Babylon – und die Friedensbewegten

Gastbeitrag von Friedensstreiter

Aus dem „Alten Testament“:

Die Menschen waren hochmütig und wollten einen Turm bauen, der in den Himmel reicht, doch Gott bewirkte das Wunder, dass sie in den verschiedensten Sprachen redeten, die Verwirrung so groß wurde, dass dieses große Werk nicht zustandekommen konnte …

Der Weltfrieden dagegen ist ein großartiges (und gottgefälliges) Werk. Wir Menschen reden aber in den verschiedensten Sprachen so an einander vorbei; und wir blockieren uns derart, dass keine breite Bewegung zustande kommt, obwohl z.B. mehr als 60 % der deutschen Bevölkerung eindeutig gegen Kriege sind (trotz des Shitstorms aus den Medienrohren, der uns auf Krieg bürstet und auf Konfrontation und Aggression einstimmen soll).

 Wer hier für Frieden ist, kann für sich den Shitstorm abstellen (Nachrichtensendungen abschalten, Zeitungen/Magazine nicht lesen) und sich andere Info-Quellen suchen.

 Will er aber mehr; nämlich dass die Rohre des Shitstorms aufhören, mit dieser Kriegs-Rhetorik auf die ganze Gesellschaft einzuströmen, wird’s ganz schwierig:

Er will mit Friedensbewegten Flagge zeigen, Flagge für den Frieden. Jetzt geht’s aber los mit der Sprachverwirrung; angefangen bei den Friedensgrüppchen (mit ihren Abgrenzungen gegen einander). Überall wird demonstriert, aber unter je eigener Interpretation des Istzustandes bzw. der nahen u ferneren Geschichte!

So kommt niemals eine große, breite Friedensdemonstration zustande, zumindest nicht rechtzeitig, bevor es knallt!

 Hofft er auf ein Aufrütteln durch unsere elder statesmen, so geschehen im Frühjahr durch Horst Teltschick und Antje Vollmer und jetzt im Juli durch Egon Bahr und den Willy Brandt Kreis, muss er feststellen, dass ersteres zerredet wurde und dann irgendwie versickerte und letzteres sei an die SPD gerichtet.

 Ja verdammt, warum kann man diese Initiativen nicht unterstützen! Nur weil …, ja warum eigentlich?

 Was mich hoffen lässt ist, dass diese babylonische Verwirrung sich klärt, weil es dieselben Strömungen sind, die sich durch alle Parteien ziehen. Zumindest bei den LINKEN, den Grünen und der SPD und der CDU gibt es Leute, die für eine neue Ostpolitik im Geiste Willy Brandts sind, aber den „Maidan“ verschieden gewichten, oder für den Frieden sind, wenn die „richtigen“ Bedingungen (emanzipatorisch befreit z.B.) und die „westlichen Werte“ (was immer das sei) gerade stimmen (also kein Regime-Change nötig ist) weil der schon stattgefunden hat (allmählich oder abrupt), bis hin zu einem „Frieden“ im Einklang mit der NATO und ihren Durchsetzungsmechanismen.

 Ja mein Gott! Welch ein Jahrmarkt der Optionen! Dabei geht es um nichts weniger, als dass die Menschen mit einander oder auch nur neben einander leben, ohne sich kriegerisch anzufallen. Dagegen geht es in Sandkästen meist richtig friedfertig und kompromissbereit zu!

 Nun liest man, dass es erst eine Friedensforschung geben müsse und eine Diskussion um Begrifflichkeiten! Das sind doch alles nur Ausreden! Ausreden, um Versuchen zu entgehen, ernsthaft miteinander ins Gespräch zu kommen, um endlich durch das Wegräumen des Sprachengewirrs durchzudringen zu einem Miteinander und zu einer einzigen Botschaft:

Krieg ist kein Mittel der Politik!

 Darauf kann man sich doch, verdammt nochmal, einigen! 

Dasselbe gilt auch für die beiden Themen „Demokratie“ und eng damit verbunden: dem „Grundrecht auf freie Meinungsäußerung“!

 Einfache Frage:

Wo ist sie, die Demokratie, eigentlich angelegt in unserer EU. Die Gewählten haben nichts zu sagen, und die, die was zu sagen haben,  sind nicht gewählt.

 Und wie äußert sich das Abhandensein von Demokratie bei den TTIP, TISA, CETA & Co? – mit „unumkehrbaren“, heißt doch wohl endgültig alternativlos gemachten Freihandelsabkommen?

Hier sind wir Gott sei Dank weiter! Zumindest in der Interpretation (dem Sprachgewirr eben)! Vielleicht kapieren viele jetzt auch, dass politisches Handeln selbst für unsere Nachkommen festgeklopft werden soll! – eine irrsinnige Vorstellung eigentlich!

 Bei dem Recht auf freie Meinungsäußerung wird sich eine Klärung wahrscheinlich erst zeigen, wenn’s uns deutlich wehtut, wenn wir mit unserer „unerwünschten Meinung“ schon identifiziert sind, BEVOR wir sie äußern:

weil unsere PC-Software mitgelesen wird!

weil unsere Überwachung vervollkommnet ist!

 Wir werden hochgeschwindigkeitsregiert, hecheln atemlos von einer Demonstration oder nur Petition zur nächsten! Der Zweck ist klar: Es soll keine Gelegenheit zu gründlicher Prüfung und Entscheidung geben!

Frieden, Demokratie, Überwachung, Knebelungsverträge! Überall und gleichzeitig müssen wir auf der Hut sein! Schnell, schnell, bevor Geheimverhandeltes fristgerecht festgezurrt und durchgewunken ist im EU-Parlament, das den Inhalt nicht kennen soll!

Und möchten doch so gerne glauben, dass „Mutti“ uns vor allem Bösen schützt!

Tsipras und Varoufakis sollen das wohl auch bis fast zuletzt geglaubt haben!

 2. August 2015

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