsere realen existenzbedingungen zur grundlage unseres denkens und tuns machen.
        Ich spreche immer von den 4 religionen, die uns beherrschen sollen:
        Geldsystem, Staat, Nation und die Goetter.
        Es sind die tragenden elemente in den konstruktionen, in denen die mehrheit der weltbevoelkerung ihr sklavisches dasein fristen sollen und koennen. Falls sie es sich nicht anders ueberlegen.
        Das privateigentum an gemeinsamen ressourcen ist dahinter. Es ist die treibende kraft oder jenes, was den antrieb erzeugt.
        mit lieben gruessen, willi

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    • Theresa Bruckmann schreibt:

      Im September 2007 veröffentlichte Michael R. Krätke
      diesen Text im Freitag.
      Damals entsprach das ziemlich exakt auch meiner Haltung.
      Wenn ich den Beitrag Krätkes heute, nach mehr als 10 Jahren,
      lese und sozusagen einen Abgleich mache, dann
      kann ich sagen, dass ich meine heutige Sicht auf ein Grund-
      einkommen (ich sage jetzt nicht ‚bedingungslos‘, weil es ja
      – sogar von Ökonomen-Seite – die Meinung gab, dieses
      müsste dann auch der Millionär bekommen),
      sofort aufgeben würde für das von Michael Krätke damals
      beschriebene Sozialstaatsmodell.

      file:///C:/Users/Bruckmann/Pictures/Desktop/02-16.18%20im%20Netz/Opablog/02-18.18%20Hemmschwellen%20%C7%80%20Nicht%20l%C3%A4nger%20im%20Gedankenk%C3%A4fig%20herum%20flattern%20%E2%80%94%20der%20Freitag.htm

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      • Theresa Bruckmann schreibt:

        Frage: Was ist das eigentlich?
        Ich google ‚Michael Krätke flattert …‘
        und sofort findet die Suchmaschine das Gesuchte.
        Ich kopiere den Text und drucke ihn aus, um ihn in Ruhe zu lesen.
        Als ich dann, um den korrekten LINK für den Blog angeben
        zu können, die Google-Suche wiederhole, ist nichts mehr
        zu finden.

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        • Lutz Lippke schreibt:

          „Da Revolutionen heute „gesellschafts- und systemimmanent“ stattfänden, so der Autor, brauche man „keine Revolutionsideen, sondern dringend Transformationstheorien“.“
          Transformationstheorien als Basis für Migrationsstrategien, das passt für mich.
          Der Beitrag spricht an, was mich auch zentral umtreibt.
          „Wer die Macht hat, braucht nicht zu lernen. Er oder sie kann es sich sogar leisten, keine Ahnung zu haben und über Gott und die Welt zu schwadronieren – siehe George Bush und andere Kapazitäten der Zeitgeschichte. Die Linke kann sich das nicht leisten.“
          https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/nicht-langer-im-gedankenkafig-herum-flattern

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          • fidelpoludo schreibt:

            Danke Theresa und Lutz für diesen Hinweis.
            Bemerkenswerter Artikel. Und bemerkenswert auch: Geschrieben vor über 10 Jahren.
            Ob heute Revolutionen „gesellschafts- und systemimmanent“ stattfinden, wenn damit gemeint sein soll, dass sich dadurch die soziale Situation der meisten verbessert, bezweifle ich doch entschieden. Es sind eigentlich Konterrevolutionen im Sinne und mit Hilfe stetiger soziale Errungenschaften abbauender Konter“reformen“ und von „Linken“ auch noch im Brustton der Überzeugung angekündigt, verkündet und durchgeführt. Mit Transformationstheorien wäre ich einverstanden, wenn klar gesagt würde, wohin denn transformiert werden sollte und wenn ich die Richtung akzeptieren könnte. Die Forderung erinnert mich an Ulrike Herrmanns permanente Klage darüber, warum es keine ökonomische Transformationsforschung gebe.

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          • Lutz Lippke schreibt:

            Das ist doch eine Frage der Sichtweise. Das offiziell Verlautbarte hat immernoch eine überwiegend fortschrittlich anmutende Diktion. Diese wird tatsächlich missbraucht, um, mehr oder weniger verleugnet, tatsächlich die Gegenrichtung, den generalstabsmäßigen Umzug, betreiben zu können. Kein TV-Sender erklärt, das sie lügen, vieles absichtlich nicht mitteilen und uns das gar nichts angeht. Das wäre für sie fatal. Selbst Angriffskriege müssen (noch) mit hehren Absichten entschuldigt werden. Zumindest für die Allgemeinheit. Es entlastet die Lügner im Zweifel, wenn diese Lügen folgenlos von Anderen aufgedeckt werden. Was könnte da helfen? Eine andere Taktik in der Aufklärung? Ein Beispiel für eine gute Taktik war der Interviewstil von report Mainz mit der ehemaligen bayrischen Justizministerin Merk. Ich denke, dass das lückenlose Aushalten der grenzdebilen Situation dem Zuschauer deutlich mehr offenbart hat, als jeder Eigenkommentar leisten kann
            [video src="http://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/das-erste/report/2012/11-13/582278.m.mp4" /]

            Zurück zum neoliberalen Umzug. …
            Und die Offizial-Linke klammert sich an jedes Erinnerungsstück des halbwegs gemütlichen und friedlichen Sozialhäuschen, als wäre mit den Erinnerungen auch die soziale und friedliche Idee gerettet. Statt den neoliberalen Umzug dort zu stoppen, wo das effektiv ( also erfolgreich) und bestenfalls effizient (also erfolgreich mit sparsamen Mitteln) möglich ist, wartet man auf „den Wähler“, der doch die Mehrheitsverhältnisse im Parlament pro Erinnerungsstücke kippen soll. Deswegen wohl auch Kipping-Strategie genannt 🙂

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          • Lutz Lippke schreibt:

            Mir ist im Zusammenhang mit dem Begriff Transformationstheorien aufgefallen, dass ich wie selbsterklärend von Migration oder Migrationsstrategie schreibe. Das kann missverstanden werden. Ich meine Migration in der Weise, wie sie im Technikbereich sehr wichtig ist. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Migrationsstrategien_(Informationstechnik)

            Aus diesem Kontext heraus ist wohl auch Zusammenhang und Unterschied von Transformationstheorie und Migrationsstrategie zu erfassen. Während die Transformation die ideelle oder tatsächliche Umformung irgendeiner Instanz oder eines Zustandes beschreibt, nimmt die systemtechnisch definierte Migration die real notwendigen Schritte und Bewegungen in den Blick, um im ideellen Sinn eine Umformung vom Ausgangszustand zum Zielzustand zu erreichen. Worauf ich hinaus will, auch eine gesellschaftliche Transformation beschreibt im Wesentlichen abstrakte Vorstellungen von Migrationsabläufen. So stellt der Austausch der Eliten ganz praktisch eine Migration dar und soll damit eine Transformation in der Politik bewirken. Sieht man das systemtechnisch, dann stellen sich diverse Fragen. Zum Beispiel, ob eine real mögliche Migration als Ergebnis überhaupt die gewünschte Transformation erzeugen kann. Die Beantwortung kann vor grundsätzlichen Fehlschlägen bewahren und die Aufmerksamkeit auch auf wichtige Details lenken. Genauso ist es mit einer systemtechnisch gedachten Transformation (Migration) möglich, rrationale Verfälschungen wie Wunschdenken, Gut/Böse, Ideologie beiseite zu nehmen. Mit der Migrationsstrategie gibt es ein Altzustand, Zwischenzustände und ein Zielzustand. Das Altsystem ist genauso wie das Neusystem mit seinem Leistungspotential Teil der gesamten Migration. Es gibt kein schlecht, böse, gemein o.ä., sondern rationale Abläufe. Von Zustand zu Zustand muss es einen Migrationsweg geben. Die Zustände und der Weg zwischen ihnen, muss die Mindestanforderungen an das System erfüllen. Übergangsweise können darüber hinausgehende Anforderungen unerfüllbar sein, weil dies für den Ablauf notwendig oder vorteilhaft ist. Es leuchtet wohl ein, dass eine gut geplante und vermittelte Migration von den davon Betroffenen besser angenommen wird, als die Erklärung einer Transformation, dass „die Sache besser, moderner, gerechter und „digitaler“ wird“. Nur erfordert Migration eben Transparenz und damit wahrhaftige Absichten und Fähigkeiten.

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          • kranich05 schreibt:

            „Wer die Macht hat, braucht nicht zu lernen.“ – das scheint mir der am meisten missglückte Spruch des Jahrhunderts zu sein.
            Gut, dass er nur eine flotte Schlusswendung darstellen soll. Vielleicht ist in dem Krätke-Artikel ja doch Interessanteres zu finden. Ob es die „gesellschafts- und systemimmanenten Revolutionen“ sind?

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        • willi uebelherr schreibt:

          Lieber Lutz, deine begrifflichkeit und begriffliche verschmelzung Transformation und Migration verstehe ich nicht. Auch nicht aus dem bereich technischer systeme.

          Und „Wer die Macht hat, braucht nicht zu lernen.“ Also sie muessen zumindest lernen, wie sie sich die macht erhalten lassen. Und sie muessen lernen, wer sie ihnen erhalten kann und will. Das scheint manchmal nicht so einfach zu sein.

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  4. Lutz Lippke schreibt:

    Wenn wir objektives gesellschaftliches Handeln noch vom ideologisch verträumten Anspruch „es müsste objektiv so gehandelt werden“ befreien, dann kommt man wieder zu subjektiv bestimmbaren Verhältnissen. Denn die Frage ist ja, wie kann und sollte ich handeln, was kann ich von allen anderen erwarten und was passiert tatsächlich. Jede Parteiversammlung offenbart doch, dass die Freund-Feind-Kennung nicht allein am Klassenstandpunkt festgemacht werden kann und Handeln auch nicht absolut daran anknüpft. Wenn das so wäre, käme eine Logik des „Wer sperrt wen ins Lager“ heraus und rein zahlenmäßig wäre das Ergebnis klar. Die Realität bestätigt das aber nicht. Wenn gedacht Kausales nicht miteinander korreliert, dann stimmt die Kausalität so nicht. Man täuscht sich und andere.
    Der Begriff „neoliberal“ ist daher auch unglücklich, denn er verbindet sich gedanklich leider nur ungenügend mit seinen Verwandten, nämlich den totalitären Diktaturen. Während „echte“ Diktaturen ihren totalen Machtanspruch, also die Freiheit gegenüber den Unterworfenen nicht leugnen, ist der neoliberale Anspruch auf die absolute Macht der Freiheit (vom Recht der Anderen), nichts wesentlich Anderes und Neues. Halt ein neosemantischer Trick.

