Das Wunder von Dessau

Ein Fall, der nicht nur Joachim Bode, Gastjurist des opablogs, nicht loslässt:

Als ich von den zahlreichen Hinweisen, nein, Beweisen (als Jurist sind mir die Unterschiede sehr bewusst) las und hörte, die zwingend auf ein Wunder schließen lassen, schaute ich zunächst mal neugierig nach, wo denn dieser Ort mit diesen wundersamen Ereignissen zu suchen und zu finden ist: Zwischen Magdeburg und Leipzig, lehrte mich ein Blick auf Google Maps, und nicht an, sondern eher neben der Elbe gelegen. Eigentlich nichts Besonderes, oder?

Die ein Wunder begründenden Vorfälle sind von Art und Umständen an meiner Ausbildung zum Juristen und erst recht an meiner späteren Juristenpraxis vollständig vorbei gegangen. Man lernt aber, gutwillig, wie man halt ist, selbst nach der Pensionierung weiter hinzu. Da fällt mir plötzlich ein: Hatte nicht die CDU-Regierung in Nordrheinwestfalen noch während meiner Schulzeit „… die schlichte Deutung der Welt“ (wörtlich!) als Bildungsziel im Schulprogramm!? Und im Religions- und Konfirmandenunterricht hörte man dementsprechend ständig von Wundern! Schließt sich hier etwa der Kreis?

Jetzt aber zu den Einzelheiten, von denen ich nur einige wichtige herauspicke.

Da verbrennt ein Mensch, der in einer verschlossenen Polizei-Zelle auf der Matratze einer metallenen Pritsche liegt, mit Händen und Füssen fest an die Pritsche gefesselt. Die Justiz stellt im Rahmen jahrelanger Ermittlungen immer wieder fest: Selbstmord (juristisch korrekt: Selbsttötung), der Mann ist in dem verschlossenen Raum ja ganz allein gewesen. Der Häftling hat sich also nur selber anzünden können. Ein Feuerzeug wird trotz tagelanger Suche nicht gefunden. Ein später doch aufgetauchtes Feuerzeug zeigt Spuren, jedoch keine aus dem betreffenden Raum. Gutachter finden zudem Spuren eines Brandbeschleunigers, ohne den das Entzünden der feuerunempfindlichen Matratze unmöglich gewesen wäre. Und irgendwelche Brand- oder Rauchrückstände in den Atemwegen des Toten werden vergeblich gesucht.

Letztlich mitentscheidend ist auch, dass die 5 oder 6 diensthabenden Polizeibeamten den Schlüssel zu der Zelle während der gesamten in Betracht kommenden Zeit bestens bewacht unter ihrer Kontrolle hatten! Daran konnte niemand vorbei!

Ich überlege: Können die Anforderungen des Vatikans an das Vorliegen eines Wunders noch schärfer sein als hier? Nein, unmöglich!

Hatte die CDU im Nordrheinwestfalen der 50er- und 60er-Jahre also doch recht? Und der Pastor?

Ich gebe mich geschlagen.

*****

Die freie Journalistin Susan Bonath widmet der rückhaltlosen Aufklärung des Falles „Oury Jalloh“ große Aufmerksamkeit. Hier eine Auswahl ihrer Artikel in der Tageszeitung „junge Welt“ sowie in Rubikon. Im folgenden Video von NuoViso.TV vom Dezember 2016 erläutert sie ausführlich den vermutlichen Mord an Oury Jalloh:

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24 Antworten zu Das Wunder von Dessau

  1. anvo1059 schreibt:

    Kranich05 sagt:
    Da Sie das vorstehende Posting über den vermutlichen Mordfall zum Anlass nehmen, Ihre Abneigung gegen „Asylschleicher“ auszudrücken, habe ich Ihre Zeilen dort hingeschickt, wo sie passen, in den Papierkorb mit der Aufschrift: „Nazimüll, Rassistisches und dergleichen“.

