Wer schrieb „Der Liberalismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“?

Niemand?

Welch ein Mangel!

Da hat man sich seit einem Jahrhundert mit offenbar (Vorsicht Ironie!) leeren Worthülsen, wie „Imperialismus“ herumgeschlagen, während es in Wahrheit um viel Größeres hätte gehen müssen: Um Offen-, Offen-,  Offenheit zum Beispiel, um die familiale Karriere von Schwulenpaaren, um Frauenquoten in DAX-Vorständen, um den Sieg der pinken Strickmütze!

Jetzt endlich hat uns Fülberth in der „UZ“ über den Liberalismus aufgeklärt. Gut, diese Differenzierungen zu kennen: „ursprünglicher Liberalismus“, „Manchesterliberalismus“, „Nationalliberalismus“, „Linksliberalismus“, „Sozialliberalismus“, „Liberalkonservativismus“, endlich „Neoliberalismus“.

Endlich! Mit dem Neoliberalismus hat sich die Welt doch sehr vereinfacht, besonders für die grundstürzenden Linken: Den Imperialismus haben sie seit Jahrzehnten vergessen. Noch länger ist ihnen Lenin ein toter Hund. Der Neoliberalismus gilt als allmächtig – hässliche Fratze aber TINA und mit überzeugendem Menschenrechtsgetue. Und die Linken kämpfen wie besessen für die Verbesserung dieses Neolib. Wer einst Kapitalistenfresser war, parliert jetzt über Transformation, oder – letzter Schrei im Lutherjahr! – schreibt Thesen zur Reformation.

Wer Imperialismus nicht kennt, sollte über Faschismus schweigen. Sonst setzt er bald die erstbeste nationalistische Dumpfbacke mit einem Faschisten gleich und zelebriert gemeinsam mit zivilgesellschaftlich zertifizierter Blutgesellen, wie Clinton, Steinmeier, Merkel, Gedenkfeiern für Opfer des Faschismus.

In der sich heute „Neoliberalismus“ nennenden Entwicklungsstufe des Imperialismus kämpfen zwei (nicht eindeutig abgrenzbare) Kapitalfraktionen um die Macht – die als „globalistisch“ bezeichnete, deren Hauptkräfte stärker im spekulativen Kapital verankert sind und eine andere, ihren Nationalismus in den Vordergrund rückende, die stärker im imperialistischen Industriekapital wurzelt.

Die erstgenannte Fraktion hat bisher geherrscht und die Welt nicht nur an den Rand eines sehr großen Krieges gebracht, sondern auch zugleich die Gefahr des eigenen Machtverlustes bis hin zum Untergang des eigenen Systems hervor gerufen.

Die zweite Fraktion ist zu einer taktischen Umorientierung bereit, um die Gefahr des eigenen Untergangs zu beseitigen und Kräfte für große Zukunftsaufgaben neu zu sammeln.

Linkssein heisst gegen beide Fraktionen aufzustehen. Es bedeutet darüber hinaus, KEINESFALLS die herrschende Fraktion in irgend einer Weise zu unterstützen. Es kann bedeuten, mit der jeweils NICHT herrschenden Fraktion begrenzte Zweckbündnisse einzugehen.

In Frankreich heute ist die schlechteste Wahl Macron. Le Pen darf als die zweitschlechteste Wahl gelten.

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4 Antworten zu Wer schrieb „Der Liberalismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“?

  1. willi uebelherr schreibt:

    Lieber Klaus-Peter,

    dein bestreben ist richtig, aber der ansatz ist falsch.

    Imperialismus: Eine alte geschichte. Ausdehnung des kontrollbereichs. Die Eliten aus dem roemischen Imperium haben es konsequent angewandt. Cicero war ihr theoretiker. Dazu wird der staat gebraucht, das gewaltsystem.

    Die Inkas haben wohl davon erfahren. Vielleicht haben sie sich auch vor ort schlau gemacht. Jedenfals haben sie die gleichen methoden, ausgehend von Cuscu in Peru, angewandt. Allerdings mit einem bedeutenden fortschritt. Sie haben sich sich selbst zu den gotteskindern ernannt. Sie brauchten also keine kirche.

