Konflikt mit Campact und anderen – Offener Brief der Berliner FreidenkerInnen

Die korrekte Überschrift des Offenen Briefes lautet: Offener Brief der Berliner FreidenkerInnen an alle, die sich für die Demo „Wir haben es satt“ engagiert haben.

Er steht auf der Webseite der Berliner Freidenker, so dass ich es hier mit einem Link  bewenden lassen könnte. Doch habe ich maßgeblichen Anteil an der Formulierung und Abstimmung des Briefes – und in dieser Zeit musste opablog, wie hier zu spüren war, deutlich zurückstehen – so dass ich jetzt diesen Text auch als genuinen opablog-Beitrag einstelle. Und ich verspreche, dass auch meine Beitragsfolgen „Jenseits von Pest und Cholera“ und „Stalin und Umgebung“ wieder weitergehen.

Liebe FreundInnen,

die Abweisung der FreidenkerInnen von der Berliner Demo „Wir haben es satt“ am 21.1.2017 in Berlin, über die wir knapp berichteten, erfüllt uns mit Sorge und ist Anlass für den folgenden Offenen Brief.

Den Brief richten wir erstens an alle TrägerInnen, FörderInnen, UnterstützerInnen und MedienpartnerInnen der Demo „Wir haben es satt“ und weiter an alle FriedensfreundInnen, DemokratInnen und ökologisch Engagierten.

Wir bitten Euch, den Brief nach Euren Möglichkeiten weiter zu verbreiten.

1. Die Demonstration unter der Hauptforderung “Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“ richtete sich mit vielfältigen konkreten Forderungen und phantasievollen Aktionen gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung und der EU mit ihrer Förderung der Profitmaximierung der Konzerne und ihrer Missachtung der Lebensinteressen von Mensch und Tier.

Für einen Missklang sorgte frühzeitig Christoph Bautz von Campact (der einzige Redner, der sowohl während der Auftakt-, als auch auf der Abschlusskundgebung sprach) als er die TeilnehmerInnen rhetorisch fragte, wie sie die „Ereignisse des Vortages“ (20. Januar, Amtseinführung von Donald Trump) wahrgenommen hätten. Er gab gleich selbst die Antwort, dass das nur als „gruselig“ zu bezeichnen sei und hetzte dann ungeniert gegen den gerade vereidigten US-Präsidenten.

Der nur zögerliche Beifall an dieser Stelle deutete wohl an, dass viele der TeilnehmerInnen nicht in dieser Weise vereinnahmt werden wollten.

2. Zur gewünschten Zusammensetzung der Demonstration hatten die VeranstalterInnen frühzeitig Vorgaben gemacht. Auf Einladungsplakaten war zu lesen: „Unsere Demo ist kein Ort für Nazis, RassistInnen, Anti-EuropäerInnen, Anti-AmerikanerInnen und die Diffamierung von Bäuerinnen und Bauern.“

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Die sogenannten Anti-Deutschen waren offenbar von dem Verdikt ausgenommen.

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Während die Begriffe „Nazi“ (bzw. „Faschist“) und „Rassist“ weitgehend einheitlich verstanden und akzeptiert werden, sind „Anti-Europäer“ und „Anti-Amerikaner“ politische Kampfbegriffe. Auf diese Weise wurden und werden kritische Positionen zur EU-Politik der BRD-Regierung und zur Politik der Obama/Clinton-Fraktion diskreditiert. Die Freidenker lehnen dieses Begriffe ab (zusätzlich auch deshalb, weil mit „Anti-Amerikanismus“ implizit die USA mit ganz Amerika gleichgesetzt werden). Jedoch entzündete sich der Konflikt nicht an dieser Kontroverse.

3. Der Konflikt bestand darin, wie bereits kurz auf unserer Webseite dargestellt, dass die Freidenker der Demo verwiesen wurden (bzw. nur mit versteckter Fahne teilnehmen durften), weil sie, so wörtlich: Mit KENFM gesprochen und damit Verschwörungstheorien unterstützt haben“. Die Ordner verwiesen dabei mehrfach auf „Grundsätze der Demo“, die sie ohne jede Diskussion durchsetzen würden.

Wir konnten diese Grundsätze nicht veröffentlicht finden und müssen bis zum Beweis des Gegenteils annehmen, dass es sich hierbei um interne Absprachen handelt.

