Aber bitte keinesfalls frontal gegen die NATO!

Gestern saßen Friedensbewegte zusammen und berieten. Unsere „Zeiten“ sind nicht friedensfreundlich (Zeiten in „… „, weil die Zeiten an der Friedensunfreundlichkeit wohl am Wenigsten Schuld haben). Die Kriegsgefahr alarmiert, und so verwundert es nicht, dass das Diskutantengrüppchen mehr als 50 Leute stark war. Die Beratungsdauer war auf vier Stunden angesetzt, Zeit, um Streitfragen etwas grundsätzlicher zu bearbeiten. Die TeilnehmerInnen kamen in der Mehrzahl von Friko und Friedensratschlag, sehr viele von ihnen ausgewiesene MultifunktionärInnen.

Fast alle sind lange dabei. Der Ritterschlag, den fast jeder/jede vorweist, ist die Demo 2003 gegen den Irakkrieg, Eine Art Gurustatus erlangst du, wenn du Erfahrungen aus der Zeit des Krefelder Appells vorweisen kannst.

Opa, der sich Respektlosigkeit auch und gerade gegenüber VolkstribunenInnen erarbeitet hat (steht sogar im Kopf dieses Blogs), ätzt gern mal die 2003-Demo (bei der er natürlich nicht fehlte) als „Danke-Gerhard-Demo“ und sieht „Krefeld“ als eine begrüßenswert breite politische Aktion, die die am Ende herangereiften Anti-NATO-Schlussfolgerungen nicht zu ziehen vermochte. Vergangenheit, die nicht vergangen ist.

Lehrreich, um noch bei „Krefeld“ zu bleiben, dass damals der ganze Aktions- und Diskussionsberg in sich zusammenschnurrte, nachdem der tatsächliche Souverän (nämlich die Beauftragten des in Deutschland herrschenden Kapitals im Bundestag) ungerührt ihren Doppelbeschluss gefasst hatten. Die Fokussierung der Friedensbewegung auf ein Ereignis, eine Entscheidung, die die Entscheidungsgewaltigen beliebig setzen oder verschieben oder weiterentwickeln oder sonstwie modifizieren (damals der Doppelbeschlus), bringt die Friedensbewegung automatisch in die Nachläuferrolle, wenn sie nicht zugleich eine strategische Angriffsposition vertritt. Dieser Lehre verweigern sich die verdienten MultifunktionärInnen konsequent, selbst wenn ihnen vernünftige Leute, wie Drewermann, sie ihnen nachdrücklich ins Stammbuch schreiben.

So auch gestern. Der Vorschlag, im terminlichen Kontext mit der Warschauer NATO-Tagung im Juli 2016 eine große bundesweite, langfristig vorbereitete  Protestaktion „No NATO – DEUTSCHLAND RAUS AUS DER NATO – NATO RAUS AUS DEUTSCHLAND“ in Berlin zu organisieren, wurde zwar von mehreren RednerInnen sachkundig vertreten und von nicht Wenigen mehr oder beifällig begleitet, wurde aber nicht beschlossen. Dass die Freidenker seit Sommer 2015 eine entsprechende Initiative mit Erfolg gestartet haben (die wohl als brauchbare Diskussionsgrundlage gelten kann) wurde mehr oder weniger (nicht) zur Kenntnis genommen. Selbst der Beschluss, die Proteste gegen die Münchner Siko zu unterstützen und entsprechend zu mobilisieren, führte zu keiner spürbaren Verstärkung des No-NATO-Engagements. Es ist zu befürchten, dass der genannte Vorschlag in die Mühlen des Geschäftsgangs bewährter MultifunktionärInnen geraten wird und irgendwann, irgendwie, irgendwo – nicht völlig beerdigt werden kann. Was tun, damit am Ende die aufklärend-mobilisierende Wirkung in dieser Frage nicht gegen Null geht?

Opa, soviel sei noch berichtet, verlangte unter anderem mehr Breite auf neue Art anzustreben und machte die Vorschläge, das Bündnis einerseits auf die (verkürzt gesagt) großbürgerlichen Antikriegspartner (Willy Wimmer und Co) auszudehnen und andererseits in einen offenen Diskussionsprozess mit den Friedensaktivisten einzutreten, die sich selbst nachdrücklich als „weder links noch rechts“ bezeichnen. Namentlich erwähnte ich Ken Jebsen und Frank Geppert aus Halle.

Wenn das Aufstellen von FriedensaktivistenInnen-Nackenhaaren mit Geräusch verbunden wäre, wären in diesem Augenblick 120 Dezibel im Raum überschritten worden. So aber blieb alles ruhig. Die heiße Kartoffel kullerte, von NIEMANDEN berührt, unter den Tisch; ein sicher bald beseitigter Schmutzfleck im IALANA-Büro. Erstaunlich, dass in soviel Ernst soviel Spaß stecken kann.

Ich meine, dass die InitiatorInnen und UnterschreiberInnen der Freidenker-Initiative allen Grund (und reichlich Möglichkeiten) haben, ihre Initiative  „No NATO – DEUTSCHLAND RAUS AUS DER NATO – NATO RAUS AUS DEUTSCHLAND“ energisch weiter zu entwickeln.

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4 Antworten zu Aber bitte keinesfalls frontal gegen die NATO!

  1. Pingback: Opa, wie so Viele, heftig um Orientierung bemüht | opablog

  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Zufällig begegnete mir dieser Beitrag im Netz.
    Ich kann ihn nicht bewerten. Den Verfasser
    Manlio Dinucci kenne ich bisher nicht:
    „Die Nato – bei der Linken tabu“
    http://www.voltairenet.org/article189264.html

    Und was Klaus Ernst geäußert hat:
    Nachzulesen in den NachdenkSeiten
    Hinweise des Tages vom 12.01.:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=30144#h14
    gibt auch zu denken.

    • kranich05 schreibt:

      Danke Frau Bruckmann,
      für die Hinweise. Beide waren mir durch die Lappen gegangen, obwohl ich doch ein regelmäßiger Leser zumindest von Voltairenet bin. 🙂

    • kranich05 schreibt:

      Inzwischen habe ich obigen Artikel gelesen. Informativ! Leider enthält er keine Aussagen zur deutschen Linkspartei. Wie, genau, ist deren Beschlusslage? Hat jemand die Quellen/Links bei der Hand?

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