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    • kranich05 schreibt:

      Lieber Lutz Lippke (LLL ;-)),
      ich habe einige Mühe, Ihre Argumentation zu verstehen. (Das kann, muss aber nicht, an Ihrer Argumentation liegen.)
      „Wenn wir objektives gesellschaftliches Handeln noch vom ideologisch verträumten Anspruch „es müsste objektiv so gehandelt werden“ befreien, dann kommt man wieder zu subjektiv bestimmbaren Verhältnissen.“
      Objektives gesellschaftliches Handeln ist objektives gesellschaftliches Handeln. Ist es mit irgendwelchen subjektiven Ansprüchen verknüpft, ändert das seinen objektiven Charakter nicht. Die Meinung, es solle in bestimmter Weise gehandelt werden (weil „objektiv“ ein Muss) kann wahr oder falsch sein. Sie selbst ist aber nicht objektives Handeln.
      Was „subjektiv bestimmbare Verhältnisse“ sein sollen, ist mir unklar. Gehe ich von der Erkennbarkeit der Welt aus, halte ich natürlich auch die objektiven gesellschaftlichen Verhältnisse und dito das objektive gesellschaftliche Handeln für erkennbar, „bestimmbar“. Dazu sollte ich alle möglichen Erkenntniswerkzeuge einsetzen, das Träumen eher nicht. Wollten Sie das sagen?

      Dass Sie das Folgende formulieren, finde ich recht verständlich:
      „Denn die Frage ist ja, wie kann und sollte ich handeln, was kann ich von allen anderen erwarten und was passiert tatsächlich.“
      Doch da ich den „Standpunkt der objektiven Realität“ liebe (Ich weiss, der gilt als wenig sexy.) hake ich hier „pedantisch“ ein: Zuerst geht es darum, zu verstehen was IST, unabhängig von mir und unabhängig von allen anderen. Erst dann die Folgeschritte.

      Dann sagen Sie: „Jede Parteiversammlung offenbart doch, dass die Freund-Feind-Kennung nicht allein am Klassenstandpunkt festgemacht werden kann und Handeln auch nicht absolut daran anknüpft.“
      Entschuldigung, so ein Satz ist flott hingeschrieben, aber was soll er bedeuten? „Jede Parteiversammlung“ – das möchte ich „pseudokonkret “ nennen. Ich verstehe absolut nicht, was Sie damit meinen. In welchem Verhältnis steht „Parteiversammlung“ (und dann auch noch „Jede“) zu „Freund-Feind-Kennung“? Und was soll hier „Klassenstandpunkt“? Ist der Standpunkt einer bestimmten Klasse gemeint? Welcher? Oder ist generell jedes gesellschaftspolitische (oder -philosophische) Denken gemeint, dass den Begriff „Klassenstandpunkt“ benutzt und also wohl Klassen für existent hält. Und wenn ja, was mag ein solches Denken unter einer Klasse verstehen?
      Dann sagen Sie noch, dass „die Freund-Feind-Kennung“ (welche?) nicht allein „am Klassenstandpunkt“ festzumachen ist. Hat das jemand behauptet?
      Ich habe das Gefühl, dass Sie gegen irgend etwas polemisieren. Doch da Sie auf jegliche begriffliche Präzision und inhaltliche Konkretisierung verzichten, sehe ich nur eine Art Phantomkampf.
      Im folgenden Satz geht es dann weiter mit: „Wer sperrt wen ins Lager“. Nun steigern sie sich von „pseudokonkret“ zu „pseudoblutigkonkret“. Doch ich muss an dieser Stelle sagen: „Nö. In diese luftigen Sphären möchte ich nicht mitsteigen.“
      Nicht Ihr bester Tag?

      Beste Grüße.
      kranich05

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Die letzte Frage ist einfach zu beantworten: ja! Daher sicher auch die Polemik in meinem Kommentar. Ich bin aber nicht hier, um inhaltslosen Streit anzuzetteln. Es gibt also schon auch ein inhaltliches Anliegen, das ich möglicherweise unklar formuliert habe. Ich nehm es mal persönlich und erkläre mich etwas.
        So lange ich denken kann, saß ich argumentativ meist zwischen den Stühlen. Eher nicht, weil es mir um eine vorteilhafte Position ging, sondern vielmehr um Verstehen und Kommunikation, die zu etwas führt. Im besten Fall zur Übereinkunft, mindestens aber zur Klärung der Positionen. Als Jugendlicher in der DDR war ich oft auf den sogenannten Bluesmessen, obwohl ich mit Religion nicht viel anfangen konnte. Die Musik war lockende Nebensache, es wurde für Inhaftierte gespendet, aber insbesondere ging es um Frieden und Freiheitsrechte. Die DDR war kein expansionistisches aber ein militarisiertes Staatswesen, „Schwerter zu Pflugscharen“ war der Obrigkeit ein Dorn im Auge. In der Schule eckten wir damit nicht nur in Staatsbürgerkunde an. Irgendwann veranstaltete eine staatliche Einrichtung erstaunlicherweise einen Diskusionsabend über „Schwerter zu Pflugscharen“ und ich überredete einen Schulfreund, dorthin zu gehen. Wir hatten oft politischen Streit miteinander. Z.B.1976 – Ich: Luis Corvalan ist durch unsere Proteste frei, Er: Blödsinn, er wurde gegen den Dissidenten Bukowski ausgetauscht. Ehrlich gesagt, konnte ich mir (soviel Dämlichkeit von Marxisten) nicht vorstellen, dass sie diesen Fakt längere Zeit verschweigen würden. Ich stritt um die Wahrheit und stand dann ziemlich dumm da, als es zugegeben wurde. Also wir jedenfalls zu dieser öffentlichen Diskussion, die von Wissenschaftlern und Kadern geleitet wurde. Der Witz war, dass schon die Einführung alles zu westlicher Propaganda, Unterwanderung und fehlgeleiteten Jugendlichen klarstellte. Das Ganze wurde mit geradezu selbstverständlicher Nebensächlichkeit dargestellt. Wenn ich mich richtig erinnere, offenbarten wir uns ungefähr so: Wir haben zwar keinen Aufnäher, aber würden ihn wohl aus Prinzip annähen, wenn wir ihn hätten und machten klar, dass solche Art Diskussionen westliche Unterwanderung vollkommen überflüssig macht. So wurde mir ML vermittelt – abgehoben, überlegen, alternativlos. Falsche Propheten gewiss. Aber jede Mr.Propper-Werbung im Feindsender versprach mehr Aufklärung. Derzeit lese ich Einiges zu Verfassungstheorie und finde neben Maus viele weitere sehr interessante Arbeiten. Manches ist auch leicht zu verstehen und gibt klare Orientierung. Ich hatte schon länger so etwas gesucht, offensichtlich nicht zielgerichtet genug bzw. war ich noch zu sehr im konkreten Problem verhaftet. Erst die Suche nach dem Grundsätzlichen brachte mich weiter, auch über den Umweg der inhaltlichen Auseinandersetzung mit konservativen Argumentationen, Die wesentlichen Erkenntnisse und Argumente, die ich auf diese Weise nun auffinden konnte, werden aber weder im Mainstream, noch in den Alternativmedien, auch nicht von den linken Parteien oder anderen Verbänden öffentlich thematisiert. Obwohl sie uns etwas angehen und unmittelbar betreffen. Selbst meine Mutter, eine studierte und noch aktive Sozialistin wusste nichts über linke und liberale Verfassungstheorie, über Volkssouveränität, demokratisches Recht und Legitimität. Sie geht regelmäßig in Versammlungen, liest viel, ist aktiv. Wir wissen nicht, warum das was wir wollen, das Richtige ist, aber wir wollen bereits wissen, was zu tun ist. Alle Genannten nehmen aus der Demokratietheorie abgeleitete Begriffe phrasenhaft für ihre Absichten in Anspruch und werden hinters Licht geführt oder mauscheln selbst.
        Eigentlich möchte ich daher keine der Gewissheiten mehr ungeprüft übernehmen. Insbesondere wenn sie aus dem „eigenen Lager“ kommen. Es wird auch im Alter nicht angenehmer, als verarschter aber besonders überzeugter Depp dazustehen. Ich mag das jedenfalls nicht. Vielleicht sollte das meine Botschaft sein: Die Erwartungshaltung an Andere, dass sie möglichst regelmäßig die Gewissheiten zu marxschen Gesetzmäßigkeiten wenigstens phrasenhaft anführen sollten und das Versäumnis den Wert ihres Beitrags mindert, treibt mich weg. In den 2 Systemen habe ich für mich wahrgenommen, dass es auf solche Erklärungen gerade nicht ankommt. So wie Typen die Rolle prägen, prägt die Rolle auch Typen. Phrasen gibt es nicht nur in der Westwerbung, sondern ausgeprägt in linken Ideologien. Das ist kein Problem, solange man sich der Uneingelöstheit und möglichen Uneinlösbarkeit bewusst bleibt.
        Ich denke, dass die Linke als Partei, genauso wie linke Alternativmedien sich heute eingestehen müssen, ihre eigenen Ziele weder richtig formuliert noch gangbare Wege gesucht zu haben. Theoretisch wie praktisch. Stattdessen wird eine Kritiker- und Anspruchshaltun eingenommen, die das Alternativlose noch zum Super-Alternativlosen adelt. Die auffindbaren aber scheinbar vergessenen Fundstücke zu modernen linken Theorien belegen mir das Versäumnis einer fundierten Orientierung. Wesentliche Punkte ist in allen diesen Arbeiten die Notwendigkeit des Vertrauens in das Volk, wie auch die genaue Analyse der konkreten Machtmechanismen und Argumentationen und Handlungsoptionen. Also Verzicht auf Erziehungsanspruch und Elitenbildung.

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        • kranich05 schreibt:

          Danke für die offene Rede.
          Ich komme in (versucht) ähnlicher Weise darauf zurück.