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  2. 5jahrehartz4 schreibt:

    Natürlich ein „Wunder“ – oder wieso sonst hat niemand erfahren, dass es bereits ZWEI Tote in diesem Revier gab oder das der Adrenalinspiegel sehr niedrig war (schlafend/bewustlos/tot) und nicht massiv erhöht wie ibei einem Brandopfer?
    Wieso informiert KEIN Bemater/Politiker darüber dass es beriets Tote gab? Wieso wird das wohl jahrelang verschwiegen? Wieso wird das nicht in die Ermittlungen einbezogen? Wireso wird einseitig ermittelt? Wie auch bei NSU Morden, usw.!
    Vor allem, wieso hat das alles KEINE Folgen? In der freien Wirtschaft hätte die Revision ALLE beteiligten/informierten Personen von den Aufgaben entbunden, JEDEN Datenzugriff zuerst gesperrt und ALLE Datenextern gesichert. Danach haben die Personen Erklärungen über ihre Arbeit abzugeben, vollständig und hier auch an EIdes statt – das würde deren Gedächtnis sicher anregen und wenn nicht, spart man sich die übliche „Belohnung Frühpension“.

    Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh „Was ist eigentlich bei der Polizei in Dessau los?“
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oury-jalloh-was-ist-eigentlich-bei-der-polizei-in-dessau-los-a-1182155.html

    Der Fall Oury Jalloh: Justizskandal ohne Ende
    Monitor | 30.11.2017 | 09:03 Min. | Das Erste
    Vor zwei Wochen berichtete MONITOR über eine dramatische Wende im Fall des Asylbewerbers Oury Jalloh, der vor fast 13 Jahren in einer Dessauer Arrestzelle verbrannt ist. Der langjährige Ermittler der Staatsanwaltschaft Dessau geht inzwischen von einem Verdacht eines Tötungsdeliktes oder sogar einem Anfangsverdacht auf Mord aus. Allerdings ist seit Juni die Staatsanwaltschaft Halle für den Fall zuständig….https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-der-fall-oury-jalloh-justizskandal-ohne-ende-100.html

    Natürlich gibt es eine Erklärung, wieso nie richtig untersucht wurde, sogar zwei: die Üblichen – einmal geht es um Beamtenkollegen und zweitens wie immer ‚Überlastung‘, vermutlich u.a. durch:diese Prüfung/Freigabe:

    5. 12.2017, 20:57 Sueddeutsche Zeitung
    Pegida Sächsische Justiz erlaubt den Verkauf von Galgen für Merkel und Gabriel
    …… Die sächsische Justiz hat auch den Verkauf kleiner Nachbildungen der Merkel-Galgen gebilligt, als Polit-Souvenirs. Das heißt, die Galgen dürfen in Serie gehen.
    Das zentrale Argument: Die Galgen seien Kunst, nicht ernst gemeint
    ….. Das Stück zu 15 Euro. Daran sei nichts auszusetzen, schreibt jetzt die Staatsanwaltschaft Chemnitz, der Verkauf dürfe weitergehen. Sie hat ihre Ermittlungen eingestellt. (Az. 250 Js 28707/17)
    ….. Für ein „öffentliches Auffordern zu Straftaten“, Paragraf 111 des Strafgesetzbuchs, sei die Botschaft der Galgen zu vieldeutig. …….. Das sei straflos.
    http://www.sueddeutsche.de/politik/pegida-saechsische-justiz-erlaubt-den-verkauf-von-galgen-fuer-merkel-und-gabriel-1.3779461

    PS dann ist sicher auch das kommentarlose weiterverschenken so eines Galgens straflos……. (wer lehnt sich da aus dem Fenster?)

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  3. Dian schreibt:

    Es war nicht nur, es ist Mord, nicht nur an Oury Jalloh, sondern auch an weiteren hilflosen, allein gelassenen Menschen, und die Mordmotive dürften außerordentlich niedrig, wahrscheinlich niederträchtig anzusiedeln sein. Nicht nur diese Morde wurden durch BRD-Landes- und Staatsbedienstete, meist wohl Beamte begangen, sondern diese in Dessau fanden zudem in staatlichen Dienststellen oder in deren unmittelbarer Nachbarschaft statt. Die Aufklärung und Strafverfolgung dieser Morde wurde durch weiteste Teile der dafür zuständigen Behörden, deren zahlreichen Mitarbeitern unterlaufen, behindert, verhindert oder gar für falsch und gegenstandslos erklärt; die Morde sind bis heute durch die Strafverfolgungsbehörden nicht einmal so bezeichnet worden.
    http://www.wsws.org/de/articles/2017/12/09/jall-d09.html
    Dies – auch ironisch – als Wunder zu bezeichnen ist nach meinem Geschmack eine Verharmlosung und wird weder den Rechten der Opfer noch den menschlichen Bedürfnissen ihrer Hinterbliebenen oder ihren Angehörigen gerecht. Opa und Richter Bode a. D. greifen mutmaßlich auch nur dazu, weil sie es eigentlich gar nicht mehr anders aushalten, was dieses System, diese Ausgeburt des Imperialismus nicht nur in Dessau, Deutschland, Europa und schon in weiteren Erdteilen anrichtet.
    Aber auch damit, mit diesem Zusehen durch – nur – Reden machen wir uns zwar wünschenswert minder aber zumindest mit schuldig. Es ist Zeit, dass wir lernen, unsere Hände und Füße und auch unseren Kopf besser einzusetzen.

