Dein Faschismus? Mein Faschismus? Unser Antifaschismus – mit Update 16.2.2017

Faschismus fasziniert.

Großes Interesse besteht für Dokumentationen, Erlebnisberichte, Erinnerungsorte, psychoanalytische Interpretationen, künstlerische Events, Offenbarungen von Forschern oder Journalisten, biografische Details, genealogische Feinheiten, selbst Kochrezepte. – F. ergründen

Das Interesse befriedigen hunderte Dokumentationen, hunderte Erlebnisberichte, hunderte Erinnerungsorte, hunderte psychoanalytische Interpretationen und künstlerische Events, ungezählte Offenbarungen von Forschern und Journalisten, Details noch und noch; nicht hunderte, tausende oder zehntausende. 100 x 100 x 100 usf – das sind viele Millionen Informationssplitter und -sequenzen. An Stelle von Erkenntnis. – Welche Spur führt zu F.?

Im sozialen Bereich geht’s quirlig zu: Glatzen führen sich auf, Antifas schlagen zu, Rauschebart kramt vergilbte Papiere hervor. Gespaltene Zungen zischeln. Augen zu und durch. In gediegenem Ambiente finden angemessene Präsidenten gediegene Worte. Zeuginnen oder Zeugen sterben. In ebenfalls gediegenem Ambiente erfinden rot gekleidete Richter den rechtsstaatlichen Braun-Schutz. Den Gelöbnissen folgen Warnungen folgen Gelöbnisse folgen War… . Nach einem Dreivierteljahrhundert wird ein 94-jähriger Landsknecht vor Gericht gestellt. Junge Leute springen von Gedenkstein zu Gedenkstein. Wohlmeinende Menschen erklären all das mache sie froh. – F. von vielen Bäumen verstellt.

Die Große Bühne steht frei aber unfertig zwischen dem Tor und der Säule. Aufbau der Kulissen, Umbau der Kulissen, Abbau der Kulissen. Neubau der Kulissen. Am Ehrenmal daneben zwei T34 gut sichtbar vergessen. Die Regie berät kontinuierlich, jahrzehntelang. Ihre Ideen sind betagt, gehen ihr aber nicht aus. Wir werden größer. Der Berliner blickt kaum hin. Touristen schlendern vorbei. Doch mindestens einmal im Jahr probt eine Million den Jubel. – Echter Jubel, ganz ehrlich, nur mit F.

Es ist nur ein Tag vergangen, doch heute wird mir das Folgende bekannt und ohne die Münchner „Sicherheitskonferenz“ abzuwarten, muss ich an dieser Stelle ein Update einfügen:

Der Tag ist gekommen, da die Regie umsteuert: Deutschland wird offen als Kriegs-Großmacht konzipiert und zwar, ohne jede Verhüllung, gegen Russland. Eine „Expertin“ mit den Initialen SS kleidet das in diese Worte: „Spätestens seit der Annexion der Krim ist klar, dass wir versuchen müssen, Russland abzuschrecken. Das bedeutet aber nicht nur, aufzurüsten: Wir müssen in der Lage sein, einen entsprechenden Krieg führen zu können.“ (Quelle). Deutschland wird zum dritten Mal auf seinen Schreckensweg geführt. Den Rest meines Lebens werde ich dagegen anschreiben. Doch ich fürchte, dass es vergebens ist.

Unter dem Berg suggestiven Un- und Halbwissens zum Faschismus fast erstickt, werden die verwirrten Bürgerinnen und Bürger nicht nur regelmäßig mit Bekundungen eines rituellen Systemantifaschismus konfrontiert. Neuerdings werden sie verstärkt aufgefordert, aktiv Partei zu nehmen gegen missliebige politische Strömungen, die als irgendwie „rechts“, „national“, „antieuropäisch“ oder „isolationistisch“ erscheinen und denen „irgendwie faschistisch“ am Schuh klebt.

Die Komintern, von der nicht nur Gutes zu sagen ist, hatte ernsthaft gearbeitet und den Faschismus begriffen. Das war 1933 und dann 1936, formuliert von Dimitroff. Es blieb kein Geheimwissen. Doch heute ist es fast ausgelöscht. Beweisen Sie das Gegenteil, liebe Leserin, lieber Leser! Nein, Nachhilfe gebe ich nicht.

Wie jede klassische Definition ist die Faschismusdefinition der Kommunisten einfach, und es ist leicht, mit ihr umzugehen. (Gemurmel: „Schreckliche Vereinfacher“.) Vier ihrer wesentlichen Momente sind: „an der Macht“, „offen, terroristisch“, „am meisten imperialistisch“, „Finanzkapital“.

