Das Schweigen der Kanzlerin

Es dröhnte durch den Saal während ihrer anderthalbstündigen Pressekonferenz.

Die Frau sprach, sie habe … zwei, drei, vier … Punkte abgearbeitet, seit damals, seit sie mit „Wir schaffen das“- und Selfiespäßen half, Massen hilfsbedürftiger Menschen nach Deutschland zu lenken. (Ich fragte damals nach dem Sinn.) „Jetzt haben wir eine andere Lage.“ (Doch, wir haben uns angestrengt und viel erreicht.) Jetzt macht die Frau weniger Späße aber sie zählt wieder Punkte auf: … zwei, drei, vier… bis neun. (Wieder werden wir uns angestrengt und wieder viel erreicht haben.)

Die Frau im Futteral; wie ich hoffe, mit beträchtlicher Intelligenz gesegnet. Und immer ein Taschenrechnerchen dabei, wahrscheinlich in ihren Hinterkopf implantiert.

Ihr Lieblingswort ist „TINA“. Aber sie sagt es nicht. Es könnte Widerstand auslösen. Lieber sagt sie beiläufig: Ach ja, TTIP, feine Sache, das machen wir. Und: Wir achten auf die Verhältnismäßigkeit nach dem Putsch. Und: Bundeswehr und Terrorlage, ja, das probieren wir demnächst mal aus – streng nach den Leitlinien unseres Verfassungsliquidierungsgerichts. Und überhaupt: Schutz. Und: Unsere Menschen. Die Menschen.

Es gibt keinen Satz. Nur Kleingeraspeltes, Gemurmel. „Ihr Problem, wenn sie meine Ansage nicht verstehen“, sagt sie mit dem schelmischen Lächeln, um das die schöne Coppelia sie beneidet.

Coppelia_-Swanilda_-Giuseppina_Bozzachi_-Act_I-Scene_2_-Paris_-1870_-2 blogAber halt, einen klaren Satz hat sie doch gefunden: Wir haben jetzt „islamistischen Terror“ und „diese Anschläge sind erschütternd, bedrückend…“ usw. Wer plötzlich so klar redet, braucht nicht zu erklären, wieso tausende bayerische und österreichische Polizisten (dirigiert aus dem Kanzleramt) ab Nachmittag eine Millionenstadt lahmlegten, in der am frühen Abend eine Anzahl Morde geschehen würde.

Damen sagten einst: „Soll das Volk doch Kuchen essen, wenn es kein Brot hat.“ Das war einen Tick zu viel.

Heute sagt die Dame: „Brot hast Du doch! Nun geh, spiel mit deinem Smartphone.“ Das kommt gut an, noch.

„Ja“, denkt Michel, „eigentlich hat sie Recht. Und auf der Alm, da gibts koa Sünd. Und jeder Tag kann der letzte sein.“

Und sie enteilt zu ihren neun Punkten Regierungsgeschäft.

Und Michel trödelt brav auf die Weide zu den anderen Kälbern; dort, mit dem Elektrozaun drumrum. Noch.

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8 Antworten zu Das Schweigen der Kanzlerin

  1. youth gone wild schreibt:

    Wer ernsthaft glaubt, daß diese Regierung, diese Kanzlerin, ein humanitäres, aufrichtiges Interesse an oder gar Sorge um „Hilfsbedürftige“ hat, glaubt wahrscheinlich auch, daß die Kriege der USA in den letzten 20 Jahren nur aus uneigennützigen, humanitären, Zwecken losgebrochen wurden.
    Ich meinerseits finde es ganz erstaunlich, wie viele Bekannte, ausschliesslich im linken Spektrum (da ich mich nunmal seither dort bewege) in einer Minute noch der „deutschen Regierung“ alles Böse in jeder Hinsicht unterstellt hatte, aber plötzlich ohne jeden Zweifel davon ausgehen, daß hinter der ungehemmten „Migration“ humanitäre, uneigennützige Motive stecken. Eine plötzliche 180° Wendung dieser Regierung? Klar, wird schon passen.

    • kranich05 schreibt:

      „Ich meinerseits finde es ganz erstaunlich…“ – ganz und gar Zustimmung! Immer wieder erlebt man das gerade bei Linken. Als wollten sie ständig Lenins Satz bestätigen (ich zitiere sinngemäß): „Kratz‘ den Kommunisten und der Kleinbürger kommt zum Vorschein.“

      • Joachim Bode schreibt:

        Ist doch kein Wunder: In welcher Gesellschaft (früher oder jetzt…) wird man denn als Kommunist geboren? Sinnvoll wäre vielleicht die Frage, ob eher der Klein- oder der Großbürger zum Kommunisten sich entwickelt…(siehe F. Engels…). Irgendwas Bürgerliches kommt beim Kratzen immer ‚raus. Und das wird noch eine Weile so bleiben.

