Konturen der Krise (II)

Das erste dieser losen Folge von Postings war hier.

*

Seit sich die Menschheit in der Form der Klassengesellschaft entwickelte, ist sie von Dualismus geprägt – oben/unten, arm/reich, mächtig/machtlos, Ausbeuter/Ausgebeuteter. Die Summe aus allen Gegensätzen einer Gesellschaft mag in ihren Aufstiegsphasen positiv, in den Abstiegsphasen negativ sein. In Aufstiegsphasen scheinen, bei aller Dramatik und Tragik jederzeit, der Reichtum und das emanzipatorische Vermögen der Gesellschaft zuzunehmen. In der Abstiegsphase ist es das Gegenteil – Zerstörung, Zerfall, Vernichtung, Untergang. Das ist ein abstraktes Schema, lehnt sich an Marx an. Ich sehe keinen Grund, es zu verwerfen.

*

Ist unsere gegenwärtige Zivilisation, der Kapitalismus, in einer Abstiegsphase (oder erneut in einer Abstiegsphase oder in seiner letzten, endgültigen Abstiegsphase)? Einiges spricht dafür. Weithin ist unsere Gegenwart geprägt von Zerstörung, Todesdrohung und Tod. Zerstörung ist heute die dominierende Seite des Fortschritts. Das ist daran zu erkennen, dass der Fortschritt keinerlei Qualität unangetastet lässt. Nichts, zumal Lebendiges nicht, darf in seinem eigenen Maß gelten. Kein Maß darf bestehen, jedes Maß wird überschritten.

Und jedes Fortschreiten ist auf das immer gleiche Ziel gerichtet, den abstrakten Wert. Anfangs erscheint die Allmacht dieses Wertes als Verlockung aber bald als Drohung. Wenn das Ziel erreicht ist, herrscht die Abstraktion in Reinheit. Das ist das Nichts.

*

Seit Marx Entscheidendes zur Funktionsweise des Kapitalismus gesagt hat, ist der Mensch nicht mehr auf die eben gebrauchten geschichtsphilosophisch-spekulativen Begriffe angewiesen. Jeder/Jede kann jetzt nachvollziehen, dass (und wie) die Erzielung von Mehrwert/Profit als Bewegungsgesetz der kapitalistischen Produktionsweise wirkt und zugleich, dass sich in der unbegrenzten Akkumulation dieses Abstraktums der ganze „Sinn“ des Kapitalismus erschöpft.

Im Resultat beobachten wir (in Übereinstimmung mit Marx) eine Tendenz der relativen und absoluten Verelendung der Ausgebeuteten. Um es drastisch auszudrücken (und weniger begriffsscharf): Der Kapitalismus offenbart sich uns täglich und zunehmend als „Meister des Todes“.

*

Ich meine, dass wir (ganz praktisch, ganz diesseitig) mit einem schier atavistischen Trieb des Kapitalismus zur Vernichtung des Lebens rechnen müssen. Marx Erkenntnisse verweisen auf das Wirken – wie Lassalle aber niemals Marx gesagt hätte – „eherner“ Gesetze. Wenn wir uns jedoch der geschichtlichen Realität und der Gegenwart zuwenden, bemerken wir, dass unsere bisherigen Überlegungen nicht ausreichen.

Die dritte dieser losen Folge von Postings ist hier.

Dieser Beitrag wurde unter ökologisch, Bewußtheit, Demokratie, Faschismus alt neu, Krise, Materialismus, Realkapitalismus, Revolution abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Konturen der Krise (II)

  1. Pingback: Konturen der Krise (I) | opablog

  2. Pingback: Konturen der Krise (III) | opablog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s