    Neo Liberalismus: Das geht auf die oesterreichische schule der Oekonomie zurueck. Friedrich Hayek und Ludwig Mises haben dies 1935 (?) vorgeschlagen. Deren vorteil: Der staat wird unwichtig. Sie haben also keine macht-konkurrenten mehr. Die herrschaftsform ist extrem subtil und indirekt.

    Mit der FED wurde es moeglich. So wie David Rockefeller es auf den punkt brachte: Wenn wir das Geld kontrollieren, ist es uns egal, wer Praesident ist. Auch der staat tanzt nach ihrer pfeife. Mit allen parteien, gewerkschaften, schulen und universitaeten oder besser den darin wirkenden personen.

    „Linkssein heisst gegen beide Fraktionen aufzustehen.“
    „Es kann bedeuten, mit der jeweils NICHT herrschenden Fraktion begrenzte
    Zweckbündnisse einzugehen.“

    Also, was das mit „Linkssein“ zu tun haben soll, das sollte mir mal jemand erklaeren.

    „Linkssein“ hat primaer etwas mit perspektiven zu tun. Dazu wird dann der verstand benoetigt. Wir muessen verstehen, was unsere menschlichen existenzgrundlagen sind. Die gegner, die abwehr, stehen erstmal hinten an. Es geht also primaer um Alternativen.

    Eine vorraussetzung ist, dass wir uns von dem alten muell befreien. Erstmal gedanklich. Ohne diesem schritt passiert naemlich gar nichts. Da wird dann nur der alte brei aufgewaermt. Beispiele gibt es genug.

    mit lieben gruessen, willi
    Asuncion, Paraguay

    • kranich05 schreibt:

      Sehr geehrter Herr Uebelherr,
      schön, dass Sie mir richtiges Bemühen attestieren, auch wenn Sie im zweiten Halbsatz mitteilen, dass der Ansatz Käse ist.
      Aber gut, Durchblicker sollten deutlich sein.
      Was Ihre hingeworfenen Brocken über Nebukadnezar, die Königin von Saba und 1984 (?) (oder waren es andere Brocken?) mit meinem Imperialismusbegriff zu tun haben sollen, erschließt sich mir nicht. Und mein „richtiges bestreben“ darüber zu rätseln ist gering.
      Falls ich die betreffende Passage richtig deute, wollen Sie Einiges an Verstand aufbieten, um die „gegner“ erstmal hintanzusetzen. Dazu gibt es launige Bemerkungen u. a. von Heinrich Heine; die ich Ihnen aber erspare, damit Sie sich bei Ihrem Rühren im „alten brei“ nicht gestört fühlen.
      Glück auf!
      Klaus-Peter Kurch
      aus der brandenburgischen Provinz

  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Prof. Mausfeld hier:
    https://deutsch.rt.com/meinung/50175-meinungskontrolle-reine-demokratie-ist-illusion/
    unter der Überschrift: ‚ „Der Kapitalismus hat die Demokratie nie geschätzt“ – und keiner tut was!‘
    u.a. „…Der Neoliberalismus als Extremform des Kapitalismus sei nach dem Kolonialismus
    das größte Umverteilungsprojekt der Geschichte, von unten nach oben, von Süd nach Nord,
    vom öffentichen in den privaten Raum …“

    Im folgenden Video-Vortrag
    https://kenfm.de/rainer-mausfeld-die-angst-der-machtelite/

    an der Stelle

    01:28:01 Aufklärung vs Gegenaufklärung: Humanitärer Universalismus und die Gemeinsamkeiten zwischen Neoliberalismus und Faschismu

    – so meine ich, geht er auf diese Fragen ein.

  3. friedenstreiter13 schreibt:

    Meyssan beschreibt hier:
    http://www.voltairenet.org/article196294.html

    unter der Überschrift „Faschismus im Anmarsch“,

    Tendenzen, die er sieht und die hoffentlich ‚zu schwarz gesehen‘ sind.

    In dem Beitrag:
    http://www.voltairenet.org/spip.php?page=recherche&lang=de&recherche=Saint+Simon+Netzwerk&x=0&y=0

    beschreibt er Hintergründe und Förderer Macrons.

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