Fundstück – 25.10.2017 – „Oh Graus!“ – eine Trotzkistenseite!

Manche Menschen, die sich als freidenkende betrachten, reagieren panisch, wenn die Wörtchen „Trotz…“ oder „trotzkis…“ fallen. Als ich das zum ersten Male beobachtete, habe ich nur ungläubig gestaunt. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich nicht nur Opa, sondern Ost-Opa bin. In der Sozialisation von unsereins war Trotzki soweit entfernt! Mehr noch: Ihn gab’s einfach nicht, kein Krümelchen. Ja, einen – 1 – Kumpel kenne ich, für den lief das anders ab. Dessen Tante hatte aber auch, so tuschelten wir uns zu, irgendwann im Apparat der Komintern gearbeitet. Für den ging es bei dem Namen „Trotzki“ um irgendetwas. Na ja, wir waren jung und hatten andere Sorgen und Freuden. (Er, mein Studienkumpel, ist übrigens ein bedeutender marxistischer Historiker geworden.)

Ich habe dann im Laufe der Jahrzehnte (meine Blogleser wissen das längst) meinen Pfad zu Lenin gefunden; ist ja auch etwas, wie ich zu meiner kleinen Ehrenrettung bemerken möchte.

Auf Trotzki bzw. einen Trotzkisten stieß ich wirklich erst kürzlich und zwar so: In einem Ketzerbrief machte Peter Priskil eine launige Bemerkung im Zusammenhang mit Lenins letzten Arbeiten. Der Name Rogowin fiel und der Hinweis auf sein Werk „Alternative“. Ich studierte diese sechs Bände, und die füllten tatsächlich zu einem guten Teil eine große, seit langem schmerzlich gespürte Lücke, in meiner marxistisch-leninistischen, speziell sowjetgeschichtlichen Bildung.

Ab dieser Stunde (und zum ersten Mal in meinem Leben) fragte mich ein Freund (den ich neu kennengelernt hatte): „Bist Du ein Trotzkist?“. Ich musste lachen. Doch bald musste ich feststellen, dass „Trotzkismus“ für viele Linke, westlich sozialisierte, tatsächlich Enormes bedeutet, Unglaubliches bedeutet. Aber was eigentlich?

Das wissen wir doch, dass Marx wert darauf legte, kein „Marxist“ zu sein. Und Lenin war gewiss kein „Leninist“. Was also soll die Trotzkistenkeule?

***

Selten, dass ich in der Rubrik „Fundstück“ so viel schreibe. Eigentlich wollte ich nur mal auf die Webseite „WSWS.org“ hinweisen. Ich schaue da selten genug hin, möchte aber anzeigen, dass man in diesen Wochen ein sehr anschauliches und informatives „Tagebuch der Russischen Revolution“ zu lesen kriegt.

Nicht erschrecken, ihr Freien Denker! Auch wenn vielleicht der alte Gossweiler im Grabe rumort.

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