„Mensch weg, Problem weg“

Vor 80 Jahren – 20 Jahre nach der Oktoberrevolution – begannen in der Sowjetunion mit dem NKWD-Befehl Nr. 00447 Massenaktionen gegen die eigene Bevölkerung; die große „Tschistka“, die Säuberung begann. (Artikel in der Rubrik „Geschichte“ von Reinhard Lauterbach, „junge Welt“ vom 29.7.2017.)

Ein sowjetisches Plakat um 1930 während des Hauptzeit der Kollektivierung:

Die Formsprache von Majakowskis  „ROSTA-Fenstern“ wird noch benutzt:

Majakowski aber, „der begabteste Dichter unseres sowjetischen Zeitalters“ (Stalin), war bereits 1930 aus dem Leben geschieden.

* * * 

Der Deutsche Freidenkerverband veranstaltet im September 2017 in Berlin eine wissenschaftliche Konferenz aus Anlass des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution.

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3 Antworten zu „Mensch weg, Problem weg“

  1. So sehr in dem angesprochenen Artikel die in der Linken stets ausgeblendete Auseinandersetzung zwischen Marx und Engels in der Frage des „russischen Dorfes“, der „asiatischen Produktion“ im Hintergrund schwelt, bzw. die nach Engels auf dem Weg zum Sozialismus unbedingt notwendige Kapitalisierung,und ihr Manchester-Fegefeuer, wird hier durch die Lauterbachsche ahistorische Behandlung (nicht nur des betroffenen Geschtsabschnitts) der UdSSR der Propagandakrieg der Imperialisten und Faschisten gegen sozialistisch-kommunistische Bewegungen und Staaten (bei allen ihren zugestandenen und zu diskutierenden Fehlern) wohlfeil verlängert. Die „Totalitarismus“ -Tüncher werden so munitioniert und mit „linken“ Hilfstruppen“ die Schlachten gegen die KP Kubas und der VR-China geführt. Die Gleichsetzung von Stalin, Hitler, Mao-Tse-Tung, Pol Pot, Mussolini, Slobodan Milosovic folgt auf dieser Agenda als nächster Schritt. Während das im Main-Mainstream bereits arte-fiziell besorgt wird und die CIA weißgewaschen bei phönix aus der Aschesteigen darf, so wie gestern Abend wieder, wird durch solche Beiträge in der jungen Welt die offene Debatte über linke Perspektiven und die dabei/dafür notwendige Auseinandersetzung über die bisherigen und aktuellen Fehler auf der Grundlage „ergebnissoffenen“ Quellenstudiums im Vorhinein tabuisiert..Dass in diesem Kreuz-Zuge die schon unter Chruschtschow begonnene „Entstalinisierungs-Säuberung“ der Archive weitgehend unerwähnt und unberücksichtigt bleibt sei hier nur noch am Rande angemerkt. Glücklicher Weise haben sich italienische Wissenschaftler gerade mit diesem Thema ausführlich beschäftigt und ihre Publikationen sind zum Teil auch auf Deutsch erschienen. Wie unhistorisch, unwissenschftlich die junge Welt mit solchen Fragen umgeht zeigt die Benennung ihres Teils, wo es um Speis und Trank geht: „PolPot“. Da fällt mir nix mehr zu ein.

    • kranich05 schreibt:

      Lieber Hartmut,
      ich räume ein, dass Lauterbach kein profilierter marxistischer Historiker ist und sein Artikel keine geschichtswissenschaftliche Studie. Wer das sucht, sollt sich mit den sechs Bänden Rogowins auseinandersetzen. Trotzdem kann ich nicht erkennen, dass Lauterbach sein Thema ahistorisch abhandelt, im Gegenteil. Der Jeshowsche Startschuss wird durchaus (in der gebotenen Knappheit) in den Zusammenhang der vorauslaufenden, (damals) gegenwärtigen und nachlaufenden Geschichte gestellt. Auf Marx und Engels zurückgehende Erörterungen der „asiatischen Prosduktionsweise“ habe ich an dieser Stelle nicht vermisst.
      Recht aufschlussreich finde ich den Politbüro-Beschluss, der Jeshows Befehl zu Grunde liegt und den VOLLEN Wortlaut des Befehls selbst. All das ist sauber verlinkt und nach aufmerksamer Lektüre ziehe ich für mein Teil mich nicht darauf zurück, „Fehler einzugestehen“, ansonsten aber eine Verlängerung des Propagandakriegs der Imperialisten und Faschisten anzuprangern.
      So billig kommen wir nicht davon. Und der Verweis auf Jemanden, der Jemanden kennt, der der Meinung ist, dass die Imperialisten und ihre Handlanger die Archive gesäubert haben, der löst bei mir gewisse Zweifel aus.
      Dein Rundumschlag reicht tatsächlich vom Orient bis zum Okzident…
      Wer die Verbrechen des Stalinismus bestreitet, kann keine sozialistische Perspektive gewinnen.
      Gruß
      vom
      Opa

  2. Lieber Opa, die sechs Bände Rogowins habe ich mir auf die Schnelle nicht reinziehen können. Ein Wenig habe ich bei Lesurdo und Martens gelesen. Aber auch beim frühen Gerd Könen, als der noch nicht zum vorübergehenden FAZ-Liebling erkoren wurde. Die Säuberung der Archive in Moskau hat nicht erst unter Jelzin begonnen und das weiß ich nicht nur von jemandem der jemanden kennt der von jemandem gehört haben will, dass … Und die Säuberungen beschränkten sich nicht nur auf das Wegsperren von Quellen , es wurde auch eifrig umgeschrieben.. Solche VorFotoShop-Fälschungen ließen sich forensich relativ leicht nachweisen. Ich hoffe, unser Dissens in dieser Frgage schadet nicht den urs-Ausstellungsideen

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