Am gewöhnlichen außergewöhnlichen Ralph B. scheiden sich die Geister

Ralph B. macht das Gewöhnlichste: Er setzt sich für paar Artikel des Grundgesetzes ein. Zufällig sind dabei die „Grundgesetzlichsten“ (etwa Artikel 1), ohne die das ganze schöne GG zum Schmarrn würde.

Ralph B. macht das Außergewöhnlichste: Er riskiert dafür sein Leben. Kein Normalo tut sowas. Für die Pole-Position, für ’ne Goldmedaille, für Free Solo – dafür schon.

Aber für die Menschenwürde?

Ralph Boes will leben, so wie es unsere erklärten humanitären Werte versprechen.

Ralph Boes will nicht vegetieren, wie es unsere praktizierten mörderischen Gesetze erzwingen wollen. Mit EU-Frontex im Mittelmeer, bezahlt mit Deinem und meinen Steuergeld, beschlossen von Deinen Politikern, wird die mörderische Praxis an abertausenden Menschen exekutiert – Vegetieren oder gleich Absaufen.

Weit weg.

Nicht weit weg, vor dem Brandenburger Tor, Berlin, Hauptstadt, zwingt Ralph der Macht ein „Experiment mit der Wahrheit“ auf.

Ralph ist NICHT auf dem irrwitzigen Trip, durch sein Opfer (dadurch, dass sich EINE Person opfert), ein menschenfeindliches System aus den Angeln heben zu wollen. Ja, er streitet für maximale Forderungen – Hartz IV muss weg! Recht auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen! – aber er weiss, dass dafür Viele den entschiedensten politischen Kampf führen müssen. Er läßt dem System den Ausweg, sein Lebensrecht zu achten, OHNE SOFORT alle Hartz IV-Gesetze abschaffen zu müssen. Die rechtliche Grundlage dafür steht im Bürgerlichen Gesetzbuch, Paragraf 226, mit dem sog. „Schikaneverbot“. Auf diesen Paragrafen kann sich noch der/die letzte Mitarbeiter/Mitarbeiterin des Jobcenters berufen, wenn er/sie es will.

Ralph Boes vertritt eine durchdachte radikaldemokratische Position in grundsätzlichen sozialen Fragen*. Er vertritt sie mit äußerster Konsequenz. Ich bin überzeugt, dass es die einzige Position ist, die unser „Abgleiten in die Barbarei“ stoppen kann. Selbst „Abgleiten in die Barbarei“ wird immer mehr zur leeren Formel. Es geht um nicht weniger als die massenhafte gegenseitige Menschenvernichtung. Nicht irgendwo „fern in der Türkei“!

Demokraten aller Art, Linke zumal, glauben immer noch, das alles sei ein Spiel, das mensch, wenn er es nicht ganz ignoriert, am besten aus der Ferne mit Kommentaren begleitet („mit verlegte Händ“) .

* update

Hierzu absolut passend die Rezension durch Ekkehard Lieberam zweier aktueller Schriften in der „jungen Welt“.

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9 Antworten zu Am gewöhnlichen außergewöhnlichen Ralph B. scheiden sich die Geister

  1. fritzLetsch schreibt:

    Hat dies auf Psychiatrie-Politik rebloggt und kommentierte:
    Die Würde des Menschen würde den Menschen gut tun, die meinen, es würde doch nicht für alle Reichen … , nein, reichen …

  2. ralphbuttler schreibt:

    Hat dies auf Blütensthaub rebloggt.