Wir haben später bei der Kampagneleitung „Meine Landwirtschaft“ telefonisch nachgefragt, ob an die Ordner entsprechende Anweisungen betreffs Verschwörungstheorien gegeben wurden, was die Auskunftsperson bejahte. Nicht explizit bestätigt werden konnte der konkrete Vorfall mit den Freidenkern (da natürlich niemand von der Kampagneleitung in diesem Moment zugegen war). Auf unsere Bitte, einen Kontakt mit dem Leiter/der Leiterin der Ordnergruppe zur Klärung der offenen Fragen herzustellen, wurde mit dem Abbruch des Telefongesprächs reagiert.

Um sicher zu gehen, stellten wir noch einmal per E-Mail das Problem darWir haben diese Grundsätze nicht finden können und fragen uns daher, ob wir Opfer übereifriger, inkompetenter, anmaßender usw Ordner wurden, von deren Vorgehen sich die Demoleitung distanziert und sich den Freidenkern gegenüber entschuldigt oder ob die Handlungsweise der Ordner den Vorgaben der Demoleitung entsprach.“ Eine Antwort blieb aus.

4. Wir meinen, dass die geschilderte Verfahrensweise eine rigide Zensur und zugleich Anmaßung darstellt. Uns beunruhigt, dass namentlich die Organisation Campact, die offenbar eine bedeutende Rolle im Kreis der VeranstalterInnen spielt, wiederholt (z. B. Demo gegen TTIP) in derartiger Weise agiert.

Betroffene, in diesem Fall wir Freidenker, werden der Maßregelung unterworfen

– NICHT auf Grund eigener Aussagen, schriftlich oder mündlich vertretener Positionen, sondern ALLEIN nach dem in keiner Weise akzeptablen Kontaktschuld-Prinzip.

– Einspruch, inhaltliche Auseinandersetzung gegen das Diktat der VeranstalterInnen ist nicht möglich.

Dass die Berliner und Brandenburger Freidenker gemeinsam erst am 23.10. 2016 in Berlin eine Podiumsdiskussion zum Thema: Der neue Vorstoß der Gentechnikkonzerne – Krieg gegen die Nahrungssouveränität und die Ökologie“ durchgeführt hatten, konnte uns „Delinquenten“ nicht „entlasten“.

Ebenso wenig interessiert anscheinend, dass wir uns für Tierrechte einsetzen, z. B. mit einer öffentlichen Veranstaltung am 9.2.2017 in Berlin (zu der ALLE herzlich eingeladen sind).

– Unser demokratisches Recht zur freien Demonstrationsteilnahme im vorgegebenen thematischen und organisatorischen Rahmen wurde ausgehebelt. Faktisch haben die VeranstalterInnen ihre rechtsstaatlich genehmigte und garantierte Demonstration in eine privatisierte Veranstaltung mit privater Gesinnungspolizei verwandelt.

– Damit übten die VeranstalterInnen sowohl Zensur als auch Maßregelung gegen demokratische Kräfte in einem Umfang aus, wie es Demokratiefeinde hierzulande in ihren kühnsten Träumen derzeit nicht wagen.

Am Rande ist festzuhalten, dass es uns zwar ehrt, unter den Vielen, die als „VerschwörungstheoretikerInnen“ bezeichnet werden, herausgegriffen worden zu sein, andererseits ist es jedoch beunruhigend, mit welcher Härte und Professionalität (um nicht zu sagen Skrupellosigkeit) vorgegangen wird.

5. Diese Verfahrensweise von Campact und denen, die sie mittragen (was wir nicht allen MitveranstalterInnen unterstellen), bewirkt die Spaltung des demokratischen, umwelt- und friedensbewegten Widerstands. Campact hat in der Vergangenheit das Vertrauen vieler DemokratInnen durch verschiedene populäre Aktivitäten gewonnen. Leider mehren sich inzwischen Informationen, die zu der Vermutung führen, dass Campact gemäß der Konzeption der „Open Society“ handelt, einschließlich aktueller Direktkontakte zur Soros-/Clinton-Fraktion 

6. Campact ist nur eine von vielen „Organisationen der Zivilgesellschaft“ (NGO, NRO), deren oppositionelles Agieren zunehmend als zwiespältig, mitunter sogar als verdeckt systemkonform empfunden wird. „Otpor!“, „Avaaz“ oder „Adopt a Revolution“ sind seit langem als fragwürdig bekannt.

Die aufrichtigen Akteure des zivilgesellschaftlichen Widerstands, die Aktivisten für neue gesellschaftliche Perspektiven, brauchen Informationen und Methoden um sich in der Überzahl der Organisationsangebote zu orientieren und die für sie vertrauenswürdigen und am besten geeigneten heraus zu finden.

