Ein Denkzettel

Vor einem knappen Monat habe ich hier im Blog ein Gespräch wiedergegeben, das sich um die Frage drehte, „Was kann ich tun?“ in unseren dramatischen Zeiten. Einige Berliner FreidenkerInnen habe darüber ebenfalls diskutiert. Wir waren uns einig, dass wir noch mehr Aufklärung brauchen. Wir stellten aber auch fest, dass es schon sehr viel Aufklärung gibt, z. B. im Internet, viele Menschen sie leider aber gar nicht nutzen. Manchmal kommt es uns so vor, als ob wir uns im Kreise drehen: Eine kleine Szene von Informierten strampelt, um eine kleine Szene von Informierten aufzuklären. Deshalb haben wir uns vorgenommen, uns im neuen Jahr mit einer Art Marktstand auf die Strasse zu stellen und den Passanten kleine Denkzettel anzubieten. Der folgende Text ist mein erster Versuch eines solchen Denkzettels.

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Müssen wir Angst vor einem Krieg in Deutschland haben?

Eher nicht.

Grenzen: Wir haben kein einziges Grenzproblem. Alle unsere Nachbarstaaten sind freundlich zu uns, und wir sind es zu ihnen.

Attentate: Attentate, wie in Paris, sind zwar ungeheuer aufregend aber sie sind kein Krieg, keine Kriegserklärung, kein Kriegsgrund.

Also können wir in Deutschland, fern jeder Kriegsgefahr, glücklich und zufrieden sein? 

Leider nein.

Erstens: Deutschland führt Kriege in der weiten Welt (z. B. am Hindukusch). Die Staaten dort sind zu schwach, um uns zu bedrohen. Oder?

Zweitens: Deutschland hat Bündnispartner mit denen es durch dick und dünn geht. Leider führen einige dieser Partner, etwa USA oder Frankreich oder Türkei, oft und gern Krieg. Was passiert, wenn sie sich Russland als Feind aussuchen?

Und drittens: Es gibt 20 Atombomben der USA auf deutschem Boden. Eine frühere Bundesregierung setzte sich für ihren Abzug ein. Nachdem aber die Amerikaner erklärten, wie lieb und wert ihnen Atomwaffen in Deutschland sind, stimmte die Regierung Merkel/Gabriel dem weiteren Verbleib zu und der Modernisierung.

Wie beruhigt dürfen wir sein?

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Ich kann mir aber auch die folgende Version des zweiten Teils des Denkzettels vorstellen (bei unverändertem ersten Teil):

Also können wir in Deutschland, fern jeder Kriegsgefahr, glücklich und zufrieden sein? 

Leider nein.

Erstens: …

Zweitens: …

Und drittens: …

Mir fallen mindestens drei schwerwiegende Gründe dafür ein, dass auch wir Deutsche in Kriegsgefahr leben.

Und Ihnen?

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10 Antworten zu Ein Denkzettel

  1. klotzchrist schreibt:

    Weißt Du, warum wir damit keinen Stich machen?
    Weil hinterher wieder alle fragen, wie es bloß dazu kommen konnte?

    Gegen dieses geheuchelte Entsetzen kurz und dreckig:
    Schau dich doch um.
    Genau deswegen.

  2. Theresa Bruckmann schreibt:

    Meiner Meinung nach ist es nicht die Basis, die aufgeklärt werden muss.
    Wenn man bedenkt, dass Hauptthema der NATO-Tagung vom 23.-25. November in Essen war,
    Strategien zu entwickeln, wie man die mehrheitlich kriegsunwillige Bevölkerung stimulieren kann, Kriege für selbstverständlich zu halten.
    Würden Gysi, Gehrcke, Wagenknecht Arm in Arm bei den Friedensdemonstrationen mitgehen,
    müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn keine große neue Friedensbewegung zustande-
    käme.
    Das ist das Signal, das wir brauchen!

    • Lutz Lippke schreibt:

      Der Punkt ist aber auch, dass die Bevölkerung (bisher) nicht nur kriegsunwillig ist, sondern auch demonstrations- und veränderungsunwillig. Denn keiner der Genannten kann auch aufklären, welche Folgen ein Aufraffen zu Veränderungen hätte und auf wen und was man dabei zählen könnte. Im Prinzip fürchtet auch die parlamentarische Opposition tatsächliche Veränderung und demonstriert daher nicht. Sichtbare Demonstrationen auf der Strasse erfordern tausende Bürger, die dann vom oft steuerfinanzierten Merchandising der Organisationen eingehüllt werden. Das macht nicht wirklich glücklich.
      Das Schleifen der demokratischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen hätte schon längst zum demonstrativen Auszug aller Demokraten aus dem Parlament führen müssen. Denn jeder Abgeordnete vertritt tausende Bürger und kann/sollte in deren Sinne persönlich Verantwortung übernehmen und handeln. Stattdessen macht man mit Plätzchenwechseln und Rhetorikübungen unverdrossen weiter, solange das Geld fließt und das Theaterstück nicht offiziell abgesetzt ist. Genau dann aber, wird man es wegen angeblicher Demokratieunfähigkeit dem Volk als Verursacher vorwerfen.

