MAXIMAL EFFIZIENTE ÜBERWACHUNG


Ein Diskussionsbeitrag von Beat Wick, Baar/Schweiz

Panoptisches Modellgefängnis des kubanischen Diktators Machado, erbaut 1928, CC-Lizenz

Was ist die effizienteste und billigste Methode eine Gesellschaft zu kontrollieren, zu überwachen?

Selbstüberwachung, Selbstkontrolle (Michel Foucault).

Wer sind unsere (Selbst)Überwacher? (1)

I. (Selbst) Überwachung durch Organisationen und Politiker:

Vor Jahren richtete ich an Friedensorganisationen per E-Mail ein paar Fragen. Trotz Nachfrage erhielt ich weder von den Einen noch von den Anderen eine Antwort. Meine E-Mails wurden ganz einfach ignoriert. Es war ein Schock, galt doch hierzulande (Schweiz) bisher auf Fragen nicht zu antworten als ausserordentlich unanständig und unhöflich. Auch ging ich davon aus, dass Organisationen an Mitgliedern interessiert sind.
Nachträglich fand ich heraus, dass sich unter den Vorständen von Friedens- und Umweltorganisationen, mit etwas Einfluss, Politiker der SP oder der Grünen Partei befinden. Desgleichen in Verwaltungsräten von Hilfswerken. Wenn man bedenkt, dass dies auch auf die grösste propalästinensische Organisation der Schweiz zutrifft, so kann man ermessen in welch kontrolliertem und nur begrenztem Rahmen dort Kritik an Israel geübt wird. In einem Fall kam ich darauf, dass an der Informations-Schaltstelle einer Organisation ein Parlamentarier der Grünen Partei die eingehenden E-Mails beantwortete resp. ignorierte, nicht beantwortete.
Diese Organisationen entpuppten sich als das was sie, zumindest auch, sind: Instrumente zur Kontrolle der Bevölkerung.
Später wurde mir bewusst, dass es sich dabei um die, von Michel Foucault erwähnte, Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung handelt.

II. (Selbst) Überwachung durch Medien und Politiker

Ähnlich sieht es bei „alternativen“ Presseportalen aus. Nur sind es da, neben ein paar Politikern, fast ausschließlich (ehemalige) Mainstream-„Journalisten“, wie es sich an dem, sich vor allem an Intellektuelle, Universitätsprofessoren usw. richtenden, „linken“ Presseportal „Infosperber“ zeigt. Statt ignorieren, nicht antworten, wie die Friedensorganisationen, werden da unliebsame Kommentare zensiert, gelöscht. Oder die Verfasser für immer gesperrt. Darunter Leute, die weit kompetenter sind als die Autoren, welche die Artikel schreiben. Teilweise werden sämtliche Kommentare gelöscht, die gesperrte Verfasser von Kommentaren bei Infosperber im Laufe der Zeit platziert hatten. Quasi eine geistige Liquidation. Wer Glück hat bekommt auf seinen Protest eine Antwort.

Daniele Ganser pries in einem Artikel im „Rubikon“ und im Blog „Jens Wernicke“ das Presseportal Infosperber als „kritische Webseite“ (2) und in einem Vortrag sowie in den „Nachdenkseiten“ und im Blog „Jens Wernicke“ einen der „Journalisten“ von Infosperber als sehr guten, sehr ehrlichen Menschen (3). Als ich im Blog „Jens Wernicke“ anhand der Ansichten von drei Personen, darunter der des Bloggers Thierry Blanc (Blog „Senf und Pfeffer“), meine Bedenken zu Gansers Äußerungen darlegen wollte, schlug auch hier die Zensur resp. Jens Wernicke zu. Er löschte den Kommentar umgehend. Ohne jegliche Begründung. War es deshalb, weil eine Koryphäe der „Friedensbewegung“ nicht in Frage gestellt werden darf? Muss in der „Friedensbewegung“ eine einheitliche Meinung herrschen? Welche Gottheit (Führer) bestimmt, welche Meinung zu gelten hat?

Hätte Herr Ganser wenigstens den Deutschen ehemaligen (SRF) TV-Mann Helmut Scheben genannt, der auch bei Infosperber publiziert, so hätten weder der Blogger von „Senf und Pfeffer“, Thierry Blanc, noch ich Einwände erhoben. Außer, dass mir Personenkult zuwider ist.

Auch die Medien, gleichgültig ob Mainstream oder „Alternativ“ entpuppen sich als Instrumente zur Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung. Im Interesse der Macht (Dazu gehört die Israel-Lobby).

