Karl Hofer, Antifaschist

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Ausschnitt aus dem Bild „Die schwarzen Zimmer“ (1943). Das Bild wirbt für die Ausstellung: „Die Schwarzen Jahre Geschichten einer Sammlung.  1933-1945“ im Museum Hamburger Bahnhof Berlin.

Die Ausstellung ist nicht sehr umfangreich. Sie will sich nicht beschränken auf die Kunst des antifaschistischen Widerstands. Sie konzentriert sich nicht auf die verfemte Kunst. Sie gibt keinen breiten Eindruck von der angepassten Kunst. Sie bringt von allem etwas, darunter durchaus sehenswerte Einzelstücke, konzentriert sich aber auf nichts. Genauer: Es geht wirklich (nur) darum, Geschichten von der Sammlung zu erzählen. Wem’s genügt. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Nebenbei tut man etwas, um eine neue Umschreibung zu etablieren: „Die Schwarzen Jahre“. Erinnert an die „Zeit der Schlafwandler“. Harte, böse Wirklichkeiten, die noch heute nach Erkenntnis verlangen, werden in Märlein-Vokabular eingesponnen.

Trotz allem, für mich war es eine Wiederbegegnung mit dem geliebten, verehrten Karl Hofer. Zwei Bilder waren dort zu sehen, und „Die schwarzen Zimmer“ ist wahrlich ein Meisterwerk. Im Museumsshop dann noch, auf 20,-€ verbilligt und somit für mich erschwinglich, der Katalog zu einer Hofer-Ausstellung der Kunsthalle Emden von 2012: „Von Lebensspuk und stiller Schönheit“. Gewiss ein einseitiger Blick auf den Meister aber einer, der die berührende Schönheit der vielen Bilder junger Menschen, eines schöner als das andere, in der Mehrzahl Mädchen, zu entdecken erlaubt.

Zu Hause nehme ich mir wieder einmal den Katalog der großen DDR-Hofer-Ausstellung in der Moritzburg Halle aus Anlass seines 100. Geburtstags 1978 vor. Gleich einleitend wird das Werk „des Realisten und Romantikers, der Malers der erträumten Harmonie und des kämpferischen Zorns“ gewürdigt. Die gültige Spannweite dieser Sicht auf Hofer ist mir wieder gegenwärtig. Die Fülle der Bilder der Mahnung und Warnung! Eine Fülle, die selbst die Bildersuche von Google NICHT erschließt! Nur wenn Du weißt, was Du suchst, liefert Dir Google brauchbare Ergebnisse. Mensch gebe ein: Karl Hofer + Kassandra oder „Hofer + Im Neubau“ oder Hofer + Frierende. (Wie glücklich war ich nach der Hallenser Ausstellung, als ich erfuhr, dass es gelungen war, „Kassandra“ (1936) für Halle anzukaufen.)

Hofer 2_Kassandra_1936_250

Am Ende belässt auch Google viele wichtige Werke im Vergessen. Nicht zu finden sind: „Atomserenade“ (1947) oder das große Werk „Gefangene (am Rad)“ von 1944 oder „Das Lager“ (1944) und viele, viele mehr. Dieses letztgenannte Werk werde ich morgen versuchen, aus dem Katalog hierher zu reproduzieren….

… Und das ist nun das Ergebnis. Die Qualität ist natürlich unbefriedigend. Es ist nicht mehr als eine Stütze der Erinnerung.hofer Das Lager blog

„Das Lager“ (!944), Öl auf Leinwand. Das Bil hat die Maße 80 x 113, und es befand sich zum Zeitpunkt der Moritzburg-Ausstellung im Nachlass Hofer Berlin (West).

Auch „Männer im Wald“ (1945) ist nirgends zu finden!hofer männer im Wald blog

Und viele, viele mehr!

Karl Hofer ist als der vielleicht bedeutendste antifaschistische Maler der Deutschen (neben Grundig und Nußbaum, die ich keineswegs missachte) weitgehend unbekannt. Zum Teil ist das deshalb so, weil dieses Schaffen heute aktiv verdrängt und ignoriert wird.  

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Übrigens hab ich vor neun Jahren schon einmal über Hofer gebloggt.

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2 Antworten zu Karl Hofer, Antifaschist

  1. Joachim Bode schreibt:

    Danke, opa, für diesen Bericht
    Für mich stand der Name Hofer bisher (nur) für den Freiheitskämpfer Andreas H. vom Bergisel.

  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Jetzt habe ich mir die Zeit genommen und die Bilder intensiv angeschaut.
    Das ist schon ein großartiges Werk und führt uns die Leiden jener Zeit drastisch vor Augen!
    Der Name Hofer fiel einmal im Zusammenhang mit einem Bilderverkauf. Die Trennung vom Bild fiel dem Verkäufer sehr schwer. Jetzt habe ich noch einmal nachgefragt: „Ja sagte er, das war so. Hofer war ein ganz großer seiner Zeit.“

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