Dasein. Zwischen den Feiern.

Nun bin ich also 75 Jahre geworden; heutzutage und hierzulande nicht außergewöhnlich, zweifellos aber alt.

„Zwischen den Feiern“ ist wörtlich gemeint. Hinter mir liegt eine Feier am Geburtstag selbst mit lieben Verwandten (keineswegs mit allen lieben Verwandten). Vor mir liegt eine Feier mit alten und neuen Freunden und nahen Bekannten, also Wahlverwandten. Dazwischen, sozusagen zwischen zwei Wellenbergen von Leben, bin ich einfach da; etwas betäubt, ziemlich zufrieden, stille lächelnd.

Ich stelle mir die kommende Fröhlichkeit mit all den Wahlverwandten vor, und bemerke, dass „zwischen den Feiern“ auch im weit übertragenen Sinne verstanden werden kann: Da ist die kleine Feier vor 75 Jahren im kleinen Kreis aus Anlass dieses Ausbruchs von saftigem Leben, das „Geburt“ genannt wird. Und da ist in nicht fernen Jahren die ernste Feier, da dass Lebewesen aus Fleisch und Blut, meine Wenigkeit, in die Erde einzieht und ein merkwürdiges gesellschaftliches Wesen (mit dem Kürzel „kpk“) noch eine kleine Weile oberhalb des Horizontes tänzelt.

Das, was dazwischen lag, ist mit „Dasein“ nicht schlecht bezeichnet. Gewiss, es klingt wenig. Schwache Sinngebung, kein Ruhm, keine Berge versetzt. Versuche gemacht, ja. Aber Vieles abgebrochen, Vieles misslungen. Das immerhin: Abgebrochen, wo das manchmal Mut erforderte. Und treu geblieben, aus demselben Mut.

„Dagewesen“, wenn es ums Leben ging, würde ich gerne von mir sagen (und hören). Wohl wissend, dass darin schon Beschönigung liegt, vielleicht eine gerade noch zulässige.

„Dagewesen“, dem Leben zugetan. Eigentlich ohne Arglist. Unterwegs, auch auf Umwegen, doch gehört es vielleicht zu den Erfreulichkeiten des Alters, dass es besser gelingt, Umwege abzukürzen.

Nun denn vorwärts auf dem bewährten Drahtesel und mit den anderen mir verbundenen EselInnen.

Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, Gesundheit Alter Tod, Leben, Mensch, Realkapitalismus abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Dasein. Zwischen den Feiern.

  1. Lutz Lippke schreibt:

    Meinen Glückwunsch zum 75.! Was kann es mehr geben, als das Leben mit allen (verfügbaren) Sinnen zu erfahren und sich ohne Rücksicht auf Besitzstände oder Status daran zu erfreuen und eben auch zu reiben. Das hält wie der Drahtesel fit und macht noch viele sinnstiftende Eseleien möglich.
    Was bleibt einmal? Orden, Auszeichnungen, Anekdoten?
    Es ist über 30 Jahre her, da willigte ich einem gerade 75-Jährigen zuliebe in die Annahme einer Auszeichnung ein, deren Titel ich längst vergessen habe. Ich tat es wirklich ihm zuliebe. Er hatte Krieg und Vertreibung erlebt und kümmerte sich nun rege um die Eigeninitiative von Jugendlichen, die mit den offiziellen Vorgaben wenig am Hut hatten. Den staatlichen Orden gab es für hervorragende Jugendarbeit, die also gar nicht so offiziell, sondern in Eigeninitiative basisdemokratisch und im Team entstand und von dem 75-Jährigen viel Unterstützung und Toleranz erfuhr. Er war unser Mentor und damit auch Schutz vor Vereinnahmung und staatlicher Kontrolle. Mit der Würdigung sollte diese unkontrollierte Initiative wohl auch ein wenig offizieller werden. Da mischte sich beim Genossen Szafranek sicher auch Stolz auf seine Truppe mit Pragmatismus. Ich hätte mir eine offizielle Würdigung der offenen Teamarbeit aller Beteiligten gewünscht, die Auszeichnung ließ jedoch wohl nur Einzelpersonen als Empfänger zu. Der Akt der Auszeichnung war mir persönlich unangenehm, der Orden ging später in einer regen Umzugszeit verloren. Aber die Erinnerung an Szafranek und unsere damaligen Aktivitäten ist mir durch die Vorgänge sehr präsent und immer wieder einmal Thema. Daseins-Geschichten in friedlichen Zeiten, ohne Pathos und Belehrung erzählt, werden von Kindern und Enkeln zu allen Zeiten aufgesogen und weitergetragen. Sie gehen nicht verloren.

  2. Joachim Bode schreibt:

    Ich schließe mich dem Glückwunsch an (auch mit Unterstützung meiner Frau) und möchte mich hier bedanken für viele Gedanken und Anregungen aus dem Blog, für das Gefühl, nicht allein zu stehen und so weiter und so fort. Sowas ist nicht alles, aber alles ist ohne sowas nix….
    KPK, weiter so – und noch besser!

  3. fritzLetsch schreibt:

    Ich danke sehr für den Einblick und wünsche Dir alles Gute zu diesen feinen Tagen, und mir, noch viele weitere gute Anregungen zu bekommen!
    Hier im Netz waren nur wenige so klar und treu, als ich angegriffen wurde, auch dafür noch einmal herzlichsten Dank!

  4. jean-theo jost schreibt:

    lieber klaus-peter,
    danke für deine arbeit, den schönen text u. die einladung. ich komme gerne!
    und alles gute!
    jean-theo

  5. Frieder Kohler schreibt:

    Lieber Klaus-Peter, ein tagelanges „Herzflimmern“ verhinderte, mit dem Kranich zu ziehen und am Telefon einen Rückblick über die gemeinsamen Flugrouten auszutauschen! Durch den Mollathskandal stieß ich auf den opablog, auf Dich und die Mitstreiter. Viele Gedanken und Anregungen – auch hier darf ich J. Bode zitieren – habe ich aufgegriffen und weitergegeben. Für Dein Schaffen, in Umfang und Tiefe, danke ich und wünsche Dir für die kommende Zeit gute Gesundheit an Körper und Geist und den Erhalt der „Seelengemeinschaft“ mit einem Zitat von Franz Kafka:“Unser Leben ist sehr unruhig, jeder Tag bringt Überraschungen, Beängstigungen, Hoffnungen und Schrecken, dass der Einzelne unmöglich dies alles ertragen könnte, hätte er nicht jederzeit bei Tag und Nacht den Rückhalt der Genossen…“. Ich hoffe, daß die „Viertele“ gut ankommen und anschließend mit Deiner Frau eine weitere Übung in der Kunst des Genießens durchgeführt wird: auf opa, auf die Kraniche, auf eine streitbare Formation! Dein vom Lobgesang der Südwest-Medien auf Mayer-Vorfelder geplagter stoerenfrieder…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s