Der Glutkern (II)

„Glutkern“ sage ich zu einer „Szene“, über die ich hier geschrieben habe. Zu welcher Szene? Warum Glutkern?

Frage nur nach der Szene!

Antworten a) gibt es kaum und wenn doch, sind sie b) ohne Inhalt. Denn die Szene ist eine geschlossene Veranstaltung. Geheim. Aber sie ist alles andere als belanglos. Sie ist mächtig, übermächtig.

Wäre der Souverän der Souverän würde er diese Szene nicht nur mit Argusaugen bewachen, sondern an die kürzestmögliche Kette legen – oder gleich zur Hölle schicken. Doch Souverän ist ein frommer Wunsch. In Wahrheit liegt er selbst an der kürzestmöglichen Kette. Zudem ist ihm der Kopf abhanden gekommen, und der Fußball, den er statt dessen trägt, kennt „Sponsoren“, sonst nix.

Die Superreichen, das Ganz Große Geld (GGG), agieren nicht nur im Geheimen, ihr Agieren stößt auch auf kein Interesse, weder in der politischen Öffentlichkeit, noch in der Wissenschaft, noch nicht einmal in der modernen Kunst. Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel. Selbst die berufsmäßigen Neider interessieren sich kaum für’s GGG, denn die Raumstationen dieser „Überflieger“ kreisen viel zu hoch, sind weiter weg als Pluto. (Gemessen an ihnen ist uns der Mond nah und vertraut.) GGG existiert einfach nicht im Bewusstsein derer, die ihm tagtäglich unterworfen sind . Es ist „nur“ profane Wirklichkeit.

Bezogen auf’s GGG leben wir in vorgalileischer ZeitWissenschaft Interessant Gemacht – Teil 151 – Wer war Galileo Galilei

Mit welchem Recht äußere ich solche Gewissheiten, wenn doch alles geheim ist?

Ja, für eine solide dialektisch-materialistische Analyse fehlt es an den Daten der quantitativen und qualitativen Verhältnisse. Wissenschaft, die gern zwei Erbsen und drei Erbsen zusammenzählt, ist ziemlich ratlos. Aber das Denken in Qualitäten, die wohlbegründete Spekulation, das Gedankenexperiment erlauben dennoch einige Aussagen.

Interessierte können das bei Krysmanski lernen, dem weit und breit anregendsten Forscher auf diesem Feld.

Auf den allerersten Seiten seines Buches „Hirten und Wölfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen“ (in GNU Free Documentation License frei verfügbar),veranschaulicht er, was es bedeutet, ein Milliardär zu sein. Ich zitiere die ganze bedenkenswerte Passage:

„Die Allerwenigsten auf diesem Planeten haben ein Vermögen von auch nur 1 Tsd. Dollar, ein Banknotenbündel von etwa 1 cm Höhe. 

Mit 100 Tsd. Dollar, etwa 1m, gehört man schon – im weltweiten Vergleich – zu den Wohlhabenden und mit 180 Tsd. Dollar, also Mannshöhe, zu den Reichen. 

Das Vermögen eines einfachen Millionärs – 1 Mill. Dollar – entspricht dann 10 m, der Höhe eines 3-stöckigen Hauses. Auch gewöhnliche Millionäre verfügen aber im allgemeinen über mehrere Millionen Dollar: bei 3 Mill. wären das dann bereits 30 m – ein 9-stöckiges Gebäude. 10 Mill. Dollar ergäben schon 100 m, also ein Hochhaus mit 30 Stockwerken. Da stünde ein wohlhabender Durchschnittsmensch mit seinen 180 Tsd. Dollar schon staunend davor. 

Ähnlich muss es unserem gewöhnlichen Multimillionär – mit 10 Mill. Dollar – gehen, wenn er auf einen ‚richtigen’ Multimillionär, mit einem Vermögen von 100 Mill. stößt. Man sollte wissen: zu den gewöhnlichen Multimillionären gehören heute z.B. schon die Eliten aus Politik, Wissenschaft, aus den freien Berufen, aus dem Schaugeschäft und dem Sport. Die stehen nun auf dem Dach ihres 30-stöckigen Kleinwolkenkratzers und blicken hinauf, wie der ‚richtige’ Multimillionär mit seinem Privatflugzeug in 1 km Höhe (denn das entspricht 100 Mill. Dollar) über die Stadt fliegt. 

