Friedensfahrt 2016 – in geschichtlich vermintem Gelände

Die Friedensfahrt war eine Demonstration für den Frieden mit Russland. Eine gelungene Demonstration! Mit der Gedenkveranstaltung in Katyn wurde zum Ausdruck gebracht, dass der Frieden mit  Russland nicht exklusiv oder gar auf Kosten anderer Völker zu haben ist. Es geht um den Frieden mit Russland UND zugleich mit allen anderen Völkern dieses historischen Raumes.

Manche Diskussionen, die seitdem geführt werden, gehen an dieser klaren Botschaft vorbei. Vorwürfe es sei ein unentschuldbares Versäumnis, diesen und jenen Ereignisses an diesem und jenem Ort nicht gedacht zu haben, gehen an der klaren Botschaft vorbei. Gewiss, mensch kann bis 1812 zurückgehen. Der oder die geschichtlich Interessierte mag bis zur Slawenmission zurückgehen. Doch die Auflösung der klaren Botschaft der Friedensfahrt in Geschichtsdiskussionen und bald auch Geschichtsrevisionen verfehlt das heute politisch Notwendige.

Die Aufrechnung historischer Ereignisse, fast immer auch historischer Verletzungen, in immer weiter zurückliegende Vergangenheit (und ebenfalls in immer feinere Details der nicht weit zurück liegenden Vergangenheit!), führt in die Irre. Historisches und Logisches müssen zu einer Einheit gebracht werden.

Die deutschen Friedensfreunde haben einen historischen Fixpunkt – die Menschheitsverbrechen des deutschen Faschismus (wobei Überfall und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion einen Hauptpunkt bilden). Ich spreche von einem Fixpunkt historischen Begreifens, nicht jedoch von einem Fixpunkt durch alle Folgegenerationen fortwirkender Schuld („Erbsünde“).

Glaubt Friedensfreundin Juliane Sprunk in dem folgenden Video, glaubt Friedensfreund Bernd Krain (hier, hier, auch hier) diesen Fixpunkt historischen Begreifens revidieren zu müssen? Der Wortwechsel mit Alant Jost in den Video-Kommentaren kann diesen Eindruck erwecken.

Diskussionsbedarf, um den die FreidenkerInnen, wie ich hoffe, keinen Bogen machen werden, z. B. beim Treffen am 14.9. 

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9 Antworten zu Friedensfahrt 2016 – in geschichtlich vermintem Gelände

  1. Pingback: Deutscher Freidenker-Verband e.V. – Landesverband Berlin » 14.09.2016 – „Berliner Runde – Freidenker im Gespräch“ – mit Update 7.9.2016

  2. peter schreibt:

    Ideologie ist falsches Bewußtsein. Erinnerst du dich?
    Gendersprech, dessen du dich z.B. mit „Freidenker-Innen“ bedienst, ist Ideologie.
    Sprachwissenschaftliche Aufklärung gibt es hier:
    http://www.belleslettres.eu/artikel/genus-gendersprech.php

    • kranich05 schreibt:

      Hallo,
      wie ich auf der verlinkten Seite gleich lese, ist der dortige Text sehr lang.
      Ich werde mir bestimmt die Zeit nehmen, ihn gründlich zu lesen, denn das Thema interessiert mich.
      Danke für den Hinweis!
      kranich05

    • Joachim Bode schreibt:

      Der verlinkte Beitrag ist sehr erhellend, allerdings nicht an allen Stellen leicht zu lesen.

      Nach dieser Lektüre fühle ich mich mehr noch als bisher vergackeiert, wenn ich auf (vor allem) „grün-inspirierte“ schein-emanzipierte Textinnen – pardon: Texte – stoße…..

      • Joachim Bode schreibt:

        Und um der korrekten Sprache gleich die ihr zukommende Ehre zu erteilen, möchte ich das vorstehend gebrauchte Wort „emanzipierte“ durch „emanzipative“ oder „emanzipatorische“ ersetzen…
        An wirklicher Emanzipation fehlt es nämlich an genannter Stelle.

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