Daher ist es dringend erforderlich, dass neben der erklärten Programmatik jeder zivilgesellschaftlichen Organisation, aussagekräftige Informationen über ihre finanziellen Abhängigkeiten, ihre demokratische Verfasstheit, die tatsächlich gelebte Demokratie und über personelle Verflechtungen und Kontinuitäten öffentlich verfügbar sind.

Alle progressiven Organisationen sind aufgerufen, sich den Problemen der politischen Transparenz in der Zivilgesellschaft zu stellen. Die noch zu wenig bekannten Orientierungen der „Initiative Transparente Zivilgesellschaft“ betrachten wir dabei als diskussionswürdig und hilfreich.

Berlin, 26.1.2017

Kollektive Leitung der Berliner Freidenker

 

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7 Antworten zu Konflikt mit Campact und anderen – Offener Brief der Berliner FreidenkerInnen

  1. 5jahrehartz4 schreibt:

    Das gilt offenbar heute: Demokratie ist, wenn alle machen was ich will!
    – Demo? Aber top secret – wir gehen protestieren, aber niemand darf es erfahren! Vor allem, wieso gegen Agrar-Industrie undnicht gegen diejenigen, die denen den roten Teppich ausgerollt haben? Mann zeigt auf den ‚Sack‘, lässt den ‚Esel‘ (Politik) aber in Ruhe. Wir haben aber schon lange das Problem, dass sehr viele nur einen winzigen Punkt angehen wollen, doch das betrachten der Gesamtsituation grundsätzlich verweigern – sozusagen im Kokon protestieren wollen und alles was darüber hinausgeht wird ignoriert, mit Floskeln (das dürfen die doch nicht, das machen die sicher nicht, usw. wobei die Nachfrage ‚Wer ist DIE?‘ als Gotteslästerung gilt) auch Selbstbetrug begangen.
    – ….die Diffamierung von Bäuerinnen und Bauern…. wann beginnt die Diffamierung? Bei der Wahrheit? Wenn ich einen notleidenden Bauern der über en Milchpreis schimpft und Mitleid heischt, frage ‚WER hat denn die Milchquote freigeben lassen, um durch mehr Wachstum abzuzocken zu können und war dabei zu doof, so weit zu denken, dass jedes Wachstum auch mal stagniert oder zurück geht?‘ – dann werde ich fast geschlachtet, weil das war ja der eigene Bauernverband!
    – zum Überlegen oder Satire: Wieso gibt es hier iegentlich keine ‚NazInnen‘? Oder ‚GutmenschInnen, wir nennen sie inzwischen UNgutmenschen – denn es gilt ‚Hauptsache drüber geredet, arbeiten müssen andere‘ bzw. ‚ich habe es doch nur gut gemeint, den (absehbaren) Schaden musst aber DU tragen, blablabla?
    – Sozialmafia? ……….ist nur eine von vielen „Organisationen der Zivilgesellschaft“ (NGO, NRO), deren oppositionelles Agieren zunehmend als zwiespältig, mitunter sogar als verdeckt systemkonform empfunden wird……
    Wir haben schon länger die alten Vorgaben erweitert:
    Staat: ich halte sie arm
    Kirche: ich halte sie dumm
    NEU: Sozialmafia: ich halte sie ruhig, beschäftige sie, lenke ab
    Denn die Sozialmafia ist vielfältig aktiv – bis zu sogenannter Scheinhilfe der Opfer des Hartz IVerbrechens durch Sozialmafia die so nur durch zureden die Behörden unterstützt und sich aber im Ernstfall darauf zurückzieht ‚ich wollte nur helfen‘ und von Rechtslage, oder gar persönlicher Situation KEINE Ahnung haben.
    Wir haben diese Organisation mehrfach kontaktiert, u.a. auch zu Assange, KEINE Antwort – man vertritt anscheinend nur Themen über die man die Deutungshoheit/das copyright hat.
    Dazu der Hinweis auf den sehr unbekannten ‚Deutschen Verein e.V.‘
    https://www.deutscher-verein.de/de/wir-ueber-uns-verein-1283.html
    ein Zusammenschluss der kompletten Sozialmafia mit Städtetag, usw. – die haben sogar die Vorlage geliefert um Diabetikern in HArtz IV den Mehrbedarf zu entziehen. Doch einmal im JAhr arf ein anderes Mitglied auf Hartz IV schmpfen, die Abschaffung/Erhöhung fordern um sich so zu profileiren – den Rest des Jahres werden ALLE mit viel Geld gestpft, sei es für Scheinberatungen, Bereitstellung von 1€Sklavenjobs (nur Bereitstellung, bei Besetzung gibt es mehr), usw. Beim abzocken sind sich dann alle einig!

