Leben nach dem Erdbeben in Nepal – Bakram D. berichtet aus Kathmandu  

Viele Menschen wissen , dass es eine große Verwüstung in Nepal nach dem Erdbeben gegeben hat. Es gibt viele Probleme und täglich werden es mehr .Viele Häuser sind zerstört worden und deswegen müssen noch immer viele Menschen auf der Straße schlafen. Nicht für alle sind Zelte da. Sie haben keine sanitären Anlagen und müssen weite Wege gehen , wenn sie sich waschen wollen. Dort sind die Plätze überfüllt. Dazu kommt , dass es nachts sehr kalt ist.

Seit dem Erdbeben ist alles teurer geworden; viele Arme sind seitdem wegen Nahrungsmangel und mangelhafter medizinischer Versorgung erkrankt und/oder gestorben. Ich weiß die Zahlen nicht; aber es sind viele Menschen nicht nur während des Erdbebens gestorben, sondern auch an den Folgen .

Der Tourismus-Sektor, der eine Haupteinnahmequelle Nepals war, ist stark eingebrochen. Natürlich kommen kaum noch Touristen nach Nepal – in ein Land, dessen Infrastruktur nun komplett zerstört ist und auch dessen Tempelanlagen, die für die Touristen besonders interessant waren. Wer will schon ein Land besuchen, das voller Armut – mehr denn je zuvor – und voller hungriger, verzweifelter Menschen ist?

Die Menschen sind seit dem großen Erdbeben immer noch voller Angst, denn es hat danach viele Nachbeben gegeben. Auch heute fühlen wir uns noch nicht sicher.

Allein können wir den Wiederaufbau Nepals nicht schaffen; wir sind auf die Hilfe anderer Länder angewiesen. Dass Nepal zwischen Indien und China liegt, erschwert eher die Probleme als dass es sie löst. Die Hilfen, die versprochen wurden, kommen nicht oder nur schleppend an, und die, die sie verteilen sollen, nehmen sich einen Großteil davon, obwohl das nicht erlaubt ist.

Meine eigenen Probleme – und damit die meiner Familie – werden nicht kleiner, denn ich habe immer noch keine Arbeit gefunden, obwohl ich zu allem bereit bin! Mein Schwager ist trotz meiner schlimmen Erfahrungen nun auch nach Katar gegangen. Er wusste keine andere Möglichkeit – nur das Militär wäre eine Option…. Er hat den Arbeitsvertrag unterschrieben, weil es keine Alternative gibt und er nun für meine Schwester und auch für seine Mutter sorgen muss. Mein Schwager hofft, dass es ihm dort besser gehen wird als mir. Wir alle hoffen, dass er in einem Jahr gesund und lebend zurück kommen wird.

Ich würde gerne studieren, aber das ist teuer. – Sonst bleibt nur noch die Armee; aber ich möchte nicht Soldat werden. – Ich hoffe auf ein Wunder: Vielleicht gibt es Menschen in Europa, die mich unterstützen könnten. – Ich würde ihnen das Geld zurückgeben, wenn ich das Studium beendet und Arbeit habe! – Hier gibt es keine staatliche Unterstützung; nur Kinder wohlhabender und reicher Menschen können studieren. Oder wenn ein Verwandter oder ein Elternteil im Ausland arbeitet (Europa, USA, Israel, Saudi-Arabien, Australien ) und genügend Geld nach Hause schickt. Viele sind deswegen ins Ausland gegangen, aber nicht alle haben es geschafft, ihre Familien zu unterstützen. Sie haben selbst nur „irgendwie“ überlebt.

Meine Schwester arbeitet neben ihrem Studium stundenweise in einem Kindergarten. So kann sie ein wenig Geld verdienen und ihr Mann kann ihr etwas schicken. Seinen Verdienst im ersten Monat behält die Firma für den Fall, dass er krank nach Nepal zurückgeschickt werden muss. D.h., noch konnte mein Schwager ihr nichts schicken.

Meine Mutter, mein Bruder und ich wissen oft nicht, wie wir den nächsten Tag überstehen können. Denn auch meine Mutter findet nicht immer Arbeit seit dem Erdbeben, das viele finanziell ruiniert hat.

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Gerade Menschen mit kleinem Einkommen, mit ein wenig Besitz: eigene Möbel, eine Mietwohnung. Diese Menschen haben alles verloren und können nun auch nicht mehr eine Wäscherin bezahlen; das war die Arbeit meiner Mutter bei ihnen.Oder Essen kochen – aber auch das können sich viele nicht mehr leisten.

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Auf den Fotos sieht man, wie wir wohnen. So wohnten wir auch schon vor dem Erdbeben, aber da hatten wir wenigstens genug zu essen. Wir wohnten bis vor einem Jahr zu viert in einem Zimmer, in dem auch gekocht wird. Nun wohnen wir zu dritt. Mein Bruder ist der Klassenbeste seines Jahrgangs – er wird in diesem Jahr Abitur machen. Ich habe gelesen, dass sehr gute Schüler im Ausland Stipendien erhalten können. Das hoffe ich für ihn!

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Zwei frühere Berichte von Bakram D. hier.

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