  3. Lutz Lippke schreibt:

    Ich hege Symphatie für das bedingungslose Grundeinkommen und auch die Boes-Aktion, wenn man das „Experiment mit der Wahrheit“ auf dem Pariser Platz so nennen darf. Mit Ersterem habe ich mich noch zu wenig befasst und gehöre scheinbar trotzdem zu den verhältnismäßig Wenigen, die das grundlegende Konzept und erhoffte Wirkungen schon einmal gehört haben. Das BGE und die Aktion weckt in mir trotzdem zwiespältige Gedanken zur Sache, vielleicht eben auch die eines „gelernten Normalos“ aus der aufs industrielle Arbeitsleben fixierten Ex-DDR. Das Ralph Boes mit vollem Körpereinsatz und Öffentlichkeit gegen die Sanktionspraxis und Zumutungen der Agenda 2010 streitet, nötigt mir Respekt ab und beschert mir gleichzeitig kognitive Dissonanz. Nicht nur wegen der für mich nur schwer nachfühlbaren Dramatik zu Leben und Tod. Die Annahme dieser Konsequenz ist mir angesichts meiner Unschlüssigkeit unangenehm. Was ist wichtig, was ist richtig? Was Wichtiger, was Richtiger? Was schließt sich gegenseitig aus, was funktioniert gut zusammen? Einige Beispiele: Wie verträgt sich das BGE mit den zu erwartenden Migrationsströmen? Sind Sanktionen immer falsch? Warum sind wir von den Institutionen und den erfolgreichen „Unternehmern“ abhängig und nicht selbst unternehmerisch tätig? Wie und für wie viele wäre ein anderes, selbständigeres Leben, außerhalb der derzeit etablierten Strukturen möglich? Wieviel Effizienz, Hierarchie und professionelle Konzentration ist betriebswirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvoll? Wann kippt diese in geschwürartige Macht- und Ausbeutungsverhältnisse? Wuchern diese Geschwüre dann gesetzmäßig, also systematisch ohne wesentliche Abhängigkeit von den Beteiligten oder gibt es konkret Verantwortliche und beeinflussbare Bedingungen?
    Ich habe also viele unbeantwortete Fragen. Ein Fragenmeer. Meine Zeit und Konzentration reicht nicht, um sie alle zu stellen, geschweige denn Antworten zu durchdenken. Die Boes-Aktion verführt mich dazu, über einige wesentliche Fragen und im Alltag eher Untergepflügtes nachzudenken, diese Gedanken mit Anderen zu teilen und möglicherweise daraus Konsequenzen zu ziehen. Das fordert Boes einfach gut heraus.

    • kranich05 schreibt:

      Der Fragen sind tatsächlich schier unendlich viele.
      Dem BGE stand ich bisher (aus linker Tradition kommend) eher skeptisch gegenüber. Hier hat bei mir Umdenken eingesetzt, z. B. nach der Faustformel: Die BGE-Forderung ist die 8-Stundentagsforderung heutiger Zeit.
      Bei den unendlich vielen anderen Fragen, fängt das Problem schon beim Sortieren an: Welchen „ersten Liter“ schöpfe ich aus dem Fragenmeer? Ich fürchte, wir machen daraus ein Luxusproblem.
      Es wird dort ernst, wo die Menschen sterben. Ralph Boes verkörpert glaubwürdig, das Weithinverdrängte, dass auch bei uns das Sterben dazugehört. Vor unseren Festungsmauern aber sterben täglich die Menschen in Massen. Das ist der Maßstab.

      • Lutz Lippke schreibt:

        Welchen „ersten Liter“ schöpfe ich aus dem Fragenmeer?
        Ich sehe hier (für mich) aus verschiedenen Blickwinkeln 3 Optionen, die sich ergänzen, nicht ausschließen.
        1. akut/ohne Luxus des Denkens: Das Sterben an den Festungsmauern (-meeren) muss unmittelbar gestoppt werden. Jede dafür effektiv hilfreiche Maßnahme muss geprüft und pragmatisch umgesetzt werden, u.a freiwillige Flüchtlingshelfer ohne Job im Arbeitsmarkt werden definitiv nicht sanktioniert. Kennt sich jemand im Recht zu Hartz IV und Gefahrenabwehr/Nothilfe aus? Vielleicht gibt die Rechtslage dies schon unmittelbar her.

        2. grundlegend zu BGE und Sanktionshungern vs Flüchtlinge: Der scheinbar krasse Gegensatz zwischen Ablehnung von Gutscheinen/Arbeitsmaßnahmen durch Deutsche und dem Hoffen von Migranten auf wenigstens diese Minimalversorgung oder eine Arbeitserlaubnis ist nur ein temporärer und kein Grundsätzlicher. Die Sachen sind also zumindest mittelfristig/langfristig kein Gegensatz.
        Ein Ansatz zur Begründung: Immer weniger Arbeitende „schaffen“ unter Lohndruck immer mehr Massenprodukte für Alle und damit investiven Reichtum/Besitz von Wenigen. Das erzeugt mangelnde Kaufkraft der Masse, Preisdruck für Massenwaren, Kämpfe der Konzerne um Marktmacht/Expansionsmöglichkeiten und damit noch mehr Massenwaren um nämlich die Profite zu steigern oder wenigstens aufrecht zu erhalten. Der Effizienz und dem Expansionsdrang der Monopol-Konzerne können Entwicklungsländer nichts entgegen setzen. Als billige Zulieferer und Abnehmer von Investitionsgütern/Industrielebensmitteln werden sie zu noch größerem Lohndruck, Abhängigkeiten und sozialen Zumutungen gepresst und systematisch ausgebeutet. Wollen diese Länder aus dem Zwangsverhältnis eigenmächtig ausscheren oder erzwingen bessere Konditionen, werden sie durch bunte Revolutionen, Erpressung und Krieg niedergerungen und „zwangssaniert“.