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    • Dian schreibt:

      P.S. Ab wann ist es nicht mehr paranoid, selbst vor der Polizei Angst zu haben? Achtung: Angst lähmt, deshalb besser Zorn statt Wut!

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      • Dian schreibt:

        P.S.2 Es kann sein, dass irgendwann einmal nicht nur Polizisten, Staatsanwälte, Richter, Geheimdienstler, aber auch Lehrer, Professoren, Journalisten, Ärzte, selbst Arbeiter und Angestellte, ja sogar Rentner und Pensionäre nicht mehr der Frage ausweichen können, ob sie noch auf der richtigen Seite stehen. Nein, ich irrte, es wird so sein.

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        • Joachim Bode schreibt:

          Zu den angesprochenen Mehrheitsverhältnissen:
          Offensichtlich glaubt die weit überwiegende Mehrheit an Wunder. Immerhin haben sich die sogenannten und die nicht sogenannten (wirklichen) Ermittlungen über fast 13 Jahre erstreckt, mit Beteiligung unzähliger Personen, die zu nicht unerheblichem Teil mit Hochschulabschluß „ausgestattet“ sind.
          Wie schon der Fall Mollath zeigte, ist selbst die Beteiligung zahlreicher Personen keinerlei Garantie dafür, dass Vorgänge ein logisch vertretbares und entsprechend nachvollziehbares Ergebnis zeitigen (Anwendung wissenschaftlicher Gesetze und Regeln….). Hier wirken oft ganz andere Kräfte (Wunder?).
          Übrigens: Läuft es bei Wahlen anders?

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          • Dian schreibt:

            Auch Wahlen als Verschwörung zu klassifizieren erscheint mir irreführend.

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          • Joachim Bode schreibt:

            Von Verschwörung ist hier keine Rede.
            Allerdings: Wie kommt es, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen Kriege ist, was dann die gewählten Regierungen ins Gegenteil verkehren? Und diese Regierungen werden (zur Belohnung?) wieder gewählt!

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            • 5jahrehartz4 schreibt:

              Parteien werden immer wieder gewählt. Dazu haben wir mal diesen Spruch gehört: Lieber das bekannte Schlechte, wie das unbekannt Glück (wir haben daraus „Andere“ gemacht)
              Oder um es pauschaler zu sagen (aus Forum) „Ein VW Diesel kommt mir nicht mehr ins Haus! Doch die habe ja auch noch schöne Benziner.“

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  4. Theresa Bruckmann schreibt:

    Wie hängt das alles zusammen: mehr oder weniger mündige Bürger (privat und in der Arbeitswelt), gewählte Politiker, Beamte (u.a. Lehrer, Hochschullehrer) , Justiz (Anwälte, Richter), Polizei und Militär in ihrer Befehlsstruktur? Was macht die Militarisierung (Propaganda, Aufrüstung) mit den Menschen privat und als ‚Diener“ dieser Regierungs- und Beamtenapparate?
    Oder ist es das Menschenbild, das Verständnis von Humanität? Was kommt da so ins (Ab)-Driften?
    Klar: Wer meint wir lebten im Haifischbecken, der greift hart durch. Oder nach dem bekannt
    gewordenen Zitat, wenn man nur eine Hammer hat, wird jedes Problem zum Nagel.
    Wenn wir aber die Werte hochhalten, die ein friedliches und gedeihliches Zusammen-
    leben ausmachen? Wo kann, wo muss man dann ansetzen?