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        • kranich05 schreibt:

          immer wieder ist es beeindruckend, wie hinter einer ersten Gesprächsebene, wenn sie hinterfragt wird, eine zweite auftaucht, eine dritte und so immer weiter.
          Dass in der Polemik DDR-Erfahrungen versteckt waren, konnte ich spüren. Aber natürlich kann das, was nicht offen ausgesprochen wird, nur schlecht bearbeitet werden.
          Eine lange zurückliegende Ebene, die ich gut nachvollziehen kann, ist das Gefühl als Depp dazustehen, wenn man Propaganda für wahr genommen hat und sich später korrigierten musste. Der Klassenfeind hatte die Wahrheit gesagt.
          Schlimm genug, dass fast jeder Ex-DDR-ler solche Erfahrungen kennt. Die Allerwenigsten sind als penetrante Kritiker der DDR ins politische Leben getreten oder gar als DDR-Feinde. Ausgangspunkt war meistens eine spontane Identifizierung, die später enttäuscht wurde, oftmals in einem langen Prozess mit vielen Auf und Ab.

          Mensch wird sich freuen, dass er/sie die Täuschung bemerkt hat und jetzt durchsieht. Vielleicht kommt er aber auch auf die Idee, dass er/sie nur eine „Schicht“ durchstoßen hat und es die nächste Täuschung zu überwinden gilt. Der DDR-Diskussionskomplex „Schwerter zu Pflugscharen“ ist mir natürlich bekannt. Ein sehr guter Bekannter, der 1 1/2 Jahre (unschuldig) in Bautzen gesessen hatte, propagierte leidenschaftlich „Schwerter zu Pflugscharen“. Er war bei der Kirche untergekommen (die ihn ausbeutete), die ihn mit monatlich 80 Westmark über Wasser hielt. Die Westkirchen führten die Kampagne „Schwerter…“ nicht. Mein damals guter Bekannter wollte damals keinesfalls die DDR verlassen (Er hatte die Gelegenheit.). Er wollte einen erneuerten Sozialismus. Die Losung „Schwerter…“ hat er bereits kurze Zeit nach dem Untergang der DDR aus seinem Forderungskatalog gestrichen.
          Ich sah mich nie und sehe mich auch heute nicht bei den Trägern des Aufnähers „Schwerter…“. Und wenn ich es auch gut für möglich halte, dass die damaligen Positionen von Lehrern und „Aufklärungsbeamten“ nicht überzeugten, sehe ich auch in diesem Falle eine zweite Ebene unter der äußerlichen.

          Ich habe auch das Gefühl, dass Sie Herr Lippke, wenn Sie die Unterscheidung machen: „Die DDR war kein expansionistisches aber ein militarisiertes Staatswesen,“ – durchaus „Luft für weitere Differenzierungen“ haben. Schon die Zusammenschau von „nichtexpansionistisch“ und „militarisiert“ ist sehr anregend. Ob die BRD heute als „expansionistisch“ und (zumindest) „teilmilitarisiert“ durchgeht? Dass die DDR-Bestimmer viel Gehabe kultivierten, dass militaristisch aussah, bestreite ich nicht. Dass aber der Untergang der DDR vonstatten ging, ohne dass ein einziger Schuss fiel (von den verzweifelten Suizidschützen – Hat die jemand gezählt? – sehe ich mal ab), ist doch wohl eine wesentliche Information zum Militarisierunggrad dieses Staatswesens. Ich glaube, dass auch in Bezug auf die Militarisierung unseres Lebens heute Täuschungen gekippt werden müssten.

          Der üblichen DDR-ML-Vermittlung in den achtziger Jahren ausgesetzt gewesen zu sein, lässt bleibende Schäden vermuten. Ich habe m-l Philosophie Anfang der 60er Jahre in Berlin studiert und bezeuge, dass es deutlich anderer Bedingungen waren.
          Auch in diesem Zusammenhang möchte ich auf dem Ebenenbild herumreiten: eine Möglichkeit: – ML-Berührung – Nase voll – Nie wieder!
          Die andere Möglichkeit wäre: 1. ML-Berührung – so ein Müll! – Worum geht es denn nun wirklich?
          Ich habe mein Leben lang gelesen, was Marx und noch mehr, was Lenin geschrieben hat. Dabei, darf ich wohl behaupten, bin ich durch viele Ebenen meines Verständnisses „durchgestiegen“ und immer wieder auf die Füsse gefallen.

          Darauf werde ich in einem weiteren Antwortkommentar zurückkommen. Schließlich fühle ich mich irgendwie angesprochen von Ihrem Bekenntnis: „Die Erwartungshaltung an Andere, dass sie möglichst regelmäßig die Gewissheiten zu marxschen Gesetzmäßigkeiten wenigstens phrasenhaft anführen sollten und das Versäumnis den Wert ihres Beitrags mindert, treibt mich weg.“

          Vergnügte Streitergrüße
          vom
          Opa

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      • willi uebelherr schreibt:

        Grandios, lieber Lutz. Was ist bloss mit dir ploetzlich los? Dein sprachstil wandelt sich. Lutz tritt hervor.

        „Wesentliche Punkte ist in allen diesen Arbeiten die Notwendigkeit des Vertrauens in das Volk, wie auch die genaue Analyse der konkreten Machtmechanismen und Argumentationen und Handlungsoptionen. Also Verzicht auf Erziehungsanspruch und Elitenbildung.“

        mit lieben gruessen, willi

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        • Lutz Lippke schreibt:

          Unser Dissenz liegt vermutlich in meinem erheblichen Zweifel daran, dass das Prinzip der autonomen Selbstverwaltung schon alles löst und daher nur konsequent vollzogen werden muss. Selbst wenn das in einer Entwicklung darauf hinführen kann, wird jedem Schritt dorthin immer ein Teil des Jetzt und damit auch des Vergangenen anhaften. Eine solche Entwicklung braucht also Legitimation für suboptimale Schritte und Zwischenzustände. Diese Legitimation finde ich nicht in der Beschreibung oder Preisung des Endziels, sondern in der Vernunftlogik der Schrittfolge. Da ich es im Berufsleben mit vernetzten Mensch/Maschine- Systemen zu tun und auch einige Systemwechsel begleitet habe, sehe ich Migrationskompetenz als das wichtigste Element einer solchen Entwicklung an. Davon ist aber regelmäßig wenig vorhanden, was zumindest eine der Ursachen für Fehler, hohe Kosten und bleibende Unzufriedenheit ist. Ein weitere Ursachenquelle sind beherrschende Interessenkonflikte, die entweder offen mit Dominanzanspruch ausgetragen werden oder insgeheim handlungsleitend sind. Beides ist Gift für Migration zu Sinnvollem. Selbst wenn alles was möglich war und auch erforderlich ist, am Ende objektiv erreicht wurde, prägt ein mangelhafter Prozess die subjektive Bewertung des Ergebnisses und führt damit schon durch die Wirkungen der Nichtannahme/Abwertung zum objektiven Verfehlen des Ziels.

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          • Theresa Bruckmann schreibt:

            Danke Lutz Lippke für den LINK zu
            https://de.m.wikipedia.org/wiki/Migrationsstrategien_(Informationstechnik)
            toppspannend! Davon wusste ich nichts!
            „Eine solche Entwicklung braucht also Legitimation für suboptimale Schritte und Zwischenzustände. Diese Legitimation finde ich nicht in der Beschreibung oder Preisung des Endziels, sondern in der Vernunftlogik der Schrittfolge“ schreiben Sie.
            Und Legitimation setzt natürlich Transparenz für alle Betroffenen voraus und die Gültigkeit der universellen Menschenrechte bei möglichen Zumutungen, oder?

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            • Theresa Bruckmann schreibt:

              Liese sich so ein schrittweises gezieltes Vorgehen
              auch denken von einem
              aufgeblähtem Finanzsystem zu einem nachhaltigen,
              und zwar so, dass es für alle Volkswirtschaften
              sowohl in den Zwischenschritte wie im Endergebnis
              (das zuerst klar und unumstritten definiert sein müsste)
              eine Verbesserung darstellen würde?

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              • Theresa Bruckmann schreibt:

                Ergänzung: Andere interessante Anwendungen könnten sein
                von bisherigem Rohstoffeinsatz mit schrittweiser Substitution
                dieses Rohstoffes
                oder vom Individual-Autoverkehr schrittweise hin zu
                mehr Bussen und Bahnen
                oder von der industriellen Landwirtschaft,
                schrittweise zur nachhaltigen und tierwohlgerechten.
                Da ließe sich viel denken!
                Das Entscheidende wird wohl die allgemein anerkannte, und im demokratischen,
                transparenten Willensbildungsprozess gewonnene Transformation sein.

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              • Lutz Lippke schreibt:

                Transparenz und Angemessenheit sind entscheidend. Dazu gehört der offene Dialog zu Bedingungen und Interessenlagen. Es lässt sich sicherlich belegen, dass eine gute Prozessorganisation trotz seines eigenen Aufwandes zu deutlich besseren, zeitgerechteren und günstigeren Ergebnissen führt.

                Zur Spekulationwirtschaft bin ich skeptisch, dass eine Transformation überhaupt möglich ist. Aber ich bin da auch kein Experte und kann Wesentliches übersehen. Angenommen es ist aber so. Was dann? Was mache ich mit einem untauglichen System, dass ich nicht in ein taugliches transformieren kann?
                Mir fällt dazu nur ein, es so weit wie möglich zu vermeiden, taugliche Alternativen unabhängig zu nutzen, auszubauen und jeden Versuch einer Transformation des Untauglichen in die Alternativen zu unterbinden. Keine Schnittstellen schaffen, keine temporären Synergien und Vorteile nutzen. Kurz gesagt, das Untaugliche überflüssig machen, quasi auszutrocknen und dann abzuschalten. In der SW-Programmierung wird z.B. Code als deprecated (missbilligt) gekennzeichnet, wenn er zukünftig nicht mehr für Neues benutzt werden soll. Wer es trotzdem macht, trägt das Risiko in Regress genommen zu werden. So würde man es auch mit einem technisch untauglichen System machen. Niemand setzt einen neuen Bau an die Brandmauer eines einsturzgefährdeten Wolkenkratzer.
                Klar ist dann allerdings auch, dass die Verantwortlichen für das Untaugliche nicht Diejenigen sein können, die diesen Prozess bestimmen dürfen. Da hakt es dann wohl auch oft, z.B. wenn der Ackermann der Merkel den Acker der Bankenkrise erklärt und auch aktuell überall Goldmann-Sachs-Jünger als Retter in die Alternativen auftauchen.

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                • Theresa Bruckmann schreibt:

                  Das mag naiv sein. Aber ich denke, es müsste doch
                  möglich sein aus dem Finanzsystem kontrolliert Luft abzulassen,
                  also als ein kontrollierter Schrumpfprozess.

