Bei Freidenkern gefunden … und anderswo… 2/15

von kranich05:

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Joachim Guilliard ist Freidenker und schreibt, neben seiner sonstigen publizistischen Tätigkeit, das Blog „Nachgetragen“. Seine Eintragungen sind leider nicht so regelmäßig, wie es, angesichts seiner Kompetenz, zu wünschen wäre. Am 27. 9.2015 setzte er sich mit der Politikerin der LINKEN, Christine Buchholz, auseinander, die im Verteidigungsausschuss des Bundestages sitzt und dem Geschäftsführenden Bundesvorstand der Partei angehört. Guilliard schreibt: „Realitätsfremd und absolut verantwortungslos sind … die Verharmlosung des IS und der anderen islamistischen Gruppen und das Festhalten an der Illusion einer progressiven Alternative zur Assad-Regierung.“ und „Für den Krieg wird allein die Regierung verantwortlich gemacht. Der Aufbau und die Ausrüstung islamistischer Milizen, sowie deren politische, finanzielle, militärische und logistische Unterstützung durch die Golfmonarchien, die Türkei wie auch durch die USA und andere Nato-Staaten werden einfach ignoriert. Folgerichtig richtet sich der Krieg der syrischen Armee in ihren Augen auch vorwiegend gegen die Zivilbevölkerung in den „befreiten Städten“ und dorthin seien auch, so behaupten sie, die meisten syrischen Flüchtlinge vor den Truppen geflohen. Das „Assad-Regime“ ist aus Sicht der beiden Autoren, die keine Quellen für ihre Weisheiten nennen, auch selbst für den IS verantwortlich und würde diesen selbst nicht bekämpfen.“   

Ein Blick auf die Webseite von Christine Buchholz zeigt, dass sie auch heute, nach einem Vierteljahr lehrreicher Entwicklungen, an ihren Kernthesen festhält: Assad sei Terrorist und muss weg und ein Anti-Terror-Krieg, so hätten die USA bewiesen, könne nicht „funktionieren“.

Guilliards Schlusssatz „Man muss schon ideologisch sehr verbohrt sein und alle unabhängige Berichte ignorieren, um behaupten zu können, „eine tragfähige Lösung ist nicht mit dem Regime denkbar.“ Im Umkehrschluss kann das ja nur heißen, dass für sie der Sturz der Assad-Regierung das erste Ziel sein müsste. Danach wäre jedoch eine Übernahme des Landes durch den IS, bzw. wahrscheinlicher noch, eine Aufteilung des Landes, unter den dschihadistischen Gruppen nicht mehr zu verhindern.“ gehört heute mehr denn je ins Stammbuch so mancher linker und friedensbewegter Funktionäre.

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Einen Eindruck von aktuellen Diskussionen in der deutschen Friedensbewegung im Zusammenhang mit dem Planungstreffen „Stopp Ramstein 2016“ (13. 12. 2015 in Offenbach) liefern eine Reihe Videos des Kanals Regenbogen TV. Besonders hervorheben möchte ich die etwa dreiviertelstündigen gedankenreichen Ausführungen Eugen Drewermanns. Bemerkenswert seine Hervorhebung der NATO als „größte Gefahr“ (womit er Grundgedanken seiner Rede auf der Berliner „Anti-Gauck-Kundgebung“ des Friedenswinters 2014 fortführt), sein Aufruf, den Gehorsam zu verweigern und seine zusammenfassende These gegen Ende seiner Rede: „Der Hegemonialanspruch der USA ist die Krebsgefahr des Friedens generell und solange wir da nicht austreten mit einem klaren „Nein!“ und Alternativen zeigen, ist das Problem nicht lösbar.“

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Mein heute letzter Hinweis bezieht sich auf ein Buch, das es in sich hat. Es trägt den Titel: „Das Neue Pearl Harbor – Band 1: Beunruhigende Fragen zur Bush-Regierung und zum 11. September“, und geschrieben hat es David Ray Griffin, USA. Das war im Jahr 2004. Jetzt ist das Standardwerk auf deutsch erschienen und online kostenlos verfügbar. Von Griffin weiss Wikipedia vor allem, dass er „in zahlreichen Schriften Verschwörungstheorien zum 11. September 2001“ präsentiert und dass er mit vier Titeln im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek vertreten sei. Neben obigem, bei Wikipedia fehlenden Hinweis, liebe Leserin, lieber Leser, auf die nun verfügbare deutsche Übersetzung, darf ich sie weiterhin informieren, dass der Verlag paece press zahlreiche weitere Stellungnahmen Griffins auf deutsch zugänglich gemacht hat.

Das Buch selbst, mit dessen Lektüre ich noch nicht zu Ende bin, macht auf mich einen soliden wissenschaftlichen Eindruck – tatsachenorientiert, systematisch und zugleich zurückhaltend in der Bewertung. Dabei ein wacher Blick für politische Interessenzusammenhänge und grundsätzliche Fragen der Demokratie. Es könnte ein „Anker“ in der Flut der widerstreitenden Informationen, Thesen und Theorien sein. Bleibt unbedingt noch zu erwähnen, dass mich mein Freidenkerfreund Jean-Theo auf all das aufmerksam gemacht hat.

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