        • kranich05 schreibt:

          Herr Bode,
          beim Kratzen gibt’s doch die ganze Spannweite vom „Der Lack ist ab“ bis „K. bis auf’s Blut“.
          Schöne Grüße in den Urlaub. Und nicht so sehr Kratzen, wenn der Mückenstich juckt.
          kp

          • Joachim Bode schreibt:

            Danke für die Anregung. Ich überlege grade, warum bei van Aken, der – wie andere „Linke“ – so blindwütig (scheint es) in Richtung Wagenknecht um sich schlägt, eine so üble Mischung aus Lack und Blut erkennbar wird. Das hätte mich bei S. Liebig („Die Linke“) weniger überrascht. Aber beide wollen sicherlich ins Bett mit SPD und Grünen. Dafür ist Wagenknecht rechtzeitig zu entsorgen.

      • youth gone wild schreibt:

        Grundsätzlich sehe ich da schon auch einen positiven Aspekt. Es ist ja per se nichts schlechtes, wenn Leute, denen ich mich auch verbunden fühle, es zumindest gerne *wahrhaben möchten*, daß es hier wirklich nur um Hilfe für Notleidende geht. Die Motivation auf privater Ebene ist etwas, das mir eher Hoffnung macht.
        Schlimm finde ich die kognitive Dissonanz dahinter. Unsere Regierungen beweisen seit vielen Jahren durch ihre Taten, daß ihnen soziale Themen, oder etwas enger gefasst, der Ausgleich zwischen Arm und Reich, nicht nur egal sind, sondern sie aktiv daran arbeiten, im maximal erreichbaren Tempo jede Solidarität und jeden Ausgleich abzuschaffen. Wie man dann jeden zeitlichen Horizont, jede weitergehende Analyse der Situation im Handumdrehen wegwischt, um sich selbst nur ja „bei den Guten“ zu verorten, das geht mir gehörig gegen den Strich.
        Ohnehin ein Thema für sich: den Leuten vermitteln, daß sie „die Guten“ sind und dieses Gefühl zu instrumentalisieren.
        Wenn einem dran gelegen wäre, den Menschen (oder etwas utilitaristisch: möglichst vielen Menschen), die unter diesen Kriegen leiden, zu helfen, könnte man all das Geld, das die Migration „uns (im Sinne derjenigen, die die Rechnung zahlen sollen)“ kosten wird – und da werden ja schon gelegentlich von der Herrschaftspresse astronomische Zahlen in den Raum gestellt, um den Pöbel drauf vorzubereiten, mit welchen Einschnitten er sein „Gutsein“ begleichen wird dürfen – nehmen, plus das Geld, daß der Krieg und die Unterstützung der moderaten Islamisten 😉 kosten, und man könnte aus ganz Syrien wahrscheinlich ein demokratisches Disneyland machen.
        Das darf man aber natürlich nicht denken, das ist nicht die Stoßrichtung, in die das ach so humanitäre Engagement des Westens zielt…

        • kranich05 schreibt:

          „Unsere Regierungen beweisen seit vielen Jahren durch ihre Taten, daß ihnen soziale Themen, oder etwas enger gefasst, der Ausgleich zwischen Arm und Reich, nicht nur egal sind, sondern sie aktiv daran arbeiten, im maximal erreichbaren Tempo jede Solidarität und jeden Ausgleich abzuschaffen.“
          Sehr wahr und noch viel mehr! Es geht um die Etablierung eines speziell neoliberal ausgerichteten=menschenunwürdigen Armutsregimes.
          Das beweisen gerade in diesen Tagen die weit gediehenen Arbeiten zur Novellierung des SGB 8. Dazu stelle ich in Kürze zwei Links ein.

          Nachtrag: Verlinken kann ich nicht, weil mir beide kritische Dokumente nur als doc- bzw. pdf-Dateien zur Verfügung stehen. An Interessierte könnte ich diese per Emil schicken.

  2. Vernon schreibt:

    Unsere „Kanzlerin“ äußerte sich nach den Attentaten der IS-„Flüchtlinge“, die sie ins Land geholt hatte: „Das ist eine Verhöhnung der Flüchtlinge“. Dass ihr Import der muslimischen Mörder eine Verhöhnung des gesamten deutschen Volkes darstellt, hat sie verschwiegen.

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