Wenn Linke diskutieren

Meine Frage unterstellt, das es noch Linke gibt. (Darüber nachzudenken, was Linkssein heute bedeutet, halte ich nicht für sinnlos, denn der Begriff „links“ ist unschärfer denn je. Die Linkspartei, BAK Shalom, die Friedensbewegung, Jutta Ditfurth, Antideutsche, Monty Schädel, IMI, Tobias Pflüger, junge Welt, Freidenker und Viele mehr- alle zählen sich irgendwie zu den Linken, obwohl teilweise spinnefeind. Doch dass soll jetzt nicht das Thema sein.)

Seit ungefähr zwei Jahren, seit die Montagsmahnwachen auf der Strasse auftauchten, versammelt sich das Volk – hoppla, „Volk“ sag‘ ich lieber nicht, um mir nicht den Vorwurf „des Völkischen“ einzuhandeln. Es versammelten sich also die Leut‘. Und sie fragten vorher nicht bei den Linken an. Das scheint das Unerhörte schlechthin zu sein.

Die Montagmahnwachen hat „man“ (unter maßgeblicher Mitwirkung Linker) mit viel Mühe weitgehend kaputt gemacht, vom hoffnungsvollen Friedenswinter zu schweigen. Doch die Demonstrationswilligkeit zahlreicher Leute ist nicht eingeschlafen. „Wer zählt die Städte, nennt die Namen?“ … HOGESA, Pegida, Antifa, Endgame. Wen vergessen? Die Einsortierung in die Schubfächer aber schien jetzt etwas komfortabler zu sein – beruhigten sich viele Linke.

Und nun Deja-vu. Erneut stehen Tausende herum. In Plauen auf der Strasse. Wieder ohne Genehmigung der Linken. Und das Schlimmste: Wieder taucht Ken Jebsen auf (von tatkräftiger Solidarität mit den in Griechenland von den EU-Herren und den Syriza-Linken Betrogenen zurück) mit seinen 200000 Internet-Followern, die ihm die junge Welt nie verzeihen wird.

Alles wiederholt sich. Wie ich höre, tönt Tobias Pflüger (bekanntlich für horrende Dummheit gut) , dass jedes Auftreten dort reaktionär sei. Wie ich lese, zetert die junge Welt, dass nichts über den Willkommensringelpietz mit Flüchtlingen gehe. Und Ken Jebsen ist nun einmal, sagt Broder, Antisemit, und damit weiss die Linke, dass Ken Jebsen Antisemit ist.

Aber das hatten wir doch alles schon. Vor knapp einem Jahr, zur Rosa Luxemburg-Konferenz, hatten Leute der jW Ken Jebsen provoziert. Später war die jW (zusammen mit vielen anderen Linken) fleißig dabei, den Friedenswinter Schritt für Schritt auszulöschen. Im jW-Universum durfte darüber niemals diskutiert werden. Reiner Rupp, der namhafte jW-Autor, musste seinen ausführlichen offenen Brief irgendwo veröffentlichen. Bei den Genossen und Freunden war das nicht möglich.

Der Friedenswinter wurde totgemacht und wurde und wird durch eine jährliche Ramsteindemo ersetzt. Und alle Linken freuten sich wie die Schneekönige. Ich nicht. (Zur Erinnerung: Der Friedenswinter 2014/2015 war eine gemeinsame offensive Aktion relevanter Teile der „alten“ Friedensbewegung, der „neuen“ Friedensbewegung und einiger (weniger) Politiker der Linken gegen die gesamte Kriegspolitik der Bundesregierung und des Bundespräsidenten. Sie mobilisierte im Dezember 2014 in Berlin etwa 4000 Menschen. Die deutlich begrenztere Aktion „Stopp Ramstein“ (die ich unterstütze) konnte und wollte diese Qualität des Friedenswinters nicht erreichen und wird das auch in Zukunft nicht tun.) Die Linken trauen sich nicht, diejenigen Linken zu identifizieren, die gegen die Linken arbeiten.

Ich sprach von der jW, weil aktueller Anlass besteht. Es ist aber kein Problem, das auf die jW beschränkt ist: Der Linke oder die Linke begegnet einem Phänomen (das Leben spült es ihm/ihr zu), dass er/sie nicht beschlossen hat. Das Phänomen erlaubt sich Existenz. Der Linke bittet sich Bedenkzeit aus. Der Linke berät sich (wenn’s hoch kommt) im internen Kreis der Erprobtesten. Der Linke (mit seinem Kreis) fasst einen Beschluss. Das Phänomen gilt jetzt als eingeordnet. Falls das Phänomen immer noch auf der Matte steht, bittet sich der Linke nun wieder Bedenkzeit aus.

