Gänsefüßchen, Mord, Terror und Vertreibung.

ein Gastbeitrag von Joachim Bode

Deutschland soll mehr Verantwortung übernehmen, gegebenenfalls mit Waffengewalt – so schallte es den Bundesbürgern gleichzeitig aus drei Richtungen um die Ohren:
Kriegsministerin von der Leyen, Außenminister Steinmeier und der derzeitige Bundespräsident – ich komme einfach nicht auf seinen Namen – wollen den insoweit widerspenstigen Deutschen wieder kriegsgeneigt machen.

Frau von der Leyens Verantwortungsgefühl lässt derzeit an mehreren Stellen zu wünschen übrig: 

Bei Gänsefüßchen, Mord, Terror und Vertreibung.

Was die Gänsefüßchen anbelangt, wird ihr vorgeworfen, diese an einigen Stellen zu setzen einfach unterlassen zu haben, nämlich in ihrer Dissertation, landläufig eher Doktorarbeit genannt.
Frau von der Leyen wäre nicht Frau von der Leyen, wenn sie nicht vorwärtsverteidigend gleich nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Universität gebeten hätte, ihre Arbeit entsprechend zu überprüfen. Falls die Vorwürfe stimmen (… aus den Auswertungen auf „VroniPlag Wiki“ geht hervor, dass drei der beanstandeten Seiten zwischen 50 und 75 Prozent Plagiatstext enthalten und fünf Seiten mehr als 75 Prozent. …. Der fachkundige Jura-Professor Dannemann erklärte, „von der Leyens Arbeit sei „eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall“ … Quelle), würde der Bundeskanzlerin es nicht erspart bleiben, beim Papst in Rom anzufragen, ob dort nicht noch eine Stelle für eine weitere in Deutschland gescheiterte Bundesministerin (ohne Doktorgrad) frei sei.

Weitaus schwerwiegender ist aber, dass sich Deutschland militärisch und logistisch – auch das betrifft Frau von der Leyen mehr oder weniger direkt – an der Organisation des sogenannten MOC (Military Operations Center) in Amman, der Hauptstadt von Jordanien, beteiligt.
Diese Organisation unter US-amerikanischer Führung hat die Aufgabe, den Krieg gegen Syrien an der Südfront logistisch zu organisieren und zu koordinieren sowie mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Viele öffentliche Quellen weisen darauf hin, dass in dem MOC neben den USA und den Assad-feindlichen Golf-Diktaturen auch EU-Länder personell vertreten sind. Mit Sicherheit sind dies die wiederholt ausdrücklich genannten Staaten Frankreich und England.
Was spricht dagegen, dass auch Deutschland als inzwischen wirtschaftlich und politisch führendes und militärisch mindestens an dritter Stelle rangierendes Land in Europa beteiligt ist? Nichts. Es entspricht aber in vollem Umfang der Art von Verantwortungsgefühl – besser: Verantwortungslosigkeit -, die wir bei Frau von der Leyen bisher feststellen konnten.
Ich muss auch nicht weitschweifig begründen, warum ein solcher deutscher Einsatz – noch – unter Geheimhaltung steht: Der zu erwartende öffentliche Widerstand wäre der Bundesregierung zu unangenehm.
In den Verantwortungsbereich von Frau von der Leyen fallen also nicht nur die „vergessenen“ Gänsefüßchen, nein, es sind auch zahllose Tote und die Flüchtlinge, die vor Mord, Terror und Vertreibung den Ausweg nach Deutschland suchen. Beide Themen werden uns in der nächsten Zeit zunehmend beschäftigen. Welches Thema mehr, werde ich hier nicht beantworten.

Jedenfalls: Beim nächsten Urlaub in Rom werde ich mich nicht wundern, zwei erblondeten älteren Damen auf dem Gelände des Vatikan zu begegnen, die dort wichtige und dementsprechend hoch dotierte Aufgaben im Auftrage Deutschlands zu erfüllen haben.
Papst Franziskus wird’s freuen.

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7 Antworten zu Gänsefüßchen, Mord, Terror und Vertreibung.

  1. Joachim Bode schreibt:

    Ein Anführer der sogenannten „Freien Syrischen Armee“ (FSA) beklagte sich darüber, dass die ausländische Unterstützung nicht darauf hinaus laufe, Assad zu besiegen:

    „They want to keep a balance – we get enough to keep going but not to win.“

    http://www.thenational.ae/world/middle-east/syrian-rebels-get-arms-and-advice-through-secret-command-centre-in-amman#page2

    Aha, der Konflikt soll am Köcheln gehalten, nicht aber zum Abschluss gebracht werden.

    Und da erzählen uns unsere Politiker, sie seien über die von ihnen selber verursachten Flüchtlingsströme überrascht und erschrocken…..