Oberhalb der Vermögen von 100 Mill. Dollar geht die Welt der Reichen allmählich, aber nur allmählich, in die Welt der Superreichen über. Mit 200 bis 300 Mill. Dollar kann man bequem die Alpen überfliegen, mit 800 Mill. Dollar den Himalaya – und braucht dann schon ein Sauerstoffgerät. Der einfache Milliardär schließlich fliegt in seinem Businessjet in einer Höhe von 10 km, wo die Welt da unten sehr klein aussieht und das 3-stöckige Haus unseres einfachen Millionärs nicht mehr richtig zu erkennen ist, geschweige denn ein einzelner Mensch (mit seinen 180 Tsd. Dollar). 

In dieser Region aber – ab 1 Mrd. Vermögen, 10 km hoch – wird es erst wirklich interessant. Die Zahl solcher Dollarmilliardäre bewegt sich weltweit zwischen 2-3 Tsd. Diese kleine Gruppe als Ganze verfügt über ein Vermögen, das größer ist als das Bruttosozialprodukt der 3 unteren Fünftel aller Staaten oder größer als das Vermögen der unteren 80 Prozent  aller Menschen auf dieser Erde. 

Mit 3 Mrd. Dollar Vermögen – 30 km – fliegt man im übrigen bereits in der Stratosphäre, mit 10 Mrd. – 100 km – verlässt man die irdische Lufthülle und mit den 50 Mrd. des Bill Gates – 500 km – befindet man sich bereits im Weltraum. 

Und da sage mir einer, dass Milliardäre nicht in Versuchung sind, sich dieses Planeten als Ganzem anzunehmen, ‚planetarisch’ zu denken – und dass sie nicht die Mittel dafür haben …“.

Ich geb es zu, als ich diese Sätze, diesen einfachen bildhaften Vergleich, vor Jahren zum ersten mal las, stockte mir der Atem: Es ist der Schlüssel zu vielen Welträtseln der Menschen.

Ich spinne ein wenig weiter:

Der Inhaber einer Milliarde steckt 10.000 Wohlhabende mit jeweils 100.000 Vermögen in seinen großen Sack. Frau Klatten mit 30 Milliarden ist so „schwer“, wie es 300.000 Wohlhabende sind, oder sagen wir realistischer, sie wiegt eine Millionenmetropole auf (die ja nicht nur von „Wohlhabenden“ bevölkert wird).

Doch es stehen sich ja auf der Waage nicht nur still und brav gegenüber – der Zentnersack und der Fliegenschiss. Geld, wie jeder weiß, „arbeitet“, und das GGG ist geradezu arbeitswütrig. Der 1-fach-Milliardär kauft sich eine Großstadt und zusammen mit seiner puckligen Verwandtschaft den ganzen Landstrich.

In unseren reichen Ländern verdient manch fleißiger Worker 10.000 € im Jahr. Wenn ein Großkopf 1 Milliarde übrig hat, kann er 100.000 solch armen Schluckern ein Jahr lang „Arbeit geben“, d. h. seine Beute saugen aus ihrem Jahr Maloche. Und legt er noch lumpige hundert Millionen darauf, wird er zudem noch tausend höchst qualifizierte Spezialisten und Führungskräfte anstellen (AufseherInnen, MotiviererInnen, BetreuerInnen, BestraferInnen), die für ein Jahreseinkommen von 100.000 € zu jeder Schandtat Dienstleistung bereit sind.

Wie war nochmal das Durchschnittseinkommen des begeisterten Daesh-Söldners?

PolitikerInnen aller Farben (friedensbewegte Funktionäre dito) überschwemmen uns derzeit mit Vorschlägen, dass die Finanzquellen des Daesh „ausgetrocknet“ werden sollten. Tolle Idee! Ob sie auch noch paar kleine Ideen nachreichen, wie mit dem Massiv umzugehen sei, aus dem diese Quellen entspringen?

Für heute erstmal genug von diesem „Massiv“, das ich „Glutkern“ nenne.

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