Farce

Wie ich lese, beginnt man einen Prozess gegen einen heute 94-jährigen Wachmann von Auschwitz. (Das Lager wurde vor 71 Jahren von der Sowjetarmee befreit.)

Ich betrachte diesen Prozess als Vortäuschung von Antifaschismus durch die BRD-Justiz im Auftrag des BRD-Staats.

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10 Antworten zu Farce

  1. Frieder Kohler schreibt:

    Wo Opa Recht hat, hat er … „m Frühjahr 1954 wurde von Seiten der bundesdeutschen Regierung proklamiert, dass die ‚Liquidation des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik’ so gut wie abgeschlossen sei. Die Vergangenheitspolitik in der Adenauer Ära signalisierte nun all denen, die mit ihrem ehemaligen Bekenntnis zum Nationalsozialismus politisch fehlgeleitet waren, dass, wenn sie sich nun entsprechend verhielten, sie wieder im Staat integriert werden.

    Damit standen die Zeichen in der damals frühen Bundesrepublik auf Amnestie, Rehabilitation und Integration. Mit dieser gelebten Vergangenheitspolitik wurden erstmals alle Fragen verdrängt, welche zur Aufarbeitung des NS-Erbes von Bedeutung hätten sein können. Jedoch implizierte dieses Verdrängen mehr – die Verbrechen der NS-Zeit wurden verschwiegen und mit ihnen erfolgte ein Totschweigen der Opfer. Die Schlussstrichmentalität im öffentlichen Bewusstsein wurde zum ‚Ruhebedürfnis der Deutschen’, mit dem Wunsch die Vergangenheit auszublenden und zu vergessen. Deutschland wollte einen Neuanfang und bedachte dabei nicht, welche zerstörerische Macht das Schweigen damit erhalten hatte. Wie nochmals die Biografien der Opfer, der Überlebenden und der Hinterbliebenen gepeinigt wurden“ (nachzulesen in https://wiki.fernuni-hagen.de/zeitgeschichte/index.php/Zweite_Schuld) – und die „trüben Wasser“ nach Adenauer so lange sprudelten, weil klares nicht aufzufinden war – oder Quellen mit Frischwasser von den alten „Eliten“ und deren Netzwerken geräuschlos zugeschüttet wurden?

  2. Joachim Bode schreibt:

    Inzwischen ist völlig unstrittig, dass und wie die Nachkriegsjustiz mit tatkräftiger Unterstützung der Politiker – z.B. Adenauer – die Verfolgung der Nazi-Verbrechen jahrzehntelang hintertrieben hat.
    Das wird in einem sehr sehenswerten WDR-Beitrag detailliert nachgewiesen:

    Berühmt ist der Ausspruch des für die Ankurbelung der Frankfurter Auschwitz-Prozesse ab 1963 verantwortlichen hessischen Generalstaatsanwalts und Ausnahme-Juristen Fritz Bauer, mit dem er die ihm gegenüber feindselige Haltung der Kollegen beschrieb:

    „Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich Feindesland“….

  3. Claudia schreibt:

    Es ist zu spät! Gerechtigkeit wird es nicht mehr geben und EINEM einzelnen Wachmann etwas nachweisen zu wollen. Aber man könnte noch wichtige Antworten bekommen. Wie kann man an diese Antworten kommen? Straffreiheit, „Kronzeugenregelung“, Aussöhnung?
    Und:
    Waren alle Täter nur Täter? Hätte es ein Entrinnen gegeben, wenn man einmal „dabei“ war? Ein Entrinnen ohne den eigenen Kopf zu verlieren?

  4. Theresa Bruckmann schreibt:

    Danke, Joachim Bode für das Video zum Thema Kriegsverbrechen.
    Die Situation der aussagenden Überlebenden ab Minute 23 ging mir sehr nahe.
    Der Deal mit den USA um die Zurückweisung der angebotenen Akten ab Minute 31.45
    erinnert mich irgendwie an Merkels Verhalten im NSA-Abhörskandal. Dass es im deutschen
    Bundestag Mitglieder mit Nazi-Vergangenheit gab, war mir schon bekannt, aber nicht die
    große Anzahl.

  5. Pingback: Die Leichensynode | opablog

  6. mal wieder da schreibt:

    Jede/r Jurastudent/in sollte während des Studiums über Fritz Bauer erfahren und auch für alle anderen wäre es wichtig.

    • Joachim Bode schreibt:

      Von den Jura-Studenten meines Jahrgangs haben sich nur Wenige freiwillig mit Infos über Fritz Bauer und in Zusammenhang stehenden Themen auseinandergesetzt.
      Diese Generation sitzt heute an den Schaltstellen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

      Ich habe begründete Zweifel, dass sich in den letzten Jahrzehnten Wesentliches geändert hätte…. (Der Besuch egal welcher deutschen juristischen Fakultät – Ohren spitzen und Augen öffnen! – hilft für solche Erkenntnisse ungemein.) Die sogen. „kritischen Juristen“ sind immer noch ganz deutlich in der Minderzahl des (geschätzt) einstelligen Prozentbereichs.

      • kranich05 schreibt:

        Liebe JuristInnen, die ihr hier mitlest und dankenswerterweise auch kommentiert.
        Ich muss mal ehrlich zugeben, dass ich einfach gefühlsmäßig ein Problem mit der Strafverfolgung solcher möglicher Uralttäter habe. Ist die Bestrafung von über 90-jährigen wegen möglicher Straftaten, die 70 Jahre zurückliegen überhaupt ein juristisches Problem? Muß es dies sein? Müssen hier nicht andere als juristische Verfahren gefunden werden?

        • Joachim Bode schreibt:

          Rechtlich ist die Strafverfolgung beim nicht verjährenden Mord ein Muß – d.h. die Staatsanwaltschaft muß bei Verdacht ermitteln und gegebenenfalls anklagen.
          Auf einem (etwas) anderen Blatt steht die Strafzumessung, die im Hinblick auf wachsenden zeitlichen Abstand zum Tatzeitpunkt problematisch wird.

          Für notwendig halte ich solche Verfahren aus mehreren Gründen:
          Kein Täter soll davon ausgehen dürfen, dass Anstrengungen zur Spurenverwischung zu Straffreiheit führen.
          Die Gesellschaft soll sich durch diese Verfahren positive Vergangenheitsbewältigung erarbeiten. Das schließlich gefundene Strafmaß spielt demgegenüber eine zunehmend unbedeutende Rolle.

          • schon wieder da schreibt:

            Die Menschen sollen wissen, dass die Menschenrechte immer zu beachten sind. Gibt es einen Regierungswechsel, dann können sie vor Gericht gestellt werden, für das, was sie vorher als UnterstützerInnen von menschenverachtenden Regimen geleistet haben. Es sollen alle wissen, wer sich darauf verläßt, dass ein Regime Rechtswidrigkeiten deckt, hat auf Sand gebaut.
            Den DDR-Mauerschützen ist es passiert und auch denjenigen, die im 3. Reich unterstützt haben. Der Gutachter der Steuerfahnder in Hessen wurde verurteilt. Hatte er sich auch darauf verlassen, dass sein Tun gedeckt wird?
            Eine konsequente Verfolgung von solchen Taten zeichnet einen Rechtsstaat aus. Gut, dass wir die Gewaltenteilung haben.
            Nur schade, dass die Staatsanwaltschaft nach wie vor weisungsgebunden ist. Über Polen wird laut gemeckert, dabei ist es doch nur ein kleiner Unterschied, ob ich eine direkte Weisungsgebundenheit oder gleich nur eine Person habe.

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