Bei Freidenkern gefunden… und anderswo… 3/16

Krieg, tatsächlich tobender Krieg oder „nur“ drohender, überschattet alles in unserer Zeit. Wissen wir genug über Krieg? Denken wir tief genug darüber nach?

Oder meinen wir, dass plakative Anklagen genügen, wie z. B.: „Krieg ist Terror!“ Meinen wir, dass unsere zutiefst ehrliche, leidenschaftliche Ablehnung genügt? Wenn Abermillionen in aller Welt rufen: „Die Waffen nieder!“ – wird dann Friede ein?

Wir wissen, dass es nicht so ist.

Gegen den Krieg aktiv zu sein, verlangt unsere Leidenschaft, verlangt Mobilisierung aber auch viel, viel Wissen und die Anstrengung des Begriffs.

*

John Pilger der berühmte Aufklärer von der anderen Seite der Welt (zu wenige seiner Arbeiten sind ins Deutsche übersetzt, hier immerhin der beeindruckende Dokumentarfilm „Krieg für Demokratie“) veröffentlichte am 20.3.2016 den aufrüttelnden Beitrag: „Ein Weltkrieg hat begonnen. Das Schweigen brechen“.

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Update 2.4.2016:

(Auf Free21 ist jetzt erfreulicherweise die komplette Übersetzung von John Pilgers Artikel zu finden.)

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Wir danken Bernhard Trautvetter für die Übersetzung einiger ausgewählter Passagen von Pilgers Artikel:

„…Edward Bernay beschrieb … „die bewusste und intelligente Manipulation der Gewohnheiten und Meinungen“ demokratischer Gesellschaften. Er nannte es eine ‚unsichtbare Regierung‘.

Wie viele Menschen haben wahrgenommen, dass ein Weltkrieg begonnen hat? Im Moment ist es ein Krieg der Propaganda, der Lügen und der Ablenkung, aber das kann sich abrupt ändern mit der ersten verfehlten Order, der ersten Rakete. 

…2009 plädierte Präsident Obama … im Zentrum von Prag … „die Welt frei von nuklearen Waffen“ zu machen. Atomare Rüstungsausgaben stiegen unter Obama höher als unter jedem anderen amerikanischen Präsidenten. Die Kosten summieren sich über 30 Jahre auf weit über 1000 Mrd. $. Eine kleine nukleare Bombe wird geplant. Sie ist bekannt als die B61 Modell 12. Sie ist ohne Vergleich. General J. Cartwright… sagte „das Verkleinern [macht den Gebrauch dieser nuklearen]  Waffe denkbarer. …

In Lettland, Litauen und Estland – vor Russlands Toren – stationiert das US-Militär Gefechtstruppen, Panzer, schwere Waffen, schwere Waffen. Diese extreme Provokation der 2. Atommacht der Welt geschieht hinter dem Vorhang des Schweigens im Westen. …

Die USA kreisen China mit einem Netz von Basen ein, …Raketen, …atomwaffenfähigen Jets….

Vor einer Generation stoppte ein postmoderner Kult, bekannt als ‚identity politics‘ viele intelligente … Menschen, die die Gründe für … Bewegungen …, die die Völker betrogen ergründet hatten… . Selbstversunkenheit, eine Art von ‚Ich-ismus‘ wurde zum neuen Zeitgeist in privilegierten westlichen Gesellschaften und signalisierten die Demission einer großen kollektiven Bewegung gegen Krieg, soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Rassismus und Sexismus.

Heute kann der tiefe Schlaf vorbei sein. Die Jugend bewegt sich wieder. Schrittweise…

Wo ist der Mut, wo die Kreativität und Entschlossenheit, die den Beginn einer langen Reise in eine bessere, gerechte und friedliche Welt markiert? …

Wo sind die, die das Schweigen brechen?“

*

Dagmar Henn verdanken wir die Übersetzung des höchst anregenden russischen Beitrags: „Assad hat in Syrien nicht seinesgleichen“. Es ist ein Interview, das Alexej Peskow mit dem Historiker, Publizisten und Politiker Nikolai Starikow führte. Mich haben seine Überlegungen zum modernen Nicht-Kernwaffenkrieg beeindruckt. Sein Blick ist weit genug für große historische Räume. (Plötzlich macht die Erinnerung an die Britische Ostindien-Kompanie Sinn.) Bedeutsam sind seine Hinweise auf Zentralasien, denn das ist die Zentralregion des großen chinesischen und russischen Projekts „Neue Seidenstrasse“, mit Aspekten, wie, „Seidenstraßenstrategie“ und TRACECA, Aspekte, von denen der brave deutsche Friedensbewegte kaum eine Ahnung hat (obwohl auch deutsche Wissenschaftler längst dazu arbeiten, vergl hier). Aber doch haben sollte.

