„Gilad Atzmons „The Wandering Who“, die Meinungsfreiheit und ich“ (III)

Dritter Teil des Gastbeitrags von Clara S.

(Teil I hier, Teil II hier)

Weltweites zionistisches Netzwerk

Atzmon spricht von einem – keineswegs geheimen – zionistischen Netzwerk, einem Organismus, der im Kern ein Projekt zur Assimilationsverhinderung der Juden (Seite 70) sei. Es gäbe dabei keine scharfe Grenze zwischen Zionismus und Jüdisch-Sein. Der Organismus sorge weltweit für die politische Umsetzung zionistischer Interessen und für die Verhinderung von Kritik an dieser Politik, indem z.B. die Antisemitismuskeule geschwungen würde.
Nationale Grenzen und Interessen würden so zugunsten jüdischer Interessen bzw. den Interessen des Staates Israel übergangen.
Am Beispiel des biblischen Buchs Esther und historischen Beispielen beschreibt er, mit welchen Mitteln sich als Juden definierende Menschen auch unter widrigen Umständen die Interessen ihres Volkes politisch umgesetzt haben und noch heute umsetzen, jeder an seinem Platz, sei es in Israel oder anderswo (Kapitel 19).

Atzmon beschreibt diese Strategien als äußerst erfolgreich. Ob und inwieweit das wirklich so war und ist, kann ich nicht wirklich beurteilen. Viele Indizien und auch einige aktuelle Entwicklungen scheinen dafür zu sprechen.

So kommentiert z.B. „Taxi“ in ihrem Blog „Platos Guns“:

And NO this is not an antisemitic question – most certainly it isn’t when it’s clear as daylight to all – and easily provable – that American power-jews control our media, banks, culture (Hollywood & book publishing), food (Monsanto), Big Pharma, Congress, Senate, White House, CIA, FBI, Deep-Deep State and MIC. Pretty much everything that’s important to our communal life, present and future. Frankly, I wouldn’t mind at all if jews controlled all the above and more if they were serving our nation thru and thru and they were good at it.  I just mind that EVERYTHING they do, they do for israel and not for the benefit of the USA.  I find this level of treason horribly odious, deeply offensive and dangerous to our own very existence.“

Im zweiten Kapitel des Buches beschäftigt sich Atzmon damit, wie Wolfowitz, Greenspan et al. über den Think Tank PNAC als Juden den Irakkrieg und den Ruin weiter Teile der amerikanischen Bevölkerung durch die Immobilienblase als Teil einer zionistischen Strategie durchgesetzt hätten –

die Frage, ob sie nicht einfach eine kapitalistische Profitstrategie verfolgt haben, und ob sie als Nichtjuden anders gehandelt hätten bleibt für mich allerdings offen.

Einleuchtender erscheinen mir die in Kapitel 13 beschriebenen Übereinstimmungen zwischen zionistischen Vorstellungen und denen der Neocons, wie z.B. Wolfowitz.

Das Thema Israel-Lobby und deren Einfluss auf die Nahostpolitik ist ja nun gerade, besonders nach Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel, sehr aktuell. Und dieser Teil von Atzmons Ausführungen dürfte bei linken jüdischen Antizionisten vermutlich auch auf Zustimmung stoßen. Trotzdem bleibt umstritten wer in dem ganzen Geschehen wen in der Hand hat.

Provokant jedoch ist das, was er im gleichen Kapitel zum Recht auf Selbstbestimmung zu sagen hat:

Die Juden begründeten auf dem Konzept des Rechts auf Selbstbestimmung eines jüdischen Volkes ohne Nation das Recht auf einen eigenen Staat (und die Notwendigkeit dieses Staates aus der – vermeintlichen – Gefahr eines jederzeit wieder möglichen neuen Holocaust).

Das Existenzrecht Israels und die Gewährleistung der Sicherheit dieses Staates sind in allen westlichen Ländern Staatsdoktrin.

Atzmon hingegen meint die Juden hätten kein Recht, den geografischen Raum Palästina für einen eigenen Judenstaat zu beanspruchen. Denn anders als die in aller Welt verstreuten Juden, Gruppen, die häufig erst im Laufe der Geschichte zum jüdischen Glauben konvertiert seien, sind laut Atzmon die heutigen Palästinenser vermutlich die wirklichen Nachkommen des judäischen Volkes der Römerzeit. Die Erzählung einer durchgängigen jüdischen Diaspora-Geschichte, die mit der Vertreibung der Juden durch die Römer begonnen haben soll, sei jedenfalls ein Mythos (Kapitel 17).
Die heutigen jüdischen Israelis könnten jedoch gemeinsam mit den Palästinensern als Gleiche unter Gleichen Bürger eines künftigen Staates Palästina sein.

Obgleich sie ihm gefällt, hält Atzmon diese Zukunftsvision für sehr unrealistisch, denn dazu müsste das Judentum sich grundsätzlich von seinen tribalistisch/identitären Einstellungen lösen (Seite 188),

und, ich ergänze, der „Westen“ von seiner immer noch im Kern kolonialen Ausrichtung. Bedeutet dies also zwangsläufig wieder Krieg im Nahen Osten? Diesmal um Jerusalem?


Quellen:

https://opablog.net/2017/12/23/zusammenhaenge-im-blick/

https://opablog.net/2017/12/22/atzmon-davidsson-hier/


 

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Eine Antwort zu „Gilad Atzmons „The Wandering Who“, die Meinungsfreiheit und ich“ (III)

  1. willi uebelherr schreibt:

    Lieber Klaus-Peter, liebe Clara S.,
    meinen grossen dank und meine begeisterte zustimmung fuer die kritische reflektion von Clara. Auch vor allem dafuer, dass sie ihre moeglichen differenzen anspricht.

    Am ende des 3.teil schreibt sie:
    „… ich ergänze, der „Westen“ von seiner immer noch im Kern kolonialen Ausrichtung“.
    Das ist das verbindungsstueck von Zionismus und europaeischem Kolonialismus. Beide sind darauf ausgerichtet, beliebigst sich regionen auf dem planeten anzueignen. Begruendet werden sie mit einem rassentheoretischen ansatz, wie wir ihn auch bei Winston Churchil finden, dass eine hoehere entwickelte menschliche Rasse, hier die Weissen, sich beliebig die ressourcen unterentwickelter menschlicher Rassen, hier die Nicht-Weissen, aneignen koennen.

    Das ist auch der grund, dass staatliche verbaende und einzelakteure jegliches konstrukt von „Voelkerrecht“ ablehnen koennen, wenn es ihren interessen im wege steht. Die universale grundhaltung, das selbstbestimmungsrecht lokaler/regionaler bevoelkerungen anzuerkennen, existiert da nicht.

    Wir muessen hier nicht auf die ebene der verteidiger kolonialen raubs folgen. Die begruendungen fuer den ueberfall auf West-Palastina und die exclusive aneignung interessiert uns nicht. Hier folgen wir universalen prinzipien, die wir selbst definieren und orientieren uns nicht an den gekauften verwaltern der finanz-eliten. Egal, ob sie theistisch oder atheistisch sind.

    mit lieben gruessen, willi
    Asuncion, Paraguay

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