Urlaub in deutschen Landen (5)

Urlaub noch immer, jetzt im Bayerichen Wald.

Ein Dialog, Ort: irgendwo bei Viechtach, Zeit: gestern

Ich: „Kann man hier irgendwo einen Kaffee kriegen?“

Museumswärterin (spricht bayerisch, was ich nicht wiedergeben kann): „Na, bei uns net. Aber do im Hotel vielleicht, wenn’s zur Burg ’naufgehen, wenn’s drum bitten… Im Dorf, beim Gasthaus Lendl, do wohl net…“

(Später, als wir zur Burgruine hinaufgehen, kommen wir am Wellnesshotel vorbei, vier Sterne, viel Platz – für Privat, Restaurant und Bar nur für Hotelgäste. Wir verzichten auf den Bettelkaffee.)

Ich: „Vielleicht versuchen wir es doch beim Lendl.“

Museumswärterin: „I woaß net, der hot jetzt Flüchtlinge,….“

Ich: „…und da hat er den Gastbetrieb wohl eingestellt? Wie viel Flüchtlinge hat er denn?“

Museumswärterin: „Der hot wohl kei‘ Wirtschaft mehr. Do sind wohl 60, 70 Flüchtlinge. Der vermietet nur noch die Zimmer, die könn‘ selbst kochen.“

Ich: „Von Flüchtlingen merkt man hier kaum etwas.“

Museumswärterin: Die merkt man goar net. Ein paar helfen ihm wohl do oben… auf 1-€-Basis. (Sie guckt uns etwas unsicher an.) Die hom aber auch olles – Wohnung und warm und zu Essen…“

Ich: „Sind die schon lange da?“

Museumswärterin: „Die sind scho seit Frühjahr do, junge Männer. Ein paar, drei, vier, helfen auch beim Nachbarn… auf 1-€-Basis.

Pause. Schweigen.

Museumswärterin: „Die hom‘ aber auch olles – Wohnung und warm und zu Essen… und auch das Gesundheitliche…

Ich: „Arbeiten dürfen die ja wohl nicht…“

Museumswärterin: „Arbeiten dürfen’s net aber die woll’n doch was tun. Sind froh, wenn sie nauskomme… auf 1-€-Basis… weil’s doch olles ‚hom…“

Ich: „Es werden ja noch mehr…“

Museumswärterin: (seufzend) „Do wird noch viel Integration nötig sei.“

 

Weil Sie doch alles haben + 1 €.

Mir fällt der russische Kriegsgefangene „Wasil“ ein, der bei meiner Oma auf dem Bauernhof „half“. Er hatte auch Essen und Unterkunft und warm. Ich weiß auch noch, dass Wasil, „unser Russe“, „gut“ war – fleißig, ruhig und verträglich. Und er aß mit bei Oma am Tisch.

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