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  5. Joachim Bode schreibt:

    Nach den bisher von mir überblickten Unterlagen steht der Todeszeitpunkt von Jalloh bis heute nicht zweifelsfrei fest. Offensichtlich fehlen dazu erforderliche Beweismittel, die möglicherweise verschwunden oder vernichtet worden sind.
    Daraus ergeben sich einige denkbare Handlungsabläufe, von denen ich hier einen für den oder die in Betracht kommenden Täter günstigen andeuten möchte (fiktiv!!!):

    Jalloh wird in erheblich drogenbeeinflusstem Zustand in die Zelle gesperrt und stirbt, was in solcher Situation auch ohne unmittelbares Fremdverschulden passieren kann (Sturz, Erbrechen, Organversagen…).
    Die entdeckenden Polizeibeamten fürchten wegen eventuell erkennbaren Verletzungen Schuldzuweisungen vor dem Hintergrund der beiden Todesfälle der letzten Jahre. Sie fixieren den Körper auf der Pritsche (aber warum?) und entzünden mit Brandbeschleuniger, um eine angeblich offensichtliche Selbsttötung vorzutäuschen.
    In einem solchen Fall dürften Mordvorschriften kaum in Anwendung kommen, man könnte eher „Störung der Totenruhe“ (§ 168 StGB: „…beschimpfenden Unfug verübt…“) und/oder „Unterdrückung eines Beweismittels“ (§ 295 StGB) in Betracht zu ziehen, zu ahnden mit höchstens 6 Monaten bzw. einem Jahr Freiheitsstrafe. Sicher käme eine Überprüfung in Frage, ob es zulässig war, Jalloh in seinem Zustand alleine und ohne ausreichende(?) Fürsorge einzusperren. Dann kämen zusätzlich Totschlagsgesichtspunkte zum Tragen (durch Unterlassen…). Höchststrafe: 5 Jahre bis lebenslänglich….

    Soweit ich weiß, sind Ermittlungen zum letztgenannten Gesichtspunkt nicht in Erwägung gezogen worden. Waren bzw. sind sie etwa zu erfolgsversprechend?

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    • Joachim Bode schreibt:

      Noch etwas:
      Alle in Betracht kommenden Straftaten außer Mord und Totschlag wären verjährt….

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      • 5jahrehartz4 schreibt:

        Ein Indiz wäre, dass der Adrenalinspiegel sehr niedrig war und man keinen Rauch in den Atemwegen gefunden hat.

        Verjährung das übliche Vorgehen einer menschenverachtenden Bürokratur zum Schutz ihrer Mitglieder, in dem die absolute Höchstrafe „Frühpension“ lautet – wieder auf Kosten der Bürger/Opfer.

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    • egal schreibt:

      Kein Rauchgas / Ruß / CO in Lunge und Blut … hat ja bislang nichteinmal die Lokalpresse.
      Was ist mit Alkohol, Drogen, synthetische Drogen da er angeblich auch als Dealer unterwegs und betrunken.
      Wie wäre es mit am erbrochenen erstickt? Ist das ausgeschlossen und welche anderen Verletzungen (im Gesicht?) wurden gelegentlich angedeutet.

      PS: Ein zentrales „Aufnahmelager Gießen“ bis zur Bewilligung oder Ablehnung und vieles könnte vermieden werden. Aber da ist die Asyl- & Lohndumping- Industrie dagegen.

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  6. Pingback: Oury Jalloh, Böhnhardt/Mundlos, Daphne Caruana Galizia | opablog

  7. Lutz Lippke schreibt:

    Mich würde interessieren von Herrn Bode zu erfahren, ob im juristischen Umfeld (Studium, Fortbildung) die Wissenschaftlerin Ingeborg Maus mal erwähnt oder ihre Thesen sogar diskutiert wurden. Das Goethe-Institut hält sie für eine der wichtigsten Demokratietheoretiker der Gegenwart. Sie wurde dieses Jahr 80 und es wird noch mal ein Buch veröffentlicht. Man wird aber auch zu älteren Werken mit etwas Detektivgeist bei einem Digitalisierungsprojekt fündig. Sicherlich lässt sich der mögliche Mordfall von Dessau nicht vollständig unter die Thesen zur Fkt. und Theorie von bürgerlicher Demokratie und Rechtsstaat seit 1918, aber die Mittel der Manipulation und ergbnisorientiertrn Steuerung kommen wohl aus dem Kontext, mit dem sich Frau Maus mit viel Schneid und Sinnschärfe befasst (hat).

