Irritierendes, Erhellendes, Weitergedachtes rund um das Karlspreisdrama 2017 – 3. Teil

Hier geht’s zum 1. Teil. Hier geht’s zum 2. Teil.

VI

In den ersten beiden Teilen habe ich den Karlspreisverleihern Rosen überreicht für ihren offensiven politischen Kampf. Nun frage ich, was erreicht wurde und welche Lehren zu ziehen sind. Nahe bei den Rosen die Dornen.

Dass der Preis wegen der kurzfristigen Absage Ken Jebsens nicht wie geplant übergeben werden konnte, ist gewiss kein Wunschergebnis, noch weniger, dass, durch die Preisverleihung ausgelöst, nun ein heftiger „innerjüdischer Streit“ die Szene beherrscht.

Einen aufwändigen Verteidigungskampf zu führen gegen die Dummbeutel-Vorwürfe Ken Jebsen sei „Verschwörungstheoretiker“, „Antisemit“ usw. halte ich für überflüssig. Ein Berliner Richter hatte gegen Derartiges – zwar nicht gegen die Meinungen des Kultursenators aber gegen seine darauf fußenden Maßnahmen – ein vernichtendes Urteil gesprochen. Diesen Drops nun weiter zu lutschen, wie es wieder und wieder gemacht wurde, konnte nur Leerlauf bringen, Stagnation, schließlich Defensive.

Sich mit der Planung der Rede- und Kulturbeiträge bei der Preisverleihung auf die Gefahr einzulassen, dass „die Judenfrage“ ins Zentrum rückt, weist auf einen eklatanten konzeptionellen Mangel hin. Ich glaube er ist nicht zufällig.

Jebsen erbringt mit KenFM in mehrfacher Hinsicht bedeutende Leistungen. Mit DIESEM Pfund gilt es zu wuchern. Ich greife zwei Punkte heraus, die mir besonders am Herzen liegen:

Erstens. KenFM steht für die schrittweise Entwicklung einer völlig neuen, internetbasierten Kommunikationskultur. Obwohl der „Macher“ Jebsen gern dominiert, ist seine gesamte Arbeit prinzipiell dialogorientiert. Jebsen geht auf die Menschen zu und hat keine Angst vor ihrer frei geäußerten Meinung. Im Gegenteil: Er fordert Meinungen heraus und setzt sich mit ihnen auseinander. Das leidige „Kommentare deaktiviert“ kennt KenFM nicht. Das aber – keine Kommentare! keine Antworten! – ist das Markenzeichen der vorsintflutlichen Belehrer-Mentalität ALLER linken Medien – junge Welt, neues deutschland, Nachdenkseiten, rubicon, Freidenkerwebseiten.

Das Potential des Internet umfassend zu erschließen, ist ein langwieriger demokratischer Prozess, in dem sowohl IT-Fachkompetenz als auch vielfältige politische Erfahrungen zueinander finden müssen. Mit der Propagierung von „HUMAN CONNECTION“ und der Orientierung auf enge Zusammenarbeit hilft KenFM ganz neue Perspektiven zu entwickeln. Ich meine, dass es um nicht weniger geht, als erstmals in der Geschichte wesentliche informationstechnologische, sozial-organisatorische und ökonomische Grundlagen der DIREKTEN DEMOKRATIE auf der Grundlage umfassender POLITISCHER TRANSPARENZ in der MASSENGESELLSCHAFT zu schaffen.

Zweitens. Große und wachsende Aufmerksamkeit (wie er hier ausdrücklich ankündigt) schenkt KenFM im Bestreben das BESSER-MACHEN zu fördern der Informationsvermittlung über alternative Lebens – und Arbeitsweisen, über menschenfreundliches Konsumverhaltens einzelner Personen oder Gruppen  Traditionell rümpfen „linke Klassenkämpfer“ über solchen „bürgerlichen Reformismus“ mit seinen Nischenprojekten die Nase. Traditionell setzten sie, ob zu Recht oder Unrecht, auf das Proletariat als die zum revolutionären Fortschritt berufene Klasse. Ich meine, dass auf Basis der kritischen Sichtung und schöpferischen Weiterentwicklung der marxistisch-leninistischen Klassenkampflehren ein vertieftes Verständnis für die zukünftigen Klassenkämpfe der ökonomisch Ausgebeuteten und politisch Ohnmächtigen errungen werden muss. Dazu hier einige Überlegungen. KenFM erforscht und publiziert und unterstützt solidarisch (ich denke an seine Hilfe für griechische Opfer des deutschen Imperialismus) ganz gezielt die Mikroprozesse, unter denen sich heute schon, unter realkapitalistischen Bedingungen, die Selbstermächtigung derjenigen Ausgebeuteten und Unterdrücktenr vollzieht, die die Initiative gewagt haben.

VII

Die Frage ist, warum bei allem Ken Jebsen-Streit, bei all der berechtigten, gut gemeinten Aufregung zu seiner Verteidigung, solche bedeutsamen Seiten seiner Arbeit wenig beachtet werden. Ken Jebsens-Feinde verstehe ich. Sie umgehen diese Themen, weil sie wenig Anlass für Skandalisierung bieten. Aber die linken Freunde? Ist ihnen diese Seite nicht spektakulär genug?

Ich meine, dass dieser unbefriedigende Zustand tiefe Gründe hat. Sie liegen in den Defiziten der Linken bei der Reformulierung des radikalen sozialistischen Projekts, dass den Realkapitalismus bei Strafe der völligen Entmenschlichung des Menschen überwinden muss. Was ich hier locker „Reformulierung des radikalen sozialistischen Projekts“ nenne, hat mit dem Ausmalen utopischer Wunschbilder gar nichts zu tun. Es geht um die dialektisch-materialistisch fundierte Antwort auf die Fragen: „Wie wollen wir leben? Wie können wir leben?“

Die Fragen sind gestellt. Doch wir erfahren, dass wir sie nicht beantworten können. Was wir könnten, wäre, sich gemeinsam an Lösungen heran zu tasten. Doch selbst daran hindert uns die Befangenheit in einem Denken, das 30, 60, 90 Jahre alt ist. Auch jüngst unser Gedenken an 100 Jahre Oktoberrevolution, so mussten wir erfahren, hat uns nur wenig Schub für Neues gegeben, viel zu wenig.

Manchen unserer Schranken unterliegt Ken Jebsen nicht. So war es richtig, dieses Zugpferd zu Ehren. Und noch mehr steht an, es in aller Fairness noch besser auszubeuten.

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3 Antworten zu Irritierendes, Erhellendes, Weitergedachtes rund um das Karlspreisdrama 2017 – 3. Teil

  1. Joachim Bode schreibt:

    Wie wäre es denn mit „Neid“ als Teil-Erklärung für die fast(?) allseitige Aggression gegen KenFM?
    Zumal die allermeisten „Kritikpunkte“ mehr oder weniger erfunden sind….

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  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Ken Jebsen möchte keine Gräben vertiefen, im Gegenteil.
    Hören Sie selbst:
    https://kenfm.de/nachdenken-ueber-neujahrsvorsaetze/

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