Das Ganze nennt sich Diskussion.

Ihr wollt wissen, warum die Linke keinen Fuß auf den Boden kriegt? Deshalb.

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6 Antworten zu Wenn Linke diskutieren

  1. JoachimBode schreibt:

    Da wird einem richtig schwindlig im Kopf…

    Und wenn man da noch das Netz der sogenannten „Querfront“ hinzufügt, kriegt man nicht nur keinen Fuß, sondern auch keinen Kopf mehr – ja, wohin nur?

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  2. fidelpoludo schreibt:

    Hallo Leute,
    ich wollte ein weiteres Mal auf das neue Buch von Paul Schreyer „Die Angst der Eliten. Wer fürchtet die Demokratie?“ hinweisen, genauer auf einen neuen Vorabdruck eines seiner Kapitel. Habe lange auf dem Opablog herumgesucht, wo der hier passende Ort sein könnte und habe mich für diesen hier entschieden, an dem es um „links sein“ geht. Nicht dass wir viel Neues erfahren, ist der Grund, sondern dass Paul Schreyer in diesem Kapitel eine Menge von uns schon Bekanntem einmal zusammenfasst und in einen aufklärenden Zusammenhang bringt („Querfront“, „Ken Jebsen“, „Montagsmahnwachen“, „Kopp-Verlag“, „Jürgen Elsässer“, „Kontaktschuld“, „Staat und Mainstreammedien“, „Verantwortungsverschwörung“, „NachDenkSeiten“, „Ausgrenzung von Personen, Medienportalen, Büchern oder Parteien mit Verweis auf den Mainstream als Autorität“, „Zensur“, „Antisemitismus“, „Verschwörungstheorien“, »Hate Speech«, »Populismus«, „Ausgrenzen, Diffamieren und Denunzieren“)

    Wie immer ein paar Zitate daraus, die die einen oder die anderen dazu anregen könnten, das gesamte Kapitel zu lesen: (Hervorhebungen von mir)

    „Wo immer eine große parteiübergreifende Debatte zu Krieg, Kapitalismus und Gerechtigkeit doch einmal in Gang kommt, da lauert der Querfront-Vorwurf, also die Beschuldigung, Linke würden mit Rechten paktieren und damit rechtes Gedankengut salonfähig machen. Immer wieder wird in linken Kreisen nahegelegt, eine kritische Beschäftigung mit dem Geldsystem oder mit Machteliten sei »strukturell rechts« oder bediene gar »antisemitische Denkmuster«. (…)
    Es ist auf ermüdende Weise der immer gleiche logische Fehlschluss: Wer argumentiert, dass es an Demokratie mangele, der wird selbst zum Demokratiefeind erklärt, da er sich ja nicht zur Demokratie im eigenen Land bekenne. Die Unlogik ist so offenkundig, dass man sich angesichts des niedrigen Grades an Reflexionsvermögen bei denjenigen, die so reden, nur verwundert die Augen reiben kann.
    Dennoch macht der Vorwurf einer Querfront aus Links und Rechts und deren vermeintlicher »Demokratiefeindlichkeit« seit Jahren große Karriere in den Medien. So bezog sich der Spiegel in einer langen Titelgeschichte unter der Überschrift »Aufstand der Ängstlichen« konkret auf die »Querfront«-Studie. (…)
    Wesentlich für die Einordnung auf der Links-Rechts-Skala ist die eigene Haltung zu Herrschaft, Hierarchien und Autorität. Rechte wünschen sich bekanntlich ein autoritäres System mit klarer Führung und der Wahrung konservativer Werte. Sie akzeptieren und unterstützen die traditionelle, hergebrachte Ordnung und das »Recht des Starken«. Linke hingegen betonen die Gleichheit aller Menschen und stellen das bestehende System um so eher infrage, je mehr sie es als sozial ungerecht betrachten. Links ist, im Gegensatz zu Rechts, eng mit Herrschaftskritik verbunden. (…)
    In der Debatte rund um alternative Medien und im Kampf um die Deutungshoheit der etablierten Zeitungen und Sender wird mittlerweile häufiger versucht, Kritiker mittels Kontaktschuld auszugrenzen. Die Ausgrenzung soll es den entsprechenden Personen erschweren, ihre Ansichten weiter über die Medien zu verbreiten. Das Signal geht dabei immer an zwei Adressaten: zum einen an das Publikum, dem man vermittelt: »Glaubt diesem Menschen nicht«, zum anderen an die Redakteure und Journalisten innerhalb der Medien, denen man nahelegt, dieser Person kein Forum zu bieten, sofern man nicht – wiederum mittels Kontaktschuld – sein eigenes Ansehen gefährden will.
    Das Kontaktschuldsystem ist ein Schneeballsystem. Es lebt davon, dass andere die Empfehlung zum Ausgrenzen unkritisch befolgen und damit weiter verbreiten. Das System selbst wird selten öffentlich reflektiert und hinterfragt. Im Kern ist es eine Anleitung zum Konformismus. (…)
    Was am Ende übrig bleibt bei all den Grabenkämpfen, sind die zahlreicher werdenden Begriffe, mit denen eine grundsätzliche politische Kritik abgewehrt wird: »Verschwörungstheorie«, »Antisemitismus«, »Querfront«, »Hate Speech«, »Populismus«. So wie die Worte inflationieren, schwindet zugleich die Logik in ihrem Gebrauch.
    Die gesellschaftlichen Widersprüche sind inzwischen größer, als dass sie sich noch überzeugend mit Sprache kaschieren ließen. Nach all dem Ausgrenzen, Diffamieren und Denunzieren, dem Einteilen in »Schmuddelkinder« und »Demokraten« wird eines immer klarer: Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist überfällig. Es reicht nicht, bloß »gegen rechts« oder »gegen links« zu sein. Demokratie bedeutet vor allem eines: Bereitschaft zur Debatte.“

