Krisenlatein

Wir sind Zeitzeugen krisenhafter ABLÄUFE.

Seit 2008 dürfen wir die sog. Finanzkrise beobachten. Ebenso seit vielen Jahren die sog. Flüchtlingskrise. Noch länger, seit 2001, dauert die Krise an, der man die Bezeichnung „Krieg gegen den Terror“ gegeben hat. (Davor und teilweise überlappend gab es ähnlich langlebig und unfassbar den „Krieg gegen Drogen“.)

Auffällig ist, dass alle diese Krisen im exakten Wortsinn gar keine sind. „Krise“ bezeichnet laut Wikipedia „eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation“.

Wir erleben aber gerade, dass die Wende in allen Fällen ausbleibt! Zwar gibt es Problematisches genug, sogar „Super-Super-Problematisches“ am laufenden Band, wenn man den Medien folgt. „Dramatische Entscheidungsprozesse“ dürfen wir live miterleben, die wohl richtiger als EntscheidungsSIMULATIONEN bezeichnet wären.

Was in Wirklichkeit vor sich geht ist einfacher Verlauf – Zeitverlauf, Ereignisablauf, tägliche Produktion und Reproduktion, Machtgeschehen, Religionsübung, am Ende immer Kassieren, kontinuierliche Sicherung und Steigerung des Profits. All das ist zwar aufs Ganze gesehen ein großes Zerstörungswerk (Zerstörungsprozess des Kapitalismus) aber es läuft (oberhalb eines sehr langsam wachsenden Bodensatzes von Gärung) offenbar ungestört, offenbar glatt. „Meine Klasse gewinnt“, sagt Buffett zutreffend.

Dieser Prozess läuft ungebremst, weil die herrschende Klasse (genauer: ihr machtbestimmender Teil) alle Machtmittel monopolisiert hat. Ein bedeutender Teil der beherrschten Klassen ist zu keinerlei Widerstand fähig, weil absolut verelendet. (Marx‘ so umstrittene Verelendungsgedanken sind richtig, vielleicht richtiger als er selbst geahnt hat.) Andere Kräfte, die weder zu den Weltherrschern gehören, noch zu den Beherrschten (der russische und der chinesische Kapitalismus) leisten partiell ernsthaften, in der Zielsetzung aber beschränkten (bzw. unklaren), Widerstand.

Teile der Beherrschten könnten Mittel eigener Macht, auch radikaler Macht, entwickeln, tun das aber nicht. Sie erlauben sich den Luxus, weder Interesse noch Motivation dafür zu hervorzubringen. Selbst Klein-Initiativgruppen der Beherrschten, die nie völlig ausgemerzt werden können (das sind die halbverrückten Hüter des letzten Glutkerns menschlicher Befreiung), ignorieren diese Aufgabe. Vielleicht werden sie sich irgendwann ihrer Ignoranz bewusst und beginnen erneut, sich der revolutionären Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft zuzuwenden, mit Konsequenz.

PS: Freilich ist der erwähnte Luxus des Sich-um-nichts-Kümmerns ein fragwürdiger; sehr unfrei. Eigentlich nur die fröhliche Kehrseite, die von der anderen, der trostlosen Seite nichts wissen will: Völlig abgemeldet zu sein. Ein Dazwischen gibt es nicht.

Unser manichäisches Dasein.

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