Der Zusammenhang von Konjunktur und Fluchtursachen…

… interessiert Joachim Bode.

Dass die Konjunktur brummt, sollen vorzugsweise die geschönten – besser: gefälschten – Zahlen über Arbeitslosigkeit in Deutschland untermauern, während die seit Jahren tatsächlich ständig gestiegenen Unternehmensgewinne in der veröffentlichten Meinung eher in den Hintergrund treten.

Oft wird dem Staat vorgeworfen, kein ausreichendes Investitionsprogramm aufgelegt zu haben, um die immer notleidendere Infrastruktur zu stärken. Das stimmt teilweise, soweit es die Zielrichtung Infrastruktur betrifft. Das ist überall leicht festzustellen.

Allerdings investiert unser Staat an anderer Stelle, wovon die Konjunktur – sprich: Unternehmensgewinne – enorm profitiert. Seit dem Fall der Mauer sind in Auslandseinsätze der Bundeswehr weit über 17 Milliarden Euro geflossen. Als Folgekosten beziffert das Finanzministerium eine Summe von mindestens 35 Milliarden, die dem Bund für Flüchtlinge und Asylbewerber allein für die Jahre 2015 und 2016 entstanden sind. Bei näherem Hinschauen könnte es sich wahrscheinlich herausstellen, dass sowohl die 17 als auch die 35 Milliarden nur ungefähr die Hälfte der tatsächlich entstandenen Kosten darstellen. Die zuständigen Ministerien werden wissen, warum sie sich darauf berufen, dass nicht alle Zahlen ohne weiteres verfügbar seien. Die Unternehmensseite weiß jedoch – man sagt es dort sogar ausdrücklich -, wie sich die genannten Investitionen auswirken, nämlich wie ein gigantisches Konjunkturprogramm. Unter den herrschenden Verhältnissen in Deutschland ist garantiert, dass dabei die Umverteilung von unten nach oben befördert wird.

Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass in Deutschland weit mehr über Flüchtlinge, Asyl, Obergrenze, Willkommenskultur oder Sperrzäune, über Domplatte und Burka gestritten wird, als über Fluchtursachen. Nach der Erwähnung des letztgenannten Wortes erstirbt bei jeder Gelegenheit im Politik-, Mainstreammedien- und Talkshow-Theater die Diskussion, so dass letztlich offen bleibt, was die Fluchtursachen eigentlich sind.

Dabei erklären die oben genannten Zahlen schon recht anschaulich, worum es geht. So lange diese Zusammenhänge nicht klar werden, werden wir weiter beschäftigt mit den Folgen, nicht mit den Ursachen. Beenden lassen sich Probleme aber nur dann, wenn die Ursachen beseitigt werden. Dann entfallen auch die Folgen. Daran sind aber die Eliten so lange nicht interessiert, wie sich ihre Untertanen über weniger entscheidende Dinge in den Haaren liegen.

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3 Antworten zu Der Zusammenhang von Konjunktur und Fluchtursachen…

  1. Dian schreibt:

    Dass die nur 17 Mill. für Auslandseinsätze runtergerchnet sind, klingt glaubhaft. Dass aber auch die Ausgaben für Flüchtlinge „geschönt“ sein sollen, wage ich anzuzweifeln. Mir fehlt dafür die politische Motivation.
    Interessant scheint mit in diesem Zusammenhang der Artikel „Pflugschare zu Schwertern“, jW: https://www.jungewelt.de/artikel/315475.pflugschare-zu-schwertern

    • Joachim Bode schreibt:

      Der Grund für eine „Schönung“ der öffentlichen Ausgaben für Flüchtlings- und Asylfragen liegt doch auf der Hand: Je teurer die „Willkommenskultur“ (in welcher Form auch immer…) wird, desto deutlicher der Widerstand in der Bevölkerung.

      Danke für den Link, der zeigt, dass die Eliten versuchen, die ständig gesteigerten Rüstungskosten zu verschleiern, hier: durch Auslagerung auf harmlos klingende EU-Haushaltsposten.

      Die Nachdenkseiten weisen darauf hin, dass inzwischen Anstrengungen unternommen werden, die Auslandseinsätze der Bundeswehr als das Gegenteil von dem darzustellen, was sie tatsächlich sind. Angeblich soll Hauptzweck die Vermeidung von Fluchtursachen sein. Ein Hinweis darauf, wie die Eliten die vorherrschende Meinung im Volk einschätzen, die es natürlich zu ändern gilt.

      • Dian schreibt:

        Nein Herr Bode, Sie schreiben, „dass sowohl die 17 als auch die 35 Milliarden nur ungefähr die Hälfte der tatsächlich entstandenen Kosten darstellen.“ Soll wohl heißen, dass auch die angegebenen Ausgaben beim zweiten Posten runter(!)gerechnet wurden, wofür es nach meiner Überzeugung kein politisches Motiv gibt! Eher werden hier, wie in meinem Link nachlesbar, weitere fragwürdige „Ausgaben“ subsummiert, damit der gewünschte Aha-Effekt eintritt, den Sie zu recht kritisieren.

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