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  3. fidelpoludo schreibt:

    „Populismus“ – linker wie rechter
    Wo ich schon einmal dabei bin, gleich noch ein weiterer Hinweis auf ein anderes Kapitel aus dem gleichen Buch des gleichen Autors, das sich über den Begriff des »Populismus« ausbreitet, der für »das Fähnlein der sieben (noch) aufrechten Linken« (haben wir so viele auf unserem Blog, die sich so verstehen wollen?) nicht bedeutungslos sein dürfte, wenn wir auch Wirkung erzielen wollen.

    Paul Schreyer geht den historischen Spuren des Begriffes nach und findet ihn dann in der Neuzeit zunächst in den USA, Ende des 19. Jahrhunderts, als eine uns bekannt vorkommende Ungleichheit erstens zwischen Kapital und Arbeit wie auch zweitens zwischen den verschiedenen Ausbeutungs- und Unterdrückungsgraden der Lohnabhängigen von den als »Räuberbarone« bezeichneten »Erfolgskapitalisten wie Rockefeller (Öl), Carnegie (Stahl) oder Morgan (Bankwesen) angesteuert und erreicht wurde, »eine gekonnte Terrassierung, um die Reichtums-Pyramide zu zementieren«. Das »allgemeine Gefühl der Enttäuschung, eine zunehmende Verbitterung in den arbeitenden Klassen, ein weit verbreitetes Gefühl von Unruhe und gärender Revolution« führte zur Spaltung der Gesellschaft und der Bildung neuer Parteien.

    Am Beispiel der »Farmer’s Alliance, der »massivste(n) Organisierungskampagne aller Bürgerinitiativen im 19. Jahrhundert in ganz Amerika“ hebt Schreyer die Organisation der Arbeiter und Bauern wie die permanente brutale Niederschlagung dieser und ähnlicher Organisationen (die ) hervor, aus der sich dann die »People’s Party« 1891 bildete.
    Dieser »positive(n) Traditon des Populismus setzt er dann den in Deutschland durchweg negativ besetzten Begriff entgegen, dessen Negativität er mit guten Argumenten anschließend in Frage stellt.

    Merkels oder auch Peter Strucks »Fake-Populismus« wird anschließend ebenso treffend analysiert wie Thomas de Maizières 2017 lancierte Gesetz zum Burkaverbot für Angestellte im öffentlichen Dienst.
    (Die (verfälschenden?) Hervorhebungen sind von mir)

    »Menschen benutzen gängige Schlagworte wie „Verschwörungstheorie“, „Fake News“ oder eben „Populismus“ meist ohne ihren Sinngehalt zu prüfen. Aus manipulierter Sprache erwachsen dann, ganz wie von allein, Gedanken, die in die Irre führen.
    Populismus, verstanden als historisch gewachsene Bewegung für soziale Verbesserungen und eine Stärkung der Demokratie, als Vertretung von Interessen der breiten Bevölkerung und Gegenpart zu einer abgehobenen, sich bereichernden Oberschicht, lässt sich kaum pauschal kritisieren. Lädt man den Begriff hingegen mit anderen Inhalten wie Betrug oder Rassismus auf, lässt sich leichter dagegen vorgehen.

