Kolyma (Vaninski Port) – mit deutscher Fassung

 

Я помню тот Ванинский порт

И вид пароходов угрюмый,

Как шли мы по трапу на борт

В холодные мрачные трюмы

Ich denke an Vaninski Port,

an den drohenden Anblick des Schiffs.

Wie wir über die Gangway an Bord gingen
In die kalten düsteren Laderäume. 

На море спускался туман,

Ревела стихия морская.

Лежал впереди Магадан,

Столица Колымского края.

Auf das Meer senkte sich der Nebel.

Die Elemente des Meeres rumorten.

Voraus lag Magadan,

Hauptstadt des Kreises Kolyma

Не песня, а жалобный крик

Из каждой груди вырывался.

«Прощай навсегда, материк !»

– Хрипел пароход, надрывался.

Kein Lied, sondern ein klagendes Stöhnen

kam aus jeder Brust.

Leb wohl für immer Kontinent des Lebens!“

Der Dampfer brüllte zerreißend.

 

От качки стонали з/к,

Обнявшись, как родные братья,

И только порой с языка

Срывались глухие проклятья.

Vom Seegang stöhnten die S/Ks*

umarmten sich schweigend wie Brüder

und nur manchmal

brach ein dumpfer Fluch hervor.

Будь проклята ты, Колыма,

Что названа чудной планетой.

Сойдешь поневоле с ума,

Отсюда возврата уж нету.

Sei verflucht Du, Kolyma,

wundervoller Planet genannt,

Hier wirst Du unfreiwillig verrückt werden.

Von hier gibt‘s kein Zurück.

Пятьсот километров — тайга.

Качаются люди как тени

Машины не ходят туда.

Бредут, спотыкаясь, олени.

500 Kilometer – Taiga,

Die Leute zittern wie Schatten

Kein Fahrzeug kommt hier durch

Die Rentiere stolpern endlos dahin.

Тут смерть подружилась с цингой,

Набиты битком лазареты.

Напрасно и этой весной

Я жду от любимой ответа.

Der Tod freundet sich mit der Skorbut an.

Die Krankenstation ist voller Kranker.

Umsonst diesen Frühling

warte ich auf Deine liebe Antwort.

Я знаю: меня ты не ждёшь

И писем моих не читаешь,

Встречать ты меня не придёшь,

А если придёшь — не узнаешь…

Ich weiß: Du wartest nicht auf mich

und meine Briefe liest Du nicht,

Du wirst nicht kommen, um mich zu treffen.

Wenn Du aber kommst, wirst Du mich nicht erkennen.

Прощай, моя мать и жена!

Прощайте вы, милые дети.

Знать горькую чашу до дна

Придется мне выпить на свете!

Leb wohl, meine Mutter, meine Frau

Lebt wohl, liebe Kinder.

Ich trinke den bitteren Trank bis auf den Grund.

Eine bittere Welt muss ich austrinken.

* Häftlinge

Hier die Wikipedia-Information über Vanino, hier die über Kolyma. Hier gibt es weitere Informationen.

Eine Übersetzung des Liedes, dessen Text es in vielen Variationen gibt, ins Deutsche habe ich nicht gefunden. Da habe ich mich selbst daran gemacht – möglichst wortgetreu und sinngemäß – man lese es mit Nachsicht.

Es gibt viele Aufnahmen des Liedes. Eine, die ich auch liebe, ist diese:

 

Nachtrag 17.1.2018:

Nun habe ich noch eine singbare deutsche Fassung zusammengereimt und zum Schluss noch ein Notenblatt angehängt:

Ich denk‘ an „Vaninski Port“!

Im Hafen klirren die Winden,

und Menschen, getrieben wie Vieh,

im eisernen Schiffsbauch verschwinden.

 

Das Meer eine Nebelwand

und heiseres Möwengekreisch.

Dort irgendwo ist Magadan,

die Hauptstadt vom Kolyma-Kreis.

 

In Kälte und Finsternis stumm.

Zu Klagen wäre vergebens.

Die Dampfersirene brüllt,

reißt fort uns vom Ufer des Lebens.

 

Verflucht sei‘st Du Kolyma!

Angeblich Planet voller Glück!

Dort dreh‘n die Jungs freiwillig durch.

Von dort kommt Keiner zurück.

 

500 km – Taiga.

Die Leute leben wie Schatten.

Kein Fahrzeug hier je einer sah.

Die Wölfe auf Rentiere warten.

 

Skorbut und Tod grinsen sich an.

