Low cost to kill

Gastbeitrag von Joachim Bode

Wenn man die englische Sprache nur wenig beherrscht, dürfte der Satz „low cost to kill“ noch einigermaßen sicher zu übersetzen sein – das schwierigste Wort könnte dabei „low“ sein, das, ich verrate den meisten Leuten nichts Neues, mit „gering“ oder auch „niedrig“ zu übersetzen ist.

Warum aber nur haben international erfahrene und sonst fließend englisch sprechende Manager und Vertreter großer Konzerne solch enorme Schwierigkeiten, die Frage nach dem Sinngehalt des im Titel genannten Satzes zu erklären, selbst wenn ausgerechnet dieser Satz oft genug an erster Stelle der Werbesprüche für die von ihnen angebotenen Produkte prangt? Und warum wird der abrufbare Werbespot mit diesem Satz von Rheinmetall AG ganz plötzlich aus dem Netz genommen, wenn auf der großen Messe von Abu Dhabi vor laufender Kamera danach gefragt wird, was dieser Satz denn im Zusammenhang mit dem angebotenen Produkt bedeuten soll?

Ganz einfach: Es handelt sich um Rüstungsgüter, genauer: Um die auf der Waffen-Messe von Abu Dhabi angebotenen Produkte.

Um konkret zu werden: Dem Kleinwaffen-Hersteller Heckler & Koch wird nachgesagt, dass seine Produkte inzwischen zu geschätzten 1.500.000 Toten geführt haben – vornehmlich in der sogenannten 3. Welt, versteht sich. Jetzt weiß ich nicht genau, ob Heckler & Koch den eingangs angeführten Werbespruch verwendet. Auf jeden Fall würde er gut passen: Die Kleinwaffen sind erschwinglich, werden nach deutschen gesetzlichen Bedingungen nicht in Krisengebiete exportiert, wo sie aber regelmäßig auftauchen. Immerhin produziert z.B. Pakistan das Vorgängermodell des angeblich um die Ecke schießenden G36 in Lizenz und fühlt sich beim Verkauf in 43 Länder mit noch zahlreicheren Konflikten nicht an die ach so engstirnigen deutschen Gesetze gebunden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis (Gewehr-Kosten im Verhältnis zur Zahl der totgeschossenen Menschen) dürfte beim pakistanischen Modell noch günstiger für den Erwerber ausfallen als bei der deutschen Original-Ausführung. Die pakistanischen Waffenhersteller, die sich auf der internationalen Messe von Abu Dhabi augenscheinlich viel smarter bewegen als ihre deutschen Kollegen, hatten auch nicht das geringste Problem mit der Erläuterung, was jetzt der Satz „low cost to kill“ bedeutet. Irgendwie – so hat man den Eindruck – gehen die insgesamt lockerer mit dem um, was sie da treiben.

http://www.swr.de/odysso/waffenhandel-waffenschmiede-suedwest/-/id=1046894/did=16166936/nid=1046894/tx2qd7/index.html

weitere Sendetermine:

Di, 3.11.2015 | 11.30 Uhr | EinsPlus

Mi, 4.11.2015 | 8.30 Uhr | EinsPlus

Do, 5.11.2015 | 11.30 Uhr | EinsPlus

Fr, 6.11.2015 | 8.30 Uhr | EinsPlus

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Kranich05 ergänzt:

Weitere Informationen zur IDEX 2015, der Rüstungsmesse in Abu Dhabi, enthält der Reisebericht von Jan van Aken & Alexander Lurz von Februar 2015. Allerdings wird dort die Zahl von 50 deutschen Ausstellern genannt, während die Veranstalterliste derzeit 70 deutsche Anbieter aufführt (übrigens ohne Teilnahme von Heckler & Koch). Aus dieser Liste geht hervor, dass Firmen aus rund 60 Ländern als Anbieter auftreten, wobei Deutschland nach den USA die meisten Firmen stellt.

Besonders auffällig, so Aken/Lurz, sei diesmal das massive Auftreten von Billiganbietern gewesen – Töten zum kleinen Preis.

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2 Antworten zu Low cost to kill

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Ich wiederhole mich zwar, als Kellner für Heckler & Koch wird gemeinhin Kauder benannt. Wer allerdings bei Merkel & Kauder kellnert und wer platziert, ist höchst umstritten. Es heißt zwar Kauder sei die rechte Hand von Merkel. Aber meist bestimmt die rechte Hand die Tatsachen.
    http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/128/der-scheinheilige-1720.html
    http://www.swr.de/report/wie-heckler-koch-politische-landschaftspflege-betreibt-waffengeschaefte-fuer-parteispenden/-/id=233454/nid=233454/did=8940914/1uepltd/index.html

  2. eschff schreibt:

    Geld regiert die Welt

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