III. Der Großteil an Überwachungs- und Kontrollinstanzen

Selbstverständlich geschieht die Überwachung der Bevölkerung und deren Manipulation schon seit eh und je und noch weit umfassender. In allen Bereichen der Gesellschaft (Institutionen, Universitäten, Kirchen, usw.). Auch gibt es noch andere Mechanismen an denen die Überwachung und Kontrolle erkennbar ist. Die Überwacher verstehen sich keineswegs als Überwacher. („Ich glaube vielmehr, dass der wahre Grund das Bedürfnis von Menschen ist, die Wahrheit zu verschleiern, sie nicht wahrzunehmen, weil sie zu schmerzhaft wäre … „ Arno Gruen). Die Macher von „Alternativ“-Medien glauben möglicherweise allen Ernstes, sie würden dem Bedürfnis der Menschen nach glaub- und vertrauenswürdiger Information und konstruktiven Veränderungen nachkommen. Ihr Verhalten lässt aber eher darauf schließen, dass sie dieses Bedürfnis für ihre Finanz- und/oder Macht- Interessen und persönliche Geltung, Ansehen, Prestige (bewusst oder unbewusst) vereinnahmen.

„Alternativ“-Medien

Für die Zugehörigkeit zu den „Alternativ“-Medien ist, wie mir scheint, im Wesentlichen lediglich die Kommentierung der Aussenpolitik massgeblich. Dies kann von leicht differenziert bis ausgeprägt verschieden von den sogenannten Qualitätsmedien sein. Doch „Alternativ“-Medien verletzen offensichtlich Menschenrechte durch Zensur ebenso unbedenklich wie der Mainstream. (Zu erwähnen ist, dass meine Kommentare bei KenFM und „Sicht vom Hochblauen“ bisher nie zensiert wurden). Sie hinterfragen und stellen die Gesellschafts- und Machtstrukturen und auch sich selbst ebenso wenig in Frage wie der Mainstream. Das heißt, sie gewährleisten den Machterhalt der Oberschicht und des Bildungsbürgertums (1). Also von jenem Bevölkerungsteil dem die meisten von ihnen ebenso angehören wie die Macher des Mainstreams. Aus meiner Sicht, und wie obiges Beispiel zeigt, kann deshalb bei „Alternativ“-Medien von alternativ keine Rede sein. Schon die Bezeichnung Alternativ ist eine Täuschung.

Zensur

Macht man selbst Erfahrung mit Zensur (gemeint ist selbstverständlich nicht Zensur von Aufruf zur Gewalt, Beleidigungen, Diffamierungen, offensichtliche Demagogie oder Propaganda, Rassismus und dergleichen) und wie andere Menschen verletzt und wütend darauf reagieren (Die merkwürdigen Zensurkriterien des Urs P. Gasche“ von Thierry Blanc, Blog „Senf und Pfeffer“), so kann man ermessen, welche Bedeutung dem Menschenrecht auf Meinungsäußerung- und Informationsfreiheit (Art. 19 AEDMR) zukommt und warum die Autoren der Menschenrechte es in die allgemeine Menschenrechtserklärung aufgenommen haben.
Hätten die Medienleute wirklich Interesse an der Meinungsfreiheit für, und am Dialog mit der Bevölkerung, und hätten sie, wie sie vorgeben, wirklich Interesse an Demokratie, so würden sie nicht dermassen spitzfindig mit diesem Menschenrecht umgehen und würden Zensur verantwortungsbewusst und nur sehr begründet anwenden.

Wege aus dem Gefängnis

Wenn das Ziel Wohlergehen, Allgemeinwohl und Gleichwertigkeit heißt, wenn der Mensch als empfindendes Subjekt und nicht als ein zu manipulierendes, bezahlendes PR- und Massenobjekt betrachtet wird, wenn das Leben als steter Wandel wahrgenommen wird und nicht als eine fixe zu erreichende Idee, Theorie, System, Ideologie und dergleichen, dann gibt es, aus meiner Sicht, eine große Vielfalt an Möglichkeiten auf eine konstruktive Gestaltung der Gesellschaft hinzuwirken.