Die Kranken liegen zuhauf.

Der Frühling kommt, irgendwann.

Doch Dein lieber Brief bleibt aus.

 

Du wartest nicht mehr auf mich.

Meine Briefe willst Du nicht lesen.

Wir werden uns nicht wiedersehen

als wäre ich – niemals gewesen.

 

Leb wohl, Du Mutter, Du Frau!

Ade, liebe Kinder zu Haus!

Ich leere das Glas bis zum Grund.

Die bittere Welt trink‘ ich aus.

 

Я помню тот Ванинский порт

И вид пароходов угрюмый,

Как шли мы по трапу на борт

В холодные мрачные трюмы

Hier weitere Informationen zum Lied.

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6 Antworten zu Kolyma (Vaninski Port) – mit deutscher Fassung

  1. Beat Wick schreibt:

    Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang auf das Werk „Durch den Schnee, Erzählungen aus Kolyma 1“ aufmerksam machen. Warlam Schalamow (1907-1982) gehört nach meiner Meinung zu den herausragenden russischen Schriftstellern. Wie es scheint, erhielt er nicht die Anerkennung als Schriftsteller die er verdient hätte.

    Gefällt mir

    • kranich05 schreibt:

      Hallo,
      schön, wieder einen Kommentar von Ihnen zu sehen.
      Ihren letzten Kommentar und die damit gegebenen Links habe ich aufmerksam gelesen.
      Hätten Sie nicht Lust, einen kleinen Beitrag über alternative Medien“ zu schreiben, über „alternative Alternativlosigkeit“? Gerne würde ich so etwas im Blog bringen. Am besten mit konkreten Beispielen aber auch möglichst über diese hinausgehend mit ein paar Überlegungen oder Vorschlägen, wie es denn anders gehen könnte.
      Gruß
      in die Schweiz.

      Gefällt mir

      • Beat Wick schreibt:

        Sehr gerne würde ich einen Beitrag versuchen. Als „ungebildeter“ Laie würde ich jedoch gerne ihre Unterstützung in Anspruch nehmen (Ich glaube wir haben einiges gemeinsam), auch damit die Verhältnisse in Deutschland, die mir wenig bekannt sind, berücksichtigt werden.
        Angesichts, dass in der kleinräumigen, dörflichen Deutsch-Schweiz von den Medien fast jeder Dritte Kommentar aus der Bevölkerung zensiert, gelöscht wird (Man könnte meinen dies sei nicht nötig bei lediglich ca. 5,4 Millionen Einwohnern) ist mir das Menschenrecht auf freie Meinungsäusserung, für die Bevölkerung wo auch immer (Nicht wegen der doch recht unbedeutenden Schweiz), von grösster Bedeutung. Ein Menschenrecht das, nach meiner Ansicht, von den Medien juristisch spitzfindig interpretiert wird.
        Mit den konkreten Beispielen sehe ich es im Moment zwar (noch) nicht doch ich werde Ihnen nach einiger Zeit einen Vorschlag zustellen.

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  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Danke,
    wunderbar sogar mit Noten!
    dazu die der übersetzte Text.
    Der ist wichtig für die Dynamik! m.a. Worten ich muss wissen wo flüstern,
    schmachten oder wüten angesagt ist.

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  3. Theresa Bruckmann schreibt:

    Wären wir Nachbarn, sagte ich jetzt „mach‘ ich mit!“
    Wenn man aber nicht weiß, wo einer wohnt, kann das so
    gehen:
    2012 fanden wir auf den Internetseiten ‚Gebrauchtwagenmarkt‘
    exakt das Wunschauto meines Mannes. Es stimmte einfach alles!
    „Wann wollen Sie und Ihr Mann vorbeikommen?“
    „Morgen nachmittag. Aber sagen Sie, wo ist eigentlich
    Zwickau?“
    Es war Montag und der darauffolgende Donnerstag
    gesetzlicher Feiertag in NRW. Das passte.
    Sie schickten uns ohne jede Absicherung schon mal den
    Kfz-Brief für die Zulassung zu und wir beschrieben die
    Mängel an unserem alten Ford. Den nahmen sie – ohne
    ihn gesehen zu haben – in Zahlung.
    Das ganze war ein wunderbares Abenteuer, Hinfahrt durch
    Thüringen über Weimar nach Zwickau, Übernachtung im
    Holida Inn, angenehmer Autoverkäufer, Rückfahrt mit dem
    ’neuen‘ Auto, das noch heute wunderbar läuft!

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