    Der Populismus-Vorwurf dient, so scheint es, vor allem dem Schutz der etablierten Eliten. Der Theaterdramaturg Bernd Stegemann, Autor des Buches Das Gespenst des Populismus, meint dazu sarkastisch:
    ›Eine einfache Antwort ist dann falsch, wenn sie der eigenen Meinung widerspricht, und sie ist populistisch, wenn mit ihr Stimmen gewonnen werden sollen.‹

    Wer „Populismus“ sagt, der möchte im Grunde eine rote Linie ziehen zwischen akzeptierter und unerwünschter Opposition – was zur Frage führt: von wem unerwünscht? Der Populismus-Warner tritt stets als ehrlicher Anwalt der Anständigen auf, wodurch die gewünschte Abwertung und Ausgrenzung der anderen vernünftig erscheint. Auf der großen Bühne der Politik geht es einmal mehr um die Deutungshoheit und eine überzeugende Inszenierung. Großer Theaterdonner und Nebelschwaden – das Publikum staunt und soll sich fürchten vor der beschworenen Gefahr. Die als Populismus bezeichneten Ansichten sollen nicht öffentlich gelten dürfen, nicht diskutiert werden, außerhalb der Debatte bleiben. Doch wer maßt sich an, solche Grenzen zu ziehen?«

    Die Wiedergabe des Kapitels ist zu finden auf der Website von Norbert Häring (http://norberthaering.de/de/27-german/news/969-schreyer-populismus), der ihm eine kurze interessante, weil aktualisierende Einleitung vorangestellt hat:
    „Wie man die Demokratie nicht gegen Populisten verteidigt
    05.04.2018 |

    „Wer „die Demokratie gegen Populisten verteidigen“ möchte, der meint es zwar gut, gerät aber in einen Widerspruch. Trump und Co. sind bei Wahlen vor allem deshalb erfolgreich, weil die Zustände eben nicht demokratisch sind. Das Fehlen einer funktionierenden Demokratie bringt sie erst hervor. Sich aufzureiben an populären Außenseitern, sich zu empören über deren Rückständigkeit und Gefährlichkeit, ist emotional verständlich, aber ein Weg in die Sackgasse. So argumentiert Paul Schreyer in seinem neuen Buch Die Angst der Eliten.“

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  4. willi uebelherr schreibt:

    Liebe freunde, dass ist ja ein thema weit vor meiner zeit im opablog. Und, passt nun der beitrag von Fidelpoludo dazu? Irgendwie passt ja alles dazu.

    Das thema „Eliten“ und „wovor haben sie angst“ ist doch eigentlich viel tiefer gehender. Klaus-Peter hat aufgezeigt, wie sich links-nennende und genannte „linke aktionen und aktivitaeten“ zersetzen. Es geht hier also mehr um unsere selbsterkenntnis.

    Am ende schreibt Klaus-Peter:
    „Ihr wollt wissen, warum die Linke keinen Fuß auf den Boden kriegt? Deshalb.“

    Ein bisschen stimme ich ja zu. Nur, da kommen wir um eine begriffsbestimmung nicht herum.
    Ist die akzeptanz der Nakba, ihre unterstuetzung, „links“? Oder ist sie „rechts“?
    Ist die akzeptanz des FIAT-Geldsystems „links“ oder doch eindeutig „rechts“?
    Ist die erhaltung militaerischer und paramilitaerische strukturen „links“ oder doch eindeutig „rechts““?
    Ist die erhaltung staatlicher konstruktionen „links“ oder „rechts“?
    Ist die erhaltung hierarchischer strukturen zu hause und im oeffentlichen raum „links“ oder doch eher „rechts“?

    Merkwuerdiger weise findet die zersetzung rebellischer bewegungen immer ausserhalb ihres aktionsraums statt. Also auf der zuschauertribuehne. Das wirkt, weil die meisten menschen nur zuschauer sind. Die politische aktion reduziert sich auf zuschauen. Da wird jenen zugeschaut, die anderen zuschauen, die wieder anderen zuschauen. oder manchmal den gleichen.

    Das funktioniert gut, weil so die akteure nicht mehr auftauchen. Der akademische apparat lebt davon. Der journalismus, die organisierte prostitution im medialen raum, ist der berufstand dazu.

