bedenklich

Manchmal, bei Kunstwerken,

großen aber auch ganz kleinen,

denke ich: „Die haben ja so Recht!

Die sagen es ja so … tief, von Innen!“

Und manchmal denke ich dann noch: „So Recht haben können nur Künstler.“

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Kunst, Literatur, Mensch, Musik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu bedenklich

  1. fidelpoludo schreibt:

    Hallo Kranich,
    höchst „bedenklich“, feststellen zu müssen, dass das Gesagte bisher keinen Kommentar hinterm Ofen hervor gelockt hat. Es entspricht sowohl meiner Meinung als auch meinen Erfahrungen, sagen wir mal zu 98 Prozent. Es könnte daran liegen, dass kein das Gesagte unterstreichendes Beispiel gegeben wurde. Meine zwei Einschränkungen sind die folgenden:

    1. Es sind nicht immer die Künstler, die „so Recht haben können“. Es sind eben „nur“ ihre Kunstwerke, die „ja so Recht haben“ und zwar „… tief, von innen!“ (vom Innern des Werkes, von seiner Struktur und Form her) – aber auch nicht alle, die sie geschaffen haben. Und wenn doch alle, dann doch nicht gleichermassen. Es ist bekannt, dass viele Künstler, wenn sie sich politisch äußerten das durchaus reaktionär taten und oft der klar nachweisbaren Intention ihrer Werke nicht nur „ins Gesicht schlugen“, sondern durchaus nicht in der Lage waren, ihre eigenen Werke zu verstehen. Ihre Inspiration beginnt mit der Gestaltung ihres Werkes und endet mit seiner Fertigstellung und Veröffentlichung. Es gab und gibt Künstler, die das klar erkannt haben und sich deswegen konsequent weigern, ihr Kunstwerk zu erklären; die auf die interessierte Frage: „Was will uns der Künstler damit sagen?“ stumpf antworten: „Alles, was ich zu sagen habe, ist in meinem Werk zu finden. Wenn ich das noch erklären könnte, hätte ich es nicht geschaffen.“ Sie können Auskunft über die Entstehungsbedingungen, manchmal auch über die Motivation geben, aber meistens recht wenig über seine Bedeutung. Die Bedeutung verschiebt und verändert sich, verliert sich oder nimmt im Laufe der Geschichte zu, je nach den sich mehr oder weniger verändernden gesellschaftlichen Verhältnissen. Einmal beendet und veröffentlicht ist das Werk streng genommen nicht mehr ihres.

    2. Aus der Tatsache, dass die Bedeutung der Kunstwerke sich historisch verändert, folgt, dass ihre Veränderung in die Bedeutungslosigkeit münden kann. Es kann zwar rekonstruiert werden, worin ihre (kritische) Bedeutung einmal gelegen hat, was aber voraussetzt, dass das Kritische, das sie behandelten, an aktueller Brisanz verloren hat, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse sich in diesem Punkt so zum Besseren geändert haben, dass die Kritik ins Leere läuft. Sie müssen im weiteren Ablauf der Geschichte aber wiederum in der Bedeutungslosigkeit nicht enden, weil es eben regressive Perioden und Stadien gibt, die sie wieder zur vollen Form aufleben lassen. Dann zählen sie wieder zum Potential des geschichtlich Unabgegoltenen, dessen es sich zu erinnern gilt. Deswegen ist eben nicht alles Kunst, was so genannt wird. Jedes Kunstwerk hat immer wieder neu zu beweisen, dass es den Anspruch erfüllt, ihm immer noch gerecht wird.