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                • Lutz Lippke schreibt:

                  Sicherlich hat Willi da Ideen zu.
                  Ich habe da nur eine Meinung:
                  Luft ablassen in einem von spekulativen Gewinnen abhängigen System bedeutet ja schon dessen Ende. Wenn Kunden sich aus der Spekulation zurückziehen, dann entweicht schon allein dadurch die Luft. Nur vom Verwalten kann diese Branche nicht leben. Die Branche ist aber erfinderisch und es hängen ja auch noch die eher „konservativ“ anlegenden Bereiche hinten dran, wie Lebensversicherungen, Rentenversicherungen etc.. Das Problem ist für die gesamte Branche also immens und hat politische Ausmaße.
                  Aufgefallen war mir, dass seit einigen Monaten in den Standardmedien des normalen Bürgers (also so etwas wie Tagesschau etc.) verstärkt Berichte mit „Informationen“ über die Währung Bitcoin und deren unglaublichen Kurssteigerungen liefen. Mit wenigen 100 € hatten normale Menschen, die halt helle waren, schon riesige Gewinne eingefahren. Es wurden viele Firmen genannt, die die Währung nutzen und selbst der Weinladen im Kiez war dabei. Kritisches ist mir nicht in Erinnerung. Vielleicht gab es einen Hinweis auf Risiken, aber sicher nicht sehr deutlich.
                  Mittlerweile gab es massive Kurseinbrüche. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Werbung in Nachrichtensendungen und der folgenden Abwertung? Wie könnte man sich einen Zusammenhang erklären?
                  Ich vermute, dass man den Ausstieg aus der Spekulationswirtschaft nur radikal schaffen kann und dies Staat und Medien vermeiden. Es geht daher nur mit persönlicher Konsequenz. Alles zum frühest möglichen Zeitpunkt herausnehmen und vor allem neu nur in nachvollziehbare Konzepte mit sachlich angemessenen Konditionen anlegen. Da ich das „Problem von etwas Anlegbarem oder darbenden Vermögen“ nicht habe, sagt sich das für mich allerdings so leicht dahin.

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          • willi uebelherr schreibt:

            Lieber Theresa, deine frage nach schrittweiser transformation hast du ja schon selbst beantwortest, indem du beispiele konkreter art nennst.

            Mit dem „augeblaehten Finanzsystem“ wird es schwierig, weil es nur in einer virtuellen welt existiert und nur kuenstlich mit der realen welt verknuepft wird.

            Da greift nur das, was du in deiner 2. antwort schreibst:
            „Das Entscheidende wird wohl die allgemein anerkannte, und im demokratischen,
            transparenten Willensbildungsprozess gewonnene Transformation sein.“

            Konkrete transformationen ruhen auf den gesetzen der natur. Wie z.b. antriebssysteme oder gewinnung und speicherung elektrischer energie oder natuerliche landwirtschaft oder natuerliche architektur.

            Die strukturen selbst sind allerdings in unserem denken verwurzelt. Und damit sind wir wieder bei deiner „Transformation“.

            Wi kommen nicht aus dem dickicht, wenn wir unser denken nicht in frage stellen, ob das alles so vernuenftig und sinnhaft ist. Die blockaden generieren wir ja selbst. Der sicherste weg ist, danach zu fragen, was notwendig und in unserem verstaendnis eines lebens in harmonie mit der natur vernuenftig ist.

            mit lieben gruessen, willi

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        • willi uebelherr schreibt:

          Lieber Lutz.

          „Unser Dissenz liegt vermutlich in meinem erheblichen Zweifel „zum Prinzip der autonomen Selbstverwaltung““, so wuerde ich es akzeptieren koennen.

          Die autonome Selbstverwaltung oeffnet den handlungsraum, generiert die Selbstverantwortung, schafft die entkopplung von von aussen gesetzten normen.

          Sie ist nie eine loesung, sondern nur die vorbereitung fuer loesungen. Wir werden die Subjekte, die sich ihren Objekten zuwenden. Und das werden nicht expansionistische und kolonial/imperiale prozesse sein, weil dafuer die treibenden kraefte fehlen. Aber sehr wohl globale kooperationen. Es werden auch keine prozesse individueller reichstumbildung und kapitalakkumulation sein. Es werden auch keine prozesse maximaler arbeitskraftverwertung sein.

          Wenn wir die relation produzent/konsument symetrisch betrachten, dann sind produzenten immer auch konsumenten und konsumenten immer auch produzenten.

          mit lieben gruessen, willi

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          • Lutz Lippke schreibt:

            Ich bestreite gar nicht, dass meine Zweifel auch prinzipieller Natur sind. Man hat ja auch Erfahrungen gemacht, die grundsätzlich unabhängig von der kapitalistischen Gesellschaft und dem Warensystem sind. Als DDR-Ehemaliger sowieso. Das waren sehr gute Erfahrungen von Liebe, Freundschaft, Nachbarschaft, Kollegialität, Gastfreundschaft und Toleranz, aber eben auch Streitigkeiten bis zu herben Enttäuschungen und unauflösbarer Feindschaft. Manches Unangenehme wird erst in der Kombination von Nähe und Abhängigkeit relevant und man ist froh, sich ggf. halbwegs schadenfrei vom Gehöft machen zu können. So schön die Idee der Kommune, der WG, des Mehr-Generationen-Hauses oder anderer Gemeinschaftsprojekte auch ist, das kann auch voll daneben gehen. Ich ziehe derzeit die Freiheit und gleichzeitig Unfreiheit der Trennung von Arbeiten, Wohnen und geselligen Kreis vor. So geht es wohl vielen Anderen auch. Ich glaube nicht, dass das zwingend zur Disposition stehen sollte.
            Auch ist es für einen Großstädter eher schwierig auf Selbstversorgung und selbständigen Broterwerb umzustellen. Meinen derzeitigen Job kann ich z.B. nur in einem gewerblichen Rahmen mit Firmengrößen um 1000 Mitarbeiter und mehr sinnvoll ausüben. Ich könnte mich sicher auch im Kleingewerbe oder genossenschaftlich über Wasser halten, aber es würde eher schwierig. Wie macht das ein Beamter einer großen Behörde, ein Callcenter-Agent oder ein spezialisierter Industriearbeiter? Gerade die haushaltsnahen Jobs sind besonders prekär und werfen nicht mal als Schwarzarbeit genug zur Absicherung eines guten Lebens ab. Ein allgemeingültiger Zukunftsplan, der mit der Überwindung der persönlichen Freiheiten zum Lebensstil beginnt, erscheint mir derzeit eine reine Fiktion.
            Bei den Montagsmahnwachen hier in Berlin gab es einen sympathischen Kauz, der auf dem Gepäckträger seines Fahrrads sein gesamtes Habe unterbringen konnte. Man konnte ihn mögen und seine Worte waren durchdacht, aber fern der Verallgemeinerbarkeit.
            Ich finde konkrete Projekte gut. Dort werden gute Ideen geboten und verwirklicht. Da liegt sicher ein nicht unwesentlicher Teil der Zukunftsfähigkeit. Aber daraus schon vorgreifend ein allgemeines Wirtschaftsprinzip ableiten? Oder von welchem Jahrhundert reden wir hier?

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          • willi uebelherr schreibt:

            Lieber Lutz, ich finde das voellig in ordnung, wie du argumentierst. Und ich danke dir fuer deine offenheit und freiheit, die du dir nimmst.

            Auch fuer mich ist voellig klar, dass ein schritt in richtung der gestaltung einer anderen lebensweise nur dann moeglich ist, wenn wir ihn auch wollen, weil wir darin eine perspektive sehen. Und nicht dann, wenn es uns vielleicht weniger schlecht als das jetzige vorkommt.

            „Ein allgemeingültiger Zukunftsplan, der mit der Überwindung der persönlichen Freiheiten zum Lebensstil beginnt, erscheint mir derzeit eine reine Fiktion.“

            Diesen satz habe ich nicht verstanden. Weil die „ueberwindung der persoenlichen freiheit“ kann ja nicht das interesse sein. Einschraenkungen jener persoenlichen freiheiten, die zu lasten anderer gehen, kannst du ja nicht gemeint haben.

            mit lieben gruessen, willi

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    • fidelpoludo schreibt:

      Ob der Begriff „neoliberal“ aus den vorher angegebenen Gründen („daher“) „unglücklich“ ist, ist mir nicht einsichtig. Bestätigen kann ich aber, dass das mit seinem kritischen Gebrauch Gemeinte sich in ihm selbst kaum wiederfindet. Das mit ihm Gemeinte – „Krieg ohne Grenzen. Die neue Kolonisierung der Welt“ (Buchtitel von Maria Mies schon von vor 15 Jahren!) – kommt mit ihm noch viel zu gut weg. Sie haben recht, wenn Sie eine Verwandtschaft mit totalitären Diktaturen oder Faschismus im Wort selbst vermissen. Aber der „neosemantische Trick“, wenn er mit dem Begriff jemals verbunden gewesen sein soll,
      hat nie so recht verfangen. Denn schon wehren sich pseudolinke Gespenster gegen den Begriff und wollen ihn uns madig machen, weil wir all die Schweinereien des letzten kapitalistischen halben Jahrhunderts darunter versammelt haben. Und das mit Recht! Ich gehe noch weiter und behaupte, wer ernst genommen werden will in politischer Argumentation, darf ohne den Begriff bzw. die mit ihm gemeinten Phänomen gar nicht erst anfangen – obwohl jeder mal irgendwo anfangen muss und vielleicht schon deshalb ein Recht haben wird, ernst genommen zu werden.
      In dem zitierten Buch von Maria Mies findet sich bereits das Zitat von Thomas Friedman aus der New York Times, das ganz unverblümt den Zusammenhang der neoliberalen Wirtschaftslehre (von der quasi religiösen Anbetung des Allesreglers und Alleskönners Markt) mit den gewaltsam kriegerisch erzwungen Marktöffnungen ausspricht. Es ist besonders auch dieses Zitat gewesen, das bei Mausfelds Vortrag ob seiner gnadenlosen Direktheit im Publikum ein Raunen hervorrief wie sonst an kaum einer anderen Stelle:

      „Die unsichtbare Hand des Marktes kann ohne eine unsichtbare Faust nicht arbeiten. McDonald’s kann nicht gedeihen ohne McDonell, die für die US-AirForce die F-15 bauen. Die unsichtbare Faust, die dafür sorgt, dass die Technologie des Silicon Valley blüht, besteht aus dem Heer der Luftwaffe, der Marine und der Marineinfanterie der Vereinigten Staaten.“

      Wer sich diesen Zusammenhang nicht vor Augen hält, mag noch so viel über den Neoliberalismus und seine Lehre gelesen haben, er hat Entscheidendes aus dem Blick gelassen. Übrigens stammt der Hinweis auf dieses Buch von keinem anderen als von Elias Davidsson. Von Gilad Atzmon stammt er nicht.
      Der Begriff des Neoliberalismus mag auf den ersten Blick nicht viel auszusagen oder auf falsche Fährten zu führen, aber er hat es durchaus in sich und ist weder ersetzbar noch aufzugeben.

