Leben in Nepal – Bakram D. berichtet aus Kathmandu

Bakram D., der kürzlich von seinen Erfahrungen mit Arbeit in Katar berichtet hatte, schreibt heute aus Kathmandu:

Nepal ist im Vergleich zu anderen Ländern klein und arm … es gibt einige wenige Länder auf der Welt, die sich in der gleichen Lage wie Nepal befinden. Die Bevölkerung schwindet täglich. Ich werde jetzt die aktuelle Situation in Kathmandu und dem sonstigen Nepal nach dem Erdbeben beschreiben:

Während des Erdbebens hat es vor allem Schäden in der Hauptstadt Kathmandu gegeben. Damals sind einige Fabriken, Kulturdenkmäler, Tempel und sehr viele kleine, grosse, neue und alte Gebäude zerstört worden. Viele Menschen waren gezwungen auf der Strasse zu schlafen und zu wohnen. Mehr als 8000 Menschen sind durch das Erdbeben ums Leben gekommen. Menschen mussten teilweise länger als 15 Tage ihr Leben unter freiem Himmel verbringen.

Andere Länder spendeten Geld, Medizin, Essen und Bekleidung. Manche Länder unternahmen Rettungsaktionen für Betroffene. Viele Menschen verloren ihre Arbeit. Die Spenden für Erdbebenopfer werden noch immer von der Regierung zurück gehalten – wir haben keine Ahnung wann uns diese Spenden zugeteilt werden. Die Spenden sind vor allem an Geschäftseigentümer gegangen, die durch das Erdbeben geschädigt wurden.

Seit dem Erdbeben hat die indische Regierung allmählich eine Warenblockade eingerichtet. Nach meinen Informationen ist dies eine indische Sanktion gegen die Weigerung Nepals 12 bis 14 der nepalesischen Distrikte [Nepal besteht insgesamt aus 75 Distrikten – Anmerk. d. Übers.] an Indien zu übereignen. Ausserdem versucht Indien den Bau eines unterirdischen Zuges zwischen Nepal und China durch diese Güterblockade zu verhindern. Alle Länder wissen dass Nepal auf Grund seiner geographischen Lage sehr von anderen Ländern abhängig ist – insbesonder von Indien und China. Durch die Blockade sind nun alle Warenlieferungen aus Indien gestoppt. Dadurch hat sich ein riesiges Problem für Nepal aufgetan, dass in seinem Ausmass von anderen Ländern gar nicht nachvollziehbar ist:

Es fehlt an Gas, Öl, Benzin und Diesel – alles Güter, bei denen Nepal komplett auf Indien angewiesen ist. China hat versucht Nepal auszuhelfen – jedoch sind die Ersatz-Lieferungen aus China teurer und sind dadurch für die Hälfte der Bevölkerung nicht erschwinglich. Armut ist das grösste Problem. Kathmandu hat die grösste Bevölkerungsdichte im Vergleich zum Rest von Nepal. Alle Menschen haben eine falsche Vorstellung von Kathmandu: Ja Kathmandu ist die Hauptstadt, aber des Leben dort ist kein Leben mehr. In Kathmandu gibt es keinen Platz sich zu bewegen, und das Gemüse ist dort auch sehr teuer. Die Menschen aus Kathmandu müssen sich ernähren von den Produkten aus der Landwirtschaft. Durch die Blockade mussten viele Studenten wieder in ihre Heimatorte zurückkehren. Durch den Mangel an Waren und Gütern und die Verteuerung derselben hat sich die Situation so entwickelt. Ortsansässige Menschen aus Kathmandu können ihr Essen mit Feuerholz kochen, aber für Leute wie uns, die aus Dörfern zugezogen sind, um zu studieren und hier Geld zu verdienen ist das nicht möglich. Die Gaszylinder gelangen vor allem zu Hotelbesitzern und Ortsansässigen. Die Hotels können es sich leisten mehr für Gas zu bezahlen, da ihre Gäste auch mehr Geld zahlen. Ganz allmählich wandern Menschen, die in Kathmandu zur Miete gelebt haben, in ihre Herkunftsdörfer zurück. Wir haben das letzte mal vor 3 Monaten einen Gaszylinder angebrochen – aber der ist schon aufgebraucht. Jetzt kochen wir unser Essen einmal am Tag für den ganzen Tag. Ich hab ja schon erklärt, dass reiche Menschen nicht unter dieser Situation leiden. Im Gegenteil haben sogar viele Hausbesitzer die Mieten ihrer Wohnungen erhöht. Auf dem Land leben die Menschen von Subsistenzwirtschaft, aber in Kathmandu – wo die Menschen Geld in ihren Taschen tragen – gibt es nichts zu essen für uns durch diese Blockade.

