Was kann ich tun?

Sie hatten sich gegenseitig über einige Neuigkeiten zum NSU informiert. Da waren diese erstaunlichen Worte des CDU-Parlamentariers Armin Schuster. Fast gleichzeitig wurden sie auf den Krimi von Wolfgang Schorlau aufmerksam, „Die schützende Hand. Denglers achter Fall“. Er wurde von Sabine Schiffer in den Nachdenkseiten besprochen.

M. meinte: „Schorlau ist gut. Den habe ich mal bei einer Lesung gehört. Der recherchiert seine Sachen gut.“

Aber B. platzte der Kragen: „Ich kann das nicht fassen. Böhnhart und Mundlos sind ermordet worden? Warum? Von wem? Wozu?
War das Trio also nur ausführendes Organ? Wer waren dann die Hintermänner?
Was ist eigentlich los in Deutschland.
Ich neige immer eher zum nicht wahr haben wollen!“

M. sagte begütigend: „Also wir leben schon in einem Sumpf, aber es gibt viele Menschen, die wollen ihn trockenlegen und wollen es anders. Und immer wieder lerne ich Gruppierungen kennen, die schon seit langem daran arbeiten. Das stimmt positiv. Es hat sich auch einiges geändert…
Menschen haben also die Möglichkeit etwas zu bewegen. Das was ich
bewegen kann, versuche ich in meinem kleinen Rahmen zu tun. Andere
machen es auch. Und es wird schon …“

B. bedankte sich: „Lieber M., danke für deine Zeilen. Deine Meinung und dein Tun imponieren mir. Ich selbst verharre leider taten- und fassungslos.“

Locki meldete sich zu Wort: „Liebe B., du stellst wohl die richtigen Fragen und wahrhaben brauchst du ja nur deine Gewissheiten. In Frage stellen ist doch legitim und bestimmt auch nötig, weil wir kaum auf den Grund des trüben Teiches schauen können. 

Mir schwante frühzeitig, dass auch bei „Dönermorde“ und „Bosporus“ Verdeckungsbedarf besteht.  Alles was ich seither über diesen Komplex gesehen und gelesen habe, bestätigt meinen damaligen Verdacht: Es war mehr als nur Schlamperei, da war schon ein Kalkül am Werk. Ich weiß es ja auch nicht was da los ist, mir schwant aber, dass es Leute gibt, die an Chaos und Eskalationen Freude haben, weil es ihren Hunger nach noch mehr Kontrolle und Macht befriedigt. Man lässt am rechten Rand zündeln. Wenn Asylbewerberheime brennen, fehlt es an Personal oder das vorhandene sieht gelangweilt zu wie die Brandstifter abziehen.

Letztlich kommt es mir vor, als wären wir in einem Demokratie-Abschaffungs-Prozess geraten. Auch wenn das ernüchternd ist, es hilft ja nicht weiter, wenn wir uns die heile Welt, die wir nicht haben, vorgaukeln.“

Und M. sagte: „Liebe B., ich widerspreche dir!!!
Du hast doch schon einiges getan. Ich denke an Texte, die du geschrieben
hast. Du hast mit vielen Leuten gesprochen und deine Meinung gesagt. Du hast vier Kinder und gehst in die Arbeit …
also ich meine, das, was du in der Situation tun konntest, hast du getan.

Es gab Zeiten, da habe ich gedacht, ich fahre jetzt einfach nach Köln und stelle mich außen hin – als die große Öffentlichkeit noch draußen war, das war die schlimmste Zeit. Gern hätte ich in der Zeit mehr getan, aber der Tag hat nur 24 Stunden … vielleicht hätte ich anderes tun sollen, hinterher sind alle immer gescheiter … es geht einfach nur um das Überhaupt …
Alles muss klein beginnen
Alles muss klein beginnen. 

Kennst du dieses Lied von Gerhard Schöne?“

D. beteiligte sich nicht an dem Gespräch, verwies nur stumm auf dieses Urteil:

„Aktenvernichtung von Vorgängen zum NSU – Bundesamt für Verfassungsschutz muss der Presse Auskunft zu Disziplinarverfahren erteilen“

S. (wie „Spätzünder“) meldete sich auch noch zu Wort:

„Hey, Euer Gespräch habe ich verfolgt. 

Ich finde beides trifft zu: „Ich selbst verharre leider taten- und fassungslos.“ und ebenso: „ich widerspreche dir!!! Du hast doch schon einiges getan…. also ich meine, das, was du in der Situation tun konntest, hast du getan.“ 

Verrückt. Ich habe auch das Gefühl, dass ich nichts tue, nichts tuen kann. Zugleich weiss ich, dass ich Einiges tue…
Dass das menschliche, das politische Leben so läuft, wie es läuft, das bereitet mir Qual. Und ich will mich dieser Qual nicht entziehen.
Zugleich ist chronische Selbstquälerei eine idiotische Verhaltensweise gegenüber sich selbst. Sich ihr hinzugeben, lehne ich ab.
 