    Wenn wir Ken Jebsen folgen, folgt er den trampelpfaden ausgeleierter kapital-dogmen. Wir koennen das gut in „KenFm im gespraech“ verfolgen:
    KenFM im Gespräch mit: Günter Grzega (Gemeinwohl-Ökonomie)
    https://kenfm.de/guenter-grzega/

    Aber vorsicht. Das FIAT Geldsystem hat auch bei uns seine huerden und auch wir in diesem kreis koennen nicht behaupten, es verstanden zu haben und entsprechend agieren zu koennen. Günter Grzega (Eisenbahner und SpardaBank akteur), befreundet mit R.Flassbeck, kennt die MMT (Modern Monetary Theorie) und referenziert sie, ohne sie mit dem namen zu nennen.

    Aber schon im eingang finden wir: „kommunistische Gleichmacherei“. Das heisst, die Ungleichwertigkeit der menschen ist programm. Damit sind wir im feudalismus, den sie selbst anklagen.

    Wenn wir uns nun mit dieser provokativen fragestellung in „linken“ diskursfeldern einbringen, da fliegen uns dann wueste beschimpfungen um die ohren. Da ist dann von „links“, von anti-kapitalistisch, nichts mehr zu finden. In den genossenschafts umgebungen finden wir das gleiche.

    Der Kapitalismus wird nur dann angegriffen, wenn er streng seinen inneren gesetzen folgt. Dann koennen wir ihn ploetzlich als „Neo-Liberalismus“ kennzeichenen. Der kapitalismus wird gedeckt und in seiner verlogenheit gepflegt. Die substanz wird geachtet, das folgen seiner prinzipien wird geaechtet.

    Sowohl Rainer Mausfeld wie Peter Schreyer machen auf diese inneren verwirrungen aufmerksam. Nur, bei ihnen stehen die elitaeren strukturen im vordergrund. Das ist ja fuer die meisten „Linken“ furchtbar, weil sie sich darin wohlfuehlen, solange sie selbst sich zu den eliten zaehlen koennen.

    Wir sehen vielleicht, und ich versuche zumindest den fokus darauf zu richten, dass es eigentlich um die anerkennung der Gleichwertigkeit der Menschen geht. Auf dieser anerkennung ruht die Demokratie. Repraesentative strukturen heben sie auf, setzen die Ungleichwertigkeit. Ebenso private oder staatliche kapitalakkumulation. Geht ja nicht anders.

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  5. kranich05 schreibt:

    Am Ende des Postings schrieb ich, wie Willi erinnert hat: „Deshalb“ ist die Linke wirkungslos. Was dieses „Deshalb“ bedeuten sollte, geht aus dem vorhergehenden Absatz hervor:
    Es geht um die Weigerung der Linken, sich dem wirklichen Leben auszusetzen. Den Linken interessieren die wirklichen Menschen nicht. Der/die Linke ist ein spezielles Exemplar des bürgerlichen (also auf sich beschränkten) Individuums, nämlich eines, dass räsoniert (und nur räsoniert) und das in einem relativ konturlosen, dunstigen aber unbedingt irgendwie menschenfreundlichen Raum.
    Der/die Linke will diesen Raum zwar gern immer besser machen, also ihn unbedingt erhalten. (Nüchtern gesagt: Er/sie will einen gerechten Kapitalismus.)

    Der/die Linke hat keinerlei positive Beziehung zu einer Utopie. Nur eine Beziehung hat er/sie zu ihr – grässliche Angst davor.
    Die Linken gehören zu den gefangensten, hermetischsten, verkapseltesten Wesen, die in unserer Gesellschaft herumtaumeln.
    Würden sie sich mit dem wirklichen Leben von Müller, Meier, Schulz befassen, kämen ihnen zwar keineswegs neue utopische Perspektiven entgegen gerannt. Im Gegenteil. Es könnte aber sein, dass ihre Kapsel einen winzigen Riss kriegt.
    Man sollte
    – sich der allwaltenden Hoffnungslosigkeit dieser unserer Gesellschaft aussetzen.
    – eventuell etwas davon begreifen (Das macht mir Schreyer oder Wolf Wetzel sympathisch)
    – alles unterstützen, was vielleicht ins Offenere führt (Das macht mir „Neue Debatte“ und „Human Connection“ sympathisch.)
    – im Gegenzug all das kritisch begleiten, was alternativ sein will aber untaugliche Muster reproduziert (Nachdenkseiten, Rubikon usw).

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