Nepal ist das zweitreichste Land der Welt, was Wasser angeht. So ist es eigentlich unbegreiflich, warum es hier in Nepal reguläre (von der Regierung geplante) „Stromausfälle“ gibt. Das wäre doch DIE Einkommensquelle für die nepalesische Regierung. Die Leute sagen, dass Nepal den Strom an Indien verkauft. Durch die Blockade benutzen Menschen elektrische Kocher um Essen zu zu bereiten. Durch diesen massiv erhöhten Stromverbrauch wird die Stromzufuhr 84h / pro Woche abgeschaltet. Manche Menschen haben beschädigte Stromzähler, dadurch wissen sie nicht; wie viel Strom sie eigentlich verbrauchen – hierdurch ist es schon zu vielen Auseinandersetzungen mit den Hauseigentümern gekommen, da die Stromrechnungen ins Astronomische explodiert sind.

Man kann also sagen; dass es viele Probleme gibt, denen sich die Nepalesen stellen müssen: Mit Holz kochen und damit verbundene gesellschaftliche Probleme, die Konflikte die sich aus der Verwendung von elektrischen Kochgeräten ergeben und der Mangel an Gas. Wie sollen wir Essen zu bereiten und wo sollen wir essen? Wir brauchen erneut die Unterstützung anderer Länder, um Nepal wieder aufzurichten so wie es einmal vor dem Erdbeben und der Blockade gewesen ist. Nepal hat bereits die bittende Hand ausgestreckt aus dieser Hölle – jetzt braucht es andere Länder um diese Hand zu ergreifen und Nepal aus der Hölle zu befreien.

Nach dem Tod von König Birendra 2001 ist Nepal sehr viel Schlechtes widerfahren. König Birendra ist für uns ein Gott, dessen Richtspruch nicht blind ist und der gerecht über Arme und Reiche regiert. Jeder wird von ihm beschützt. König Birendra war ein Mensch, der zu Fuss zu den Regierungssitzungen ging, als es damals eine Blockade gegeben hatte. Sich heutzutage während dieser Blockade von einem Ort zum Anderen zu bewegen, ist ein gefährliches Unterfangen geworden, da die Busse extrem überfüllt sind. Nepal sieht sich wirklich großen Problemen gegenüber.

Ich hoffe sehr dass die Blockade in wenigen Tagen aufgehoben wird.

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Weitere berichte von Bakram D. hier.

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Danke an die Übersetzerinnen/Mittlerinnen Hanna und Siera.

Liebe BlogleserInnen, wenn Sie Bakrams Leben interessiert, wenn sie Fragen an ihn haben oder wenn Sie ihn und seine Familie durch Spenden unterstützen möchten – all das vermittle ich, der Opablogger, gern.

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3 Antworten zu Leben in Nepal – Bakram D. berichtet aus Kathmandu

  1. Pingback: Arbeiten in Katar – Bericht von Bakram D., Kathmandu, Nepal | opablog

  2. schon wieder da schreibt:

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Warum bringt mit Holz kochen gesellschaftliche Probleme?

    http://conferenciamundialdemujeres.org/
    Wissen die Frauen in Nepal von dieser Konferenz? Dass die organisierten Frauen die Konferenz gut heißen, davon gehe ich aus. Aber was ist mit den Frauen, die kein Mitglied in einer der Veranstalter-Organisationen sind, wie stehen die dazu, dass jetzt eine große Gruppe Frauen kommt, die Hunger und Durst hat und Energie brauchen wird? Wollen diese Frauen solch eine Konferenz bei sich? Oder ist die Konferenz nur für die Frauen, die im Luxus leben?

    Lieber Opa, du hast angeboten, Fragen zu vermitteln, falls es dir möglich ist, leite bitte die Fragen weiter, aber nur, wenn es keine Umstände macht … allerdings fände ich vor allem die Antworten auf den zweiten Block interessant.

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