Kein Leben

Die Freidenker haben sich (seit ihrem letzten Verbandstag im Juni 2016) ein großes Thema gewählt in Form der Frage: „Wie wollen wir leben?“. Schon allein die Frage zu stellen, finde ich verdienstvoll. Mehr aber zählen die Antworten, und da scheint es noch viel „Luft nach oben“ zu geben. Die Brandenburgischen Freidenker haben im Februar 2017 und die Berliner jetzt im April Gesprächsabende mit diesem Thema veranstaltet. Es wäre schön, würde von diesen Diskussionen etwas nach außen dringen.

Ich werde sicher bald ein kleines Posting darüber machen, wie ich leben will.

Jetzt aber möchte ich nur drei kleine Beispiele für NICHTLEBEN schildern, die mir gestern und heute begegnet sind:

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Man traf sich in einer „Occupy-Gruppe“ und ein junger Gast sprach: „Das Wort „Revolution“ ist ein Wort aus dem Munde alter Leute in der Erwartung, dass wir jungen Leute unsere Knochen hinhalten.“

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Mein Berliner Info-Radio brachte gestern um die Mittagszeit eine kleine Reportage über Berliner Sexclubs. Ich habe mitgekriegt, dass es da etwas Neues gibt (dessen englischen Namen ich aber nicht behalten habe), das wohl darin besteht, dass dort Otto und Lieschen Normalo – also die ohne Adoniskörper – sich dort wohlfühlen können. Es sei alles ganz frei, schwärmte eine Interviewte, die gerne mit Hundehalsband dort auftritt (also jemand sucht, der sie als Hündchen benutzt). Mal ergibt sich ein Fick, mal nicht – eben ganz frei. Manchmal blasen sich Paare einen auf der Tanzfläche, manchmal nicht – eben ganz frei.

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Bei Telepolis schwurbelt Marcus Klöckner einen nicht weniger als vierteiligen Artikel über „Racing in the Street“. Auch über das alte gleichnamige Lied von Springsteen mährt er sich aus, vor allem aber wird jede Menge Küchenanthropologie und -psychologie ausgebreitet. Leider nur Gemeinplätze und Aufgeputztes zu diesem so augenfälligen und traurigen Phänomen des tödlichen Individualismus, wie er zum späten Imperialismus gehört.

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Ach ja, fast hätte ich es vergessen, das vierte Beispiel für KEINLEBEN:

Trump fraß Kuchen als er den Raketenangriff anordnete. Das scheint eine Information zu sein. Wir erwarten selbstverständlich Information von den Medien. Merken wir, dass das keine Information ist? Das ist – wie so Vieles – eine Form UNSERER Abrichtung zum NICHTLEBEN.


Aber auch das ist mir gestern begegnet, und das gehört nun wahrlich nicht zum NICHTLEBEN:

„Da ist mir Dein Moskovitz-Brief/Appell gerade recht. Es ist auch nicht einfach in dem Dschungel der kriegsbesdingten und -steuernden Lügen die Wahrheit zu sehen, vor allem nicht für unsere junge Generation, der es an Erfahrungen fehlt und die, wie meine jüngere Tochter formulierte, ein grundsätzliches Vertrauen in irgendetwas haben möchte, dass sie nicht permanent anzweifeln muss.

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Eine Antwort zu Kein Leben

  1. Theresa Bruckmann schreibt:

    Was die Individualisierung betrifft, frage ich mich, ob nicht so
    etwas ähnliches geschieht, wie in den 1980er Jahren mit
    dem Protest gegen den Vietnam-Krieg.
    Eine gewaltige Bewegung zur Rettung des Globus vor der
    Umweltzerstörung sollte die Jugendproteste umlenken weg
    von Anti-Kriegs-Protest hin zum Pro-Umwelt-Kampf.
    (d.h. jetzt aber nicht, dass es die Umweltzerstörung nicht
    gibt, sondern nur, dass das Thema gekapert und instrumentalisiert
    wurde.
    Bis zur Lektüre des nachfolgenden Textes hatte ich auch nicht
    verstanden, wieso der ‚Geist von Davos‘ und lokale Ökologie-Projekte
    Gegensätze sein sollen.
    http://www.voltairenet.org/article189208.html
    und mit Prof. Wallersteins Aussagen
    http://www.kontext-tv.de/de/sendungen/immanuel-wallerstein-die-globale-systemkrise-und-der-kampf-um-eine-postkapitalistische
    ab dem Thema in der Minute 14:22
    und exact in Minute 20:05 die Erklärung, was den ‚Geist von Davos‘ vom ‚Geist von Porto
    Alegre‘ unterscheidet.
    Und hier zum letzten Thema: Syrien
    http://www.voltairenet.org/article195980.html

    die entscheidende Passage daraus:
    Die Unumkehrbarkeit dieser Wende wird durch die Lektüre des von der NATO im Sicherheitsrat eingebrachten Entschließungsantrags, gegen den Russland sein Veto eingelegt hat, nachvollziehbar [5]. Im Westen als eine einfache Anfrage für eine neutrale Untersuchung des chemischen Vorfalls in Khan Schaykhun dargestellt, handelte es sich aber tatsächlich um die Unterstellung der syrischen Luftwaffe unter die Kontrolle von Nummer 2 der Vereinten Nationen, Jeffrey Feltman. Dieser ehemalige Assistent von Hillary Clinton, ist der Autor eines Plans zur totalen und bedingungslosen Kapitulation von Syrien [6].
    Der Text dieser Entschließung übernimmt jenen des am 6. April eingereichten Entwurfs, den die Vereinigten Staaten aber nicht zur Abstimmung eingereicht haben, so unsicher waren sie damals. Er berücksichtigt nicht den Vermittlungsversuch der gewählten Mitglieder des Sicherheitsrats, die versucht haben, wieder zu einer normalen Anwendung von UN-Untersuchungen zurückzukommen [7]..
    Das Prinzip der Platzierung der syrischen Luftwaffe unter die Kontrolle der Vereinten Nationen nimmt die Taktik wieder auf, die vor 19 Jahren, im Jahr 1998 gegen Serbien umgesetzt wurde, bis zum rechtswidrigen militärischen Eingriff der NATO.

    Und heute hörte ich mir noch einmal Eva Bartleff an:DA

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