  2. Lutz Lippke schreibt:

    Offensichtlich ist die „ehrenwerte“ Gesellschaft ähnlich einem Zwiebelmodell strukturiert. Dies muss kein Widerspruch zur Klassentheorie sein. So lächerlich sich das Gänsefüßchen-Debakel anhört, so sehr gehört es nach dem Zwiebelmodell zum Kontext der verantwortungslosen Kriegslüsternheit. Sogar in zweierlei Hinsicht:
    1. Nur wer sich nach oben/außen durchschummelt, kann gewissenlos beliebige Interessen vertreten und Werte missachten. Er kommt gar nicht mehr an den Kern seiner selbst, da die zur Oberfläche oder nach Oben drängenden Schichten das gesamte Denken prägen.
    2. Wer bereits geschummelt hat, kann jederzeit diszipliniert werden, wenn er dann doch (s)ein Gewissen entdecken sollte und eigentlich zeigen möchte.
    Es geht also um Verborgenes und Sichtbares, um Unerreichbares und Vorgezeigtes.
    Je nach Blickwinkel und Kontext kann man die Schichten des Zwiebelmodells verschieden modellieren. Ein Beispiel zu Ebenen kultureller Prägung von Geert Hofstede http://www.ikud.de/glossar/zwiebelmodell.html
    oder ein Modell der Schichten der Persönlichkeit http://kernquadrat.de/schichten-der-persoenlichkeit-modell
    oder zum journalistischen Handeln nach Weischenberger https://books.google.de/books?id=O1BLEO8Q7uUC&pg=PA19&dq=zwiebelmodell&hl=de&source=gbs_selected_pages&cad=2
    oder zu den Verhältnissen in der Gesellschaft nach Bolte http://sowi-politik.de/files/-bersicht-Klassen-etc.pdf
    Gemeinsam ist allen, dass das oberflächlich Sichtbare unklare Symbolhandlungen tiefer verborgener Zusammenhänge sind, die sich nicht unmittelbar erschließen. Ich lande immer wieder bei der sogenannten Mittelschicht, die sich als schützende Zwischenschicht und Garant der Macht Weniger entpuppt. Könnte man dieses Marionetten-Verhältnis zur Macht optisch eindrucksvoll darstellen, wäre dies eine Entblößung des lächerlichen Statusdenkens um Doktorentitel, modellierten Lebensläufen und steif behaupteten bürgerlichen Tugenden.

  3. Joachim Bode schreibt:

    Prof. Dannemann hält inzwischen aus verschiedenen Gründen (z.B. Umfang der Arbeit) die Fehler in der Dissertation von Frau von der Leyen für schwerwiegender als die in der Arbeit von Frau Schavan.

    Im übrigen denke ich, dass Frau von der Leyen den Vorwurf des Plagiats zu recht zurückweisen kann, wie sie sagt.
    In ihren Kreisen – wie z.B. bei zu Guttenberg – kauft man nämlich eine Doktorarbeit als Ganzes.

    Jetzt fehlt nur noch die Versicherung der Frau Kanzlerin, sie habe „vollstes Vertrauen“ zu Frau von der Leyen. Dann dauert es nicht mehr lange….
    Oder hat die Frau Kanzlerin die Verteidigungsministerin möglicherweise nicht als Medizinerin ernannt?

  4. Joachim Bode schreibt:

    Berichtigung:
    Soweit aus meinem Beitrag der Schluß gezogen werden könnte, beide Damen auf dem Gelände des Vatikans seien erblondet, kann ich die entsprechende Behauptung nur in Bezug auf eine der beiden Damen aufrecht erhalten. Die andere Dame hat – das läßt sich unter „Bilder“ bei google feststellen – ihre Haarfarbe im Laufe der Zeit mal grau, mal blond gehalten. Genaueres darüber kann möglicherweise durch den ebenfalls in den Vatikan geflüchteten und dort benachbarten Tebartz van Elst zu erfahren sein, der jedoch seinerseits wegen des über sein Gesicht ausgedehnten Haarschmucks nur noch schwer identifizierbar ist.
    All dies betrifft aber nur die Oberfläche, von der auf das Wesen zu schließen sich verbietet.

  5. Joachim Bode schreibt:

    Man könnte fast sagen, Frau von der Leyen entscheidet quasi selber über ihre Dissertation:

    „…. ist von Interesse, dass Ursula von der Leyen persönlich im Kuratorium der Förderstiftung MHH plus (Medizinische Hochschule Hannover, dort hat vdL promoviert, d.V.) sitzt. …
    …. Ihr Mann Heiko von der Leyen ist alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer des Hannover Clinical Trial Center (HCTC). Diese Einrichtung gehört mehrheitlich der Medizinischen Hochschule Hannover. Heiko von der Leyen selbst hat ebenfalls einen Anteil am HCTC. Sein Co-Geschäftsführer im HCTC ist wiederum Mitglied des Präsidiums der MHH.
    Die Beziehungen der von der Leyens zur Medizinischen Hochschule Hannover sind also eng….“

    http://www.stern.de/investigativ/ursula-von-der-leyen-in-plagiatsaffaere–die-guten-beziehungen-der-verteidigungsministerin-6475192.html

  6. Joachim Bode schreibt:

    Hier der (zunächst vertraulich gehaltene) kritische Rückblick des Dekans der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität auf das Prüfungsverfahren betr. Frau Schavan.
    Daraus läßt sich ansatzweise ableiten, wie es sich um das noch schwierigere Umfeld des anstehenden Prüfungsverfahrens in Hannover verhalten wird:

    https://drive.google.com/file/d/0B9F6ub8wD7gqOHVEM3F0MzY4dDA/edit

    Die berüchtigten CDU-Größen wie Gröhe und Kauder – aber auch andere – höre ich schon mit den Hufen scharren….

  7. Joachim Bode schreibt:

    Die Springer-Zeitung „Die Welt“ verkündet ihre Wahrheit:

    „Politiker sollen ja nicht Wissenschaft, sondern Politik machen können, wozu das Lügen und Blenden nun einmal gehören, etwa das Vortragen von Reden, die andere Leute geschrieben haben.“

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article147023533/Wer-einen-Stahlhelm-hat-braucht-keinen-Doktorhut.html

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