Ich suche nach Tun, das mir möglich ist, das über das hinausgeht, was ich mache und das diese Qual mindert.
Ich erinnere mich, dass ich früher mal Mahnwachen organisiert habe. Doch es müßte weniger Stress sein, weniger auf Erfolg fixiert. Im Gelben Forum habe ich ebenfalls von Mahnwachenideen gelesen. Es geht um möglichst viele kleine Mahnwachen, möglichst überall. Es scheint nur darum zu gehen, sich hinzustellen und zu zeigen: Wir sind da. Wir schlafen nicht…. Ohne Forderungen zu erheben??
Wie das funktionieren soll und vor allem mit welchem Ziel, das verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht.
Liebe Grüße
Euer S. 
 
Übrigens habe ich den Krimi von Schorlau heute Nacht bis 3 Uhr zu Ende verschlungen.“  
Und noch einmal sprach M.:

„NSU – es läuft ein Schauprozess, aber machen alle mit?

Es reden so viele, und viele unterschreiben auch, und manche sollten mal das Buch „Vom Reden zum Tun“ lesen, am Anfang war gut beschrieben, warum nach dem Reden Tun kommen soll und manche tun auch … aber wenn es
darum geht, Gesicht zu zeigen, dann kuschen manche.

Als vor ca. 12 Jahren ein Bekannter in Ruhestand ging, er war bei der Polizei, da sagte er, es sei schon komisch, er habe angefangen mit den Demos und der RAF, er höre auf mit kommenden Demos. Aber die
kommenden Demos würden schlimmer werden. Da werden die Arbeiter auf die
Strasse gehen, weil sie Hunger haben und dann würde es richtig brutal.
Menschen, die wegen eines politischen Willens auf die Straße gehen würden, seien leichter in den Griff zu bekommen, als Menschen die Hunger haben …

Statt der hungernden demonstrierenden Arbeiter werden uns jetzt Kriege präsentiert.

In Israel halten sie alle zusammen gegen die bösen Araber. 

Haben wir jetzt eine ähnliche Situation in Deutschland? Was kann getan werden? Warum haben letztendlich alle Parteien gekniffen?“

 .
.
.
Die atlantische Kriegspartei hält Kurs.
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5 Antworten zu Was kann ich tun?

  1. FdH schreibt:

    Was tun? Wir gründen einen Auswanderungsverein!
    Gegenseitige praktische Hilfe, Betreuung und kostenlose Unterstützung beim Auswandern,
    so das keiner allein gelassen wird mit dieser existenziellen Entscheidung.

    Das reicht und ist genug. Auch wenn wir schon zu alt sind, wenigstens für die Kinder wird so gesorgt!

  2. Lutz Lippke schreibt:

    Nun nachdem das wuchtige Küchenmöbel „bürgerlich-demokratischer Rechtsstaat Deutschland“ mal wieder ein wenig aus der Einbaunische gezogen wurde, erschrecken wir bei Lichte vor dem Biotop aus Dreck und Gekrabble, dass sich von uns weitgehend unbemerkt in den dunklen Winkeln eingenistet und prächtig entwickelt hatte. Die deutsche Küche schien allgemein geordnet und vergleichsweise sauber. Haben wir mit unserem Zweifel an diesem Mythos und vielleicht unnötiger Neugier unser Problem erst geschaffen? Jetzt beobachten wir ein wildes Gerenne, Flucht ins sichere Dunkel und gleichzeitig konzertierte Angriffe auf noch nicht verdreckte Ecken des Heims. Die ganze Bude scheint jetzt kontaminiert zu sein, man möchte eigentlich nur noch weg. Das was wir wegen der Sauberkeit und Gründlichkeit als bewohnbar akzeptierten – jedenfalls deutlich mehr als uns Lebensfreude, Offenheit und Gemütlichkeit hielt – stellt sich nun als scheinbar unbewohnbarer Saustall heraus. Die Kammerjäger sind in der ganzen Welt ausgebucht, keine kurzfristigen Termine zu bekommen. Deren Gebaren und die giftigen Methoden sind sowieso zweifelhaft bis betrügerisch. Man verzichtet besser.
    War es also grundsätzlich falsch überhaupt Licht ins Dunkle zu bringen? Kann man gegen die dadurch entfesselte Invasion noch ankommen und wenn ja wie?
    Die Reduktion des großen Problems durch Mapping auf ein vertrauteres kleineres Problem kann die schiere Größe und Unübersichtlichkeit ein Stück weit beheben und so neue Ansatzpunkte für den Umgang mit der Herausforderung liefern.
    1. Was passiert, wenn alles wieder an den alten Platz geschoben und die Sache verdrängt wird?
    2. Kann, darf oder muss man die Bude oder den Mythos des (wenigstens) Sauberen aufgeben?
    3. Grobes Großreinemachen Überall zugleich oder sicherer Terraingewinn durch Gründlichkeit?
    4. Wie kommt man inmitten des Drecks zu sicheren Bereichen?
    5. Was bewirkt noch mehr Licht ins Dunkle? Woher kommt die Lichtscheu des Parasitären?

    PS: Meine Bezugnahme auf Dreck und Parasitäres ist hier ausschließlich als Analogie/Mapping auf Heimlichkeit, Regelwidrigkeit, Täuschung und Betrug gemeint. Damit beziehe ich mich ausdrücklich nicht auf eine Charakterisierung konkreter Menschen oder Menschengruppen.

  3. Pingback: Ein Denkzettel | opablog

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