      • Theresa Bruckmann schreibt:

        Ja, dann schlage ich vor, Sozialhilfeniveau für bloßes Mitläufertum, 100 % der bisherigen Diäten nur fürs Selberdenken, Weiterdenken und dies auch noch mutig und damit öffentlich zu äußern. .

      • kranich05 schreibt:

        Zugespitzt: Solange wir Demokratie mit „Sich repräsentieren lassen“ verwechseln, haben wir nichts verstanden.

    • kranich05 schreibt:

      Liebe Theresa Bruckmann, darauf zu warten, dass Gysi, Gehrke, Wagenknecht an der Spitze unserer Friedensdemo marschieren, finde ich völlig untauglich. Abgesehen davon, dass eine Demo und sei sie auch riesengroß (die berühmte halbe Million damals im Bonner Hofgarten) nicht die Politik der Herrschenden ändert, verspreche ich mir von korrupten Führern nicht das Geringste.
      Solange die Basis FührerInnen sucht und an Führerinnen glaubt, wird sie keinen Blumentopp gewinnen.
      Buchstäblich JEDER MENSCH muss für sein Stück Frieden einstehen und losmarschieren. Dann kann es etwas werden. Dieses bewusst zu machen, nenne ich Aufklärung.

  3. Julia Bleek schreibt:

    Moment, die Studentenproteste der 68er haben durchaus große Veränderungen mit sich gebracht (nur als Beispiel aus der jüngsten Geschichte…gar nicht zu sprechen von fast allen größeren gesellschaftlichen Umwälzungen – franz.Revolution, etc.pp.). Man muss eben nur lang genug und beharrlich dran bleiben. Wenn eine Demo „nicht die Politik der Herrschenden ändert“, braucht man doch wirklich erst gar nicht anzufangen…??!!! Oder warum wollen Sie für den Frieden marschieren?

  4. Pingback: Denkzettel 2 | opablog

  5. Urte schreibt:

    Mir wäre lieber wenn Denk-Zettel wirklich nur Sätze oder Fragen enthielten und nicht schon Antworten. Adressen für Kontakte oder auch Blogs oder was immer um selber aktiver zu werden fände ich angebracht.
    Mir persönlich wäre das ganze „sinnlicher“ wenn eine Illustration, Karrikatur oder Foto erst mal Aufmerksamkeit auf sich zöge, auch schön oder lustig oder nachdenklich machend. Dann einen Satz als Frage oder Aufforderung.
    Jede weitere Erklärung ließe mich dann schon wieder „gesättigt“ zurück.
    Ich mache gerne ein paar Vorschläge, die ich als PDF zeigen könnte. Wie, müsste mir man sagen.

    • kranich05 schreibt:

      Liebe Urte,
      mit der Denkzettelei kommen wir nur langsam in die Gänge. (Immerhin habe ich inzwischen einen Bauchladen „organisiert“.)
      „Mir wäre lieber wenn Denk-Zettel wirklich nur Sätze oder Fragen enthielten und nicht schon Antworten.“ – Mir auch.

      „Adressen für Kontakte oder auch Blogs oder was immer um selber aktiver zu werden fände ich angebracht.“ – Wir meinten bisher, dass wir NUR auf unsere Freidenkerwebseite (die wir künftig lebendig gestalten wollen) hinweisen. Vielleicht sollten von Fall zu Fall ein oder zwei Kontakte angegeben werden. Jedenfalls auch da nicht zu viel. Wer mehr wissen will, sollte uns regelmäßig, möglichst wöchentlich, am Rande des Markts treffen können. Wir denken z. b. Dienstag-Nachmittag am Maybachufer – http://www.berlin-ick-liebe-dir.de/der-wochenmarkt-am-maybachufer-der-tuerkenmarkt/

      „Mir persönlich wäre das ganze “sinnlicher” wenn eine Illustration, Karikatur oder Foto erst mal Aufmerksamkeit auf sich zöge, auch schön oder lustig oder nachdenklich machend. Dann einen Satz als Frage oder Aufforderung.“ – Klasse Idee. Ich kann das nicht, fände es aber toll, wenn Du das machst. Ich kann mir übrigens auch Gereimtes vorstellen.

      „Wie, müsste mir man sagen.“ – Verstehe nicht ganz, was Du hier meinst. Das Startbild der Seite „Wissens-Design“ ist jedenfalls schon mal ein Blickfang. Ich glaube wir drei (Elke, Jean-Theo und ich) müssen uns erstmal klar machen, zu welchen Themen oder Anlässen wir Denkzettel machen wollen. Jemand, den ich fragte, sagte spontan das Thema: „Grenzschließung“. Hast Du Ideen dazu?
      Gruß
      Klaus-Peter

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