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    • willi uebelherr schreibt:

      Lieber Lutz, ich will mich etwas in das antwortspiel mit einmischen.

      NeoLiberal: 1934 (+-) von Mises und Hayek auf einer konferenz vorgestellt. Beide mitglieder der „oesterreichischen Schule fuer Oekonomie“. Alles hat der privaten kapitalakkumulation zu dienen. Die befreiung des kapitals.

      Ich denke, eine klare angelegenheit. Das liesse sich jetzt wild ausmalen. Brauchen wir aber nicht.
      Stellen wir die menschen in der natur als ihre existenzgrundlage dagegen, dann haben wir schon alles.

      So schwierig scheint das nicht zu sein. Nur aufpassen, dass wir nicht wieder den alten muell aufwaermen. National-Staat oder aehnliches.

      mit lieben gruessen, willi

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Liberal war mal ein grundsätzlich positiv besetzter Begriff als Menschenrecht und der Befreiung von Absolutismus und Dogmatismus. Wenn nun ein paar Marktradikale oder absolutistische Demokratoren Begriffe jederzeit ins Negative umkehren können und Neo-Linke beißen in jede einzelne der hingehaltenen Stinkesocken, dann darf man das schon mal als unglücklich bezeichnen.
        Wenn man das analysieren wollte (so wichtig vielleicht nicht), fällt mir spontan eine Hypothese ein:
        Die Fokussierung auf Wirtschaft statt Gesellschaft oder sogar deren Gleichsetzung als Wirtschafts- und Arbeitsgesellschaft vereint die bedingungslosen Nutzer des Begriffs. Darin trifft sich Kapital und Ethik des Arbeitszwangs und damit die grundsätzliche Unterordnung von menschlicher Freiheit unter gegebene Herrschaftsnormen.

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      • willi uebelherr schreibt:

        „Darin trifft sich Kapital und Ethik des Arbeitszwangs und damit die grundsätzliche Unterordnung von menschlicher Freiheit unter gegebene Herrschaftsnormen.“

        Dabei Johannes Calvin nicht vergessen. Der passt da wunderbar dazu.

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      • willi uebelherr schreibt:

        Und lieber Lutz, der begriff liberal im neo-liberal ist ja tatsaechlich ernst gemeint und fuer die eliten tatsaechlich auch positiv besetzt. Er gilt fuer das kapital und deren agenten, uneingeschraenkt.

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  5. fidelpoludo schreibt:

    Seltsamerweise gibt es bei manchen Beiträgen keine Antwort-Funktion. So etwa fehlt sie bei willi uebelherr schreibt:
    17. Februar 2018 um 19:41
    Warum kann ich darauf nicht antworten? Wird die Antwort „von oben“ verunmöglicht? Ist die Fortsetzung der Diskussion nicht erwünscht? Kann ich mir kaum vorstellen. Also ein technisches Problem?
    Deshalb statt einer Antwort ein neuer Kommentar, den Willi in eine Antwort zurückverwandeln kann, wenn er es will. Was er aber auch lassen kann:
    Hallo Willi und Lutz! Tut mir leid, wenn ich euch beide verwechselt habe. Ihr werdet es überleben. Zunächst aber zu Willi. Du schreibst:

    Ich muss gestehen, dass die USA kultur und das daraus entstehende denken mich nicht positiv anspricht. Auch, dass ich gut (privilegiert) lebenden akademikern sehr skeptisch gegenueber bin. Und vor allem dann meine skepsis sich steigert, wenn es nur um modellbildungen innerhalb des spekulativen geldsystems geht.

    und:

    Es gibt nur wenige theoretiker, die auch einblick in die praxis haben, auf der dann tatsaechlich theoretische reflektionen mit ihren fragen entstehen koennen. Und, es gibt praktisch keine akademischen Oekonomen, die sich mit Oekonomie beschaeftigen. (…) Adam Smith, David Ricardo und Karl Marx sind nie wirkliche themen dort. Das muessen wir uns dann immer ausserhalb aneignen.
    Wenn wir uns der „Selbstorganisation der Bevölkerung“, dann haben wir es immer mit ganz konkreten herausforderungen zu tun. Aber dazu sind akademiker sowieso nicht in der lage. Egal jetzt, in welchem gebiet. Und ich warne davor, dies als eine politische aufgabe zu verstehen. Es ist zunaechst einmal eine oekonomische aufgabe. Und aus diesem feld entstehen anforderungen, die wir als politische aufgaben interpretieren koennen. Oder als soziale, gemeinschaftliche …

    D i e einheitliche „USA-Kultur“ gibt es meiner Ansicht nach nicht, obwohl ich dir zugestehen muss, dass weite Bereiche, besonders die dem Kommerziellen, Militärischen und Korporativen angegliederten und entsprechenden, mich abstoßen. Wir sollten uns aber nicht einbilden, dass wir hier in Europa oder sonst außerhalb der USA besser begriffen, was dort vor sich geht und ausgebrütet wird. Abstand und Distanz sind nicht per se Erkenntnis fördernd, eher dann wenn der Distanz eine Nähe vorherging, die als Begründung für den Prozess der Distanzierung gelten kann. Die Kenntnis der Sache, von der man spricht, ist wohl je eher gegeben, je weiter man sich ihr annähert, je weiter man sich auch auf ihre Details einläßt, ohne in ihr ganz aufzugehen.
    So behaupte ich in diesem Zusammenhang, dass Richard Wolff ganz genau weiß, wovon er spricht, wenn er scharf kritisiert, wie in den USA Ökonomie gelehrt wird. Er bestätigt nicht nur deine Feststellung, dass Adam Smith, David Ricardo und besonders Karl Marx nie wirkliche Themen dort sind, sondern geht noch weiter und nimmt etwa das ökonomische Gebaren der zentralen US-Institutionen, etwa auch der Yale-Universität, an der er studierte und lehrte, kritisch unter die Lupe. Über seine akademisch-privilegierte Position macht er sich keine Illusionen, sondern sieht sich gerade deswegen verpflichtet, der arbeitenden, aus der Arbeit gedrängten und an der Arbeitsaufnahme gehinderten Teile der Bevölkerung etwas zurückzugeben. Dass ein Akademiker von vornherein dazu nicht in der Lage sein sollte, ist für mich nicht einzusehen. Zumindest dann nicht, wenn er die Akademie verlassen hat.
    Entschieden wehre ich mich gegen deine Warnung, die „Selbstorganisation der Bevölkerung“ als politisches Problem zu sehen. Es ist meiner Ansicht nach eben nicht „zunächst eine ökonomische Aufgabe“, sondern eine politische. Wir müssen politische Entscheidungen fordern, die es ermöglichen ökonomische Veränderungen einzuleiten und auf den Weg zu bringen. Es sei darauf hingewiesen, dass etwa Corbyn in England für den Fall einer Regierungsübernahme vorgesehen hat, Arbeiterselbstverwaltung besonders zu unterstützen. Wenn ein Unternehmen pleite macht oder aus anderen Gründen verkauft werden soll, will er per Gesetz dafür sorgen, dass nicht nur zuerst die Belegschaft die Gelegenheit bekommt, den Betrieb in Selbstverwaltung zu übernehmen und weiter zu führen, sondern dass sie, wenn sie das will, vom Staat mit Krediten dabei unterstützt wird.
    Wolff weist auch nach, dass Arbeiterselbstverwaltung sogar in den USA viel weiter verbreitet ist als man glaubt. Er hat das alles untersucht und bietet seine Hilfe an. Durch ihn habe ich von einem spanischen Großkonzern erfahren, der völlig in Selbstverwaltung funktioniert und das seit mehr als einem halben Jahrhundert. Mondragon. Klein angefangen, von einem Priester in Gang gesetzt und über die Jahrzehnte weiterentwickelt und heute mit eigener Bank und eigener Universität, mit Produktionsstätten und Konsumtionsketten etc.
    Von deinen „verachteten“ Amerikanern (ich spitze das jetzt etwas provokant zu) möchte ich einige nicht missen: Neben Richard D. Wolff beeindruckt – was die ökonomische Analyse betrifft – besonders Michael Hudson, der sowohl in der Praxis (Wallstreet) wie an der Uni tätig war und etwa von Paul Craig Roberts (den ich auch nicht missen nöchte) als der beste Ökonom der Welt bezeichnet wird. Neben Chris Hedges gibt es bestimmt noch einige andere, die es wert wären beachtet zu werden. Selbst wenn oder gerade auch weil sie keine Ökonomen sind. Heinz Bontrup hier in Deutschland ist der Ökonom, der Richard Wolff wohl am nächsten kommt.

    Um sich ein erstes Bild von Wolff zu machen empfehle ich folgende Videos:


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  6. Theresa Bruckmann schreibt:

    Danke, ja das ist gelungen und
    dank Wolffs Körper- und Emotions-Einsatz gelingt es mir,
    bei meinem bescheidenem Englisch, zu ahnen, was er meint.
    Um seine Aussagen zu beurteilen, müsste ich eine Übersetzung
    haben.
    Auf Kontext tv sind regelmäßig Übersetzungen mitgeliefert.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Ich finde, dass er ein sehr verständliches Englisch spricht – und wenn man die Funktion einschaltet, die die Sprache als Schrift sichtbar macht, kann man auch dann und wann anhalten und einzelne Worte sich übersetzen lassen. Die Übersetzungen bei Kontext TV sind mir bekannt. Nur sind diese drei wichtigen, auch kabarettistisch und satirisch wertvollen Videos wohl leider nicht dabei, weil sie auch sehr lang sind.

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  7. Theresa Bruckmann schreibt:

    Aber mein liederliches Englisch können Sie sich nicht vorstellen!
    Wie geht das mit der Sichtbarmachen Sprache?
    Ich stimme Ihnen zu, ‚kabarettistisch und satirisch wertvoll!‘
    Deshalb möchte ich sie auch unbedingt verstehen können.

