Sollen wir gegen Imperialismus sein?

Um Orientierung im medial-politischen Dauertsunamie seit der US-Wahl zu finden, sehe ich für konsequente („radikale“) Linke nur einen Weg: Die sorgfältige Analyse der Klasseninteressen im gegenwärtigen Imperialismus.

Das sind einerseits die Klasseninteressen der Ausbeuter, die ziemlich differenziert sind und von jeder Menge sich gegenseitig überbietender Stimmen artikuliert werden (eine Einschätzung hier), und es sind andererseits die Klasseninteressen der Ausgebeuteten, die seit langem allenfalls in Nischen, auf der großen Bühne aber, also POLITISCH, ÜBERHAUPT NICHT artikuliert werden. (Die Propagierung des Sozialstaats von Ludwig Erhard beispielsweise, die Demagogie von Syriza oder Sanders – das genau ist NICHTARTIKULATION der Interessen der Ausgebeuteten.)

Ich meine und schrieb, dass der Übergang von der unipolaren NWO zur multipolaren Welt eine neue Phase des Imperialismus bedeutet. Daran dürfte etwas Gutes sein, weil die akute Gefahr eines großen Krieges damit sinkt. Man könnte träumen, dass die Menschheit damit einen Bewusstseinsschritt vollzieht. Oder ist auch dieser Traum Schaum?

Alles Weitere ist unklar.

Welchen Charakter hat die kapitalistische Entwicklung, die sich künftig in und zwischen den mehreren oder vielen Polen dieser multipolaren Ordnung vollzieht? Wer und was sind überhaupt diese Pole? Ich sagte gerade „kapitalistische Entwicklung“. Ist es denn keine imperialistische mehr?

Wer wird die Interessen innerhalb und zwischen den „Polen“ artikulieren? Sicherlich die herrschende Klasse. Wird die NICHTARTIKULATION der Interessen der Ausgebeuteten weiterhin der Normalzustand sein? Und wird nicht ein solcher „Normalzustand“ auch in der multipolaren Welt zu einer erneuten lebensbedrohenden Krise, zu Krieg und Vernichtung, führen?

„Eine andere Welt ist möglich“ heißt es. Ohne die Durchsetzung der Klasseninteressen aller Ausgebeuteten ist gar nichts möglich!

Kann aus dem heutigen Zustand des Kapitalismus heraus erstens eine erneuerte wissenschaftliche Konzeption von Sozialismus entwickelt werden (mit ihren zwei Kernkomponenten Revolution der Macht und Revolution des Eigentums) und zweitens kann eine politische Kraft entstehen, die für dieses Ziel kämpft?

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6 Antworten zu Sollen wir gegen Imperialismus sein?

  1. anvo1059 schreibt:

    >>>>>Kann aus dem heutigen Zustand des Kapitalismus heraus erstens eine wissenschaftliche Konzeption von Sozialismus entwickelt werden (mit ihren zwei Kernkomponenten Revolution der Macht und Revolution des Eigentums) und zweitens kann eine politische Kraft entstehen, die für dieses Ziel kämpft?<<<<<< Nun ich glaube kaum. Der "gegenwärtige Kapitailsmus" ist so verlottert, das er erst einmal gänzlich fallen muß, um Platz für Aufstrebendes, Neues zu schaffen….
    Aber dazu müssen sich erst die Menschen von den Fessseln der täglichen medialen Beriselung und Manipulation und von ihrem irregeleiteten Glauben an die grenzenlose Macht und Notwendigkeit des Konsums befreien…..

    • Lutz Lippke schreibt:

      So einfach ist das nicht. Es gibt existentielle Abhängigkeiten. Arbeiten ist heute zwar körperlich leichter als früher, aber der Stress und psychologische Druck ist ernorm gestiegen. Viele müssen weite Wege auf sich nehmen, um in unsicheren Jobs Miete und einfaches Leben zu erwirtschaften.. Sicherheiten existieren kaum noch. Gewiss, die individuellen Ansprüche sind auch gestiegen. Aber hallo, was sollte heute der Maßstab sein? Das mit der Berieselung ist sekundär, eine Ersatzbefriedigung. Es fehlt an den überzeugenden Alternativen. Wem nach dem Feierabend trotz grundsätzlicher Emphatie die Ansagen „Hallo ich bin der X und würde mich über eine Spende freuen …“ nerven, der hat keine Energie mehr für Parteiversammlungen. Wer beruflich ausgesondert wurde, kämpft gegen individuelle Sanktionen und weniger um Prinzipien. Alles nur Konsumgeilheit? Das ist zu einfach.

      • anvo1059 schreibt:

        >>>Es fehlt an den überzeugenden Alternativen. << Wobei es eigentlich genügend Alternativen gäbe…. Nur "überzeugen" die eben nicht ! 😉 Ansonsten kann ich dir weitsest egehend zustimmen !

    • kranich05 schreibt:

      Meine Frage, die Du zitiert hast, besteht ja eigentlich aus zwei Fragen und richtet sich an verschiedene Gruppen.
      Die zweite Frage hängt meiner Meinung nach von der ersten ab. (Darüber hinaus hängt sie natürlich von vielem Weiteren ab.)
      Die erste Frage zielt auf eine wissenschaftliche Konzeption und richtet sich also an Wissenschaftler und im weiteren Sinne an alle, die geistig arbeiten wollen und können. Anfangen mit solcher Arbeit könnten auch Einzelpersonen oder sehr kleine Gruppen.
      Der Witz ist ja, dass viele Wissenschaftler, Restlinke, Weltverbesserer usw. über diese Fragen grübeln. Trotzdem habe ich immer das Gefühl, dass mich ihre Thesen und Streits kaum etwas angehen. Überall sehe ich Fachidiotentum, Interpretationskünste, Bildungsangeberei und Rumgerede um den heißen Brei aber kaum den praktischen und dabei kühnen Zugriff auf’s Leben.
      Ganz ehrlich: Geht uns – gerade uns, die wir kritisch rumnörgeln – nicht eigentlich die Krise der Gesellschaft am Arsch vorbei?

      Zur Zeit beschäftige ich mich gerade etwas mehr mit Stalin und Stalinismus. Dabei entdecke ich, wie wenig Auseinandersetzungen es dazu gibt und vor allem, wie flach diese verlaufen. Viele Millionen Menschen, viele tausende Wissenschaftler haben den Stalinismus und den Realsozialismus erlebt aber die aller-, allermeisten stecken den einfach in irgendeine Kiste und vergessen sie irgendwo im letzten Schuppen.

      • anvo1059 schreibt:

        >>>>Ganz ehrlich: Geht uns – gerade uns, die wir kritisch rumnörgeln – nicht eigentlich die Krise der Gesellschaft am Arsch vorbei?<<<<<
        Nun am Allerwertesten vorbei würde ich nicht sagen, aber wir fühlen uns wohl alle etwas überfordert mit der Situation und waretn erst mal ab……😉 😌 😣

  2. Pingback: Hat Frau Wagenknecht eine gute Rede gehalten? | opablog

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