    Wir wünschen allen einen erfolgreichen Kampf für ein gemeinsames Zusammenleben und Weiterentwicklung und einen Blick der über die eigenen Schuhspitzen hinausgeht, auf Basis unseres gemeinsamen Nenners: Wir sind ALLE Menschen!

    Persönliches zu Sozialmafia: Weil es gestern Scheinaktionen gegen Reichsbürger gab – wir haben schon lange daraurf hingewiesen, dass diese in Baden-Württemberg in Staatsauftrag missionieren dürfen und gut für die nicht geleistete Hilfe bezahlt werden, ca. 50,- €/Std. – die Anzeige (unterlassene Hilfeleistung, Körperverletzung, usw.) wurde bis heute ignoriert, denn eine Hilfe wurde nie geleistet.https://dassindbrunosmoerder.wordpress.com/reichsbuerger-steuerfinanziert/
    Außerdem gab es viele Kontakte wo die ‚Helfer‘ nahezu hysterisch Hilfe anboten, doch die Frage ‚Wie genau wollen Sie helfen, wie ist die Gesetezslage, usw.‘ sofort dichtmachten und veerschwanden. Beste Ausrede als Bruno mal weider telefonisch HIlfe suchte kam dies ‚Ahja, wir haben oft an Sie gedacht und darüber gesprochen wie es ihnen wohl geht…..‘ – doch wieso die nicht einfach angerufen haben, ist ein Rätsel! Für uns ist das die De-Generation ‚Hauptsache drüber geredet, wir machen NIX‘.

    • 5jahrehartz4 schreibt:

      Nachtrag Persöliches: Nov. hat sich ein Politiker gemeldet, wollte helfen – nach vier Wochen endlich wieder persönlich erreicht – will sofort Gemeinde anrufen (Leiterin Sozialamt ‚gehen Sie zur Kirche, die haben Geld, die sollen spenden‘) – letzte Woche endlich wieder erreicht, war beleidigt ‚habe da angerufen, doch die eine war nicht da und die andere hat sie gar nicht gekannt und machte auch nichts‘ – das er nicht mal über den Anruf informierte, ihn MIT NAmen dokumentierte, usw. ist für uns Unprofessionalität und ‚wollte doch helfen, nun ist aber gut‘.
      Übrigens, auch Amnesty International interessiert sich nicht fü Folter, usw. von einzelnen Menschen – ‚Zum anderen kümmern wir uns nicht um Einzelfälle. Das ist nicht unsere Aufgabe.‚ der Hinweis, dass jeder Massenmord mit Einzelfällen beginnt wird stur ignoriert – siehe https://dassindbrunosmoerder.wordpress.com/amnesty-international-schuetzt-verbrecher-gegen-menschenrechte/

  2. thom schreibt:

    Nur mal als ernstgemeinter Hinweis, Ihr erweist euch und euren Bestrebungen mit dem Genderbullshit einen Bärendienst. Wenn der alimentierte Teil der sogenannten Sozialwissenschaft Schwachsinn schwafelt, dann sollte man dies genau so benennen, Schwachsinn. Es gibt eine Grammatik und auch eine Rechtschreibung, die zwar schon so kaputtgefördert wurde, daß es eine rechte Gutschreibung ist, Genderismusgefasel ist darin nicht enthalten. Damit wird jede halbwegs intelligente Person abgeschreckt, sich mit echten linken Positionen zu beschäftigen.

    • Joachim Bode schreibt:

      Ich schließe mich an….. (ein schon vor Monaten erfolgter Hinweis – mit Belegen – auf die üblen Wurzeln des Genderbullshits war leider erfolglos). Immerhin: Jetzt sind wir schon zwei.

      • kranich05 schreibt:

        Ich versuche mir dat nochmal durch den Kopf gehen zu lassen (von dem ich aber zur Zeit nicht genau weiß, wo er mir steht).

      • Lutz Lippke schreibt:

        Ich würde daran gar keine Gedanken verschwenden oder daran etwas festmachen. Es ist unwesentliches Beiwerk.

        • Joachim Bode schreibt:

          Ich betrachte es nicht als ganz „unwesentlich“, wenn durch Missbrauch von Sprache Emanzipation vorgetäuscht wird.
          Sicher, es gibt wichtigere Themen.

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