        3. perspektivisch: Wir brauchen mehr sichere Informationen/Entwicklungsoptionen zur gerechten Verteilung der Mittel
        Es hilft nichts, dass es Menschen gibt, die ohne Zweifel solange mit Bedürftigen teilen, bis nichts mehr da ist. Es gibt eben auch sehr viele Menschen, die sich deutlich vorher sorgen, sich vor allem stabile, sichere Verhältnisse wünschen und ihren Status Quo unbedingt halten wollen oder sogar müssen. Ganz abgesehen von den Wohlhabenden und Reichen, deren Nöte ich gar nicht alle fassen kann. Zumindest die Sorgen der Masse kann man nicht einfach übergehen oder durch einseitige Stimmungsmache diffamieren.
        Mir fallen dazu zwei Fragemuster ein, die bei modellhafter, leicht erfassbarer Beantwortung etwas Klarheit schaffen könnten. Trotz der Fiktion würden Sorgen entweder entkräftet oder eben konkretisiert und damit auch Interessenlagen und die Bereitschaft zu Veränderungen.
        a) Fragen mit nationalem Blick: Wieviel vom nationalen „Kuchen“ bekäme Jeder im Lande, würde dieser Kuchen gleichmäßig aufgeteilt? Und wie gleichmäßig dürfte dieser nationale „Kuchen“ aufgeteilt werden, ohne das die volkswirtschaftlichen Verhältnisse grundsätzlich ins Negative kippen? Welche weiteren Folgen hätte eine solche Umverteilung? (Was für die Schuldenlast berechenbar ist, sollte auch für die „Vermögenslast“ möglich sein).
        b) Fragen mit internationalem Blick: Wieviel vom weltweiten Kuchen bekäme jeder Mensch auf der Welt, würde dieser Kuchen gleichmäßig aufgeteilt? Welche Folgen hätte eine solche Umverteilung?
        Ich bin leider kein Volkswirtschaftler und mir fehlt auch der Überblick einer Kanzlerin oder eines Vizekanzlers/Wirtschaftsministers mit Gefolge, die das schon wissen (wollen) sollten.

  4. Timothyus Grassi schreibt:

    Der Vorwurf der Schikane ist stark untertrieben und klingt in meinen Ohren euphemistisch. Tatsächlich handelt es sich beim gezielten Aushungern um eine kriegsrechtswidrige Handlung im besonders schwerem Falle. Kriegerische Handlungen ohne Kriegserklärung vorzunehmen, bildet das Höchsmass menschlicher Kriminalität. Den „Verantwortlichen“ scheint aus nicht nachvollziehbaren Gründen noch nicht klar zu sein, dass sie jederzeit von einem ordentlichen Kriegsgericht abgeurteilt und -ich meine das sehr ernst- standrechtlich erschosssen werden können. Das nächste Kernproblem ist aber die Verhinderung jeglicher juristischen Interessensvertretung durch blanke Simulation eines Rechtsbeistandes. Bereits nur um einen Beratungsschein zu bekommen, wird den Betroffenen beim Amtsgericht eine Prüfung auf inhaltliche Substanz durch die Gegenpartei abverlangt und somit ein rechtskonformes Mandantenverhältnis von vorneherein ausgeschlossen. Ich bin in einer ähnlichen Situation wie Herr B. und habe in den vergangenen vier Monaten bereits zehn für Sozialrecht zugelassene „Rechtsanwälte“ aufgesucht und daraufhin angesprochen und durfte statt Antworten lediglich bösartigste Blicke von auf frischer Tat ertappten schwerstkriminellen Betrügern ernten. Einer war sogar noch so frech, sich ein Scheinmandat unterschreiben zu lassen und mit einem vollkommen wirkungslosen Widerspruch die Interessen des Mandanten untergraben. Ich kann derzeit als Strassenmusiker nur aufgrund der Unterstützung durch finanzschwache Eltern und alleinstehenden Müttern noch überleben, von all den „Gewinnern“ dieser bedauerlichen Gesellschaft, denen ein Euro-Stück nicht wehtun würde, gibt es lediglich infame Sprüche „Der bekommt doch sein Hartz4…“.

    • Andreas schreibt:

      Manche Historiker und Leute die sich da auskennen sagen ja sogar: „Wir befinden uns immer noch im Besatzungsstatus“ (den Alliierten gegenüber).
      Das bedeutet, dass unser Staat eigentlich keiner ist, oder zumindest nur einer unter Vorbehalt – gegenüber den Alliierten, ins besondere der USA gegenüber !

      • kranich05 schreibt:

        He,
        was soll hier das Thema „Besatzuntgsstatut“ (in dem sich „manche Leute auskennen“).
        In Fragen Hartz IV und Sanktionierung von Unbotmäßigen ist die BRD absolut souverän.

  5. Pingback: Warum ich mich für Ralph Boes einsetze – und zwar mit aller Entschiedenheit: | opablog

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