Die großen Würfe gehen, nach meiner Meinung, immer daneben und die „Helden“ verziehen sich ohnehin, sobald es konkret werden sollte.
Ich glaube an die Kraft des Ungehorsams, der Verweigerung und der Empathie (Arno Gruen). Dazu gehört: Sich von nichts und niemandem vereinnahmen lassen (auch nicht von der elitären „Friedensbewegung“ und den „Alternativ“-Medien). Sich nur auf klar definierte, kurzfristige Projekte einlassen. Über sich selbst bestimmen, nicht andere über sich bestimmen lassen (Die Kehrseite des Sklaven ist der Tyrann). Besonders jedoch selbstkritisches Offenlegen, Hinterfragen, In Frage stellen (Besonders die gesellschaftlichen Strukturen und die politischen Machtstrukturen sowie die Vernetzungen auf allen Ebenen), denn ohne hinterfragen, in Frage stellen sind Änderungen gar nicht erst möglich. Es versteht sich von selbst, dass dies zu thematisieren von allen Seiten ebenso verhindert wird wie Abbau von Macht.

Ich glaube auch an die Kraft des Naheliegenden, des „Kleinen“, „Einfachen“: Gegenseitige Ermutigung, Aufmunterung, Motivation, Anerkennung, Wertschätzung, Vielfalt, Kreativität, Solidarität, Respekt (z.B. vor der Meinung des anderen) ebenso wie energisches und konsequentes Offenlegen von Missbrauch, Missachtung von Menschlichkeit und Menschenrechten, von welcher Seite dies auch immer geschieht (Besonders wenn dies von beliebten Koryphäen, von Seiten der „Friedensbewegung“ oder „Alternativ“-Medien geschieht).

Ich glaube auch an die Kraft des „Immer mit gleichem Mass Messens“ ebenso wie an klare Abgrenzung (ohne Ausgrenzung), Positionierung, Standpunkte, Unterscheidung von Freund und Feind (Hannah Arendt) und an Transparenz, an echten Dialog und echte Information: Mit verantwortungsbewussten, finanziell und ideologisch vollumfänglich frei und unabhängig betriebenen Blogs eröffnet sich vielleicht eine ganz neue Dimension von Information und Dialog. Besonders für jene Menschen die hinterfragen, in Frage stellen. Die Unangepassten. In diesen Bereich gehören auch Mahnwachen (Art Lars Märholz).
Wichtig finde ich auch konsequente Ablehnung von: Autoritätsgläubigkeit und -hörigkeit, elitärem Verhalten, Elitebildung, Personenkult, Idealisierung, Vorbildern und dergleichen.
Und sehr wichtig finde ich: Glaubwürdige Respektierung der Menschen aus der (einfachen) Bevölkerung als gleichwertige und gleichbestimmende Partner. Das Offenlegen, Thematisieren und Konkretisieren von obengenannten und noch vielen anderen Möglichkeiten von konstruktiver Gestaltung der Gesellschaft.

Ich glaube, dass man den Teufel auch im 21. Jahrhundert nicht mit dem Beelzebub austreiben kann. Den Teufel Politik, nicht mit dem Beelzebub Politik. Den Teufel Medien, nicht mit dem Beelzebub „Alternativ“-Medien.

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(1) – Die Antwort zu dieser Frage fand ich unter anderen bei: Hannah Arendt „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“, Klaus Mann „Mephisto“, Alice Miller „Am Anfang war Erziehung“, Arno Gruen „Dem Leben entfremdet“. In ihren Werken wird die Oberschicht und vor allem das Bildungsbürgertum charakterisiert.
Die nachfolgenden Beispiele spielen sich lediglich in einem anderen Land als Deutschland ab.

(2) – Daniele Ganser lobt Infosperber als „kritische Webseite“. Eigentlich müsste er unter anderem wissen, dass auch Infosperber nie die offizielle Version von 9/11 in Frage gestellt hat.

(3) – Ganser bezeichnet Erich Gysling als sehr guten, sehr ehrlichen Menschen, welcher den Nahen Osten sehr gut kenne und sich dafür einsetze, dass man andere Länder nicht bombardieren, sondern verstehen sollte.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=37585

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2 Antworten zu MAXIMAL EFFIZIENTE ÜBERWACHUNG

  1. Pingback: Fundstück – 29.1.2018 – „professionelle Verlogenheit“ | opablog

  2. Verein Enigmabox schreibt:

    Hallo Herr Wick
    Die „alternativen Medien“ stehen unter der gleichen Kontrolle wie die Mainshit-Medien.
    Darum braucht es ein neues Internet.
    https://enigmabox.net/
    Freundliche Grüsse
    Verein Enigmabox

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