Ich betrachte das Beispiel 1: Steinmeier.

Es genügt an ein Bild zu erinnern, das in diesen Tagen drei Jahre alt wird.  (hier, ausführlicher hier (Das dort verlinkte kompromittierende Bild hat das AA inzwischen gecancelt)).

an der Macht“? Ja! Steinmeier stellte für die Ukro-Faschisten das Scharnier zur Macht dar. Jetzt waren sie nicht mehr Maidan-Randalierer, sondern Partner auf dem diplomatischen Parkett.

„offen, terroristisch“ Ja! Müssen hierzu Beweise aufgezählt werden? Es sei daran erinnert, dass die Russen nur mit einer abenteuerlichen Aktion dem „Vertragspartner“ Janukowitsch das Schicksal Gaddafis ersparen konnten.

„am meisten imperialistisch“ Ja! Jedes Recht missachtend, selbst die soeben geschlossene zweiseitige, von der EU (Steinmeier) vermittelte, Vereinbarung. Es wurden sofort und gegen jede Volkssouveränität maximal expansive Forderungen erhoben und Praktiken durchgesetzt.

„Finanzkapital“ Ja! Die Haarspalterei erspare ich mir, ob Nuland mit Jats oder Steinmeier mit Klitsch die extremeren „Elemente des Finanzkapitals“ verkörperten. Die Handschrift des Finanzkapitals war allemal überdeutlich.

Das Beispiel 1 – „Steinmeier Februar 2014“ – beweist, dass die bürgerliche (imperialistische) Demokratie BRD zur Durchsetzung ihrer Ziele mit faschistischen Kräften aktiv kooperierte. Darüber hinaus beweist die BRD-Praxis zu Minsk II, dass diese Nutzung faschistischer ukrainischer Kräfte nicht auf den Februar 2014 beschränkt war, sondern kontinuierlich geübte Praxis ist. Insbesondere wird auch das faschistische Prinzip „Vereinbarungen können jederzeit gebrochen werden“ laufend in Anspruch genommen. Die maßgeblich von Steinmeier zu verantwortende demonstrative Integration des Faschistischen in die BRD-Außenpolitik stand seiner Karriere zum Buprä nicht im Wege, sondern war ihr eher förderlich.

Beispiel 2: NSU

Das Beispiel NSU beweist die verdeckte aber langjährige Einbindung faschistischer/terrorristischer Kräfte in das Machtsystem der BRD mit dem vermutlichen Ziel der kontrollierten Destabilisierung der Gesellschaft zum Zweck des weiteren Ausbaus bzw. der Erprobung von Grundlagen ihrer totalitären Steuerung. Der nur randständig wahrgenommene Fall „NSU“ hat zahlreiche Ereignisse im Gefolge, die an Mafiapraxis bzw. den „Aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui“ erinnern. (Wer es an dieser Stelle deutlicher wünscht, mag hier nachlesen.)

Beispiel 3: Saudi Arabien

Saudi Arabien, mit dem die BRD in Persona ihrer Staatsspitzen hochachtungsvoll und in bester Geschäfts- und geostrategischen Partnerschaft verbunden ist, ist ein faschistischer Staat. Es ist allein historischen Zufällen, dem orientalischen Kolorit, der exotischen Religiosität, historischen und geografischen Besonderheiten geschuldet, dass die korrekte Analyse und dann auch Benennung dieses Landes als einer faschistischen Diktatur bisher unterblieben ist. Alle Merkmale der wissenschaftlichen Faschismusdefinition treffen voll und ganz auf Saudi-Arabien zu. Daraus folgt die Einschätzung, dass die BRD mit einem faschistischen Staat in strategischer Partnerschaft verbunden ist.

*

Die drei Beispiele, die mühelos durch weitere Beispiele ergänzt werden können, führen mich zu der Schlussfolgerung, dass der BRD-Demokratie, imperialistisch, wie sie ist und immer war, ein faschistisches Moment konstitutiv ist. (Der Gedanke liegt nahe, dass das bei jedem imperialistischen Staat der Fall ist.) Der in der Friedensbewegung populäre „kämpferische“ Ruf: „Nie wieder Faschismus!“ ist somit zwiespältig. Er wendet sich zwar zu Recht gegen den Faschismus als total herrschendes System, zugleich aber ignoriert er dass grundlegende Eingebundensein des Faschistischen in das reale rechtststaatliche System der BRD. Aus den hier angestellten Überlegungen sollten sich Konsequenzen ergeben, zumindest für prinzipiell systemkritisch Eingestellte.

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