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    • fidelpoludo schreibt:

      Das ist die Untertitelfunktion, die leider nicht jedes Video hat. Wenn es sie gibt, findet sie sich unten rechts innerhalb der schwarzen Leiste, gleich links neben dem Rad (Einstellungen). Ist zwar auch nicht immer sehr präzise, aber besser als nichts. Von den drei Videos hat diese Funktion nur das zweite: „Global Capitalism: A Looming Economic Crisis“

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  8. fidelpoludo schreibt:

    Liebe Theresa! Wenn Sie so erpicht auf Richard Wolff sind (um nicht zu sagen „scharf“), sehen Sie sich doch bei Youtube um. Es gibt jede Menge seiner Videos. Klappern Sie sie einfach ab auf das Vorhandensein oder nicht dieser Untertitelfunktion. In seinen längeren Videos gehört seine satirische Performance zu seinem Vortragsstil, ohne den er nicht mehr kann.
    Übersehen Sie das Eingeklammerte, wenn es „in this or that respect“ nicht korrekt erscheint.

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  9. Johannes S. schreibt:

    W a s t u n ?
    Dieser entscheidenden Frage wurde in dem Video von KenFM-Positionen 11: Der globale Marshallplan – Konzepte für eine Welt von morgen sehr ausführlich und tiefergehend nachgegangen.
    Danke an Theresa Bruckmann, dieses sehr informative Video in den Opa-Blog einzubringen.
    Ein Streitpunkt bei dieser Diskussion, bestand darin, ob von den betroffenen Menschen, von „unten“, u.a. durch eine Graswurzelbewegung gegen den menschenverachtenden Neoliberalismus erfolgreich angegangen werden oder nur über den Staat, die Regierung es zu einer grundsätzlichen Umkehr in der Politik kommen kann. Letzteren Standpunkt vertrat vehement der Wirtschaftswissenschaftler Bontrup teilweise sehr einseitig und dogmatisch.
    Wie @fidelpoludo kommentiert hat, schließt das eine, das andere nicht aus.
    Beeindruckend und überzeugend war bei dieser Auseinandersetzung, dass der frühere Chef der Sparda-Bank München, Herr Grzega, der „bodenständige“ österreichische, alternativ denkende und handelnde Unternehmer Erwin Thoma und insbesondere der sehr junge Gründer von human-connection, Dennis Hack mit viel Herzblut und Überzeugungskraft Möglichkeiten aufgezeigt und auch unter Beweis gestellt haben, dass durchaus konkrete Alternativen zum Raubtierkapitalismus in zunächst kleinen Bereichen existieren. Diese Alternativen und weitere evolutionäre, gesellschaftliche Veränderungsmöglichkeiten sind jedoch der Öffentlichkeit weitgehend nicht bekannt.
    Ich habe viele durchaus gebildete Menschen gefragt, was Neoliberalismus überhaupt ist und ob sie informiert sind, welche verheerende Folgen dies für die Menschen, die Menschheit hat. Es ist erschreckend, festzustellen, dass offensichtlich nur eine verschwindend kleine Minderheit das systematische Vorgehen des Neoliberalismus verstehen und die überwältigende Mehrheit nahezu kaum über den Neoliberalismus informiert sind. Wie soll man gegen Gegner vorgehen, wenn man sie garnicht kennt und identifizieren kann? Ein fatale gesellschaftliche Situation! Über den Kommunismus und den Nationalsozialismus ist ein politisches Grundwissen vorhanden, jedoch nicht über die herrschende ökonomische Lehre, die die Welt beherrscht und in den Abgrund führen kann, wie es die einvernehmliche Auffassung der Diskussionsteilnehmer war. Es besteht die historische Notwendigkeit dagegen anzugehen und die Menschen über den Neoliberalismus breit aufzuklären. Wie kann dies erreicht werden?
    Es reicht nicht aus, wenn das große Wissenspotiental alternativer Ökonomen, Wissenschaftler und Praktiker, wie des alternativ wirtschaftenden Mittelständler, Erwin Thomas und human connection weitgehend v e r e i n z e l t und i s o l i e r t nur im Elfenbeinturm der sozialen Medien eine geringe Bedeutung einnimmt. Dieses große kritische Wissens und Erfahrungs-Potential könnte und müsste zusammenfinden zu einem „Alternativen Rat von Wissenschaftlern, Wirtschaftsexperten, erfahrenen, engagierten Menschen“, analog zu dem existierenden wirtschafthörigen Rat der „Wirtschaftsweisen“ und den zahlreichen Think tanks, die den Neoliberalismus vertreten.Dieser alternative think tank, der auch wie die Studentenbewegung einen örtlichen Treff- und Kristallisationspunkt haben müsste, könnte auch alle gesellschaftlichen Kreise und auch durchaus die Partei der Linken, auch Teile der SPD beraten und direkt oder indirekt beeinflussen.
    Ein probates Mittel, um die SPD vor ihrem Untergang zu bewahren.
    Corbyn und Melenchon beweisen es, dass Alternativen denkbar sind und fortschrittliche, linke Politik auch breite Unterstützung findet.
    Den Bürgern ist die Programmatik der Linken nicht nachvollziehbar, auch nicht welche Gesellschaft und Wirtschaft angestrebt wird und wie dies konkreter aussehen könnte. Solange keine Alternativen publik werden, besteht auch keine Aussicht, dass der Einfluss des Neoliberalismus in seine Schranken verwiesen wird.
    Dem Neoliberalismus die Stirn und Widerstand zu leisten, bedeutet auch den Rechtspopulismus, den Rechtsextremismus und die AFD zu bekämpfen. Den Protestwählern der AFD und auch die Bevölkerung ist nicht informiert, dass die führenden Mitglieder der AFD, wie die Frau von Storch und auch Frau Weidel Mitglieder der neoliberalen Hayek-Gesellschaft sind und die sozialen, materiellen Interessen der Menschen nicht ernst nimmt.
    Die angebliche Alternative für Deutschland, die keine ist und die Menschen in die Irre führt, manipuliert und agitiert darf nicht der AFD überlassen werden.

    Dem neoliberalen Glaubenssatz von Frau Merkel und den konformistischen Mainstream-Politikern und Journalisten, es gäbe keine Alternative, gilt es konkrete Alternativen entgegenzusetzen.
    Dieser fatale Konformismus, der sehr typisch für Deutschland ist, erklärt auch den Erfolg des Neoliberalismus.
    Millionen Arbeitsloser, Hartz IV Empfänger, Aufstocker, Mindestlohnempfänger, alleinerziehender Mütter, bedürftiger Rentner erfahren tagtäglich, wie bedrängend ihre Lebensrealität ist und sind potentiell offen für eine alternative, soziale, gerechte Politik und eine Abkehr von dem Raubtierkapitalismus. Ihnen wird jedoch keine Alternative, keine konkrete Initiative gezeigt. Wie soll da eine politisch relevante Solidarität entstehen? Wenn die Menschen allein gelassen werden, vereinzelt sind und nicht einmal arbeitslose Mitbürger ernsthaft von den Parteien und auch nicht von den Gewerkschaften vertreten werden.
    Der Gedanke von Oskar Lafontäine für die Notwendigkeit einer fortschrittlichen linken gesellschaftlichen Bewegung ist zu zustimmen. Dies bedeutet eine Bündelung in einer Art außerparlamentarischen Opposition durchaus mit Kontakten zu den politischen Parteien und Mandatsträger, ähnlich der Studentenbewegung, jedoch nicht elitär, politisch und ideologisch soweit es möglich ist offen und nicht dogmatisch.
    Die Ziele: Erhaltung des Friedens, Verteidigung der Verfassung, des Rechtsstaates, demokratischer Rechte und der Sozialstaatlichkeit.

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    • willi uebelherr schreibt:

      Lieber Johannes, „Was Tun“ und die antwort?
      Sollen wir uns auf den „NeoLiberalismus“ konzentrieren, der nichts anderes ist als die konsequente fortsetzung des kapitalismus?
      Sollen wir den „rheinischen Kapitalismus“ wieder aufleben lassen?

      Aus der kenntnis des Gegners koennen wir keine ziele ableiten. Und die alternativen zum kapitalismus? Du sagst es selbst, dass die meisten menschen allein gelassen sind. Und warum? Weil sie keine perspektiven haben.

      Deine ziele: Erhaltung des Friedens, der nicht existiert. „Verteidigung der Verfassung“, die alles deckt. „Verteidigung des Rechtsstaates“, der nur sich selbst als akteur des kapital dient, „Verteidigung demokratischer Rechte“, die es noch nie gegeben hat, „Verteidigung der Sozialstaatlichkeit“, die es auch nie gab, weil unmoeglich.

      Ich kenne die diskussion „Positionen 11“ und ich war sehr enttaeuscht. Nicht von Heinz-Josef Bontrup, weil ich etwas von ihm kenne. Aber von den anderen.

      Die grundbedingung sind immer unsere kooperativen strukturen. Sie muessen wir schaffen, um uns von Markt- und Geldsystem frei zu machen.

      Erwin Thoma und seine kollegen arbeiten nach den gleichen prinzipien wie all die vielen anderen klein- und mittelbetriebe. Er hat sich die kenntnisse natuerlichen bauens wieder angeeignet. Wenn du diese haeuser siehst, kannst du dir ein bild machen. Ich wuerde nicht freiwillig darin wohnen wollen, weil fuer mich natuerliche architektur eine harmonie mit der natur anstrebt.

      Human-Connection ist wieder so ein eingezaeunter vorgarten vergleichbar zu FaceBook. Etwas, was ich grundsaetzlich ablehne. Wir muessen die telekommunikation oeffnen, frei nutzbar fuer alle machen, die server in die lokalen netzwerke, die gemeinden, bringen. Die verbindungen dieser lokalen netzwerke organisieren. Privat und staat rausschmeissen, weil sie da nichts zu suchen haben.

      Ken Jebsen verfolgt das „Macher“-prinzip. Gerhard Schroeder wurde auch als „Macher“ bezeichnet. Steve Job und Bill Gates ebenso. Der alte Grundig und Fischer auch. Und was sind die „Macher“? Sie machen irgend etwas.

      Da werden wieder einzelpersonen in den vordergrund geschoben, die weder von ihrem tun noch von ihren einsichten etwas machen. Sie machen die anderen macher, deren resultate sie sich dann selbst zuschreiben.

      Ich will auf etwas hinaus und zitiere die alte schule Lao Tse vor etwa 8000 jahren:
      Es ist besser, nichts zu tun, als mit viel Aufwand nichts zu schaffen.

