Urlaub in deutschen Landen (2)

Wir sind in die Südpfalz gefahren, genauer nach Annweiler am Trifels. Dort nebenan wohnen wir in dem Dörfchen Wernersberg. Von unserem Haus zum Wald sind es vielleicht hundert Schritte, dabei passiere ich eine Streuobstwiese. Vom ersten kurzen Spaziergang mit Inca nach unserer Ankunft bringe ich zwei Hände voll prächtiger Äppel mit. Ich hatte Goldmarie gespielt als es von allen Seiten rief: „Wer sammelt uns auf? Wir sind schon lange reif.“

Bei unserem Spaziergang gestern hatte ich den Fotoapparat dabei und „schoss“ dieses Bild:blogP1190634

Ich beginne darüber zu räsonieren, dass man heute lieber Äpfel aus Südafrika kauft, statt die aufzuheben, die auf der Wiese nebenan liegen. Doch langsam; inzwischen habe ich an mehreren Geschäften Angebote von Apfelsaft und selbstgemachten Marmeladen gefunden, andere Läden weisen Annahmezeiten für Äpfel aus, die zur Mosterei sollen. Und heute trafen wir einen Mann, der die Äpfel säckeweise sammelte. Ich erzählte ihm, dass ich das in Brandenburg auch gemacht habe. 70 Cent kostete damals eine Flasche (1l) bei der Bio-Mosterei. (Bei NETTO kostet dieselbe Literflasche 1 €.) Er sagte, dass er das zum ersten Mal mache und dass er auf Mengenrabatt hoffe. Auch unsere Wirtin stellte uns erst einmal eine Flasche selbstgekelterten Apfelsaft auf den Tisch. Ich revanchierte mich mit einer Weintraube meiner Schmachtenhagener Ernte (unser mitgebrachter Eimer voll eigener Trauben ist noch nicht leer). Kein kleiner Triumph, als die Pfälzerin sagt: „Die sind ja richtig gut… Wir haben eine neue Rebsorte, mit der wir aber nicht richtig zufrieden sind.“

All diese Kleinerzeuger-/Selbstversorger-Erlebnisse erinnern mich an DDR-Zeiten, als der Kleingärtner angeregt wurde, sein Obst zu einem guten Aufkaufpreis den örtlichen Gemüse- und Obstläden anzubieten. Es soll Leute gegeben haben, die dasselbe Obst zum niedrigen (gestützten) Ladenpreis kauften und es dem nächsten Laden wieder als Erzeuger anboten.

Und noch ein putziges Erlebnis: Ende der 70-er Jahre hatten wir unseren Garten in Pankow-Heinersdorf neu. Wir alle, besonders unsere Frauen, waren beglückt von der Blumenfülle, mit der uns der Garten schon im ersten Jahr beschenkte. Aus lauter Spaß an der Freude banden unsere Frauen phantasievolle Blumenbuketts und stellten sie einfach zum Mitnehmen für Vorübergehende vors Gartentor. Nach einiger Zeit waren die Sträuße weg und einige Geldstücke lagen auf dem Stuhl. Danach stellten wir wieder Sträuße hin und ein Schälchen für Geldstücke. Wieder verschwanden die Sträuße, und jetzt sammelten sich Geldstücke an. Wir stellten wieder einige Sträuße als Nachschub hin, um’s Geld kümmerten wir uns nicht. Einige Zeit später: Die letzten Sträuße waren verschwunden. Und das Geld auch.

So manches Gartenerlebnis wandert in meinem Kopf mit, wenn ich 2015 durchs pfälzische Dorf spaziere und mich über prächtige Endivien und Kohlrabi freue, die neben Blumen in Gärten mitten im Dorf wachsen. „Hier ist noch richtige Gartenkultur“, sage ich dann, und Mrs. Tapir, meine Blumengärtnerin, hält dagegen:“Bei Dir heißt Gartenkultur immer Gemüse!“ Natürlich (ritueller) Protest von meiner Seite und Klarstellung: „Gartenkultur ist das schöne Miteinander von Nutzpflanzen und Zierpflanzen und Wildpflanzen.“ An dieser stelle klopft Helmut Salzinger „Der Gärtner im Dschungel“ (über den kranich05 einst schrieb) an meinen Gehirnkasten. Und während ich noch die weiterführenden Links auf Salzinger suche, stoße ich auf „Das lange Gedicht“. Mir unbekannt. Werde ich wohl unbedingt lesen.

Achtung, dass sich mein Post nicht im Geschwätzigen verliert! Der Pfälzer St. Laurent und ein Frühburgunder nehmen mich in den Griff. Hier übrigens, im Annweiler Speziallädchen, nahm das Vergnügen seinen Anfang:blog2. Urlaub Pfalz 032

Ein Gartenerlebnis will ich noch loswerden:

Etwa 1948. Wir wohnten in Stadtilm. Wir hatten einen (gepachteten, abgelegenen) Garten. Schausteller waren ins Städtchen gekommen. Unbefangen nannte sie Jeder, auch meine Mutter, Zigeuner. Mutti war zu Hause geblieben. Wir Geschwister waren im Garten gewesen, und auf dem Weg nach Hause kamen wir bei den Schaustellern vorbei. Ursel, meine große Schwester war früher gegangen. Sie hatte einen Kopfsalat im Netz. Ich, zusammen mit Doris, meiner kleinen Schwester, ging später. Ich hatte einen Blumenkohl im Netz. Eine Frau der Schausteller hielt mich an und fragte, wo es den Blumenk0hl gäbe. Zu Hause angekommen erzählte ich, dass ich gefragt worden war. Darauf erzählte Ursel, dass sie von (offensichtlich) derselben Frau ebenfalls gefragt worden war, wo es den Salat gäbe. Unsere Mutter überlegte nicht lange. Wir hatten Blumenkohl, und wir hatten Salat, und wir stellten uns vor, wie die fahrenden Leute an nichts kommen konnten. Und Mutti sagte: „Bringt es hin.“ Nie habe ich, obwohl ich doch so schüchtern war, einen elterlichen Auftrag so gern ausgeführt.

Mein Urlaubsposting 2 ist ganz anders geworden als ich wollte. Liebe LeserInnen verzeiht dem Opa, falls er, statt wesentlich zu werden, ins Sentimentale rutschte. Was bedeutet eigentlich „das Sentimentale“ frage ich mich, während ich das letzte Schlückchen Frühburgunder nasche. Bis denne.

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2 Antworten zu Urlaub in deutschen Landen (2)

  1. Constantin schreibt:

    @Opa
    Das ist ja ein Ding! Seit Mollath besuche ich hin und wieder Deinen Blog. Bislang nur zum Lesen. Wie lange bist Du denn noch in Wernersberg? Schon auf der Kletterhütte gewesen?

    Schöne Grüße aus Annweiler

    Constantin

    PS: die Zeit des neuen Weins neigt sich dem Ende. Lecker. Laut meinem Winzer gibt’s ihn nur noch bis ca. Ende der Woche.

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