Die Leichensynode

Manchmal bin ich es leid, den Blödsinn des Tages zu lesen. (Selbst die Klugheiten des Tages sind gelegentlichl schwer zu ertragen.) Also schauen wir doch ins Geschichtsbuch. Zumal in das von dem Karlheinz Deschner, diesem berüchtigt ahistorischen Historiker und angeblichen Kirchenhasser (der doch, dieser Schlawiner, tatsächlich in Haßfurt gestorben ist!). Da erfahre ich im Band 5 seines opus magnum, was dem Papst Formosus widerfuhr (bzw. seinen Resten):

„Der seit neun Monaten Bestattete wurde jetzt, bereits stark angefault, von den Anhängern der Widonen aus dem Grab gerissen, in Pontifikalgewänder gesteckt und wohl im Januar 897 vor der „Leichensynode“ in St. Peter auf den sogenannten Apostolischen Stuhl gesetzt.Leichensynode blog

Darauf hielt man drei Tage in aller Form über die herausgeputzte Mumie Gericht, die drei Kläger…, sowie einen Diakon als Pflichtverteidiger an die Seite bekam, der mit zittriger Stimme und natürlich unbefriedigend für sie geantwortet hat….

Vielleicht ist ja nicht einmal der Vorgang an sich, der Einfall eines von kaum glaublichem Haß verzehrten Heiligen Vaters das Erstaunlichste an einer Sache, die wie das Szenario aus einer Nervenklinik, ein Alptraum anmutet, als die Tatsache, daß diesem geistlichen Gruselkabinett eine ganze Bischofsversammlung drei Tage beiwohnt – sei es nun ehrfürchtig oder nicht.

Am Ende des makabren Schmierenstücks… erklärte man Formosus für abgesetzt…. Man riß der Leiche sozusagen protokollgerecht die papalen Gewänder bis auf ein Hemd herunter, hüllte sie in Laienklamotten, schlug ihr ein paar Finger der rechten Hand, die Schwur- bzw. Segensfinger ab und schleifte sie barbarisch brüllend aus der Kirche und durch die Straßen….“

(Karlheinz Deschner: „Kriminalgeschichte des Christentums“, Fünfter Band, Reinbek bei Hamburg, 1997, S. 332f)

+ + +

Natürlich kommen wir uns unglaublich erhaben vor gegenüber diesem Spektakel von vor 1100 Jahren.

Aber knapp Hundertjährige heute, befürwortet von den Ärzten, vor eine Juristensession zu stellen, das finden wir cool („gnadenlos“ sagt heute niemand mehr).

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