      Wir brauchen zuerst unsere ziele, bevor wir anfangen.

      mit lieben gruessen, willi

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      • Johannes S. schreibt:

        Lieber Willi,
        Sie stellen die Frage:“Sollen wir uns auf den Neoliberalismus konzentrieren?“ Sicherlich nicht nur, aber sicherlich insbesondere!
        Da wir einig sind, dass diese beherrschende Ideologie den Menschen innerlich und auch materiell verarmen lässt, zu einem weiteren Verlust von menschlichen Werten führt, Angst und Schrecken verbreitet, dann ist es doch selbstverständlich Widerstand zu leisten. Die breite notwendige Aufklärung über den Neoliberalismus im konkreten Bezug zu der gegenwärtigen gesellschaftliche Situation kann die Transformation zu einer menschengerechten Gesellschaft vorbereiten und entscheidend sein, den drohenden, schleichenden Totalitarismus abzuwehren.
        Weiter führen Sie aus:
        „Aus der Kenntnis des Gegners können wir keine Ziele ableiten.“ Wie kommen Sie zu dieser Auffassung? Gerade aus der genauen Kenntnis des Gegners und seiner Ideologie kann ein gesellschaftspolitischer Gegenentwurf entwickelt und notwendig werden. Der Neoliberalismus vereinzelt die Menschen, spaltet, unterbindet Solidarität, hat die Gewerkschaften entmachtet, entfacht die hemmungslose Gier nach Geld und Macht.
        Die Ziele die ich aufgeführt habe und die Sie kommentiert haben, können leicht fehlinterpretiert werden und sind denoch nach meinem Dafürhalten von großer Wichtigkeit
        Erhaltung des Friedens, der nicht existiert. „Verteidigung der Verfassung“, die alles deckt. „Verteidigung des Rechtsstaates“, der nur sich selbst als Akteur des Kapital dient, „Verteidigung demokratischer Rechte“, die es noch nie gegeben hat, „Verteidigung der Sozialstaatlichkeit“, die es auch nie gab, weil unmoeglich.
        Diese Bewertung empfinde ich sehr einseitig und nicht differenziert.
        Noch ist in Deutschland und Europa bis auf die Ukraine kein Krieg ausgebrochen. Diese Gefahr besteht jedoch, wie insbesondere Willy Wimmer fortwährend als Insider mahnt.Auch wenn die Verfassung durch die Realität nicht eingehalten wird, entspricht es nicht der Wahrheit, das „Alles“ gedeckt wird. Angesichts der Willkür in der Dikatatur von Erdogan, komme ich selbstverständlich zu dem Schluss, dass ich gegen diese denkbare Entwicklung in Deutschland und Europa bin und die verbliebenen demokratischen Rechte in der „Fassadendemokratie“ zu verteidigen und weiterzuentwickeln sind.
        Dies auch aus der Einsicht, dass gegenwärtig eine entscheidende Veränderung der Gesellschaft nicht realistisch ist.
        Bevor der Neoliberalismus seinen Raubzug begonnen hatte, gab es eine doch beachtliche Sozialstaatlichkeit, die trotz der Auswüchse der kapitalistischen Wirtschaft der Mehrheit der Bürger, Rentner einen sozialen Schutz und auch eine materielle Lebensbasis gewährt hat.
        Dies war sicherlich nicht ein ausreichender gerechter Ausgleich gewesen. Aufgrund Ihrer Argumentation habe ich den Eindruck, dass Sie einen sehr überhöhten und auch unrealistischen Anspruch „Des Alles oder nichts“ einnehmen und dabei die gegenwärtige gesellschaftlichen Realitäten und Gefahren zu stark hinten anstellen.
        Es ist möglich und wahrscheinlich, dass das westliche Gesellschaftssystem in sich zusammenbricht, ein Chaos um sich greift, es zu Bürgerkriegen kommt und dann erst nach einem großen Klärungs- und Leidensprozess eine menschengerechte Gesellschaft sich herausbilden wird.
        Bei diesem sehr gefährlichen Übergang gilt es das Leben und das Wohl der Menschen zu schützen und die unveräußerlichen humanistischen Werte hochzuhalten.
        Sie bewerten die Diskussion „Positionen 11“ für sehr enttäuschend und vertreten richtigerweise den Standpunkt:“Die Grundbedingung sind immer unsere kooperativen Strukturen. Sie muessen wir schaffen, um uns von Markt- und Geldsystem frei zu machen.“
        Dies geht jedoch nicht von heute auf morgen, zumal der Raum für kooperative gesellschaftliche Arbeit zunehmend kleiner wird.
        Wurden in diesen „Positionen 11“ nicht konkret sehr konstruktive, menschengerechte und auch noch erfolgreiche Ansätze dafür geschaffen?
        Ken Jebsen bewerten Sie als Macher, der wie Schroeder, Bill Gates irgend etwas macht…
        Sie zitieren Lao Tse mit der Aussage „ Wir brauchen zuerst Ziele, bevor wir anfangen zu handeln!“ Es stellt sich die Frage, ob diese Aussage auf die gegenwärtige gefährliche Weltsituation zutreffend ist. Die Feuerwehr weiß ja auch sofort, was ihr Ziel ist, wenn die Alarmglocken läuten….. Durch und während des Handeln wird der Erkenntnisprozeß fortgesetzt und mit der gesellschaftliche Situation in Beziehung gebracht.
        Nachdem Junta-Putsch in Griechenland schrieb ein griechischer Dichter, vermutlich Ritsos ein sehr passendes Gedicht.Ich werde versuchen es ausfindig zu machen. Das Gedicht war ein Appell mit der Überschrift „An die Intellektuellen“.
        In für Griechenland typischen Wortbildern ging es um die Aussage „ Ihr habt die Freiheit geritzt, das Schiff wurde leck und fuhr auf den Grund, wir haben die Freiheit verloren und nun sind wir alle verloren“. Diese Entwicklung gilt es zu verhindern.

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        • Theresa Bruckmann schreibt:

          Zu Ihren Zielen: Erhaltung des Friedens, Verteidigung der Verfassung, Verteidigung des Rechtsstaates, Verteidigung demokratischer Rechte, Verteidigung der Sozialstaatlichkeit
          bin ich der Meinung, dass wir behalten und weiterentwickeln sollten, was der Entwicklung hin zu einer menschengerechten Gesellschaft nicht entgegensteht. Wenn man bedenkt, dass es nicht gelang, das einmal Erreichte zu verteidigen (ja wir hatten schon mal eine beachtliche Sozialstaatlichkeit), ist das erste, nicht zuzulassen, dass noch mehr wegbricht. Der Charme der schrittweisen Transformation (Migration Informationstechnik),
          die Lutz Lippke vorgestellt hat, besteht gerade darin, dass einzelne, transparente und überprüfbare Zwischenschritte zum Transformationsziel führen. Warum sollten unsere
          unvollkommenen Errungenschaften nicht solche Zwischenschritte sein?
          Was die Vertragsstruktur der EU angeht, bin ich weniger optimistisch, weil sie so offensichtlich neoliberal ausgerichtet ist.

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    • willi uebelherr schreibt:

      Passend zum thema NeoLiberalismus verteile ich meine letzte email in unserem diskussionskreis: Scharf-Links hat diesen beitrag noch nicht veroeffentlicht.

      Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises – die Feinde der Gewerkschaften
      Gewerkschaftsforum Dortmund, 04.01.2018
      http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews%5Bpointer%5D=3&tx_ttnews%5Btt_news%5D=63546&tx_ttnews%5BbackPid%5D=48&cHash=01e97a0e6c

      Ein beitrag zur Debatte auf Scharf-Links.

      Liebe freunde,

      auf Scharf-Links fand ich diesen text des Gewerkschaftsforum Dortmund.

      Gleich mal zu den grundlagen:

      Ich mag auch keine Gewerkschaften, weil sie ausschliesslich daran arbeiten, die Lohnsklaverei zu erhalten.

      Hayek und Mises, als mitglieder der oesterreichischen Schule fuer Oekonomie, arbeiteten fuer die befreiung des Kapitals und dafuer fuer die befreiung der privaten aneignung gemeinschaftlicher ressourcen und der privaten Kapital-Akkumulation.

      Ich, und vielleicht wir, arbeiten fuer die befreiung der menschen, fuer die kooperation der produktiv taetigen, fuer die gleichwertigkeit aller menschen und damit fuer stabile materielle lebengrundlagen aller menschen.

      Hier existieren 2 grundsaetzlich unterschiedliche orientierungen, die wir auch nicht als eine klassenfrage behandeln muessen, weil ich, und vielleicht wir, die existenz von klassen beenden wollen.

      Das setzt voraus, dass sich alle, gemaess ihrer moeglichkeiten, an den grundlegenenden taetigkeiten zur herstellung unserer materiellen lebensgrundlagen beteiligen.

      Gewerkschaften wie alle politischen Parteien, deren Stiftungen und sonstigem Anhang leben in einer parasitaeren umgebung und schaffen strukturen, wo sie dies koennen.

      In dem moment, wenn die menschen ihre eigene oekonomie, die immer hoch dezentralisiert ist, selbst organisieren, werden gewerkschaften und der ganze politische ueberbau ueberfluessig. Das heisst, wir arbeiten auch fuer die aufloesung der gewerkschaften und des gesamten apparats des politischen ueberbaus.

      Wir sollten uns im klaren sein, dass ohne eine oekonomische unabhaengigkeit auch keine politisch soziale unabhaengigkeit existieren kann. Und fuer die erhaltung dieser abhaengigkeit arbeitet ihr, das Gewerkschaftsforum Dortmung wie alle gewerkschaftlichen Instanzen und Einrichtungen.

      mit lieben gruessen, willi
      Asuncion, Paraguay

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    • Lutz Lippke schreibt:

      Ich bin kein Ökonom und daher auch auf Wissen Anderer zu Makro- und Mikroökonomie angewiesen. Ich nehme zwar mangelhafte Kriterien und Methoden wahr, mir fehlt aber der Überblick und Hintergrundwissen.
      Mit der Memogruppe gibt es jedenfalls schon lange eine Alternative zu den „Wirtschaftsweisen“.
      http://www.alternative-wirtschaftspolitik.de/

      Wie ist dieses Forum zu bewerten?
      Gysi verweist unter dem Motto “ progressive Kräfte bündeln“ auch auf diese Gruppe.
      https://www.die-linke.de/disput/detail///progressive-kraefte-buendeln
      Wenn ich an den Wahlkampf denke, kann ich mich aber nicht an analytische Qualitäten und echte Wirtschaftsalternativen erinnern. Mindestlohn = SPD + x €, Mieten sichern (der Rot-Rote Senat hatte in Berlin erst den Wohnungsbestand privatisiert), auf jeden Fall Frieden. Alles verbleibt in Status eines Vorschlags, für den der Wähler mit seinem kleinen Stimmchen kämpfen soll. Da fehlt doch was, oder?