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    • Joachim Bode schreibt:

      „Kurze“ Antwort:
      Ich möchte wetten, dass der Name Ingeborg Maus mindestens 99% der Juristen in Deutschland völlig unbekannt ist.
      Im Zusammenhang mit Ausbildung und Berufstätigkeit habe ich den Namen nie gehört.
      Das Thema Demokratie erschöpfte sich in ziemlich oberflächlicher Kenntnis von Landesverfassung und Grundgesetz, weshalb dies zumeist in den Anfangssemestern abgehandelt wurde. Viel wichtiger waren Bürgerliches Gesetzbuch und Strafgesetzbuch. Schon das Verwaltungsrecht wurde als nicht so recht ernst zu nehmendes Fach wahrgenommen, weil hier vieles in der Entwicklung war bzw. noch ist, was der verbreiteten Autoritätsgläubigkeit weniger entspricht als die Befassung mit jahrzehntelang festgefügten Rechtsgebieten..

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      • Joachim Bode schreibt:

        Aus meiner Antwort wird auch verständlich, dass die von Ingeborg Maus entwickelten Gedankengänge und Erkenntnisse bei den allermeisten Juristen in Deutschland auf völliges Unverständnis stoßen (würden…), eher noch auf strikte Ablehnung als absurd und/oder verrückt.
        Warum sollten sich unsere Juristen von unseren Politikern unterscheiden, was die Wahrnehmung der Realität anbelangt…?!

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      • Lutz Lippke schreibt:

        Ihre Antwort überrascht mich nicht, ich hatte aber auch mit der Möglichkeit gerechnet, dass man in Juristenkreisen die Erkenntnisse von I.Maus wissentlich ablehnt. Was ist nun schlimmer, ein kollektives Nichtwissen oder eine bewusste Ablehnung?
        Die Frage kann man aber nicht nur zu den Juristen stellen, sondern auch zu den Demokraten (allgemein, aber insbesondere linken D.). Denn I.Maus weist explizit den untrennbaren Zusammenhang zwischem demokratischem und rechtsstaatlichem Prinzip nach. Zumindest Demokratie benötigt echte Rechtsstaatlichkeit. Das bedeutet, wer demokratische Verhältnisse haben will, m u s s rechtsstaatliche Verhältnisse sicherstellen. I. Maus weist z.B. nach, dass im historischen Moment um 1918, in dem die Unterpriviligierten erstmals die parlamentarische Chance hatten, durch den Gesetzesbefehl faktisch auf legalem Weg grundlegende soziale Veränderungen durchzusetzen, die (bürgerlichen) Rechts- und Staatstheoretiker dem Gesetzespositivismus abschwörten und diesen durch eine (bürgerliche) Gründungstheorie ersetzten. Demnach wäre der Gesetzgeber in seinem Handlungsspielraum beschränkt auf die bereits bei Gründung festgestellte ideelle Rahmensetzung und deren Faktizität im Reellen. Das sicherte die exklusiven bürgerlichen Besitz- und Machtstrukturen. Um das auch gegen den aufbegehrenden Souverän und seine Vertreter im Parlament sicherzustellen, wurde die unendliche Auslegung der Gesetze durch die Judikative und Verwaltungshandeln auf der Basis von Verordnungen, behaupteten Sachzwängen und Nützlichkeitserwägungen ideologisch extrem ausgebaut und ineinander verschränkt. Der Gesetzespositivismus (verkürzt: Es gilt das reine Gesetz für Alle – eben keine Gründungsmythologie, Auslegungskunst oder praktische/moralische Bindung an Notwendigkeiten) wurde nach 45 als Ursache für die Rechtmäßigkeit des NS-Unrechts in Haftung genommen und somit als gefährlich gebrandmarkt. Damit war der Souverän um die Möglichkeit gebracht, grundlegende Entscheidungen und Veränderungen der Machtverhältnisse auf legalem Weg zu erreichen. Was ihm bis heute im beschränkten Maß verbleibt, ist die Verteilungsebene, die aber wiederum über die Verpflichtung auf das Nützliche, Faktische im Sinne der bürgerlichen Gründungstheorie eingeschränkt wird. Darüber wacht die Direktionsebene, die gerade zu diesem Zweck der wirksamen Kontrolle durch das Parlament bzw. den Souverän entzogen wurde.

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  8. Joachim Bode schreibt:

    … und schon fast harmlos im Hinblick auf die rund 36 Millionen US-Bürger (Erwachsene, keine Kinder!), die fest an ein „Armageddon“ (Zweites Kommen Jesu im endzeitlichen Kampf gegen den Anti-Christen) innerhalb der nächsten 40 Jahre glauben.

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