*

Und eine dritte Fundstelle möchte ich nennen, da es mir um die differenzierte, konkrete Betrachtung einer Kriegszeit geht, dieser durch alle Zeiten von komplexen aber erkennbaren Interessen geschaffenen mörderischen Ereignisse. Ich spreche von Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“, diesmal von dem Band 6 mit dem 9. Kapitel: „Der erste Stauferkönig, Kreuzzüge wie vom Fließband und ein heiliger Kirchenlehrer“. Was dort auf 45 Seiten beschriebenen wird, geschah vor 850 bis 900 Jahren. Aber selten war Aufklärung diesseitiger und heutiger und unverzichtbarer.

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5 Antworten zu Bei Freidenkern gefunden… und anderswo… 3/16

  1. Henry Blues schreibt:

    Ein brillantes Interwiew mit Starikow, welches hier verlinkt ist vom „Sakerblog“
    Die Kommentare in diesem Blog sind allerdings zum größten Teil unverblümt faschistisch, auch und gerade die vom dort agierenden Moderator Russophilus, der seine Machtposition auch gern dazu nutzt, ihm unliebsame und widersprechende Kommentare zu löschen und Teinehmer zu sperren.
    Und das alles, obwohl die Verantwortliche des Blogs Dagmar Henn dem Parteivorstand der DKP angehört.
    Die Genossen, die Faschismus und KZ erleben mussten, drehen sich im Grabe.

    • kranich05 schreibt:

      Hallo Henry Blues,
      ich habe heute mal wieder die Kommentare beim Saker gelesen, was ich nur noch selten tue.
      Dabei habe ich beobachtet, wie Sie zum Thema „amerikanische Kultur“ und dann „Jazz“ dort ihre Perlen ausstreuten….
      Ich äußere mich dort längst nicht mehr.
      Diese Rolle von R. und D. H., die wiederum (soweit ich weiß) den Freidenkern angehört, zu denen ich auch gehöre – all das (und einige mehr) sind für mich (zumindest z. Z. noch) unbegreifliche Phänomene.
      Ich komme mir vor, wie eingesperrt in einer Giftküche, in der die absurdesten Ingredenzien verkocht werden, um allen die Köpfe völlig blöde zu machen…
      Von mir glaube ich, dass ich nicht zu 100 % eingesperrt/gefesselt bin und mich immer wieder mal ein frischer Luftzug (z. B. große Kunst) am Leben erhält.
      Salud!

    • Bernburger schreibt:

      Hallo Henry Blues, lassen Sie sich nicht von der Musikpolizei ärgern. Hat nicht viel Sinn da zu schreiben. Das Ergebnis weiss ich vorher schon: hat kein Gehirn und dann gesperrt.

      • Henry Blues schreibt:

        Danke für die Antworten.
        Was mich dabei umtreibt ist eben die unverblümte Zusammenarbeit einer exponierten DKP Genossin mit diesem Faschisten-Moderator und dessen Gewähren lassen in seinen Hetzschriften und Löschungen von Beiträgen, die gegen diese Hetze angehen.
        Ich bin zwar (nicht mehr) in dieser Partei, kenne aber noch die Erzählungen von damals (70er-80er Jahre) von älteren Genossen die z. Tl. in Gestapo-Folterkellern und KZ gesessen haben.
        Das Gedenken an diese aufrechten Kämpfer gegen Faschismus und Krieg und deren erlittener Qualen treiben mir gehörigen Unmut nach oben, angesichts einem ausgewiesenen Faschisten diese Machtposition auf dem eigenen Blog einzuräumen.

  2. semall schreibt:

    Dagmar Henns Funktion in der DKP ist bis zur Klärung der auch hier angesprochenen Frgen suspendieert.

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