      Auch die nachdenkseiten befassen sich mit der Memogruppe und haben einen offenen Brief verfasst http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/141117_hinweise_offener_brief.pdf
      Das Thema Grundsicherung ist ja zentral. Es müsste eine Klarheit geschaffen werden, die es JEDEM ermöglicht, die Grundsicherung aus Grundrechten, Gesetzen und wirtschaftlicher Vernunft herzuleiten und eine Rechnung auf Richtigkeit zu prüfen. Fehlanzeige. Stattdessen gibt es politische Forderungen von x € ohne Berechnungs- Hintergrund, gegensätzliche Expertenmeinungen und tausende Verfahren bei Sozialgerichten. Ich vermute ein Branchenversagen. Gibt es auch in der Wirtschaftspolitik auf allen Seiten vor allem Wünschen und Meinen, bestenfalls ein Wollen, aber kein Können?

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    • willi uebelherr schreibt:

      Lieber Johannes, es gibt verschiedene dinge auch im zusammenhang des „NeoLiberalismus“, das ich nicht mag. Es macht keinen sinn, immer wieder dem kind einen anderen namen zu geben, nur weil es sich die haare anders gefaerbt hat.

      Lutz hat es in seinen 12/13 punkten auf den kern gebracht.

      Und ich bevorzuge eine andere methode:
      Wir bekaempfen nicht das Alte. Das, in bezug auf unsere gegner.
      Wir schaffen etwas Neues, was das Alte ueberfluessig macht. Das in bezug darauf, dass wir ohne ziele nicht agieren koennen.

      Wir sollten uns im klaren sein, dass unsere gegner permanent an ihren zielen basteln. Und alles dafuer tun, diese ziele als dominant im gesellschaftlichen umfeld zu verankern. Da ist ja das, was wir und die „Linke“ tun, geradezu laecherlich.

      Da schlimmste, was wir tun koennen, ist, immer auf die anderen zu schauen, was die gerade machen und machen wollen.

      Es gibt einiges in deiner antwort, wo du meine aussagen falsch interpretierst. Ich sagte nicht, dass Jen Kebsen ein „Macher“ ist, obwohl er wohl so agiert. Sondern dass er mit diesem begriff heute hausieren geht. Er tut es, weil ihm die grundlagen fehlen.. Er ist eben nur „Journalist“. Da gibt es keine substanz, da herrscht das schwaetzen.

      „Noch ist in Deutschland und Europa bis auf die Ukraine kein Krieg ausgebrochen.“ Deutschland befindet sich im permanenten kriegszustand. Auch Frankreich und England. Sowohl nach innen wie nach aussen. Nach aussen nur etwas offensichtlicher.

      Wir fuehren ja hier die debatte um Rechtssysteme und Verfassung. Wenn das alles keine klare kriegserklaerung ist, dann weiss ich nicht, was fuer dich krieg ist. Nur wenn panzer rollen, flugzeuge fliegen, bomben fallen?

      Wenn im kapitalismus die private akkumulation des kapitals bestimmt und alles dominiert, dann ist mir das egal, welcher maskerade wir welchen namen geben. Es bleibt immer das gleiche. Mises und Hayek haben sich ca. 1934 diesen namen ausgedacht, um den kern wieder zu etablieren. Die befreiung des kapitals. Sonst nichts. Und 1913 wurde mit der FED die wichtigste vorraussetzung geschaffen.

      Deswegen ist dieses gejammer um NeoLiberalismus gejammer. Es macht das buehnenbild zum theater. Das theater selbst ist aber die grundlegende instanz.

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  10. Theresa Bruckmann schreibt:

    Lieber Lutz Lippke,
    eines Tages äußerte ich mal in einer Tagungspause der Memo-
    Gruppe, ich würde mich mal gerne mit den Leuten von der PDS
    zusammensetzen.
    Lautes Gelächter! „Du hast gestern den ganzen Abend bei
    Ihnen am Tisch gesessen.“ Später habe ich dann gelernt, an
    welchen Fragen und Antworten man sie noch ausmachen
    kann.
    1994 stieß ich zufällig auf das ‚Memorandum‘ in einer öffentlichen Bibliothek.
    „Die Leute muss ich kennenlernen“, war mir sofort klar. Aber erst 1996, also
    nach 2 weiteren ‚Memoranden‘ nahm ich Kontakt zur Gruppe auf und die
    nächste Einladung zur Tagung kam ganz selbstverständlich. Mit der
    Einladung gingen mir auch alle Ausarbeitungen der Memo-Gruppen-
    mitglieder zu (meist Papiere von 3 – 7 Leuten, je nach Breite und Relevanz
    eines Themenkreises, aber auch Einzelleistungen) und auch der
    genaue zeitliche Ablauf der Themen-Behandlung.
    Auf den Tagungen geht es dann diszipliniert zu, in dem Sinne, dass der
    Zeitrahmen für ein Thema eingehalten wird und man eng am Thema bleibt,
    weil die Texte vorher schon bekannt (und manche Frage wohl auch) sind.
    Oskar Lafontaine habe ich dort nicht getroffen, obwohl mir diese Begegnung
    sehr wichtig gewesen wäre, (war und bin noch heute Anhängerin).
    Aber ich traf Leute wie Rudolf Hickel, Axel Troost, Herbert Schui, Jörg
    Huffschmid, Norbert Reuter, Hermann Bömer, Heinz-Josef Bontrup, Wilfried
    Kurtzke, Ingo Schmid, Margrit Schratzenstaller u.a.
    Auf den ersten Seiten eines ‚Memos‘ sind immer alle, dazu die Unterstützer,
    insges. um die 900 alphabetisch genannt.
    Dass ich dann nach 2011 nicht mehr zu den Tagungen fuhr, hat
    gesundheitliche Gründe. (Es gibt Krankheiten, die sind sichtbar und
    andere nicht, manche wollen darüber reden, andere nicht. Ich halte
    es mit denen, die sagen, warum soll ich verraten, wo mein ‚Lindenblatt‘
    ist). Zudem habe ich den Friedenserhalt zum absoluten Primat für
    mich gemacht, mich der Pluralen Ökonomik geöffnet. Mein Verhältnis
    zur Memo-Gruppe ist irgendwie ein familiäres.
    Die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik gründete sich 1985.
    Helmut Schmidt hat damals das Staatsziel Vollbeschäftigung aufge-
    geben. Bis dahin galt noch, dass der Staat dafür Sorge trägt, dass
    die Anzahl der Arbeitsplätze im Lande in etwa der arbeitenden
    Bevölkerung entspricht.
    Und Helmut Schmidt war es auch, der damals noch ausgab, lieber
    5 % Inflation als 5 % Arbeitslosigkeit.
    Heute lesen wir, dass die EZB sich eine Inflation an die 2 % herbei-
    wünscht. (Inflationsbekämpfung war früher DAS Ziel der Geld-
    vermögensbesitzer und das Staatsziel Geldwertstabilität ist noch
    übrig von den einst 4 Zielen des sog. Magischen Vierecks:
    Geldwertstabilität, Wachstum, Vollbeschäftigung, ausgeglichener
    Außenbeitrag). Mehr dazu bei Rudolf Hickel, LINK s.u.
    Das Staatsziel Vollbeschäftigung wurde also 1975 aufgegeben, mit der
    Begründung, dass das ‚Versprechen‘ nicht mehr haltbar sei.
    Ohne jene Entscheidung, wäre Hartz IV gar nicht möglich geworden.
    Die Verantwortlichkeit kehrte sich um und bereitete dem Prinzip
    ‚Fordern und Fördern‘ den Weg.
    Als das sog. ‚Magische Viereck‘ die Staatsziele vorgab, gab es noch
    Investitionslenkung (das sind gezielte Subventionen das Staates
    in Zukunftstechnologien, die wünschenswert schienen und gute
    Arbeitsplätze versprachen), die Politik gab Wirtschaftsziele vor
    (natürlich nicht heruntergebrochen wie bei den 5-Jahresplänen
    einer Planwirtschaft), das geschah nach sog. Konzertierten
    Aktionen (Stichwort Prof. Karl Schiller).
    http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/242411/konzertierte-aktion
    Der Zauber am Mag. Viereck besteht wohl darin, dass bei einer
    Schraubendrehung an einem Staatsziel, ein gegenteiliger Effekt
    an einem anderen erfolgt (einander widersprechende Ziele).
    Die AAWP (Memogruppe) bezeichnet ihr alljährliches Memorandum
    (1. Mai) als Gegengutachten zum Herbstgutachten des SVR (Sach-
    verständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung).
    Die Memo-Gruppe hatte schon ihren Einfluss, etwa in der Politikberatung
    der Gewerkschaften (wenn diese argumentieren, ‚der verteilungsneutrale
    Spielraum mache eine so-und-soviel %ig Lohnerhöhung möglich‘ ist
    Rudolf Hickel nicht weit. Und an den Hochschulen gibt es immerhin
    5 % Ökonomen, die im Mainstream der Ökonomie (Ökonomie meint
    BWL und VWL, Mikro- und Makro-Ökonomie) geduldet sind.
    Memo-Mitglieder sind häufig da zu finden, wo man den Puls der Zeit
    besonders spürt und die Dinge weiterbringen kann.
    Wie überall beim Siegeszug des Neoliberalismus gab und gibt es scharfen
    Gegenwind (nicht nur in der Politik, auch von den Kollegen des Mainstream
    an den Hochschulen, in den Unternehmen und Verbänden, und natürlich
    im SVR.
    Rudolf Hickel schlägt vor, das Mag. Viereck auf europäischer Ebene
    zur Anwendung zu bringen. Gelänge dies, hätten wir wieder eine Sozial-
    staatlichkeit, die ihren Namen verdienen würde. Jedenfalls wäre das
    schon mal ein guter Anfang, der bei den Menschen in den 28 Mitgliedsstaaten
    Zustimmung finden könnte.
    http://www.fr.de/politik/meinung/gastbeitraege/austeritaetspolitik-blick-zurueck-nach-vorn-a-1298754

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  11. Theresa Bruckmann schreibt:

    Verdammter Fehlerteufel!
    Nov. 1975 gründete sich die Memo-Gruppe als Reaktion
    auf die Preisgabe des Staatsziels Vollbeschäftigung durch die
    Regierung Helmut Schmidt.

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