    „Aber die Schwierigkeit liegt nicht darin, zu verstehn, daß griechische Kunst und Epos an gewisse gesellschaftliche Entwicklungsformen geknüpft sind. Die Schwierigkeit ist, daß sie für uns noch Kunstgenuß gewähren und in gewisser Beziehung als Norm und unerreichbare Muster gelten.“

    Mit diesem Zitat, das die Kunst einerseits klar im Überbau verortet, gesteht er der Kunst mit dem Verweis auf die „Schwierigkeit“ aber gleichzeitig zu, dass sie mindestens eine gewisse Autonomie sowohl der Basis als auch den anderen Überbauphänomen gegenüber beanspruchen kann, wenn nicht sogar den Menschen – seien sie im Überbau oder in der Basis tätig – noch etwas Aufklärerisches mitzuteilen hat. Sie kann also im besten Falle durchaus als Kampfgenosse im Marxschen emanzipatorischen Projekt betrachtet werden,

    »…alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes,ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist …«

    Soviel Pathos wird man doch wohl noch (nicht sagen) aber äußern dürfen!!!

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    • kranich05 schreibt:

      Ich hatte oben ja auch mit einigem Pathos geschrieben 🙂
      Freilich mit einem hermetischen (ohne Beispiel) 😉
      Du hast schön Bedenkenswertes zu Kunst und Künstlern gesagt.
      Für mich selbst gehe ich so weit zu sagen, dass meine völlige Areligiosität wohl nur deshalb so gesund, munter und frei daherkommt, weil sie von vielen großen erlebten Kunstwerten mitgetragen wird.

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  2. willi uebelherr schreibt:

    Liebe freunde, ich bin ja nun seit fast 8 jahren in Latein Amerika und dort ist die „Kunst“ im oeffentlichen, im einfachen, im geroell aesthetik freier stadtformen angesiedelt. Sie spiegelt die traeume eines „guten Lebens“, und immer in „Harmonie mit der Natur“.

    Hier in Asuncion in Paraguay lebe ich in einem hostel, das vorzugsweise von strassenkuenstlern besucht und bewohnt wird. Sie fluten auch von hier aus die stadt, die kreuzungen und plaetze. Sie transportieren eine andere welt, die sehnsucht nach frieden und stabilen lebensgrundlagen, deren realisierung so weit entfernt scheint.

    Latein Amerika ist ja ein besonderes feld, wo die traeume und hoffnungen mit einer extremen brutalitaet des alltags zusammen treffen. Aber die wege sind verschuettet. Das elend ist offener alltag. Vor uns ausgebreitet, anzutreffen egal, wohin wir gehen.

    Die wege sind nicht nur blockiert von den mafiosen gruppen aus militaer und paramilitaer und den anderen staatlichen instanzen, die mit gewalt jede friedliche selbstorganisation verhindern. Eine weit groessere blockade ist die flucht in die reduktion auf das eigene, individuelle, den bewussten Egoismus. Das wirkt manchmal extrem in den kontrastierenden bildern.

    Die kunst auf den strassen, den plaetzen, auf verfallenen haeuserfluten, auf urbanen muellplaetzen, wie ich es oft beschreibe, sind wie fenster in eine moegliche, andere welt, die hinter den mauern liegt. Dieses thema, das fenster, ist ein hauptthema in der graffitikunst, die wir hier ueberall sehen. Aus der akzeptanz sehen wir, wie sehr die menschen nach dieser zukunft sich sehnen, die doch so sehr in der vergangenheit liegt und heute hinter den mauern und zaeunen versperrt wird.

    Meine kinder waren auch in den graffiti kunst gruppen aktiv. Aesthetisch wunderschoene werke, die aber nie diesen direkten bezug zur einfalt des eigenen lebens hatten, was um sie herum tobt. Auch in Berlin habe ich dies nur wenig erlebt.

    Wir haben ja immer mindestens die 2 moeglichkeiten. Das chaos und den verfall, die verrottung und verwesung zu beschreiben oder eine leuchtende zukunft. Dazwischen die vielen mischformen.

    Was das kuenstliche nicht beschreiben kann sind die moeglichkeiten mit ihren wegen, wie wir da hin kommen.

    mit lieben gruessen, willi

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